Fassadendämmung bei zweischaligem Altbau ca 1905 sinnvoll?

15.02.2021 Franziska


Hallo zusammen,
Nachdem ich schon viele Beiträge gelesen habe, stelle ich doch meine Frage.
Unsere Haus Bj ca 1905-1925 ( konnte der Verkäufer nicht sicher angeben) ist zweischalig und verputzt. Darauf sind zur Zeit noch 4cm Styropor und Ethernit Platten, diese werden aber entfernt.
Unser ursprünglicher Plan war, diese mit 6 cm Steinwolle und einer Holzfassade zu ersetzen.
Die Zweischaligkeit hat uns allerdings etwas aus den Konzept gebracht.
Im Obergeschoss ist der Aufbau von innen nach außen: Putz, Ziegel 12 cm , Luft 4 cm, Ziegel 12 cm, Putz. Wobei der Luftraum sehr unterschiedlich ist. An einer anderen Außenwand Messe ich 15 cm Luftraum.
Im Erdgeschoss ist die Wand dicker, dh die innere Wand müsste eine 24 cm Ziegel sein. Falls der Hohlraum von unten nach oben durchgehend ist.
Verbunden sind sie mit Querstreinen und auch Metall Haken.
Wir haben bisher noch keine Lüftungsschlitze im Sockelbereich gefunden, auch nicht im Keller.
Aber man kann einen Luftzug im Hohlraum spüren.
Ist in diesem Fall eine Fassadenisolierung überhaupt sinnvoll?
Brauchen 2 Schalige Häuser immer Lüftungsschlitze?
Vielen Dank schon mal!
Mit freundlichen Grüßen
Franziska



würde Holzfaser nehmen....



hi,

habe gleiches Bauwerk....2schaliges Ziegelmauerwerk und werde eine Dämmung (Holzfaser Steico 036) mit hinterlüfteter Holzfassade davorbauen.

ich habe auch keine Lüftungsschlitze im Mauerwerk...
ich habe mich FÜR Holzfaserdämmung und GEGEN Steinwolle entschieden weil ich deutliche Vorteile bezüglich der Rücktrocknung der Holzfaserdämmung bei eindringender Feuchtigkeit sehe.


gruß



neue Fassadendämmung



was bewegt Euch, die alte Dämmung abzureißen und eine nur marginal stärkere stattdessen aufzubringen ?
Wird die neue Dämmstärke durch den Dachüberstand begrenzt ?



Fassadendämmung



Wir hatten ausgerechnet, dass man mit 6cm Steinwolle ca 70 % erreicht. Mit der hinterlüfteten Holzfassade wären wir bereits bei 12 cm Aufbau. Noch mehr würde unproportional aussehen. Auf das bestehende Styropor können wir nicht aufbauen, da die Ausrichtung der Lattung nicht passt.

Wir hatten Holzfaser noch nicht Erwägung gezogen, danke für den Hinweis.



Wirtschaftlichkeit



habt Ihr bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung die Entsorgungskosten für das Styropur und die Eternitplatten mit eingerechnet?



Eternit Platten



Ja das haben sie natürlich recht, an wirtschaftlichsten wäre nichts zu machen. Uns gefallen die Platten einfach nicht. Mit entsprechender Ausrüstung ist die Entsorgung machbar und bezahlbar. Das war von vornherein beim Kauf einkalkuliert, ganz unabhängig vom Dämmungsthema.



Fassade verputzen



Wäre das Aufbringen einer WDVS aus Holzfaserplatten und das anschließende Verputzen eine Option ? Dann könnte der Raumverlust, der durch die Unterkonstruktion der hinterlüfteten Fassade entsteht mit Dämmung belegt werden.



Einblasdämmung



Hallo

warum wollt Ihr keine Einblasdämmung durchführen? Holt euch Rat bei einem Energieberater!
Das Geld holt Ihr schnell wieder rein.
Ich habe diese Dämmung jetzt seit 9/2019 im Luftspalt, und bin überrascht wie gut alles funktioniert hat.
Die Dämmung kann auch von innen erfolgen.
Von einer weiteren Außendämmung wurde uns abgeraten, weil unwirtschaftlich!
Energieersparnis ca 30-35% (45500kwh -> 29000kwh)

Zur Zeit verkleide ich das Haus mit Hardieplank,
weil bei uns die tolle Latexfarbe aufgetragen war, ca1,5mm dick.
Wir haben die alte Farbe abgefräst, mit einer PKD Scheibe auf der Flex. Schxxxarbeit.

LG ENgelbert



Bedenken wegen Zweischaligkeit



Meine Bedenken sind, unabhängig von Material und Aufbau/Stärke, dass die Effizienz durch die 7- 15 cm bewegte Luftschicht in der Wand zunichte gemacht wird. Es gab diesen Hinweis durchaus schon in diesen Forum. Ich weiß aber von Arbeitskollegen, dass deren Haus einen ähnlichen Wandaufbau hat, wie von ihnen beschrieben. Leider können mir meine Kollegen nicht mit einer vorher / nachher Erfahrung berichten. Danke schon mal für ihre Hilfe.



