Kastenfenster/Doppelfenster regionaltypisch Niederrhein/Selfkant/Limburg (NL)

21.11.2011 De Meinweg



Bei unserem Sanierungsprojekt (Bj. um 1900, Wanddicke, ca. 50cm, Ziegelbauweise) sollen die hässlichen Alu-Isolierglasfenster mit vorgesetzten Rollädenkästen aus den 70er-/80er-(?)Jahren wieder durch Fenster ersetzt werden, die dem Haus das historische Gesicht zurückgeben.

Die aktuellen Holz-Sprossenfenster mit Isolierverglasung, die ich bisher gesehen haben, finde ich fast durchweg zu plump und stilistisch bestenfalls historisierend. Das mag zwar manchen Denkmalbehörden genügen, mir sind aber die schlanken Profile klassischer einfachverglaster Fenster lieber. Somit kommen also eigentlich nur Kasten- oder Doppelfenster in Betracht, um im Winter eine gewisse Wärmedämmung zu haben. Als Künstler lege ich für meine Räume auch Wert auf natürliches Licht, um die Farben unverfälscht wirken zu lassen, da möchte ich kein eingeschränktes Farbspektrum durch aufgedampfte Schichten auf den Glasscheiben haben.

Leider gibt es als Muster keine der alten Fenster mehr und bei den meisten Häusern ähnlicher Bauart und Zeitphase in der Region findet sich fast durchgängig ein Mix irgendwo zwischen Baumarktfenster, Fake-Butzenscheibenkitsch und Isolierglas-Sprossenfenster im Playmobil-Style, vom "Fensterbauer", der letztendlich doch nur ein Industriekonfektionär ist. Jenseits der Grenze, in den Niederlanden, finden sich natürlich unzählige Beispiele wunderschöner Fenster, meist sehr kunstvoll und filigran gearbeitet, fast durchweg Ergebnis bewahrender Restaurierung oder einfach nur fachgerechter Pflege über Generationen, aber dort gilt wohl sowieso eine andere Philosophie, was Häuser angeht…

Da unser Ort damals als Grenzbahnhof ein Vorposten der preußischen Rheinprovinz war, dürfte bei der Bauweise dieser Gebäude grundsätzlich ein Schema nach dem "Berliner Fenster" zugrundegelegt worden sein, also in der Wand etwas zurückgesetzt und nach innen öffnend.

Ursprünglich hatte ich die Idee, über den Markt für historische Baustoffe passende alte Fenster zu besorgen und davon jeweils zwei Stück mit dem erforderlichen Abstand einzubauen, bei 50cm Wandbreite dürfte der Platz dafür ja reichen. Grundsätzlich sehe ich da keine bautechnischen Schwierigkeiten, die nicht zu lösen wären. Anderseits sind optisch und technisch passende historische Fenster in noch brauchbarem Zustand keine unbegrenzte Ressource; man hat beim Umfang der Gesamtrestaurierung am Haus nicht unbedingt die Zeit für Suche und Recherche und die "Kleinigkeiten" der Anpassung der alten Fenster sind wahrscheinlich auch nicht ohne Tücken.

Also kommt die Neuanfertigung ins Spiel. Die Suche, u.a. hier im Forum, hat ja erfreulicherweise einige Betriebe ergeben, die grundsätzlich noch Fenster nach traditioneller Technik bauen. Die Bildbeispiele dieser Fenster zeigen meist typische Bauformen, die für Fachwerkgebäude (oder für andere Regionen?) gelten, solche Fenster sah ich im Harz, im alpenländischen Raum oder an norddeutschen Fachwerkäusern. Somit wären nur überregionale Anbieter oder lokale in meiner Region interessant.

Meine Frage:
Hat sich hier jemand im Bereich Niederrhein (VIE/MG/HS/KLE + angrenzende Niederland) Kastenfenster bauen lassen und kann aus guter Erfahrung einen Anbieter empfehlen? Natürlich freue ich mich auch, wenn sich entsprechende Anbieter selber melden.

Danke



Schwarzwild?



Schwarzwild wird bei uns erschossen und zu lecker Essen verarbeitet...

Gibts auch einen richtigen Namen???



Also Wildsau:


Was hält Dich davon ab, den Holländern Deines Vertrauens auf die Bude zu rücken und zu fragen, wo sie die tollen Fenster anfertigen haben lassen?


Ich war mehrmals in Holland und mußte feststellen, daß die dort nicht sofort den Hund von der Leine lassen, wenn jemand klingelt.

Und die können fast alle sogar DEUTSCH!!!!


Die Holländer haben uns einiges voraus: die Liebe zum Detail, der Stolz auf Heimat, Haus und Hof und den Ehrgeiz, alles perfekt und schön zu machen. Eine Fahrt durch Hollands saubere Dörfer, den weiten Ebenen,gut ausgebaute Landstrassen, lecker Kibbeling mit Fritten...


Andreas





Aber Fußball-Weltmeister sind sie noch nie gewesen!

:-):-):-)



Fußball?



Ne, weil die von ihren eigenen Farben geblendet werden: wer zieht sich auch orange an....





