Fassadengestaltung

04.03.2009



Hallo die Damen und Herren,

wir sind Besitzer eines Umgebindehauses ( Baujahr 1850 )was
zu die DDR Zeiten umgebaut wurde, 2/3 des Erdgeschosses sind
vorhanden darauf wurde neu aufgebaut.
Wir wollen ein farbliche Fassadengestaltung durch die Firma FIRA durchführen lassen. Im Erdgeschossbereich war bis in die 60 Jahre Stallbereich, keine Unterkellerung, die 70 cm dicken Grundmauern wurden ohne Fundament ins Erdreich gebaut. Diesen Winter treten wieder verstärkt Ausblühungen und aufsteigende Feuchtigkeitsflecke auf. Der ganze Erdgeschossbereich wurd die 90 Jahre neu verputzt.
Die Firma FIRA kann die Garntie nicht geben das dies Flecke wieder durchdringen !
Meine Frage hilft eine Trockenlegung des Mauerwerkes und was für einen anderen Farbanstrich kann man auftragen ?

Gruß
Bernd Steuer



Fassadengestaltung



Hallo Herr Steuer,

ohne bildhafte Eindrücke ich so eine Analyse via Internet immer etwas unsicher.
Ich vermute mal, dass die Wasserränder und Ausblühungen eher im unteren Bereich des Hauses/der Fassade auftreten.
Wenn dem so ist, dann gibt es nur eins:
Hier MUSS eine Sperrschicht rein!
Diese sollte mindestens(!) 25cm über dem Bodenniveau liegen wegen des Spritzwassers!
Wichtig bei der ganzen Maßnahme und zur Erklärung des Sachverhalts:

1.) Die Wasserränder und Ausblühungen entstehen durch Salze.
2.) Diese Salzkristalle wachsen sofort und richten Anstrichschäden an, auch wenn sie nur minimal mit Wasser in Berührung kommen.
3.) Mauerwerkstrockenlegungen machen spezielle Fachbetriebe!

Um es klar zu sagen: Damit Ihre Schäden nicht ständig wieder auftreten, muss das Mauerwerk furztrocken sein und langfristig bleiben, denn sonst funktioniert das nicht!
Sinnvoll ist dabei auch eine Drainage um das Haus zu legen.

Erst dann kann man seriös über einen Fassadenanstrich und dessen Gestaltung nachdenken.
Sie sagen nun dass Sie ein Haus von 1850 haben. Gleichzeitig sagen Sie dass Sie sich von einem Generalunternehmer beraten lassen, der üblicherweise Großprojekte projektiert.
Weshalb zum Teufel sprechen Sie denn nicht mit Ihrem Maler am Ort?!

Mein Rat zum Vorgehen:
Mauern durch Sperrschichten trockenlegen.
Drainage legen.
2-3 Maler anrufen. Von denen Vorschläge zur Lösung anbieten lassen. Den mit dem besten Eindruck nehmen Sie.
Putze mit Salzausblühungen großräumig entfernen und wieder aufputzen.
Fassade Streichen lassen.



Na ja, manchmal reicht



eine Entsalzung. Wenn der Mauersalpeter raus ist, hält auch Putz und Farbe. Und nur so nebenbei: Mauern kann man nicht durch Sperrschichten trockenlegen. Diese Utopie geht von kapillar aufsteigender Feuchte aus, die es zwischen Stein und Mörtel ja gar nicht gibt. Und Malern würde ich bei der Bausanierung bestimmt nicht immer über den Weg trauen, denn das haben sie eher nicht gelernt. Nur vom Verschmieren von Plastikfarben und WDVS-Beplanken wird man kein Sanierexperte, auch wenn der "Eindruck" gut ist. Und eine Drainage kann sehr schnell zur Wasserfalle entarten.

Man kann also allerlei rumtun an feuchten Wänden. Doch ob's guttut ist die Frage.

Viel Glück beim Basteln auf Zuruf!

Konrad Fischer



Fassadengestaltung



Warum eine waagerechte Sperre und eine Dränung?
Doppelt hält besser?
(Eine Drainage hatte ich übrigens mal im Kiefer, das war schmerzhaft und echt eklig.)

Man kann es immer wieder nur vorbeten:
Eine Dränung hilft bei feuchten Mauern nur in einem einzigen speziellen Fall:
Um den Fußpunkt eines Kellers außen vor kurzeitig aufstauendem bzw. drückendem Wasser zu schützen und so eine senkrechte Abdichtung im Lastfall Bodenfeuchte zu halten.

Viele Grüße



Fassadengestaltung



Mein lieber Konrad Fischer,

der aufmerksame Leser stellt in meinem Beitrag fest, dass ich zur Trockenlegung einen entsprechenden Fachbetrieb empfehle. Und zwar bevor der Maler kommt.
Das hat schon seinen Grund.
So mancher Architekt denkt aber er könne über Wasser gehen und könne sich die Mühe des Lesens sparen. ;)

So ist es eben schon ein ganz großer Lacher der beginnenden Saison, wenn von einem Architekten hier Malern prinzipiell "Verschmieren von Plastikfarben und WDVS-Beplanken" unterstellt wird, sie aber selber(!) in der Regel die Ausschreibungen machen und die Maler in das jeweilige Material selber zwingen. Habe selten so eine verzerrte Selbstreflexion gesehen!

