Einseitige Betrachtungsweisen

08.09.2006



Mir scheint das Forum sehr einseitig zu sein. Alles was nicht nach alten Fachwerkregeln gebaut wird, wird hier erstmal zerrissen...

Mein Haus steht schon seit 330 Jahren, und es wurde ständig was daran gebaut.
Die schlimmsten Vergehen wurden vor 60er Jahren begangen. Also dürfte das Haus in euren Augen eigentlich nicht mehr
stehen. Komisch!!! Siehe unten:

In den 60er Jahren:
-Das Fachwerk wurde mit einer Brettverschalung und Eternit-Schiefer verdeckt.(wird wieder entfernt)
-Das Haus wurde nachträglich zu 60% unterkellert.
-Auf vorhandene Lehmwickel-Decken wurden Beton- und Estrichschichten aufgetragen.
-Durch Nutzungsänderungen wurden Decken durch Stahlträger und Beton erneuert oder neu eingezogen.
-Es sind Wände in den 60ern mit Bimssteinen ausgemauert worden.
-Die Decke zwischen OG und DG wurde mit neuen Balken, Stahlträgern und Bimsbeton etwa 20cm angehoben um eine ausreichende Deckenhöhe im OG zu erreichen, dafür wurden die Haushohen Stützen einfach durchgesägt. Und die Decke mit Ziegel oder Bims untermauert. (Dieses wird im Zuge der aktuellen Umbauten wieder behoben)
-Wände Tür und Fensteröffnungen wurden wie man sich denken kann einfach so rausgenommen. (Auch dieses wird wieder berichtigt)

Aktuelle Baumaßnahmen:
-Ich habe den Keller 40cm tiefer gegraben, war dabei etwa 20cm unter dem Fundament. Ich hatte Schwierigkeiten mit 3 Wasseradern in dem Bereich, diese Fliesen jetzt in einen Brunnen wobei der Wasserspiegel auf dem alten Niveau liegt, also 20cm über neuer Bodenplatte.
-Ich habe Decken rausgehauen um eine neues Treppenhaus aus Stahlbeton reinzugiessen(mit neuen Trag-Wänden).
-Der Dachstuhl wurde mit neuen Fetten verstärkt, dafür sind die alten Fetten rausgesägt worden.
-Die Außenwände wurden und werden, soweit es nötig ist, mit Ytong ausgemauert, und verputzt.
-Ich habe Wände rausgenommen oder versetzt(dann aber mit Eichenbalken neu ereichtet).
-Im Giebel wurde eine Wand kopiert(auch Eiche) und 2m nach Innen versetzt damit eine Loggia entstand.
-Ehemalige Treppenöffnungen wurden mit Balken und Balkenschuhen geschlossen.
-Rundum gibt es neue Kunststofffenster im alten Stil damit das auch zum Fachwerk passt.

etc.

Jetzt werde ich wahrscheinlich für verrückt erklärt und bin sicher auch kein vernünftiger Bauherr und das Haus hat nur noch Schrottwert, und ich werfe eine Menge Geld zum Fenster raus... Aber ist das wirklich so?
Vor 330 Jahren wurde auch schon improvisiert und die Materialien genommen die greifbar waren, warum darf man das heute nicht.
Also denkt mal drüber nach.



Kurzantwort



Jetzt werde ich wahrscheinlich für verrückt erklärt und bin sicher auch kein vernünftiger Bauherr und das Haus hat nur noch Schrottwert, und ich werfe eine Menge Geld zum Fenster raus... Aber ist das wirklich so?

Hm, wer weiß? Aber möglich wäre es.

Vor 330 Jahren wurde auch schon improvisiert und die Materialien genommen die greifbar waren, warum darf man das heute nicht.

Man darf schon.

Also denkt mal drüber nach.

Deshalb sind wir hier auf Fachwerk.de. Sie scheinen ja auch darüber nachzudenken, oder?

Aber, und das möchte ich ganz deutlich sagen, es ist Ihr Haus. Sie können in den rechtlich gesteckten Grenzen damit tun und lassen was Sie wollen.

