Fassenimprägnierung Feldbrandklinker 1926?

21.08.2018



Hallo zusammen,
wir sanieren eine DHH von 1926. Eine Aussendämmung kommt aus optischen Gründen nicht in Frage. Im Innenraum haben wir uns für das Rotkalk in-Board -System von Knauf sowie für die Decken für eine Holzfaserdämmung und Gipsfaser(!)platten entschieden. Natürlich kommen im Innenraum auch nur Kalkputz und -farben zum Einsatz :). Die maroden, einfach verglasten Holzfenster wurden gegen (nur) zweifach verglaste neue Kunststofffenster getauscht, Dreifachverglasung fanden wir übertrieben und natürlich haben wir viel Zeit mit den Themen "Taupunkt" und "Schimmelproblematik" verbracht.

Bzgl. der Aussenfassade haben uns bereits verschiedene Stellen (Energieberater, der als Architekt auch deutliche ältere Altbauten saniert, Dachdecker, verschiedene Handwerker, die selbst alte Häuser besitzen, natürlich auch Bauunternehmer, die direkt ein Angebot stellen wollten :)) zu einer diffusionsoffenen Fassadenimprägnierung (Emulsion zum Streichen oder Spritzen) geraten, um die Wasseraufnahmefähigkeit der Feldbrandklinker zu reduzieren, gleichzeitig aber den Feuchtigkeitsaustausch im Mauerwerk aufrecht zu erhalten.

Wir sind dem Vorschlag nicht abgeneigt, natürlich auch mit Blick auf den Energieverbrauch. Dieser steht bei uns aber nicht an erster Stelle. Einer der "Empfehler" vergleich es mit einem Mantel. Ein nasser Mantel ist kalt, bleibt der Mantel trocken (das Wasser zieht nicht tief in das Material ein) ist er warm.Wie viel Wasser diese Steine aufnehmen können, erleben wir aktuell beim Verputzen der Innenwände.

Wie üblich gibt es auch dem Markt unzählige Produkte, die den geneigten Altbaubesitzer verwirren. Hat jemand Erfahrungen mit einer solchen Fassadenimprägierung? Welches Produkt wurde verwendet? und: hat es wirklich etwas gebracht?

Wir müssen die Entscheidung bald fällen; in ca. 6 Wochen kommt der Dachdecker, der direkt ein Vollgerüst mitbringen kann :)

Viele Grüße aus Mönchengladbach
Sabine Hartmann





Da macht ihr ein nicht ganz so leichtes Thema auf.

Wenn ihr Innen dämmt müssen wir aussen wegen der Schlagregenbelastung an der Fassade gucken.

Das ist immer etwas von der lokalen Situation, Himmelsrichtung, Nachbarbebauung usw. abhängig. Oftmals sieht man es schon an der Abwitterung der Fassade selbst oder an Gebäuden in der Nachbarschaft wo die Exposition am größten ist.

Wie hoch ist die kapillare Saugwirkung der Klinker wirklich. Je nach Intensität des damaligen Brandes und der Erhaltung ist ja eine Wasserabweisende Sinterschicht (noch) vorhanden.

Wie sehen den die Fugen aus. Gibt es Flankenablösung (Ziegelkante) und Risse quer im Fugmörtel. Ist die Verfugung fest (Kratzprobe) und oberflächenbündig.

Gibt es ausreichend Dachüberstand.

Also außen ist wirklich Programm.

Ggf. mal mit Wasserspritze testen.

Eine "Hydrophobierung" darauf läuft es ja hinaus muss gut überlegt werden. Zum einen wirkt eine Abdichtung immer in beide Richtungen. Wir wollen ja schnelle Wasserleitung und Trocknung durch Kapillarität, diese ist durch Dichtstoffe hindurch unterbrochen. Zum anderen stellt das Fugensystem die meiste "Leitfähigkeit" für Feuchtigkeit im Mauerwerk zur Verfügung. Zum einem zum Trocknen aber auch bei Schäden kann hier bevorzugt Wasser eintreten. Und bei Rissen und Spalten im Verbund hilft eigentlich die "Imprägnierung" auch nichts.

Wenn ihr Pech habt sieht es dann auch noch scheckig aus. Zumeist ist eine "Hydrophobierung" Quatsch.

Jedenfalls sollten die Bedingungen sorgfältig erwogen werden.



weitere Infos und eine Nachfrage



Hallo Mario,
erst einmal Entschuldigung für den Schreibfehler in der Überschrift; es geht natürlich um die Fassade. Leider kann ich es nicht editieren :(

Unsere Fugen sind oberflächenbündig, gepaart mit (wie man uns überzeugend erklärt hat) s.g. "holländischen Fugen". Die vertikalen Fugen sind flächig, die horizontalen stehen ca 5mm vor.

Der Zustand der Fugen ist sehr unterschiedlich. Vor allem an den Mauerankern an Wetterseite sind tlw. Fugen ausgebrochen, die nun auch "repariert" (nachgebessert) werden sollen. Die Fugen sind entweder fest, da kratzt man nix raus, oder brechen auf wenigen cm raus (s.o., wird ausgebessert). Nicht falsch verstehen, im Großen und Ganzen sind die Fugen in Ordnung, die Schadstellen sind überschaubar. Die Klinker selbst scheinen in Ordnung.

Dachüberstand ist - auch nicht knapp - vorhanden, bei 2,5 Geschossen und einer Wetterseite an der Giebelseite grade an dieser Seite aber eher wenig hilfreich. Wir haben zumindest de Vorteil, dass unsere Seite der DHH die "Sonnenseite" (Süd-West-Seite) ist, sprich (Schlagregenseite) Fassade und auch Kamin trockenen bei Sonneneinstrahlung wieder richtig aus (anders beim Nachbarn, dessen Nord-Ost-Fassade übrigens deutlich mitgenommener aussieht als unsere)

Wie muss ich den Satz "Wenn ihr Innen dämmt müssen wir aussen wegen der Schlagregenbelastung an der Fassade gucken." verstehen?

