Dämmung/Isolierung/Schutz von Gebälk: Kunststoffenster in Fachwerkgiebel??

29.09.2006



Guten Tag, EILT

ich weiß, wir begehen hier einen Frevel, dennoch meine Frage: Ist es sinnvoll, die ziemlich genau ins Gebälk passenden Kunststoff-Fenster zweimal 75x110 (in Dachgiebel, der u. U. noch ein bißchen bewohnbar gemacht werden soll)mit Hanf-Band zu "ummanteln"? Ohne allzuweit in die Feinheiten von Taupunkten etc. vorgedrungen zu sein ist mir klar, daß es nicht ganz ohne ist, diese Materialien so ohne weiteres zusammenzubringen. Es gibt -leider- kein zurück, deshalb meine Frage an den Fachmann: Wie kann man irgendwelche Schäden abwenden? Vielen Dank und viele Grüße Helga Dill



Abdichtung mit Hanf-Stopfwolle /-Band ist kein Problem,



das klappt auch bei Kunststoff-Fenstern.





Sehr geehrte Frau Dill,
grundsätzlich gilt bei Baumaßnahmen: Ein zurück gibt es immer!
Leider haben Sie sich für Kunststofffenster entschieden, die für einen Neubau konzipiert und aufgrund fehlender Merkmale in einem Fachwerkhaus völlig ungeeignet sind.
Diese Konstruktionsart lehne ich grundsätzlich ab (zu klobige Dimensionen, fehlende Profile, "totes Material", fehlende Wirtschaftlichkeit, thermisch schlechter als Holz etc.).
Sie schreiben, „u.U. (der Dachraum) noch ein bißchen bewohnbar gemacht werden soll“.
Beachten Sie dabei auch bitte den U-Wert Ihrer Verglasung.
Nun weiß ich nicht, welchen U-Wert diese aufweist, 0,9W/m²K ist mittlerweile Stand der Technik. Dann sollten Sie aber unbedingt beachten, daß die restlichen Bauteile und Dämmungen auf die Verglasung abgestimmt werden, ansonsten kann es zu Feuchtigkeitsproblemen kommen. In denkmalgeschützten Gebäuden wähle ich daher immer einen schlechteren U-Wert, auch eine Einfach-Verglasung kann wg. der oftmals geringen Fenstergröße gewählt werden.
Meine Empfehlung daher, versteigern Sie die Fenster in einem großen Auktionshaus, gehen Sie zu einem guten Tischler, der Ihnen auf das Gebäude abgestimmte Fenster baut und behalten Sie die Ausbaumaßnahmen im Blick.
Der vermeintlich wirtschaftliche Nutzen, den Sie jetzt vielleicht noch sehen, wird sich ansonsten langfristig nicht einstellen.
Grundsätzlich ist Ihre Entscheidung Hanf statt Bauschaum zu nehmen schon einmal zu begrüßen.
Mit freundlichen Grüßen



nobody is perfect, Herr Kibies, die paar Kunststoffenster



können in einer späteren Bauphase gegen schöne Holzfenster ausgetauscht werden. Das Haus wird deshalb nicht gleich kaputt saniert.





Sehr geehrter Herr Schillberg,
ich spreche hier keine "Kaputtsanierung" an, sondern ich meine möglich Schäden, Nachhaltigkeit, Wertigkeit und Gestaltung. Ich glaube auch nicht, daß ein Fenster in kurzer Abfolge nach dem Einbau ausgetauscht wird.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Kibies



Kompriband



Für Ihre nunmehr getätigte Kunststoffvariante ist eine sinnvolle Alternative zum Flachsband bzw. Stopfhanf, ein Kompriband aufzulegen, welches nachher aufgeht und sich homogen gegen die unebenen Bauteile anschmiegt.
Verschiedene Stärken sind erhältlich und richten sich nach Ihrem vorhandenen Spaltmaß.

Grüße





Hallo an alle,

erstmal vielen Dank für die schnelle Resonanz und die Tipps. Zu dem Vorschlag, die Fenster im Internet zu verhökern usw. : Nicht Ignoranz, nicht die Angst vor größerem Wartungsaufkommen bei Holzfenstern, sondern ganz schlichte Rechenexempel schrecken uns derzeit vom "guten Tischler" ab.... Und da nützt auch der Blick auf die Perspektive NIX! Vielen Dank nochmals und Grüße Helga Dill





Liebe Frau Dill,
kennen Sie bestimmt, aber gerne zitiere ich wieder einmal Jon Ruskin:
„Es gibt kaum etwas auf der Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen kann und ein wenig billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften. Es ist unklug, zuviel zu bezahlen, aber es ist auch unklug, zuwenig zu bezahlen. Wenn Sie zuviel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zuwenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Wenn Sie dies tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres mehr zu bezahlen.“ John Ruskin (englischer Sozialkritiker, 1819 - 1900)

Hätten Sie früher angefragt, hätte ich Ihnen gerne einen guten und preiswerten Tischler vermittelt.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Kibies





Lieber Herr Kibies,

Ihre gestrengen -ohne Zweifel wohlmeinenden- Worte nebst Zitat in allen Ehren: Dach ISSO.

ABER: Wir haben noch andere Fenster: HOLZFENSTER!!!

Und jetzt und hier diesbezüglich erbitte ich einen schlauen Vorschlag/Rat von Ihnen:
Es ist so, daß diese Fenster wohl knapp vor unserer Zeit in diesem Hause eingebaut worden sind (knapp vor 78), (Thermopen-)Kiefernfenster sind, Dank relativ guter Pflege soweit in Takt.

