Messingbeschläge entlacken

04.12.2010



Unsere Fenster haben an den Flügeln nicht demontierbare Messinggriffe (Vierkantdorn wurde durch den Flügel durchgesteckt und dann anscheinend "breitgeklopft", so daß die Griffe nie wieder entfernt werden können). Leider hat ein grenzgenialer Maler diese vor einigen Jahrzehnten weiß überstrichen und niemand hat das reklamiert. Jetzt werden die Fenster wieder lackiert und ich würde die Beschläge gerne vorher säubern, da ich doch mit Beschädigungen des Fensterlacks rundherum rechne.

Prinzipiell kann man zumindest bei manchen Flügeln den Lack weitgehend mit einem Plastikschaber entfernen, es gibt aber (vor allem bei den Oberlichten) hartnäckige Kandidaten bei denen das nicht reicht.

Beim Lack handelt es sich um Kunstharzlack von ca. 1990 und einige Spritzer wesentlich ältere Ölfarbe. SPontan fielen mir ein:
- Heißluft: aufgrund der Wärmekapazität des Metalls vielleicht nicht so einfach
- Lötlampe: habe ich Sorge, das Messing über die Anlaßtemperatur zu erhitzen und zu schädigen.
- lösungsmittelhaltiger Abbeizer: stinkt extrem, ich kann bei Minusgraden nicht während der ganzen Arbeit das Fenster offen halten.
- alkalischer Abbeizer: meint der Familienchemiker könnte dem Messing schaden
- alternative Abbeizer wie Osmo oder Förg Gel Extrem: an einem Samstag in Wien unmöglich aufzutreiben.

Was meint die Community dazu? Ist eine der genannten Methoden doch brauchbar? Oder gibt es Alternativen?



Die dicken Schichten...



...vorher abschaben, danach mit alkalischem Abbeizer (im freien auch mit Ammoniak) den Rest abnehmen. Allenfalls läuft das Messing zart an, was mit 0000 - Stahlwolle leicht wieder beseitigt werden kann, wenn's stört.

Grüße

Thomas





Naja, ehrlich gesagt ist das aber auch nicht die optimale Jahreszeit f?r solch ein Vorhaben...





Lösemittelhaltigen Abbeizer drauf,einwirken lassen, abbürsten, mit Universalverdünnung nachwischen, fertig!

Es sind Fenstergriffe und keine 100m²-Flächen,
deswegen stirbt man doch nicht gleich!



Es gibt keine Fenstergriffe (Oliven) ---



--- welche unlösbar mit dem Fensterflügel verbunden sind !
Die in der Frage beschriebenen Griffe ( Oliven ) sind
fest ( vernietet ) mit einem eingelassenen ( eingestemmten ) Fenstergetriebe verbunden, welches gleichfalls durch zig Farbschichten nicht mehr als ein Solches erkennbar sein kann ! - Irgendwo im Radius von 10 cm um die Olive herum MÜSSEN sich zugestrichene Holzschrauben verbergen, welche das Getriebe halten. --
suchen und finden --- das Fenstergetriebe mitsamt seiner Olive vorsichtig ausbauen - mittels Natronlauge entlacken -
gut abspülen und die Messingolive mittels einer Schwabbelpolierscheibe und einer sehr feinen Schwabbelpolierpaste wieder auf Hochglanz polieren. --
Die Getriebeteile neu einfetten und das Getriebe wieder neu einbauen --- geht auch bei Minusgraden, da der Fensterflügel nur kurzzeitig ausgehangen werden muss - und ohne Getriebe vorläufig festgekeilt werden kann.



Nenene



nix Getriebe. Viel einfacher (siehe angehängtes Bild). Die Olive hat einen Vierkant wie ein Türbeschlag, der sichtbare Riegel steckt auf dem Vierkant. Von der Außenseite ist der Vierkant schlicht breitgeklopft. Hatte mal das zweifelhafte Vergnügen ein solches Fenster zu sehen, das mit roher Gewalt in seine Einzelteile zerlegt wurde, da war das zweifelsfrei zu erkennen. Das ist hier DER Verschluß für einzelne Flügel.
Die Sache ist erledigt, abgekratzt und mit Stahlwolle nachgearbeitet. Morgen kommen die Lackierer (nicht meine Idee, das war die Hausverwaltung... Außenfenster sind Sache des Hauseigentümers).

Ein Fenster hat bei den Oberlichten anders geformte Oliven, und irgendein Genie hat versucht, sie mit der Feile(!) optisch anzugleichen... man sieht sehr deutlich die Feilstriche. So wie dieses Haus hier gebaut ist (Geldanlage von 1913/14, optisch luxuriös aber so schnell wie möglich hochgezogen) habe ich den originalen Tischler im Verdacht.



Diese Teile...



