Fenster im Fachwerkhaus:
Tipps für Eigentümer


In einem Fachwerkhaus neue Fenster einzubauen stellt für die meisten Eigentümer eine echte Herausforderung dar. Wenn es sich um eine denkmalgeschützte Immobilie handelt, sind die Vorgaben oft eng. Es ist nicht einfach, die passenden Fenster zu finden, die die Auflagen erfüllen.

Daraus ergibt sich mitunter die Situation, dass sich die Denkmalschutzvorgaben auf der einen und die Vorschriften der Energieeinsparverordnung auf der anderen Seite kaum vereinbaren lassen. Für Immobilienbesitzer, die sich um Denkmalschutzvorgaben nicht kümmern müssen, ist die Situation wesentlich einfacher. Dieser Ratgeber gibt Tipps für beide Varianten.


Fachwerkhäuser Monschau Ein Fachwerkhaus an einem Fluss Instand zu halten, stellt eine ganz besondere Herausforderung dar. Die Auswahl der Fenster ist ein zentrales Stilmittel, welches das Gebäudeensemble stimmig wirken lässt.

Neue Fenster ohne Denkmalschutzauflagen

Genauso wie bei denkmalgeschützten Häusern müssen die neuen Fenster im alten Gebäude die Auflagen der Energieeinsparverordnung erfüllen. Sie besagt unter anderem, dass die Fenster einen U-Wert von 1,3 W/(m2K) aufweisen müssen. Geht es um Dachfenster, dürfen 1,4 W/(m2K) nicht überschritten werden. Für nicht denkmalgeschützte Fachwerkhäuser bieten sich dabei neben den Werkstoffen Holz und Metall natürlich auch Kunststofffenster an, die sich in der benötigten Größe online konfigurieren und bestellen lassen. So gelingt es auch, Fenster mit unüblichen Maßen zu beziehen. Zudem lassen sich mehrflügelige Fenster konstruieren und Fenster mit Oberlichtern und andere Varianten, die sich optisch harmonisch ins Gesamtbild einfügen.

Sanierung oder Austausch?

Ein Fachwerkhaus Bedarf in Sachen Fenster besondere Aufmerksamkeit. Dichtigkeit, Dämmung und Schallschutz sind Aspekte, die neben dem Design ebenfalls zu berücksichtigen sind. Um die richtigen Fenster auszuwählen, sollten Eigentümer zuerst eine Bestandsaufnahme durchführen. Dabei können sie herausfinden, ob der Austausch aller Fenster tatsächlich nötig ist oder ob sie die Modernisierung in mehreren Schritten durchführen können. Das verteilt die Kosten auf einen längeren Zeitraum.

Fenster als Designelement

Die Materialwahl hat großen Einfluss auf die Optik des gesamten Hauses. Zwar sind Kunststofffenster heutzutage mit entsprechend aufwändigen Dekoren zu erhalten, die ihnen den Anschein von Holz verleiht. Doch wer echte Holzfenster einsetzt, erreicht damit zusätzlich ein ganz besonderes Wohngefühl. Es ist sicher auch eine Frage des Geldbeutels, welches Material das richtige ist. Einer der Vorteile bei einem Gebäude ohne Denkmalschutzauflagen ist der finanzielle Aspekt. Denn sind keine Denkmalschutzauflagen zu beachten, dann sind Hauseigentümer auch nicht dazu verpflichtet, die Fenster zu erhalten und nach historischen Vorgaben instand zu setzen. Damit sparen sie viel Geld, welches sie an anderer Stelle besser investieren können, zum Beispiel in ein neues Dach, eine energieeffiziente Heizung, in den Aufbau der Fußböden oder in Solarzellen. In Sachen Fenster können Sie sich für Alternativen aus Holz oder Kunststoff entscheiden, die optisch gut passen oder sogar als Designelement einem Fachwerkhaus einen ganz neuen Charakter verleihen. Es steht ihnen frei, einen farblichen Kontrapunkt zu setzen, um ihrem Fachwerkhaus das gewisse Extra zu verleihen.

Fenster sanieren in Fachwerkhäusern mit Denkmalschutz Auflagen

Denkmalgeschütztes Fachwerkhaus Hier übernimmt das Fachwerk selbst eine optisch starke Wirkung. Die Fenster treten dahinter bewusst zurück.