Viele Grüße
Sabine





Außen gucken muss man deswegen, da wenn wir innen dämmen wir ja einen Umgang mit der zumindest temporär auftretenden Auffeuchtung durch Kondenswasser bei der Taupunktunterschreitung in Aufbau suchen müssen. Damit hattet ihr euch ja beschäftig.

Diese sperren wir entweder mit "Dampfbremsen" weitestgehend ab, oder führen ein kapillarwirksames System aus.

Wenn jetzt noch von außen Wasser durch Baumängel dazu kommt haben wir hier schnell Probleme, da die vorher mögliche Rücktrocknung in den Innenraum nicht (mehr) gegeben ist.

Auch fehlt der Wand Wärme. Die Ausgleichsfeuchte hat auch immer viel mit der Temperatur im Materialien zu tun.

So das hier der mögliche Eintrag von Schlagregen ein größeres Gewicht bekommt.

Ist den das Mauerwerk zweischalig aufgebaut, befindet sich also ein Luftraum im Mauerquerschnitt?

Ansonsten ist der Zweck der "Hydrophobierung" ja die kapillare Leitfähigkeit der Baustoffe oberflächlich zu begrenzen. Das wirkt aber immer in beide Richtungen. So das die Rücktrocknung eingeschränkt wird.

Wenn sich im Winter hier Feuchte staut, kann durch Frost- und Tauwechsel eine schnelle Verwitterung der Fassade bewirken. Da machen Kleinigkeiten den Unterschied.

Eine "Hydrophobierung" eignet sich somit nicht um Baumängel in der Verfugung zu kaschieren.

Diese sind an älterem Sichtmauerwerk eigentlich immer vorhanden. Es kommt hier insbesondere auf den rissfreien und ablösefreien, kraftschlüssigen Verbund von Fugenmörtel und Ziegelkante an. Diese ist meist dort nicht optimal wo Ausbesserungen mit zu starren Materialien vorgenommen wurden.

Des weiteren besteht auch immer ein gewisses Risiko bei der Applikation. Zu wenig eingeschränkte Wirkung, zu viel optische Beeinträchtigung, durch Glanz oder milchigen Belag.

So das ich überwiegend dazu tendiere wenn der Schlagregenschutz durch andere Maßnahmen in Kombination gewährleistet ist auf eine "Hydrophobierung" lieber zu verzichten.



winterlich



... auch ich würde auf eine Hydrophobierung verzichten, das Ganze ist nicht wieder Rückgängig zu machen. Es geht nicht nur um den Schlagregen alleine, sondern auch um ein winterliches Problem: Feuchtigkeit, die beispielsweise durch das Dampfdruckgefälle den kapillaren Weg von Innen nach Außen antritt.

Bei winterlichen Temperaturen kann Kondensat im Stein ausfallen. Ist nun in den letzten äußeren Millimetern das kapillare System unterbrochen und die Außentemperatur gering, kann die Feuchtigkeit den Stein nicht mehr verlassen und staut sich allmählich auf. Das Wasser kann nur noch in der Dampfphase abgeführt werden. Je nach Zustand des Steines und der Menge des Wassers können Frostschäden entstehen und die hydrophobierte Schicht kann abschalen.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Danke!



Hallo zusammen und vielen Dank für die Informationen!
Unser Mauerwerk ist massiv, ohne Luftschicht und auch nicht durch irgendwelche neumodischen äußeren Dämmplatten verklebt.
Der Tipp mit der Gartenspritze war gold wert. Das Wasser läuft an den Steinen herunter und zieht nur minimal ein. Nach kurzer Sonneneinstrahlung ist der Stein (gefühlt) wieder trocken. Anders als bei den gleich aussehenden Steinen, die wir in den Innenwänden gefunden haben, dort zieht das Wasser schneller weg, als mal sprühen kann. Davon haben wir uns auch wohl ablenken lassen.
Leider mussten wir feststellen, dass dies auch an einer Wand am Geräteschuppen (Gleiches Bj., gleiche Steine) der Fall ist. Da hat wohl beim Bau einer die Paletten vertauscht??? An dieser Wand sind die Schäden auch deutlich (Fugen herausgeplatzt, hinterspült bzw, von Insekten hintergraben); dort werden wir uns "was einfallen lassen müssen". Zum Glück betrifft das nur eine Wand am Schuppen und ein Mäuerchen im Garten, ohne tragenden Charakter.
Der Dachüberstand hat auch mehr Wirkung als erwartet. Nachdem es nun nach Wochen auch bei uns wieder etwas geregnet hat, war deutlich sichtbar, dass nur sehr wenig Wasser wirklich am Stein ankommt.
Es läuft darauf hinaus, dass wir auf die Hydrophopisierung verzichten! Wir werden uns unsere Fugen genau anschauen und - soweit nötig - ausbessern, mehr aber wohl nicht. Aktuell experimentieren wir (am Schuppen :D) mit "TUBAG, historischer Fugenmörtel"...

Viele Grüße
Sabine Hartmann





Es kann gut sein das an besagte Wand am Geräteschuppen auch einfach verputzt war. Da könnte man dann passenden Verputz wieder anlegen. Ein Verputz bietet natürlich besseren Schutz vor Feuchtigkeit, da die Kapillarität nur von der Grobpore zur Feinpore erfolgt.




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