Noch kurz zu den einseitigen Betrachtungsweisen:

Soweit ich das Beurteilen kann, wird hier zum Teil sehr heftig über den "richtigen" Weg gestritten. Einseitigkeit kann ich nicht erkennen. Das hier nicht mit Betondecken und Yton argumentiert wird, könnte jedoch mit dem, von Ihnen eingefordertem Nachdenken zu tun haben.

Nachdenkliche Grüße
Hartmut Stöpler



hihi



hihihi immer wieder lustig für was die leute sich zeit nehmen.

gruß peter



"des Menschen Wille ist sein Himmelreich" hat mein Opa



als Wahlspruch -er war Bürgermeister in meinem kleinen Heimatdorf- oftmals gesagt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Glück bei Ihrem Sanierungsprojekt.



Interessant !



Zitat Steffen: Vor 330 Jahren wurde auch schon improvisiert und die Materialien genommen die greifbar waren, warum darf man das heute nicht.

"Improvisation" vor 330 Jahren :
greifbare Materialien = Eichenholz, vereinzelt auch Nadelholz für das Grundgerüst.
Desweiteren Lehm, je nach örtlichen Gegebenheiten auch Ziegel und Naturstein.
Kalk zum Verputzen.
Je nach Geldbörse Glas für die Fenster oder auch nicht.
Stroh aufs Dach, mit Glück Ziegel oder Schiefer.
Eisennägel, Beschläge, hier und da vielleicht eine Klammer zur Verstärkung.

Fertig. Sonst gab es nix.

Heute : 5 Baumärkte im Umkreis - greifbar ist einfach alles, was man sich nur vorstellen kann. Bauschaum, Styropor, dicke Kunstharzlacke, "vergütete" Edelputze, Plastikfenster, Silikon.....die Liste könnte man unendlich erweitern.

Improvisation aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten oder Zeitdruck kennen wir alle. Zur Not muß man sich mit dem Begnügen, was man hat. Das ist schon richtig.
Auch größere Umbauten hat jede Generation je nach persönlichem Geschmack und Bedarf getätigt. Das Haus ist schließlich für den Menschen da, nicht umgekehrt.

Aber die ungeeigneten Baumaterialien müssen ja erst gekauft und besorgt werden, die liegen ja nicht einfach so in der Gegend rum. Dann kann man doch auch gleich geeignete nehmen!

Übrigens : Brettverschalung und Eternitverkleidung ist zwar häßlich und teuer in der Entsorgung, darunter findet man aber meist intaktes Fachwerk, wenn nicht zusätzlich von innen mit Styropor gedämmt wurde.
Und Ausmauerung mit Bimssteinen ist gerade bei uns in der Gegend (Raum Limburg-Weilburg) nach 1900 sehr verbreitet gewesen und führt längst nicht zu gravierenden Schäden wie z.B. Ytongsteine......

Die Bausünden der früheren Jahre haben nicht so viel Schaden angerichtet wie die seit den 70er/80er Jahren !



Jo, genau aber



wenn ich so dran denke, mann, tun mir die Augen weh, wenn ich sowas angucken muss... ;o)

man kann sein Fachwerkhaus nämlich auch fliesen und mit hübschem Schwarzwaldbalkon versehen...

Glasbausteine nicht vergessen...

Wem's gefällt... jeder darf hier tun und lassen, was er will.



Wo wir hier alle mal nachdenken



muss ich meinen Vorrednern in fast allen Punkten recht geben. Nur mit dem Gedanken, jeder kann mit seinem Haus machen was er will, tue ich mich ab einem bestimmten Punkt schwer.

- Eigentum bringt immer auch eine Verpflichtung mit sich - und ich denke, diese beginnt nicht erst da, wo der Denkmalschutz mitspricht.

Im Übrigen schaden viele der "modernen Baustoffe" ja nicht nur alten Häusern, sondern genauso Neuen und vor allem den Bewohnern und Verarbeitern.



@Fred Heim



Die einzige Freiheit, die diesen Namen verdient, ist das Recht, unser Wohlergehen auf unserem eigenen Wege zu verfolgen, solange wir nicht anderen das ihrige verkümmern oder ihre darauf gerichteten Bemühungen durchkreuzen. John Stuart Mill



Wenn...