Fassadendämmung bei zweischaligem Mauerwerk



Wenn der Luftzug in dem Spalt/Hohlraum zwischen den beiden Schalen nicht nur durch die Thermik innerhalb des Hohlraums erzeugt wird, sondern durch irgendwelche Undichtigkeiten in der äußeren Schale entsteht, nützt eine Außendämmung auf der äußeren Schale überhaupt nichts. Da die Kälte mit der eindringenden Luft hinter die Dämmung zieht. Nur wenn das Luftpolster hermetisch eingeschlossen ist macht eine Außendämmung Sinn.
Eine andere Option wäre, den Hohlraum z. B. mit Perlite, Blähton, oder einem ähnlichen, mineralischen Dämmstoff zu füllen und dafür evtl. auf die Außendämmung zu verzichten.



Einblasdämmung



Hallo Herr Hubel,

genau so hat unser Energieberater ebenfalls argumentiert.
Anfänglich war ich sehr skeptisch, und hatte bedenken.
Darauf hin habe ich einen Bauphysiker eingeschaltet und der hat uns ein Konzept erarbeitet.
Mineralische Dämmung, Kosten ca 4000€ für 200m² Außenhülle.

Die Zugluft war nach der Dämmung weg. Kein Türengeklapper mehr.
Bisher ist alles gut.



Einblasdämmung



Kurz meine Erfahrungen: bei zwei Charles ich im Mauerwerk ist eine Außendämmung in doppelter Hinsicht unnötig beziehungsweise gar funktionslos.

Sobald der Hohlraum ausgeblasen ist, bringt eine zweite Außendämmung nur noch eine marginale Energieeinsparung. Vor allen Dingen die horrenden Kosten der Außendämmung, inklusive der Gefahr von Bauschäden, beispielsweise werden diese Dämmungen gerne von Mäusen und Ratten als Wohnung genutzt, machen diese dann unwirtschaftlich.

Wird der Hohlraum nicht ausgeblasen, ist in den allermeisten Fällen die Außendämmung komplett wirkungslos. Es besteht gegebenenfalls sogar die Gefahr, dass ich Kondenswasser bilden könnte.

Lg Holger



Perlte, Blähton



@engelbert Welche Art der mineralischen Dämmung haben sie eingebracht? Perlite?
Ich dachte, bei der Lösungsfindung hilft der Energieberater und er betreut das fachgerechte Vorgehen. Muss ich trotzdem noch ein Bau Physiker zu rate ziehen? Oder haben die sich damit nur abgesichert?
Und was passiert mit dem oft erwähnten Kondensat im Zwischenraum.



Energieberater



Ja wir haben uns jetzt an einen Energieberater gewendet. Aber ich würde mich nur ungern allein auf ihn verlassen.
Wir hatten unseren Sanierer /Gutachter geglaubt, dass das Gebäude Vollziegel ist. Daraus habe ich gelernt.



Lieber zweimal fragen



Hallo Franziska,

das ist genau mein Credo: Als Laie sollte man immer mindestens 2, 3 verschiedene Leute fragen. Auch wenn dabei wie so oft 5 verschiedene Meinungen heraus kommen.
Und wenn man auch vom Hören-Sagen niemand kennt, oder empfohlen bekommt, sollte man diese Leute nach ihrer Expertise fragen. Genauso wenig wie sich z. B. alle Finanzberater in allen Bereichen der Finanzwelt auskennen, oder alle Steuerberater nicht alle 138tausend Steuergesetze und -vorschriften parat haben, genauso können Baugutachter nicht alle Eigenschaften/Spezialitäten von allen Gebäudetypen kennen. Ein Gutachter für Hochhäuser hat wahrscheinlich nicht viel Ahnung von Fachwerkhäuser, und umgekehrt.
Bevor ihr (wieder) unnütz Geld ausgebt, hinterfragt die Gutachter freundlich. Ein Guter wird die Skepsis verstehen.
Das Gleiche gilt auch für Energieberater.
Es gabt Zeiten da hatte sich jeder zweite Schornsteinfeger, jeder dritte Heizungsbauer und jeder fünfte Zimmerer/Dachdecker als Energieberater ein Zubrot verdient. Deswegen waren Energieberater eine Zeitlang ziemlich "verrufen". Zum Glück wurde dem aber von Seiten KfW und BaFa ein Riegel vorgeschoben. Heute dürfen nur noch die Anträge stellen, die sich regelmäßig weiterbilden.
Frag "deinen", ob er antragsberechtigt ist und ob er sich eventuell sogar spezialisiert hat.



Kerndämmung



Um den Hohlraum zB mit Perlte zu dämmen benötigst du keinen Bauphysiker.
Wärmebrücken durch Verbindungen zwischen Innen- und Außenschale werden dadurch natürlich nicht verhindert.
Nur wenn du einen sehr guten Dämmstandard anstrebst mit neuem Heizsystem/Flächenheizung und evt Fenstererneuerung und anderer Fassadengestaltung kann zusätzliche Außendämmung Sinn machen.

