Feinputz auftragen mit Unterbrechung - Ansätze vermeiden

06.09.2019 Daniellus



Hallo an alle Interessierten,

ich verputze derzeitig Innenwände mit einem Kalkfeinputz der Firma Otterbein.
ca. 2 mm aufgetragen und mit feinem Schwammgummibrett verrieben.
Da ich kein Profi bin, bin ich nicht so wahnsinnig schnell und komme demnächst an eine Wand, welche ich wohl eher nicht an einem Tag schaffe. Hat vielleicht jemand einen Trick, das ich am Ende keinen sichtbaren Ansatz an der unterbrochenen Stelle habe?

Grüße!





Wie groß ist den die Fläche?

Schweizer Traufel besorgen.

Mischroutine beim Calcea Feinputz 9 Teile Trockenzmörtel mit 4 Teilen Wasser anmischen. Bei den Sachen von Otterbein ist beim Mischen Geschwindigkeit (Drehzahl) Trumpf. Also nach den Anmischen und kurzer Rastzeit gerne nochmals hochtourig mit Rondenrührer o.ä. aufrühren.

2-lagig vorgehen. Zunächst die erste Lage aufziehen und verteilen. Kleine Grate oder Lunker sind ohne Bedeutung. Zum Egalisieren auch von Teilflächen könnte auch ein Kunststoffreibebrett verwendet werden. Der Zeitpunkt erfordert etwas Fingerspitzengefühl, da zu frischer Putz schnell schmiert. Kreisende Bewegungen schaffen Planebenheit.

Wichtig ist diese erste Lage in der Oberfläche nicht zu glatt zu erstellen, damit die zweite Lage genügend Haftung findet. Ansonsten weisst dann eine "Blasenbildung" beim Aufziehen auf Haftungsprobleme hin.

Diese Grundbeschichtung wird nach einer "Ablüftzeit" entweder nass in nass mit der zweiten Lage überzogen oder je nach Baustellenorganisation am nächsten Tag.

Für die zweite Lage kann der Mörtel auch in leicht (!) dünnerer Konsistenz angemacht werden. Und wird nunmehr mit etwas weniger Materialverbrauch aufgezogen. Die erste Lage wirkt hier als Aufbrennsperre und lässt genügend Zeit um die Oberfläche ansatzlos fertig zustellen.



Kalkfeinputz



Putz durch gutes Anfeuchten und dickere Abdeckfolie/ Feuchte Tücher vor dem Austrocknen bewahren. Kalkputz (ohne Zement oder hydraulische Bestandteile) kann dann auch am nächsten Tag noch verrieben werden, da er bei höherer Feuchtigkeit nicht abbindet. Vor dem Verreiben nochmals gut anfeuchten.
Am besten vorher eine kleine Probefläche anlegen.



Untergrundvorbereitung



Hallo Mario,

die größte Fläche ist 12 qm(4 m lang, 3 m hoch, und geht auch noch ca. 40 cm um die Ecke, welche rund ist). Schweizer Kelle habe ich.

Verarbeitest du Otterbein öfter?

Ich mische mir das immer so an, das auch größere Mengen auf der Kelle bleiben ohne runter zu laufen und es sich noch gut aufziehen lässt.

2-Lagig habe ich Nass in Nass probiert, jedoch verzögert sich das hell werden des Putzes nicht lange genug.
Am nächsten Tag die zweite Lage machen ergibt das gleiche Problem wie mit der ersten Lage.
Nach ca. 10 Minuten ist die zweite Lage bereit zum verreiben, da die erste Lage ebenfalls das Wasser raus saugt und an den Untergrund weitergibt. Ich habe auch bei kleineren Wänden das Problem des schnellen Anziehens des Putzes.
Zugegeben 25 °C begünstigen dann auch noch die Verdunstung.
Es wird ja jetzt zum Glück kälter.

Der Grundputz ist ca. 15 mm Nassmörtel(abgelöschter Kalk + Sand) vom Werk + ein paar Kellen Zement. Er ist 1x mit Kaseingrundierung versehen, welche die Saugfähigkeit gut eingeschränkt hat. Wenn ich die Wand mit Wasser besprühe läuft es erstmal runter, aber dann saugt es sich in den nächsten Minuten auch langsam rein. Vor der Grundierung war das Wasser in Sekunden in der Wand.

Das Problem liegt wohl definitiv am Saugverhalten, denn ich habe gestern eine bestehende Wand verputzt, welche alten Feinputz drauf hat, da dauert das Anziehen schon viel länger.
Habe hier das Gefühl, das aufgesprühtes Wasser gar nicht rein gesogen wird, was wohl auch nicht unbedingt gut ist, soweit ich mich erinnern kann. Ich weiß aber auch nicht was da auf der Wand am Ende drauf ist.

Vielleicht sollte ich die Wände mit neuem Grundputz nochmal grundieren!?

Grüße!



NHL



Hallo Andreas,

der Feinputz besteht aus hydraulischem Kalk.

Grüße!



Kalkfeinputz



Warum nicht einfach Weißkalkhydrat und feinen Sand verwenden oder eine Fertigmischung mit Kalkhydrat?
Untergrund vorher gut anfeuchten und hinterher feucht halten bis zur Fertigstellung und ggf hinterher mit Kalkfarbe den feuchten Pütz streichen.
Dann gibts keinen Stress mit Ansätzen, die ein unbefriedigendes Ergebnis verursachen.



Anderer Feinputz Dafür ist es zu spät.



Hallo Andreas,

meine Frau und ich haben den Otterbein, nach einer kleinen Testfläche in Farbe, Struktur, Härte, Abriebfestigkeit für gut befunden und die Säcke liegen bereits in den Räumen.