@ Annette

Wenn ich mal fertig bin mit der Fassade, werde ich hier mal ein paar Bilder einstellen, ich glaube nicht, das du enttäuscht sein wirst. Das Haus eures Nachbarn tut mir nämlich ähnlich in den Augen weh wie euch.
Gruß Steffen



Gute Idee,



ich freu mich schon auf ein Bild von den guten neuen Plastefenstern im alten Stil.
Viele Grüße, Johannes Prickarz





Nur was wahr (echt) ist kann schön sein.

(ich glaube von Gaudi)



Die Rettung naht - von oben.



Zumindest, was die Gestaltung des äußeren Erscheinungsbildes angeht.

Den uneinsichtigen Bauherren, Architekten und Handwerkern stehen ja heute Gott sei Dank immer häufiger Gestaltungssatzungen hülfreich zur Seite. Diese sind auch oft mit wortreichen Begründungen versehen, für diejenigen, die meinen, dass es auch einfacher und billiger ginge. Und wer weiss schon auswendig, ab wieviel cm Fensterbreite ein Fenster zu unterteilen ist und wie breit Sprossen zu sein haben...

Zu befürchten ist allerdings, ob diese Satzungen nicht auch bald in den bundesdeutschen Neubaugebieten Einzug halten, den letzten Refugien des guten Geschmackes und moderner Stadtplanung.

- Eine Entmündigung des nicht mehr mündigen Bürgers, der scheinbar nicht mehr recht versteht, was wahr und schön ist?!





"... bundesdeutschen Neubaugebieten ..., den letzten Refugien des guten Geschmackes und moderner Stadtplanung."

Entschuldigung, aber das ist nun ein Satz, den kann ich überhaupt nicht unterschreiben. Die Neubaugebiete die ich kenne, sind ein wildes Durcheinander schlecht imitierter Baustile längst vergangener Zeiten, ohne Proportion auf viel zu kleinen Grundstücken. Und das ganze dann noch in Plastik, aus Beton imitiertes Kopfsteinpflaster, geflieste Fassaden, abwaschbare Dächer und 'Plastik'hecken im Garten, das Ganze eingezäunt mit Zäunen, dass es einen in den Fingern juckt Schilder mit der Aufschrift "Bitte nicht Füttern" anzuklemmen.

Natürlich alles zum Super- Sonder- Sparpreis, aber 180 m² Wohnfläche für eine ein-Kind-Familie muß es natürlich mindestens sein.

Aber vielleicht ist das ja nur in unsrer Region so :-((



super



Hallo Herr Heim..
ich schließe mich voll und ganz ihrer Meinung an .
Es müßten halt mal wieder vernünftige Architekten und Planer mit Weitsicht ans Werk gehen.

Gruß Peter



Moment...



... ein "guter Geschmack" hängt auch oft am Geldbeutel.

Wer heutzutage Kinder hat, der kann sich halt diese 1000-Euro pro Fenster Holzfenster nicht leisten, sogerne er sie vielleicht auch einbauen würde... (und bei 27 Fenster im Haus ist das schon ordentlich!)

Und ich wette, es würde gerne jeder (zumindest viele) ein großes Grundstück haben, die Kohle zwingt die Leute aber dazu, halt eben nur die Hälfte zu kaufen. Ein Haus dient ja auch der Alterssicherung. Und viele Neubauten haben Kinderzimmer, die sind so groß wie "Hasenkästen" ;o)...

Wie auch immer, jetzt macht mal halblang. Außerdem sind solche Sachen ja auch Geschmackssache - nicht jedem gefällt ein Fachwerkhaus, nicht jedem ein Schwarzwaldhaus und nicht jedem ein Fertighaus.

Kann doch jeder machen, wie er will. Der "nächste" reißt es wieder ab oder baut es um.

Jetzt urteilt mal nicht zu "schubladendenkig" ...

Meine Schwester greift sich an den Kopf, wenn sie mein Haus sieht (und viele andere auch) - mir geht es ebenso, wenn ich ihren sterilen Neubau (Metall und weißer Lack, bloß kein Holz, müsste man ja pflegen) sehe. Schön mal für ein Wochenende, weil dort alles soooooo sauber ist (im Gegensatz zu unserer Baustelle) - aber tauschen wollt ich nicht - sie auch nicht mit mir.

