Taupunktverschiebung bei Lehminnendämmung

01.07.2013


Hallo!

Wir wollen sämtliche Fenster in unserem Bauernhaus erneuern lassen (Holzfenster mit original Sprossenteilung). Das 1. OG soll außen Sichtfachwerk (Gefache teilweise mit Lehm, teilweise mit Ziegelsteinen) werden, sodass wir innen mit einer Stampflehmmischung dämmen wollen. Die konkrete Stärke der Innendämmung (wahrscheinlich ca. 15-20 cm) wollen wir noch berechnen lassen unter Berücksichtigung der Leistung der Heizung, Fläche Fußbodenheizung und Fläche Wandheizung. Unabhängig von der endgültigen Stärke der Innendämmung wird sich dadurch aber der Taupunkt in der Wand nach innen verschieben.

Der Fensterhersteller machte darauf aufmerksam, dass die Fenster dann ggf. nicht mehr außen bündig sitzen dürfen (was wir vorhaben), sondern – je nachdem, wie dick die Dämmung wird – weiter nach innen gesetzt werden müssen. Der Taupunkt sollte sich idealerweise an den Anschlussstellen Wand/Fenster nicht verschieben, sondern das Fenster möglichst genau in der Linie des Taupunktes der Wand verlaufen. Ansonsten könnte es zur Kondensation von Wasser an den Balken am Fenster kommen.

Nun meine Fragen:
Wie beurteilt ihr das?
Hat jemand Erfahrungen mit einer Innendämmung aus Stampflehm und dem entsprechenden Einbau von Fenstern?

Ich erwarte hier keine professionelle endgültige Beratung, sondern nur Hinweise und Anregungen. Ich werde dazu auch noch unseren Lehmbauer, der auch unser Zimmermann ist, und unsere Architektin befragen, wollte aber auch eure Hinweise hören.

Vielen Dank!!



Was



genau ist mit Stampflehm gemeint?

Grüße



Danke



für die Nachfrage.

Wir wollen innen ein Lehmgemisch mit Blähglas einbringen. Reiner Stampflehm (wie Sie schon richtig in dem anderen Eintrag bemerkt haben) bringt natürlich nichts, da Lehm an sich ja nicht dämmt.
Ich müsste noch einmal in meine Unterlagen schauen, wie sich das Material genau nennt. Aber es ist jedenfalls explizit für die Innendämmung vorgesehen.



Taupunktverschiebung



tja da dürfte ihr Fensterbauer wohl grundsätzlich Recht haben:

Verschiebung des Taupunkts in der Wand nach innen durch Innendämmung -> Verschiebung der Fensterebene nach innen

Besser wäre also Außendämmung, um das FEnster weiter nach außen platzieren zu können, aber das kommt wohl nicht in Betracht? Im Vogtland ist doch eine Brettschalung mit Deckleisten zum Schutz des Fachwerks seit langer Zeit üblich...da könnte man außen mit Lattung und Holzfaser dämmen.

Gruß
Markus





An meinem Backsteinhaus waren die ungedämmten Außenwände partiell durchfeuchtet -auch an den Fensterbereichen.
Falls ihre Fensterbereiche trocken sind, haben sie im Gegensatz zu meiner beschriebenen Situation einen Vorteil,-die trockene Wand.
Ich habe von Innen her, die Außenwände mit Leichtlehmsteinen gemauert und bin sehr zufrieden, mit dem Ergebnis, dass sich die Feuchte komplett verabschiedet hat.
Zu beachten: Der Sockel sollte nicht mit Lehm gemauert werden. Frage: Kann Stampflehm auf 20cm trocknen? Wie lange dauert das?





Zwei Gedanken:

1. wie soll die Fensterlaibung ausgeführt werden

2. 20 cm innendämmung: tut das Not?
(Das sagt man hier so, soll heißen: ist das echt notwendig?)