- Muß dazu sagen, daß mit Dachsanierung und in diesem Rahmen auch Streichen der Fassade (oben Schindeln und Wettbretter, unten -NICHT von uns Herr Kibies!- hohlblockgemauert und innen Rigips..)mit Consolan (hoffe, das war nicht auch schon wieder verkehrt(?) "Alles" angefangen hat.- Gerne hätten wir die Hölzer natur gelassen, ist aber dank alter Anstriche schlicht unmöglich gewesen..

So zu den Fenstern: Im Rahmen der Anstreicherei haben wir die Rähmchen entfernt. Zum Vorschein kam ein ehemals ziemlich "bewohntes" Futter, dieses großräumig ins Gebälk gekeilt (Abstand Futter/Gebälk 2-3 cm, notdürftig innen mit Glaswolle (max. 2 cm) gestopft...., das eine Fenster gar nchts...Zunächst habe ich mich der Meinung der "Mehrheit" (sogar eines Schreiners!) gebeugt, die da der Meinung war, daß eine Erneuerung dieses Futters eine Riesenbaustelle ergäbe.... So wollte ich nur alle Zwischenräume mit Stopfhanf/Kalfater füllen. Gerade habe ich mir die Sache nochmal genau angeguckt, und meine Vermutung hat sich bestätigt, daß das keineswegs so eine Großbaustelle gibt und daß das Lehmgefach im Prinzip gar nicht oder kaum versehrt wird (allerhöchstens innen ein bißchen). Somit soll nun doch das Futter (Lärche) erneuert werden. Was wäre jetzt IHRER MEINUNG NACH sinnvoller: Die Futter DICKER (z. B. 2,5 - 3 cm "Bretter" zu nehmen (eventuell zwischen Fenster und Futter und/oder Futter und Gebälk Kompri-Band??) oder "normale" Bretter und den Rest mit Stopfhanf/Kalfater?? Klar: Schöne passende Holzfenster vom Tischler wären das Optimum, aber: IS NICH.

Ich bitte Sie um schnelle Antwort, da die Bauherrschaft sozusagen "Gewehr bei Fuß" steht...

Dank und Grüße

P.S.: Andere Meinungen sind natürlich auch gefragt!!





Guten Tag Frau Dill,
finden Sie wirklich, daß ich streng bin? Höre ich wirklich zum ersten Mal.
Leider kann ich Ihre Frage nicht ganz verstehen bzw. ist mir die Konstruktion nicht ganz deutlich. Meinen Sie etwa mit „Rähmchen“ die Fensterfutter und Bekleidungen? Ich gehe nun mal davon aus.
Wird das ausgetauscht, sollten die Gefache eigentlich nicht beschädigt werden, denn Fachwerk ist ein tragendes Gerüst aus untereinander verbundenen, senkrechten, waagerechten und schrägen Hölzern. Fensteröffnungen werden durch das Holzgerüst vorgegeben, die Gefache werden nicht unmittelbar berührt.
In meiner Region werden die Fenster in der Regel mit Futter und Bekleidung ausgeführt, die Bekleidung ist das außen aufgesetzte Brett, damit werden konstruktionsbedingte Fugen überdeckt. Es ist dann auch ziemlich unerheblich, in welcher Materialstärke das Futter ausgeführt wird, da es ja zum großen Teil überdeckt wird.
Ist das bei Ihnen anders? Springt das Futter zurück und wird zugleich als Schlagladenfalz genutzt? Wird das Futter zu klein gebaut, muß natürlich die Anschlußfuge zum FW-Gefüge geschlossen werden.
Haben Sie mal die Materialdicke des vorhandenen Fensterfutters einmal nachgemessen?
Unter 19 mm wird es sicherlich nicht sein, 24 mm sind in der Regel ein normales Maß.
Vielleicht können Sie ja mal ein Foto einstellen, damit es deutlicher wird.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Kibies





Lieber Herr Kibies,

ich sprach von gestrengen W o r t e n...

Also gut: Futter und Bekleidung. Futter ist sichtbar, weil Bekleidung außen abgenommen. Problematik in letzter Mail dargestellt. Wie nun füllt man relativ große Lücke zwischen Gebälk und Futter?(Fenster bleiben): Gibt es Vor-/Nachteile bei "dickerem" Futter und/oder alleinigem Stopfhanf? Der Bauherr wirft gerade den Begriff Leimholz in den Raum. Gibt es irgendwas, was gegen Leimholz-Fensterfutter (so klötzchenartig verleimtes z. B.)spräche? (eigene lärchene Bretter sind zu frisch geschnitten)Dank für alle Tipps. H. Dill

Hätte gerne Bild eingestellt, weiß aber nicht, wie´s funktioniert. Denke/hoffe aber, ich hab mich verständlich ausgedrückt...



Bilder



Diese Möglichkeit funktioniert über die Integration als Mitglied in dieser Plattform.
Damit entstehen für Sie keine Zwänge, eher noch bessere kommunikative Vorteile.
Und dann einfach den Anweisungen unter: "Neues Bild laden" folgen.

Grüße Udo



Fachbegriffe ----



können regional unterschiedlich gedeutet werden.
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Ein Foto, welches eine bessere Diskussionsgrundlage
schaffen kann, möchte ich hiermit einstellen.
- A. Milling