Kann im Feldsteinfundament Wasser aufsteigen?

03.08.2010



Hallo!

Unser Haus (150 Jahre) steht auf einem Feldsteinfundamet, dass ich in den letzten Jahren Stück für Stück ausgebessert und bei Bedarf auf Frosttiefe unterfangen habe. Das Feldsteinfundamet überragt das Bodenniveau (Wiese) überall um 50 bis 100 cm. Darüber folgt dann Ziegelmauerwerk (weicher Backstein). Die OK der Innenböden entspricht der ersten gemauerten Lage, liegt also auch über dem Bodenniveau außen. Der Aufbau ist noch der alte: Lagerhölzer auf Sand, darüber Dielung, in einem Raum Betonestrich.

In letzter Zeit fällt uns immer wieder die hohe Luftfeuchtigkeit im Haus auf: nie unter 60%, gern bei 75 %. War sicher auch in den letzten Jahren schon so, jetzt haben wir aber ein Hygromenter ;-)

Wir sind nun auf der Suche nach der Ursache, um sie abzustellen. Man muss dazu sagen, dass wir das Haus nur am Wochenende und in den Ferien nutzen können, im Winter also nicht durchgängig heizen, aber natürlich viel lüften, wenn wir da sind.

Bei Feuchtigkeit denkt man natürlich zuerst an aufsteigende Nässe. Bevor ich mir nun aber weiter den Kopf zerbreche, ob und wie ich eine Horizontalsperre einbringe, frage ich mich - oder ja besser Euch -, ob in einem Feldsteinfundament, das so weit über den Boden hinausragt, überhaupt Wasser aufsteigen kann? Ich dachte, ich hätte mal gelesen, dass die Steine kapillarbrechend sind. Wer hat hier Ahnung und/oder Erfahrungen?

Mit bestem Dank und Gruß
Peter





Hallo,

Aufsteigende Feuchte dürfte hier eher unwahrscheinlich sein.
Die hohe Luftfeuchte liegt sicher daran, das es im inneren des Hauses weit kühler ist als außen.
Wenn warme Luft ins kalte Haus einströmt, steigt, da kalte Luft weniger Wasserdampf aufnehmen kann als warme, die rel. LF im Haus.

Grüße aus Schönebeck





Hallo,

möglich, allerdings kommt die "Kühle" vermutlich aus verdunstungskälte, und die gibt es nur bei feuchten Bauteilen.

Der Erdfeuchte Boden könnte solch eine Quelle sein.

Grüße





50 cm sind nicht viel - wenn die Steine mit Luftkalkmörtel vermauert wurden, kann Wasser durchaus 2-3 Mauerdicken aufsteigen.
Ob es aufsteigende Feuchte ist, liesse sich daran erkennen, dass der Mauerkern feuchter ist als der Verputz. Zudem kommt es meist zu einem flächigen Abplatzen oder abblättern des Verputzes oder der Farbe auf +- gleicher Höhe dort, wo das Kapillarwasser verdunstet.

Lassen Sie mal ein paar Tage einen Raumluftentfeuchter (bei geschlossenen Fenstern und ausreichender Innentemperatur!) laufen, bis die Lufteuchtigkeit deutlich abgesunken ist, und verfolgen Sie, ob diese wieder ansteigt, wenn die Räume nachher einige Tage unbewohnt und ungelüftet bleiben. Bei Kondensat dürfte dies nicht der Fall sein.

Wasser in erheblichen Mengen kann auch durch Schlagregen in die Mauer eingetragen werden; mindestens auf der Wetterseite sollte ein diffusionsoffener, aber wasserabweisender Verputz vorhanden sein.
Die Horizontalsperre wäre gleich bei der Ertüchtigung der Feldsteinmauer auf deren Oberkante anzubringen gewesen; innerhalb dieses Mauerwerks ist das mangels durchgehender waagrechter Fugen kaum möglich.
Es bringt schon viel, wenn man aussen an der Mauer hinuntergräbt und Schieferplatten oder extra dafür gemachte Formsteine an die Wand stellt, damit keine Feuchte vom Erdreich in die Mauer kommt.



Test im Urlaub



Vielen Dank erstmal für die Antworten. Bin jetzt im Urlaub zwei Wochen im Haus und werde den von Jens Paulsen beschriebenen Test machen.

Gibt es denn ein (erschwingliches) Gerät, mit dem man die Mauerfeuchtigkeit messen kann? Müsste bei aufsteigender Feuchte ja in unterschiedlicher Höhe unterschiedliche Ergebnisse bringen, oder?

Beste Grüße
PM





Am einfachsten, aber nicht zerstörungsfrei:
Hol einen Brocken aus der Mauer, wäge ihn genau ab, steck ihn in den Backofen bei ca. 100 Grad, bis er völlig durchgetrocknet ist, wäge nochmals, lass ihn mit Wasser sich vollsaugen, dann gut abtropfen lassen, wäge zum dritten Mal.
100*(Gewicht 1 - Gewicht 2)/(Gewicht 3 - Gewicht 2) = Feuchtigkeitsgehalt in % des maximal möglichen.
In der Praxis fühlt sich das aber in der Mauer deutlich feucht an, wenns denn feucht ist.
Von Interesse ist das Material, das Wasser speichern kann, also Mörtel oder poröser Ziegel, nicht aber Klinker oder massiver Feldstein, die kaum Wasseraufnahmevermögen haben.

Zur anderen Frage: Trockenmauerwerk ist kapillarbrechend, Mauerwerk mit Mörtel aber nicht.