Gruß GE



Hallo Herr Fröhlich,



also wenn Sie Lust haben können Sie mich besuchen kommen, ich dämme gerade mein Fachwerkobergeschoß mit Blähglasleichtlehm von Firma Schneider /Kleinfahner.

15- 20 cm sind meiner Meinung nach viel zu dick, es wird "Monate" dauern bis die Lehmmischung komplett ausgetrocknet( selbst mit technischer Unterstützung) ist und sich gesetzt hat.
Meine Dämmschichtdicke beträgt max. 14 cm, rein rechnerisch hatte mein Lehmbauer auch größere Schichtdicken vor, aber es sind jetzt bereits schon Unmengen an Big Bag´s mit der Leichtlehmmischung im Haus verbaut worden und ich bin froh das ich nicht größere Schichtdicken habe.

Was die Fenster angeht, diese sind beim mir außen bündig eingebaut worden. Die Dämmschicht habe ich um die Fenster abgeschrägt, wegen dem Lichteinfall. An die Leibungsbalken /Fachwerkständer am Fenster habe ich eine 2 cm Pavatex/Holzwolleplatte mit Lehm vollflächig angeklebt und mech. befestigt, darauf dann Lehmunterputz mit Gewebe usw.

Auch, muß ich jetzt ehrlich zugeben, würde ich nach denn ganzen Erfahrungen die ich beim dämmen so gesammelt habe diese Art der Innendämmung nicht nochmal machen und dann doch ehr auf andere Innen/Dämmungsvarianten zurückgreifen.

Es verbleibt, mit freundlichen Grüßen
Danilo



Detail



Abgeschrägte Dämmschicht, auf Fachwerkbalken kam/kommt eine Laibungsdämmplatte 2 cm dick.

Mfg Danilo





Fenster im Fachwerkhaus sitzen doch üblicherweise rundum in einem Balkenrahmen. Da würde ich denken, dass sich im Holz die Taupunktproblematik nicht so ergibt.



Vielen Dank



für die Hinweise. Wahrscheinlich sind 20 cm wirklich etwas viel. Wie gesagt, wir müssen es noch berechnen lassen im Zusammenspiel mit Wandheizung und/oder Fußbodenheizung. Weniger wäre mir natürlich lieber...

Ich hatte auch vor, die Laibung an den Fenstern abzuschrägen und keine Holzlaibung vorzunehmen. Nur weiß ich noch nicht, wieviel Platz ich dafür habe, weil ja die Fenster direkt in dem "Balkenrahmen" liegen und damit die Holzbalken innen etwas "im Weg sind".

An Dachdenker: Danke für das Angebot. Ich wollte genau den Blahglasleichtlehm aus Kleinfahner nehmen. Ich würde mir Ihr Vorhaben wirklich auch sehr gern anschauen, sofern es einigermaßen in der Nähe ist. Ich würde mich freuen, wenn Sie mich dafür unter Ingmar.Froehlich@gmx.de kontaktieren könnten, um mal am Beispiel zu sehen, wie die Sache funktioniert. Dafür bereits jetzt vielen Dank!



Lehminnendämmung



@Danilo: danke für die Bilder

@Ingmar: wenn euer Heizer nach EnEv rechnet, dann kommen da ganz sicher 20cm raus, wenn man davon ausgeht, daß Deine Bundwand bisher vielleicht nur 14-18cm stark war.

Wichtig bei den FEnstern ist vor allem, daß der Rahmen so weit wie möglich mit "eingedämmt" wird, sowohl von innen als auch von außen. Der Rahmen ist die thermische Schwachstelle am FEnster, nicht die Scheibe. Je weniger vom Rahmen am Ende rauskuckt, desto besser. Wie sollen die Anschlußdetails später aussehen? Diese werden darüber entscheiden, ob Du Kondenswasser an den Rahmenkanten und Ecken bekommst und eventuell dein Fenstergewände geschädigt wird oder nicht.

Mach mal paar Skizzen und post das hier.

Gruß