...haben mich vor Jahren auch schon verärgert, glücklicherweise keine Auftragsarbeit. War wohl nicht das Optimum, auch nicht zur Entstehungszeit.

Grüße

Thomas



Lingl fragen



Nie verzagen , Lingl Fragen !
Alles andere ist Nonsens .



Der hält und hält und hält...



Hallo Kellergassenkatze,

Im Prinzip sollte Herr Milling recht haben. Aber Du schreibst ja, dass der Vierkant durch den ganzen Rahmen geht und auf der anderen Seite breit geklopft ist. Welch rohe Kräfte müssen hier dem armen Fenster zu Leibe gerückt sein...
Ansonsten wäre eine alternative Idee gewesen, dass der Griff via Rosettenring fest mit dem Rahmen verbunden ist. (So ein Ring sieht von unten so aus wie im Bild anbei, mit 2 Dornen). Da ist die Demontage auch kein Spaß, aber es ist zumindest möglich.

Aber Du hast ja eine Lösung gefunden – wollen wir hoffen, dass die Lackierer nicht wieder kleckern ;-)

Frohes Schaffen,
mag



@ Margaretha



Ihre Antwort hat mich neugierig gemacht, und ich habe Ihre Homepage besucht. Was für formschöne Beschläge.

Hab' mir's abgespeichert, wenn 'mal etwas in dieser Richtung ansteht, melde ich mich. Gießt Ihr auch für Kunden nach Vorlage?

Grüße

Thomas



@ Thomas



Danke für die Blumen ;-)
Nachgiessen ist nach Absprache möglich. Bei Kleinmengen kommt es auf die Kapazitäten unserer Gießerei und Schlosserei an – ob und wann sich das sinnvoll „dazwischenschieben“ lässt.
Weiteres in Deinem Gästebuch, will hier ja nicht den Forenbeitrag zu Off Topic machen.



Ja,



die gehen komplett durch. Außen ist noch eine rautenförmige Blechplatte bündig ins Holz eingelassen, mit einem abgestuften Loch in das dann eben der Vierkant "genietet" wurde - würde mich interessieren wie die das hingekriegt haben ohne Beschädigungen zu hinterlasse... einen (geschätzt) 5mm Vierkantstahl mal so eben rund umzuformen wie einen Nietenkopf... sind natürlich ideale Wärmebrücken, im Winter eiskalt.

Im angehängten Foto erkennt man das runde äußere Ende und andeutungsweise die Konturen der Blechplatte. Wenn ich den rausgebrochenen Beschlag irgendwo finden sollte (da wurden in einer benachbarten Villa ale Fenster getauscht und einige der Originale sehr brutal zerstört und ich habe einen der Beschläge mitgenommen) mache ich natürlich auch ein Foto.

Weiterer Nachteil dieser Bauart: wenn sie nicht allzu stramm sitzen gibt die Olive der Schwerkraft nach und öffnet selbsttätig. Zum Glück haben diese Fenster normalerweise zwei Riegel von denen mindestens einer funktioniert... austauschen würde ich sie aber trotzdem nicht, sie gehören einfach zur Geschichte des Hauses.



Interessant



Wirklich eine eigenwillige Konstruktion. Ich hatte schon überlegt, ob die Olive nicht sogar ein Türgriff sein könnte. Kenne da zumindest ein sehr ähnlich aussehendes Modell.
Anscheinend war da jedenfalls seinerzeit jemand sehr improvisationsfreudig. Zeigt leider auch, dass früher nicht immer alles besser war.

Viele Grüße,
mag



Ja, --



-- Not macht erfinderisch !



Die Form



ist tatsächlich ident mit Türgriffen (hierzulande als Serie "Elegant" bekannt), die Größe aber nicht (die Fensteroliven sind nur 65mm lang).
Die prinzipielle Bauart war bis mindestens zum ersten Weltkrieg hier fast durchgehend zu finden, dann kam irgendwann die Variante mit größerer Rosette und zwei Schrauben auf - praktischer, aber optisch deutlich auffälliger. Häufig findet man sie beispielsweise bei dreiflügeligen Fenstern, ein Doppelflügel mit Treibriegelverschluß (Cremon wie das in meinem Heimwerkerbuch aus den 50ern heißt), dann ein Pfosten und ein einzelner Flügel mit solchen Riegeln. Oder (nicht so häufig) so wie hier bei den großen straßenseitigen Fenstern, drei Flügel mit zwei Pfosten, das gesamte Fenster ist eine Kleinigkeit von ca. 190/210cm. Hauptgrund für diese Wahl war vermutlich, daß diese Fenster von außen extrem symmetrisch wirken. Von innen weniger, da zwangsläufig zwei Flügel gleich und einer anders angeschlagen sind (oder alle drei gleich, auch unpraktisch).