Jedem das seine!

Nicht jeder kann, wie er gerne würde. Alleine schon finanziell.

Grüße Annette



P.S.



Im Übrigen baue ich für MICH und nicht für die Nachbarn :o)

Grüße Annette



Hallo Annette,



nun ja. Das mit dem Geld und mit den Dingen, die man sich so leisten kann, das ist so eine Sache.
Man kauft nicht im Bioladen, weil die Sachen alle so teuer sind, aber wenn ich mir im Aldi die Einkaufswagen der anderen ansehe, kann ich nur sagen, dass ich auch nicht teurer lebe, bei all dem Zeug, das weder ich noch jemand anderes wirklich braucht. Wenn ich die Plastikfenster in den Häusern sehe, weil Holzfenster zu teuer sind, aber in der Doppelgarage steht das neueste BMW Model und das noch im Doppelpack und die Spritpreise spielen auch keine Rolle. Wenn ich sehe, dass der Lehmputz zu teuer ist, aber die Wohnung 180 m² hat und im Badezimmer eine Wanne von 1.500,00 € und ein Duschkopf von 700 € für das Wasserfallerlebnis eingebaut wird. Wenn ich die 8 lfdm. Einbauküche aus Plastik und Spanplatte sehe, wo 4 m Vollholz auch reichen würden. Wenn ich in den Kinderzimmern den 20 € Farbeimer aus dem Baustoffhandel sehe, mit all den Inhaltsstoffen die man sich besser nicht antut und im Wohnzimmer die Grastapete, für was weiß ich wieviel Geld. Wenn im Wohnzimmer der teure Hartholzboden liegt und als Ausgleich in den Kinderzimmern das billigste Laminat verlegt wird. .... Und so könnte ich fortfahren. Alles Dinge, die ich jeden Tag erlebe. Es ist in ganz vielen Fällen keine Frage des Geldes sondern der Prioritäten und die lassen sich diskutieren.

Natürlich kann ich deine Bemerkungen nicht ganz entkräften, aber ich bin doch immer wieder sehr erstaunt darüber was möglich ist, auch wenn Anfangs das Argument "das kann ich mir nicht leisten" im Raum steht.
Darüber hinaus kann ich die Ansicht, dass ein jeder ja nur für sich baut gar nicht teilen. Unsere gebaute Umwelt hat einen sehr großen Einfluß auf alle Menschen, die sich in diesem Umfeld bewegen, vor allem auf die Kinder. Dies ist allgemein bekannt und die schlechtesten Beispiele haben zu ganz gravierenden sozialen und gesundheitlichen Folgen geführt.

Aber ich will ja gar nicht predigen, ich denke nur, dass auf diese Dinge viel zu wenig hingewiesen wird und das sich viel zu wenig Bauleute und natürlich auch Kollegen von mir Gedanken über das machen, was sie für viel Geld in die Welt setzen.



Das hatte ich eigentlich nur ironisch gemeint...



das mit dem Geschmack, Herr Heim ;), das von Ihnen Geäußerte ist bundeseinheitlicher Standard.

Ich empfinde eine generelle "Armut", was das Empfinden für Formen und Proportionen oder Ästhetik im Allgemeinen angeht.

Dabei bin in überhaupt nicht der Meinung, dass hierbei der Geldbeutel die wesentliche Rolle spielt, das steckt im Kopf. Das äußert sich sowohl bei einem schmalem Buget, als auch beim Veranstalten von Oberammergauer Festspielen mit goldenen Wasserhähnen, deplazierten Erkerchen mit Wirlpool.

Früher schützte den unbedarften Bauherrn eventuell noch der Sachverstand und der Sinn fürs Bauen des Architekten und des Handwerkers - heute meist nicht mal diese teuer bezahlten Experten.

Die "Formen"sprache des Fotos von Annette könnte man endlos mit anderen Beispielen fortsetzen...



Vor allen Dingen



schützten unsere Vorfahren auch die damals vorhandenen technischen Möglichkeiten und die Auswahl an nutzbaren Baustoffen vor solchen Entgleisungen.



Warum?



Hat doch jeder seine Prioritäten:

Kunststoffenster sind ruckzuck geputzt und man muss sie nicht pflegen, sie sind immer tiptop - im Gegenteil zu den Holzfenstern mit ihren Sprossen und Rillen...