NHL im Otterbein ist glaube nicht das Problem. Ich lasse angerührte Reste über Nacht mit etwas mehr Wasser als nötig stehen und kann es am nächsten Tag noch verarbeiten. Das Abbinden unter Wasser passiert anscheinend nicht so schnell.

Grüße!





Die Materialauswahl ist gut und nicht das Problem. Wir reden hier von einem NHL 2. Einem gebrannten mergeligen Kalk, der gegenüber Weisskalken neben dem carbonatischen Anteilen noch einen Tonanteil (um 10 Prozent) enthält.

Dieser Anteil von gebrannten Tonminerale , gewährleistet eine hydraulische Grunderhärtung, indem dies zusammen mit Kalk und dem Anmachwasser zu Calcium- bzw. Aluminiumsilikaten verbinden. Der überwiegende Teil der Bindemittelmatrix erhärtet wie gehabt (langsam) carbonatisch, durch Aufnahme von Kohlendioxid aus der Umgebungsluft.

Wie auch die praktische Beobachtung zum Abbindeverhalten zeigen.

(Wobei ich glaube das die vorhydratisierte Mischung möglicherweise die Abbindung der neuerlich angerührten Putzmasse beschleunigt.)

Diese schwach hydraulischen Bindemittel sind eigentlich die optimale Ergänzung zu tradierten Kalktechniken.

Letztlich ist auch die Vergütung von Sumpfkalken mit natürlich oder künstlich gebrannten Silikaten (Tuff/Trass, Bims oder Ziegelmehl, Asche etc.) seit Jahrtausenden überlieferte Handwerkspraxis.

Vorliegend wird der neu erstellte und durchgetrocknete Kalkputz mit seiner hohen Kapillarität, durch feines und durchgängiges Porensystem für einen zu schnellen Wasserentzug verantwortlich sein. Auch Tempratur und Luftfeuchtigkeit, sowie Zugluft können ein Rolle spielen. Auf Winterbaustellen beispielsweise kann man einen halben Tag warten bis der Feinputz für die Endbehandlung hinreichend angestreift ist.

Jedenfalls sollte der Putz nicht schon innerhalb weniger Stunden "weiss" auftrocknen. Dann ist es einfach zu "trocken".

Hier ist ein gründliches und ggf. wiederholendes Annetzen vom Putzgrund unerlässlich. Zusätzlich kann auch eine Seifenlösung (2 Gramm Pflanzenseife auf 1 Liter, zunächst warmes Wasser lösen) gestrichen werden um die Saugfähigkeit temporär zu verzögern.

Das alte Feinputzuntergründe weniger Saugvermögen zeigen, liegt darin das der Kapillartransport effektiv nur von der Grob- zur Feinpore erfolgt.



Problem erkannt



Hallo Mario,

danke für die Aussage das es nicht sein kann, das der Feinputz innerhalb weniger Stunden weiß wird.
Mir kam das auch etwas seltsam vor, vor allem da ich grundiert habe.
Ich kann deine Aussagen nach voll ziehen und unterstreichen.

Ich habe gestern Abend einen Rest Putz auf eine alte, verputzte Wand aufgezogen.
Der alte Putz ist zementöser als mein neuer Putz und ist ebenfalls schwach saugend, sprich wie bei der neuen Wand dauert es ein paar Minuten bis das Wasser einzieht und die Oberfläche dunkler wird.

3 Stunden später war ich nochmal oben und der Putz war noch dunkel, nicht weiß, also feucht.
Er ließ 1A verreiben.

Dieser alte Putz muss ziemlich schnell aufgehört haben Wasser zu saugen. Sprich irgendwas sperrt in den Kapillaren (der Putz ist alt, weiß nicht was da alles drauf war, wir haben ihn bereinigt und auch grundiert).

Mein neuer Putz ist durstig, mit der Grundierung habe ich zwar bewirkt, das es Minuten dauert bis das Wasser in den Putz geht, weil ich die Poren nahe der Oberfläche eingeengt habe, dafür ist dahinter aber ein großer Puffer. Der neue Putz saugt und saugt minütlich und trocknet mir den Feinputz aus.

Ein Vornässen bewirkt nicht viel, außer das ich warten muss bis die Oberfläche nicht mehr trieft und dann ist der Puffer hinter der Grundierung nicht ansatzweise gefüllt und zieht mir wieder zu schnell den Saft aus dem Mörtel.

Durch die Grundierung müsste ich Stunden Vornässen, da das Wasser nur langsam durch die Oberfläche geht und dahinter aber viel Platz hat.
Da wäre es wahrscheinlich besser gewesen nicht zu Grundieren sondern die Wand ordentlich zu wässern, das wollte ich mir sparen, denn da geht echt viel Wasser rein.
Nachnässen funktioniert gut, muss aber Stellenweise auch oft geschehen. Ich möchte es auch gerne vermeiden um ohne Unterbrechungen aufziehen zu können.

Für mich klingt das alles recht plausibel.
Falls ich einen falschen Schluß gezogen habe, bitte melden.

Was tun? Poren verschließen!
Ich habe pflanzliche Kernseife im Keller, die könnte ich abschaben und wie vorgeschlagen mischen.
Allerdings bin ich nicht schlüssig ob die Lauge nicht auch einfach im Putz verschwindet. Und ich mehrfach sprühen müsste, was auch wiederum dauert.

Oder nochmal mit Kasein grundieren?
Da es auch manchmal Probleme mit Helligkeitsunterschiede im Grundputz und fleckiges Durchschimmern im Feinputz gibt, überlege ich alles noch einmal mit Kalk-Kaseinfarbe zu grundieren.

Wenn mir die "große" Wand 3-4h Zeit gibt und ich nicht unterbrechen muss um zu reiben oder ständig zu nässen, dann sollte ich das schaffen.

Grüße!