Fensterfarbe

29.03.2006



Hallo liebe Freunde,

da ich hier schon viele schnelle und kompetente Antworten erhalten habe (Kompliment an das Forum), hier nun eine neue.
Ich möchte in meinem Fachwerkhaus Bj.1716 die vorhandenen Fenster wieder so gut als möglich restaurieren..
Sie haben größtenteils einen weißen Akryl, bzw. `DDRlike´ Alcydharz-Farben Anstrich. Der große Baukörper wechselt die Farben weiß und rotbraun (Fachwerk, Rochlitzer Porfyr).
Weiß jemand mit welchem Anstrich die Fenster im Jahr 1716 versehen wurden? Ich denke der Farbton war auch weiß, oder? Welche Farbe, bzw. welche Basis würdet ihr mir empfehlen?
liebe Grüße aus Sachsen



Alte Fensterfarben



Guten Morgen,

interessante Frage, die Sie da stellen. M.E. war Anfang des 17.Jhts. die Fensterfarbe kaum rein weiß. Man hätte dazu entsprechende Pigmente benötigt, Titandioxyd hatte man noch nicht. Aus alten Gemälden sieht man oft erdfarbene Töne, ich habe auch schon grün gesehen, also Mineralfarben.
Leinöl wird bei ihnen die Basis gewesen sein, Alkydharz halte ich aber für gar nicht so schlecht, weil es lange Moleküle hat, die sich gut im Untergrund "verkrallen", wenn man das mal so bildlich sagen darf.
Fragen Sie doch auch mal Ihren Kreisdenkmalpfleger !

Grüße vom Niederrhein



Alte Fensterfarben



Guten Morgen,

interessante Frage, die Sie da stellen. M.E. war Anfang des 18.Jhts. die Fensterfarbe kaum rein weiß. Man hätte dazu entsprechende Pigmente benötigt, Titandioxyd hatte man noch nicht. Aus alten Gemälden sieht man oft erdfarbene Töne, ich habe auch schon grün gesehen, also Mineralfarben.
Leinöl wird bei ihnen die Basis gewesen sein, Alkydharz halte ich aber für gar nicht so schlecht, weil es lange Moleküle hat, die sich gut im Untergrund "verkrallen", wenn man das mal so bildlich sagen darf.
Fragen Sie doch auch mal Ihren Kreisdenkmalpfleger !

Grüße vom Niederrhein



Holz oftmals nur geölt



Hallo, Tobias Zschocke,
um dies sachkundig zu beantworten, muß man viel regionale Fachliteratur lesen und im Landesamt hartnäckig nachfragen.
(Wenn Sie tatsächlich den Kreisdenkmalpfleger, Christian Meyer, mal konsultieren, dann einen Gruß von mir. Wir saßen zeitweilig zusammen auf der Schulbank beim Erweiterungsstudium.)

Aus der Barockzeit ist bekannt, daß man noch keine großen Farbunterschiede beim Fachwerk "gestaltete". Das Fachwerk hatte zunächst nur statische, keine ästhetische Funktion.
D.h. die Fassaden wurden früher oft einheitlich übergetüncht, egal ob Ausfachung oder Balken oder Fenster. Wird heute eine Fassade aus denkmalpflegerischem Grund genauso rekonstruiert, gibt es meistens Protest. (Mir sind mehrere Beispiele aus den Fachwerkstädten am Harz gut bekannt.)
In der Barockzeit (1716 gehört wohl dazu) wurde viel Grau gestrichen. Feine zerriebene Holzkohle in Kalk gebunden war solch ein Anstrich. Beide Bestandteile haben freilich nicht die hohe Deckkraft, die wir heute von Anstrichsystemen verlangen. Das Holz wurde auch immer wieder durch Leinölfirnis nachgeölt. So kann man schwierig von einer Fenster-"farbe" oder definiertem Farbton sprechen. Das ursprüngliche Grau wird durch Nachölen und Verwitterung auch Graugrünlich bis -bräunlich, was durchaus edel und würdevoll wirken kann).
Es muß dann einfach aus Erfahrungswerten eine glaubwürdige Festlegung getroffen werden, wenn man keinen historischen Befund mehr hat.
Eines ist gewiß: Wie mein Namensvetter Dietmar Beckmann schon schrieb: Reinweiß waren sie ganz sicher nicht.