- die ja auch in den Neubauten nicht wirklich toll aussehen würden -

Ich finde, man sollte jedem seinen Geschmack lassen. Der eine findet halt nunmal Fliesen schick oder praktisch an seinem Haus, der andere halt nicht...

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten... :o)

Schlimm finde ich die braunen Betonklotz-Glas-Teile a la 70 er Stil *würg* und trotzdem sind sie da und wir müssen mit ihnen leben...

Mir gefallen manche Sachen auch nicht - na und, ich bin ja nicht der einzigste Mensch hier... anderen gefällts oder hat es mal gefallen.

Übrigens reichen 4 Meter Küche nie im Leben... ;o)

Jetzt seid halt net so engstirnig :o). Wär ja blöd, wenn wir alle den selben Geschmack hätten. Die einen leben gerne auf dem Land, die anderen können nur mit der Stadt leben.

Und vielleicht denken manche auch, wir hätten einen seltsamen Geschmack?

Grüße Annette



Aber es sollte wenigstes Geschmack erkennbar sein,



egal welcher.
Das fällt mir beispielsweise bei obigem Balkon schon schwer, selbst, wenn er mit althergebrachten Techniken und Materialien errichtet worden wäre.

Es ist kein Zufall, dass Gestaltungssatzungen (und ich bin da eigentlich gegen jede staatlich verordnete Gängelei!) hier Dinge zurechtrücken "müssen", die jedem "Normal"bürger eigentlich von alleine auffallen sollten.





@Markus

wieso, ist er doch. Vor 40 Jahren ;o)

Geschmack ist da schon erkennbar - ein seeehr schlechter! :o)

(Du solltest mal den Rest davon sehen! *höhö*)

Grüße Annette
die sich von DEM Typen immer Folgendes anhören muss:
Reißts ab, das alte Klumpp.
Hättst abreißen sollen und neu bauen. (Warum, meins ist doch garnet so verschandelt)
Mit was machst'n Deine Balken dicht? Die Risse müssen zugemacht werden, damit das glatt aussieht. (Tipp von meinem Mann: jou, Fliesen)
Wie, Du nimmst Kalk, was kommtn da noch rein, damit das richtig abbindet - Zement?
Haaach, Ihr mit Eurem Ökokram, warum Schilfrohrmatten, nehmt doch Styropor.
Das koscht doch soooo n Haufen Geld... (ok, damit hat er ausnahmsweise mal recht, aber was koscht nix...)
Streich Dein Holz, das geht sonst kaputt.



asso, hab noch "einen vergessen"



Warum Holzböden, ich hab überall Laminaaaad...

*naserümpf*



oooooder die anderen Nachbarn



die hatten ein wunderschönes Fachwerkhaus - das konnte man wirklich noch angucken.

Eines Tages fuhr eine Firma vor, die haben da so pipigelbe und kakabraune Plaste-Schindeln drauf gemacht. Pipigelb fürs Haus und kakabraun so um die Fenster rum.

Wir: das große Würgen: Voll entsetzt: "hey, warum habt Ihr das denn gemacht"...

Antwort: "ja, die Balken sind kaputt, alles morsch um die Fenster rum, und die hätten wir dann austauschen müssen und so sieht man die jetzt nimmer und es sieht wieder ordentlich aus"

!!!!!!!!

soviel dazu! (was übrigens auch net billiger war - da stimm ich zu - aber quick and dirty halt)



:-)))



wir haben eine Küchenzeile 2,60 m unten, einen Oberschrank 1,0 m einen separat stehenden Kühlschrank, einen Geschirrschrank 80 cm und ein paar Körbe unterm Küchentisch und sind (waren, sind schon ein paar ausgezogen, aber nicht wegen Platzmangel!) eine 5-köpfige Familie.
Jetzt hab ich nicht aufgeräumt, hoffentlich sieht's meine Frau nicht :-))
Gehört das eigendlich noch zum Thema?
Unsere Priorität war Vollholz und ich wette das die Spanplattenküchen der meisten Leute wesentlich teurer waren.