Da machen Sie mal besser Ihre ganz großen Worte in ihrer eigenen Berufsgruppe, denn da gibt es eine ganze Menge zu tun, weil man weder von Technik, noch von Gestaltung und erst recht nicht von Gestaltung mit technischen Hintergrund Ahnung hat, was Farbe angeht.
Eben dies sieht man daran dass sie Acrylate als "Plastik" bezeichen und fachlich nicht in der Lage sind WDV-Systeme als solche zu benennen.
Übrigens verarbeitet nicht jeder Malerbetrieb WDVS und so mancher auch fast keine Reinacrylat-Dispersionen. Das werden Sie zwar genauso ignorieren, wie meinen Rat zum schrittweisen Vorgehen oder die obige Bitte um Rat von Herrn Steuer, aber ich bin sicher Ihr Kommentar hat ihrem Ego geholfen und in Beton gestanztes Weltbild gepasst.
Mal ganz davon abgesehen davon, dass es mir absolut rätselhaft ist, wie man von einem Umgebindehauses einen Bezug zu WDV-Systemen herstellen kann.

Tipp: Wer einen guten Maler finden will, der findet ihn auch. Nur muss er eben was dafür tun. Das ist ein ganz ähnlicher Sachverhalt wie bei Architekten. ;)



Hallo Herr Lenz,



soll das nun heißen, daß Rein-Acrylate rein mineralisch sind?

Gespannt...

Ein ständig lernbereiter

Konrad Fischer



Fassadengestaltung



Herr Fischer ich muss sagen, Sie sind jetzt auf dem richtigen Weg.
Falls Sie sich wirklich für Farbtechnik interessieren sollten (ich hege Zweifel, will jedoch nichts unversucht lassen), dann empfehle ich ihnen das folgende Basismaterial.
Zwar ist es zur Zeit vergriffen, aber gute Literatur-Antiquariate (http://www.zvab.com/index.do) werden Ihnen sicher helfen können:

http://www.amazon.de/Lexikon-Anstrichtechnik-Bdn-Bd-2-Anwendung/dp/3766712209

Bitte beide Bände besorgen! Versuchen Sie die 1992er Ausgabe zu erwischen, dann sind Sie auf dem nahezu neuesten Stand. High-Solid-Produkte u.ä. allerdings sind dann dort logischerweise noch nicht berücksichtigt. Da wird Ihnen dann aber der gute Maler bei Bedarf sicher helfen können.
Mit diesen zwei Bänden haben Sie das wichtigste Basiswissen, was jeder gute Malermeister ihnen innerhalb von 1-2 Tagen im Detail bieten wird.
Es ist einfach und klar geschrieben. Die Information umfassend. Der Ansatz ist praxisnah.
Es wird Ihnen bei sich stellenden Fragen fundierte Antworten liefern, die selbstverständlich auch wissenschaftlich untermauert sind.
Mit dieser Dokumentation, wird Ihnen dann sicher auch im groben Rahmen klar, weshalb der Malermeister vom Lehrling bis zum Brief in etwa genauso lange braucht, wie der Abiturient bis zum Dipl.-Ing., und das die Welt nicht so furchtbar einfach ist wie Sie hier kurzzeitig vermuteten.
Es gibt nämlich auch Architekten die etwas mehr Know-How von ihren Malern erwarten, als das Anrühren einer Kalkkaseinfarbe als fertige Trockenmasse. (Stichwort: Beratung)
Bei mir muss jeder Mitarbeiter das Ding wenigstens zu Hause im Regal haben. Klappt wunderbar!
Auf ein gutes Gelingen!
Mit besten Empfehlungen.



Sind Rein-Acrylate



nun mineralisch?

In der mir umfangreich vorliegenden Fachliteratur konnte ich das so bisher nicht finden. Vielleicht mit Ihrer Hilfe, Meister Lenz?



@ Bernd Steuer



Grundsatzdiskussionen sind zwar wichtig, doch hier wird es nun für den Fragenden langsam wieder unübersichtlich.
Die hohe Fachlichkeit in allen Ehren, doch für den Anfragenden nun kaum noch überschaubar.

Herr Steuer,

wie ist denn nun Ihre Entscheidung gefallen oder anders herum gefragt, wen hatten Sie zur vor-Ort-Besichtigung nun weiter ausgewählt?
Eine Analyse am Objekt ist immer besser, als die Ferndiagnosen.
Stehen Ihnen gern informativ mit zur Seite.

Grüße ins Lausitzer Land
von einem Lausitzer,

Udo Mühle