Als Bewohner der Grenzregion, der auch beruflich mit Niederländern zu tun hat, kann ich nur meine obige Aussage bekräftigen: Dort hat man sein schönes altes Häuschen seit Generationen stets liebevoll gepflegt und die Bausubstanz inkl. der schönen alten Fenster bewahrt, da erübrigt sich spätere Neuanfertigung im alten Stil.

Nachdem die Grenzkontrollen längst gefallen sind, sieht man inzwischen üblicherweise am Fehlen der Keramikverklinerungen, Eternitfassaden, Thermopane-Rollofenster und Riffelglas-Aluprofilhaustüren, dass man Deutschland verlassen hat.

Aber es ging ja in meiner Frage ursprünglich um Kastenfenster im Berliner Stil, wie sie um die vorletzte Jahrhunderwende in der preußischen Rheinprovinz verbreitet waren. In der benachbarten niederländischen Provinz Limburg ist man aus historischen Gründen architektonisch, kulinarisch und irgendwie auch mental noch vom schwelgerischen Burgund beeinflusst. Das hat weder mit den sachlich-kargen Preußen, noch mit den protestantisch-pragmatischen Niederländern der nördlichen Provinzen viel zu tun. Traditionell wird hier beiderseits der Grenze Limburgisch gesprochen, in NL eine offiziell anerkannte Minderheitensprache mit eigenen Ortsschildern etc., bei uns leider nur unterrepräsentant.

Was die von mir gesuchten Fenster angeht, hier mal der Link zu einem alten Foto des Gebäudes:
http://gpu.beepworld.de/files/ansicht-dalheim_ii.jpg
Diese Fenster, damals als Einfachfenster verbaut, möchte ich jetzt als Kastenfenster-Version. Im rechten Gebäudeteil, zuvor versteckt durch nachträglich angebrachte Vorsatz-Rollädenkästen, befinden sich sogar noch einige der alten Originalfenster (Juchhu!). Somit gibt es Maß+Muster.

Fensterbauer, meldet Euch!
(sonst frage ich wirklich in Oranjeland nach) ;-)



Doppel-Kastenfenster



Guten Tag!!

Wir sind eine Tischlerei aus Oberösterreich und befassen und die letzten 2 Jahrzehnte ausschließlich mit den Bau von Kasten und Doppelfenster für den privaten sowie den Denkmalgeschützten Fensterbau,wir fertigen orginalgetreu
die Fenster nach.
Gerne unterbreiten ich ihnen ein unverbindliches Angebot,wenn Sie mir ihre Maße sowie ihre Vorstellungen bezüglich Sprossen,Beschläge zusenden.

Mfg Tischlerei
Manfred Gider



Doppelfenster



Hier noch ein Bild von Kastenfenstern in Wien 16.Bezirk
Das älteste Denkmalgschützte Haus im 16.Bezirk.ca. 400 Jahre
Fenster fachgetreu nachgebaut.

Mfg



Fenster



Herr Gider?

"Gerne unterbreiten ich ihnen ein unverbindliches Angebot,wenn Sie mir ihre Maße sowie ... "


Ich hab da noch einen Auftrag, mit Maßen, nach denen Sie bauen sollten...



MfG Andreas



Darf es auch ein Verbundfenster sein ? ---



Mut zur Farbe
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Kastenfenster, Verbundfenster und Isolierglasfenster ohne jegliche Metalloxydbedampfungen auf den Scheiben ( und ohne Gasfüllung im Scheibenzwischenraum - bei Isolierglas )
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haben alle einen fast identischen Dämmwert. Ca. K2.8
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Bei Kastenfenstern kann man einen etwas besseren Schallschutz u.a. durch den größeren Scheibenzwischenraum erreichen.
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Der Lichteinfall ist aber bei Verbundfenstern deutlich
besser als bei Kastenfenstern.
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Grüße aus Nordsachsen, A. Milling





Grundsätzlich bin ich auch Verbundfenstern aufgeschlossen, meinte ich in meinem Eröffnungsbeitrag auch mit "Doppelfenstern".

Wie ist denn der "Belüftungswert" bei Verbundfenstern?

Der große Vorteil von Kastenfenstern besteht ja m.E. auch darin, dass die beiden verbundenen Einzelfenster unterschiedlich dicht schließen, somit eine Art Klimapuffer entsteht und man während der Übergangszeit oder je nach gewünschtem Lüftungsgrad nur die inneren Fenster öffnet, damit durch die relative Luftundichtigkeit des äußeren Fensterrahmens Frischluft nachfließen kann.
Sorry, hört sich kompliziert an…
Ich meinte nur, wenn man bei alten Kastenfenstern lediglich die inneren Flügel offnet, zieht's bereits (im gewünschten Sinne) wie Hechtsuppe und man hat ausreichend Frischluft, ohne das Fenster als ganzes offnen zu müssen oder gar "auf Kipp" zu stellen.
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Ich muss mir einfach mal beim nächsten Besuch des Hauses die alten Originalfenster in der anderen Haushälfte genauer anschauen und ein paar Fotos machen. Dann können Fachleute vielleicht entscheiden, ob es optimaler ist, Kasten- oder Verbundfenster nach dieser Vorlage zu bauen.