Jedem Tierchen sein Plaisierchen



Es ist ja nicht mein Haus und auch nicht mein Geld; meine Gesundheit betrifft's auch nicht.

Wobei:
Plastefenster sehen nicht nur im Fachwerkhaus scheußlich aus und 8m Spanplatten-Küche sind auch nicht billig. Alles will bezahlt sein und leben muss man auch noch drin.

Warum also nicht gleich darüber nachdenken? 's kostet nur mehr Zeit. Aber die hat man heute ja auch nicht mehr.

Werdet glücklich, werdet froh ...



Gesunder Menschenverstand hat noch keinem geschadet...



Bevor hier noch Gesellschaftsgrundlagen zerhackstückt werden, möchte ich einen Einwurf tätigen: früher, als die Mehrheit der Bevölkerung auf dem Land lebte, durfte nicht jeder bauen! Da gab es in ländlichen Gegenden Baumeister, ja genau, zuständig für ein bestimmtes Gebiet. Die haben dann Entwurf, Proportionierung, Planung, Zeichnung, Bauplanung, Bauleitung und Abnahme gemacht, die Zimmerleute und Maurer angeleitet. Nicht selten wurden sie in Naturalien bezahlt, denn Geld war selten. Alle Arbeiten wie Schachten, Sumpfen, Schleppen, Transportieren usw. wurden von den männlichen Familienmitgliedern gemacht. Und das waren alle möglichen Verwandten, jahrelang.
Daher findet man in ländlichen Gegenden alte Häuser, die sich seltsam ähneln und saubere Proportionen aufweisen, so lange niemand später dran rumgepfuscht hat und noch originale Fenster drin sind.
Der Zeitgeschmack kommt und geht, Proportionen, Materialien und Baustile sind keine Geschmacksfrage.
Dass heute sogenannter "Siedlungsbrei" planlos auf die Felder geklatscht wird, ist eine der Errungenschaften der masslos agierenden Baulobby, für die wir noch in 50 Jahren keine Ausrede finden werden.
Es darf eben jeder "Bauherr" sich von allen noch so hergelaufenen Betrügern jeden Mist aufschwatzen lassen, wenn er es nur finanziert.
Die Fähigkeit, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, Maß zu halten und unabdingbare Notwendigeiten anzuerkennen, geht immer mehr Zeitgenossen verloren und so werden wir noch lange Zeugen schlimmster Entgleisung und Selbstherrlichkeit in Hausform sein...
Abgesehen davon wünsche ich Euch weiterhin allen viel Erfolg und Kraft, Eure Projekte zu bewältigen.
Alles Gute



Mein Haus, mein Auto, mein Pferd ...



leider ist "gesunder Menschenverstand" kein Lehrfach; "Bescheidenheit" auch nicht.

Grüße



@Herrn Steffen eine Frage: was meinen Sie zu all diesen



Forums-Kommentaren?



oh Mann, man kann ja nur noch den Kopf schütteln...



Es gibt nunmal unterschiedliche Geschmäcker - unterschiedliche Wohnungseinrichtungen...

Macht es nicht das Leben auch etwas spannend und interessant, immer wieder alten und neues zu entdecken? Wollt Ihr wirklich diese Einheitspampe?

Jetzt lasst mal die Kirche im Dorf!

Dass man aber auch immer mit so manchen verbissenen Leuten hier zu kämpfen hat... glaubt Ihr wirklich, das tut unserem Forum gut? Seit manche hier aufgetaucht sind, gibts immer wieder die gleichen Diskussionen... (und Sprüche).

OPEN YOUR MIND würde ich mal sagen...


Annette



Ach weißt Du Annette



lies Dir doch bitte noch mal genau durch, wer hier wen angreift. Objektiv gesehen kann ich nur eine Person ausmachen.

Wenn guter Geschmack am Geldbeutel hängt, frage ich mich wie es Menschen geben kann, die mit wenig Geld sehr viel Stil zeigen. Geschmack ist keine Frage des Geldbeutels sondern eine subjektive Wahrnehmung.

Grüße





guter Geschmack ist eine reine objektive Betrachtungsweise...



Wer hätte das gedacht...