Bei historischen Fenstern in denkmalgeschützten Häusern geht es in erster Linie darum, bei der Instandsetzung der Fenster historische Vorgaben einzuhalten ohne Schäden an der Bausubstanz zu verursachen. In Wohngebäuden sind zudem die Anforderungen zum Wärmeschutz zu beachten. Einfachverglaste Fenster sind bei der Sanierung nicht mehr zulässig, aber zweifach und dreifach verglaste Fenster sind als Ersatz für auszutauschen historische Fenster nicht gestattet. Ein Kompromiss ist schwierig und echter Detailarbeit die Lösung liegt in der Kombination.

Wer mit geringen bautechnischen Eingriffen Fenster in denkmalgeschützten Gebäuden saniert, sollte zum Beispiel diese Optionen prüfen:

  • Es wird eine spezielle Wärmebeschichtung auf das Glas aufgebracht. So bleibt das ursprüngliche Fenster in seiner Funktion voll erhalten und erfüllt trotzdem die aktuellen gesetzlichen Vorgaben.
  • Es wird besonders schweres Glas eingebaut, welches schallschützend wirkt und Energie einspart.

Die Kompromisse sollten Hauseigentümer mit der jeweils zuständigen Denkmalschutzbehörde klären, weil die beiden Maßnahmen umstritten sind. Denkmalschutz ist Ländersache. Deshalb ist es prinzipiell nicht möglich, eine Aussage über zulässige Fenstersanierungsmaßnahmen in denkmalgeschützten Immobilien zu treffen, die für alle Fachwerkhäuser in ganz Deutschland gilt. Eigentümer müssen unbedingt die zuständige Denkmalschutzbehörde kontaktieren, um eine situationsgerechte Lösung zu finden, mit der die Behörde der Eigentümer leben können.

Tipp: Auf der Webseite der Deutschen Stiftung Denkmalschutz finden sich viele geförderte Projekte. Dort können sich Hauseigentümer und Interessierte umsehen und sich informieren. Einige Objekte lassen sich besichtigen und es ist möglich, sich vor Ort einen Eindruck von sanierten Fenstern zu verschaffen. Es empfiehlt sich zudem, Kontakt zu den Eigentümern der bereits geförderten Denkmalschutzgebäuden zu suche, wenn Detailfragen auftreten. Viele geben ihr Wissen gerne weiter und ersparen dadurch zeit- und kostenintensive Recherchen nach den bestmöglichen Lösungen.

Ausnahmeregelung: Paragraf 24 EnEV

Bei der Klärung des Einzelfalls sollten Eigentümer sich zuvor mit Paragraf 24 der EnEV beschäftigen. Dort drin steht, dass die zuständige Denkmalschutzbehörde Ausnahmen zulässt soweit…

„..bei Baudenkmälern oder sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz die Erfüllung der Anforderungen dieser Verordnung die Substanz oder das Erscheinungsbild beeinträchtigen oder andere Maßnahmen zu einem unverhältnismäßig hohen Aufwand führen.“

Das bedeutet konkret: Die Denkmalschutzbehörde hat einen gewissen Ermessensspielraum, wenn es um die Umsetzung der Energieeinsparverordnung in Hinblick auf die Fenster in denkmalgeschützten Gebäuden geht.

Fenster nachbilden lassen

Der Denkmalschutz hat als oberste Priorität, ein denkmalgeschütztes Gebäude möglichst im Original zu erhalten. Geht das nicht, müssen neue Lösungen her. Die High-End-Variante ist ein perfekt gestalteter Fenster-Nachbau. Schwierig und besonders kostenintensiv wird es, wenn der Nachbau filigrane Profilleisten und extra angefertigte Blendrahmen aufweist, die optisch einer Einfachverglasung sehr nahekommen. Die Wärmedämmung ist allerdings wie gefordert.

Fakt ist, dass es die teuerste Variante ist, ein historisches Einfachglasfenster ganz genau nachzubauen, aber die neueste Technik zu verwenden. Tatsächlich sind Varianten in Holz, Metall oder Kunststoff möglich, die mit originalgetreue Optik aufwarten. Sie sind optisch kaum von den Originalfenstern zu unterscheiden, denn sie haben schmale Profile und wirken selbst bei geöffneten Flügeln täuschend echt. Wer sich das leisten kann, wird mit Sicherheit über Jahrzehnte große Freude daran haben und in dem historischen Gebäude einen akzeptablen Energieverbrauch realisieren

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