Auch die ursprüngliche Fensterform damals würde mich interessieren. Gibt es noch alte Abbildungen? Oder sind sogar Originale erhalten.??
Wenn die vorhandenen Fenster noch gut und stabil und relativ dicht sind, würde ich sie auch aufarbeiten. Und auch nicht um jeden Preis diese früheren Anstriche entfernen, wenn sie fest sind.

Restauratorengrüße sendet
D.Fr.





Hallo! na das klingt ja mal wie die Nachricht eines Fachkollegen. Sehr interessant. Ich glaube auch beim genauen Abtragen der Farbschichten exakt den von Ihnen beschriebenen Farbton entdeckt zu haben.... dieses graugrün, gelbliche.... wirklich spannend.
Ich lege mir seit über 7 Monaten (noch vor dem Hauskauf) eine umfangreiche Bilddatenbank relevanter Abbildungen an. Dazu durchforste ich schon lange die Weiten unserer amtseigenen Bibliothek. Da gibt es einiges aus Hessen und aus NRW. Aber regionale Literatur ist eben dünn gesäht. (So auch die Meinung der Kollegen im Haus).
Der Gang zur UD Mittweida steht allerdings noch aus. Wenn Sie konkrete Literaturwünsche haben, schau ich gern mal im Haus nach.
Viele liebe Grüße aus dem LfA Dresden!
...und.... CHEMNITZ IST DA! ;-)



Farbuntersuchung



Hallo, Tobias Zschocke,
danke auch wieder für die schnelle Antwort.
Wenn Sie mir ein kleine Farbprobe - ein "Krümel" reicht - per Post schicken von einem Bereich der nicht direkt dem Wetter und der Sonneneinstrahlung ausgesetzt war, dann kann ich das mal unter dem Mikroskop anschauen.
Wichtig ist, daß es die Erstanstriche direkt auf dem Holz mit dabei sind. Dann kann ich mehr sagen.
Ich weiß, Eigenlob stinkt: In knapp 20 Jahren hab ich u.a. mehrere hundert denkmalgeschützte Häuser untersucht nach ihrer Originalfarbgebung. Die Befundung ist oft (nicht immer) Basis für die Rekonstruktion.

Man sollte auch nicht nur das Haus selbst allen betrachten, sondern immer auch die Nachbarhäuser.
(Ich kenne Burgstädt ein bischen. Mein Bruder wohnt "daneben" in Hartmannsdorf.)

Grüße wieder
D.Fr.



Fensterfarben



Hallo
lesen Sie sich mal bei einem Leinölfachmann ein:
www.leinoelpro.de
Ist sehr informativ udn interessant!
Altes Zeug - funktioniert wunderbar!
Seit Jahrhunderten!

FK



Fenster streichen



Hallo Herr. Zschocke mein Tip ruf einfach Peter an er kommt aus Mitweidea Tel.01723709410 schönen Gruß von Torsten Selle. Auf ihn ist immer verlass alles andere erklärt er vor Ort er. Bis dahin Mfg Torsten Selle



Kontaktfindung



Ein heißer Tipp ist das Fortbildungszentrum in Görlitz für Handwerk und Denkmalpflege e.V.
Herrn Heppert konsultieren, der hat da so einiges in der fachlichen Hinterhand, wie man so schön sagt.
Ich durfte für diese Institution das Scharfrichterhaus in Görlitz mit sanieren.
Davon ein Eindruck, was die Fenster betreffen könnte.
Die Farbigkeit ist dort in einem leichten Grauton gefaßt worden.

Grüße aus Oppach