Nicht schlecht, was alles zu meinem Beitrag geschrieben wurde. Und ich hätte nicht damit gerechnet, das es doch noch einige Leute hier gibt, die auf den ersten Blick hartgesottene Fachwerker sind, aber dann doch den ein oder anderen Kompromiss eingestehen.

O-Ton dieser Diskusion scheint mir letztendich zu sein,
- daß das Finanzielle den Rahmen festlegt
- der persönliche Geschmack die Prioritäten setzt
- und die zu Verfügung stehende Zeit so zu nutzen ist um auch was von dem Entstandenen zu haben.

Ich persönlich baue das das Haus nicht nur um, weil es nötig war, sondern auch, weil ich damit eine nicht unerhebliche Einnahmequelle schaffe.
Durch die Verlegung des Treppenhauses entstehen 3 eigenständige Wohnungen, das Dachgeschoss für mich, die beiden anderen werden vermietet.
Die Wohnungsgrößen,: DG ca.93qm , OG ca.100qm und EG ca. 63qm.
Wie ihr seht, ein zukünftiges 3 Familienhaus. Jeder Architekt wird jetzt wissen, das Feuerschutzrichtlinien einzuhalten sind. Fürs Treppenhaus z.B. F90. Jetzt sage mir von euch mal einer, ob ich das mit Holz und Lehm erzielen könnte. Die Antwort vom Bauamt ist ein klares "Keine Chance"
Die Kunststofffenster waren bei 48 Fenster die einzigste Alternative. Und von der Optik wird man kaum einen Unterschied zu Holz erkennen (auf den erst Blick jedenfalls).
So, ansonsten wünsche ich eine schöne neue Woche.
Gruß Steffen



@Annette



Etwas Nachhilfe zur Definition von Objektivität und subjektiv:

Objektivität:
(lat.) Sachlichkeit, Neutralität, Unvoreingenommenheit, Orientierung an der Sache. Größtmögliches Ausschalten von Gefühlen, Vorurteilen und Wünschen.

subjektiv
(lat.) persönlich, aus eigener Sicht; oft auch abwertend im Sinne von einseitig oder unsachlich gebraucht.

--- Aus dem Lexikon sociologicus

Da Geschmäcker so verschieden wie die Menschen sind, kann s.g. guter Geschmack nicht objektiv bewertet werden.

Grüße



Danke der Nachhilfestunde





Gut & Schlecht



@Ulrike Nolte:
also beim guten Geschmack gilt oben Gesagtes, einverstanden.
Wie sieht's aber beim schlechten Geschmack aus ?
;)



Komplexes Thema



Da kann ich Ulrike nur beipflichten, die "Geschmackfrage" ist eine Phrasendrescherei erster Güte, womit oft versucht wird, Stilbruch zu kaschieren.
Die leider weit verbreitete Vorstellung der Hausbesitzer, Entscheidungsfreiheit ohne Grenzen zu besitzen, tut den Wohngegenden gar nicht gut. Denn was häufig vergessen wird ist, dass der schönste Palast wirkungslos bleibt, wenn er nur aus drei Meter Entfernung betrachtet werden kann, weil das Grundstück winzig ist. Andererseits wertet eine schöne Lage ein Häuschen durchaus auf.
Soll heissen, das Ganze muss zusammenpassen. Und das ist keine persönliche Geschmacksfrage, da gibt es seit Jahrhunderten Proportionen die beachtet werden, Sichtlinien, Symmetrien und Raumverhältnisse, die bestimmte Wirkungen erzielen. Gerade bei alten Häusern ist es nach meiner Meinung angebracht, darauf zu achten.
Natürlich gibt es Leute, denen es keine Gänsehaut bereitet, Stilblüten zu betrachten, aber: nobody 's perfect.
Leider kann man heute trotz diverser Genehmigungen (ausser in Altstadtzentren) kaum eine Prüfung auf harmonisches Zusammenspiel der Siedlung erkennen, so dass vielfach Neubauten reine Schlafstädte ohne Zentrum und Seele begründen, inklusive aller weltweit nur möglichen Häusertypen auf 600qm - Grundstücken.
So ist besonders Altbauten schnell anzusehen, ob jemand den Stil erkannt hat oder eben Accessoires wichtiger sind als Grundelemente. Das ist Regional verschieden und immer finanziell beeinflusst.
Die Kunst ist wohl, mit kleinem Beutel und eingeschränkten Möglichkeiten das Optimum zu erzielen, für mich und die anderen.