Bei dickerer Außendämmung können Fenster bei Stegträgern ganz außen in der Dämmebene montiert werden, sodass sich die Außenansicht kaum verändert.



Einblasdämmung



Hallo Franziska,

wir haben kein Perlite benutzt, weil der Dämmwert nicht so gut war.
Man erhält auch keine Förderung durch die KFW!!!!
Es gibt Seitens der KFW Vorgaben.

Wir haben Mineralwolle gewählt, weil unbrennbar und eine hohe Haltbarkeit.
Glaswolle TYP Knauf SupaFil WLG 034
Rigibead als mögliche Alternative im Gespräch.
Aerogel geht auch nicht sicher, da dünnflüssig wie Wasser und teuer. Faktor 15-20

Das wurde aber verworfen, da bei uns am Haus größere Luftbewegung in dem Mauerwerk vorhanden waren.
regibead wollte der Einbläser nicht ohne eine Sicherung um die Lagerpunkte(Holzbalken) der Decke einblasen.
Er hätte dann im Bereich der Fenster und Decken mit Glaswolle dämmen wollen und den Rest mit Rigibead.
Letztendlich haben wir dann beim Ortstermin mit dem Bauphysiker und dem Einbläser,
eine Wahl getroffen.
Auch war im Gespräch, das unten im Sockelbereich der Luftkammer Öffnungen sein sollten.
Hier soll das Kondensat austreten, wenn vorhanden. Nach den Erfahrung des Einbläser haben auf diese Öffnungen verzichtet. Da nur in selten Fällen die Minalwolle nass wird.
Solche Ereignisse kommen sehr oft von Außen. So die Erfahrung des Einbläsers.
Bei uns ist der hartgebrannte Ziegel mit einer mageren Speißmischung vermauert.
Kalkputz innen, Trasszementputz außen.
Wenn dort Wasser auftritt, sickert es nach unten in den Keller.
Zur Zeit kontrolliere ich in Abständen die untere Ziegelschicht im Keller.
NIX -- alles gut. Ich kopfe mal auf Holz.

Der Energieberater von der Stiftung Warentest war unsere erste Anlaufstelle.
Die Kosten sind gering, macht aber keine Bauleitung!!!
Energieberaten dürfen das nicht, Das sind halt Berater.
Unserer war auch Bausachverständiger und Arichitekt.
Anfänglich haben wir seinen Weg nicht direkt verstanden,
erst mit dem U-Wertrechner bin ich langsam dahinter gekommen.

Da bei uns am Haus Schimmel im Spiel war,
hat der Energieberater uns zu einem Bauphysiker geraten.
Wir haben versucht alle Schwachstellen zu ermitteln und einen Plan mit dem Bauphysiker aufgestellt.

Ob unsere Wahl richtig war, wird die Zukunft zeigen.
Einen Spruch habe ich mitgenommen:
Um das wissen zu können, müssen Sie erst alles erkunden.
Und in die Fugen können Sie nicht reinschauen, außer du öffnest diese.

Nur wenn man alles geöffnet hat, kennt man den Aufbau.
Ansonsten ist immer ein Stück Blindflug dabei.

Nettes Beispiel:
Der Einbläser sollte die obere Decke zum Speicher mit isolieren,ca 35m².
6 Felder der Decke waren leer, 7 mit Asche gefüllt.
Und kannst du dir denken, welche ich geöffnet hatte???

Schönen Abend
ENgelbert



Vielen Dank für die Hilfe!



Wir werden als erstes alle Wände anbohren um die stärke der Luftschicht möglichst genau auszumessen. Darüberhinaus versuchen wir mit einer Endoskop Kamera etwas mehr über die Verbindungen rauszufinden.
Bisher gibt es noch keine Berechnung unseres Energieberaters, ich gehe aber davon aus, dass Perlite bei uns auch nicht reicht.
Wir sind bisher davon ausgegangen, dass unter der Dachboden Dielung alle Felde mit Lehm gefüllt sind. Vielleicht kontrollieren wir das besser mal.
Ich werde nochmal einen Betrag schreiben, sobald wir genaues wissen und unsere Entscheidung getroffen haben.
Danke nochmal!
Viele Grüße
Franziska



Mauerwerk EG Einschalig, OG Zweischalig



Hallo, vielen Dank nochmal für die ausführlichen Tipps!
Zu unserer Überraschung mussten wir letzte Woche feststellen, dass unser Sanierer nicht ganz falsch lag.
Die erste Bohrung im EG hatte zwar einen Hohlraum, aber bei weitere 5 Bohrungen an unterschiedlichen Stellen im EG konnten wir keinen Hohlraum mehr feststellen. Das heißt im EG 38 cm Einschaliges Mauerwerk verputzt und im OG zweischalig mit 12-7-12 cm.
Wir werden jetzt vermutlich auf unserem ursprünglichen Plan der Aussendämmung zurückkommen.
Ob wir zusätzlich eine Einblasdämmung im OG machen, haben wir noch nicht entschieden.
schönes Wochenende !
Franziska