Na ja, so wie in manchen Altstädten die Fachwerkhäuser aufeinandergeklatscht sind, hoch hinaus für viel Raum, obwohl unten das Grundstück eher beengt...

Ich weiß nicht, ob ich das unbedingt schön finde...
;o)

auch wenn es alt ist...

Grüße Annette



Schön oder nicht schön...



Schön finden ist dasselbe Level wie guter Geschmack...
Abgesehen davon bauen die Stadtzentren heute weitaus enger und höher und Architekten kriegen Preise dafür wer am engsten und höchsten baut.
Den Stil der Fachwerkhäuser zu treffen, ist bedeutend schwieriger. In Rostock und Wismar ist mal Altstadtstil aus Betonfertigteilen probiert worden, war gar nicht schlecht, als Versuch gedacht.
Wegen der Einstellung "Find ich nicht schön - reiss ich ab" gibt es ja Denkmalschützer, auch wenn oft Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen.
Wer die engen Altstädte nicht mag, kann ja aufs Land gehen, da verfallen ganze Gutshäuser.



Trotzdem



stimmen die Proportionen und ein Miteinander der Stile ist auch vorhanden. Selbst wenn die Häuser aus verschiedenen Epochen stammen.

Es kommt ja nicht darauf an, wie groß/hoch die Häuser auf kleinen Grundstücken sind, sondern ob alle Elemente zusammen passen. Und dafür gibt es noch immer genügend gute Beispiele. Sogar im 2. Weltkrieg total zerbombte Städte haben noch solche Kleinode zu bieten.





mag ich ja, nur ob das immer so harmonisch aussieht, was die früher gebaut haben...
;o)

Übrigens reißt unser Nachbar grade seinen schönen Backsteinanbau ab - und ersetzt ihn durch ne Garage - denkmalgeschützte Zone... !!!
:o(((



@ Annette



"mag ich ja, nur ob das immer so harmonisch aussieht, was die früher gebaut haben..."

Harmonie (griech. harmonia = (Zusammen)fügung, Silbe ar oder har: indogerman. Herk. = Vereinigung von Entgegengesetztem zu einem Ganzen)
Der Begriff "Harmonie" wird in der Regel dort verwendet, wo man neben einer bestimmten Regelmäßigkeit in der Anordnung einzelner Objekte bzw. ihrer Teile noch einen Sinn, eine Wertbezogenheit anzumerken glaubt.

Ich glaube, das trifft Ulrikes Beitrag genau und entspricht meinem Gelaber weiter oben ebenfalls recht gut.

MEINST Du etwa, dass früher auch nicht alles perfekt war? Dann schreib das doch. Stimmt ja auch, nur dass quasi durch Neubau-Darwinismus die weniger guten Altbauten in den letzten paar hundert Jahren schneller ausgestorben sind...
Das ist so 'n bisschen wie Wikipedia, irgendwann sortiert sich alles aus, was keiner will.

In diesem Sinne - Alles Gute



ja, das kann ich auch - aber ich glaube nicht, dass wir damit das Forum zumüllen sollten



Unter Harmonie (lat.-gr. harmonia, Zusammenfügung, Einklang) versteht man die teilweise bis weitgehende Übereinstimmung und Beschränkung in den aufbauenden Grundelementen zweier oder mehrerer Systeme bzw. Systembereiche. Harmonie ist eine eher im Verborgenen bzw. in tiefer liegenden aufbauenden Strukturen feststellbare Übereinstimmung, die auf diesem Weg indirekt in weiten äußeren Bereichen erfahrbar wird. Die gemeinsame Verwendung und die Beschränkung ruft bezogen auf die gesamte Erscheinung ein Gefühl von entwickelter und ausgeglichener Einfachheit hervor. Daher ist Harmonie auch Abwesenheit (innerer) Konflikte. Dies wird von einer wahrnehmenden Instanz als angenehm bzw. ästhetisch schön empfunden. Denn die tiefere Übereinstimmung und Einfachheit lässt sich leicht abbilden, ohne dass das Maß des Wahrgenommenen gemindert wird.



Und?