Fassadendämmung Altbau 1965

09.01.2019 Dominik


Hallo Zusammen,

wir haben einen Altbau Bungalow aus dem Jahre 1965 gekauft. Die Außenwände bestehen aus 24cm dicken Hohlblocksteinen. Das Haus ist voll unterkellert. Der Keller ist allerdings nur ein Nutzkellern (2 Meter Deckenhöhe) und von außen begehbar. Unser Energieberater rät uns zum vollen Programm. Obere Geschoßdecke dämmen mit 20cm MiWo, Austausch der Fenster 3 fach verglast, sowie eine 16 cm dicke Fassadendämmung. Beheizt werden soll das ganze mit einer Gasbrennwerttherme (Heizung waren bisher zwei Öl Einzelöfen).
Ich möchte ja gerne etwas für die Umwelt tun und auch gerne energetisch sanieren, allerdings gilt es auch das Budget im Auge zu behalten.
Gerade das Thema "Fassadendämmung" treibt uns um. Hier im Forum gibt es dazu auch eine Menge Beiträge die allerdings irgendwann immer in wilden Diskussionen enden. Die bisherige Fassade ist eigentlich ganz gut und hier wäre derzeit kein Handlungsbedarf. Gibt es hier im Forum jemanden der seine Fassade (kann ja auch Fachwerk sein) gedämmt hat und Erfahrungen berichten kann?

Grüße und Danke

D.Koch



Ich denke...



Dämmung ist meiner Meinung nach im Grunde gut und richtig, egal ob Fachwerk, Altbau, Neubau, Ziegelstein, Stahlbeton oder was weis ich. Einfach weil es den Wohnkomfort erhöhen KANN.

Das große Aber: das WIE ist entscheidend, nur weil es Vorschriften und Gesetze gibt, heisst das noch lange nicht dass diese einfach nach der Formel "Din mal Fläche in qm" an jede Fassade geklatscht werden können.

Jedes Haus funktioniert als System anders, bisher bei dir vielleicht sehr gut. Wenn man lediglich aus "Gründen" das volle Programm an unpassender Dämmung anbringt, hat man irgendwann das bauzeitliche System zerlöchert/verwurschtelt.

Will heissen, in jedem Zeitalter haben sich die Erbauer der Häuser doch entsprechende Gedanken gemacht, damit das Haus möglichst lange hält ohne zu schimmeln, zu rotten oder sonst irgendwie in Mitleidenschaft gezogen zu werden (im Kleinen mit Konstruktiven Details wie Dachüberständen etc. , im Großen einfach mit zusammen funktionierenden Baumaterialien)

Heutzutage habe ich oft das Gefühl, dass dies einfach vergessen wird, jeder denkt er ist schlauer und moderner weil Styropor gut als Fassadendämmung oder WDVS oder irgendwas geeignet ist.Das heisst das noch lange nicht dass es deinem Haus langfristig nicht eher schadet als nutzt. (Von der korrekten Ausführung mal ganz abgesehen)

Einfach so die üblichen Standardmaterialien herunterbeten finde ich persönlich immer unzufriedenstellend. Man sieht so viele vor sich hinalgende Plastikfassaden, Hinweise auf biozide Imprägnierungspflichten eben dieser, dass ich das Ganze "Deutschland dämmt" mal ganz generell in Frage stellen würde.

Klar, der Energieberater hat ja auch ein klares Ziel an dem er sich misst, nämlich der möglichst hohen Einsparung von Energie. Und genauso könnte ich jedem Kunden (Werbeagentur) vorschlagen "Du brauchst unbedingt Facebook" - weil es alle haben (und damit würde ich sogar richtig viel Umsatz machen).

Man könnte aber auch individuell Kosten, Nutzen und Risiken bewerten, denn das sind doch die individuellen Bedürfnisse des Hausbesitzers, oder?

(just my two cents)



Dämmung von Altbau



Gebäude aus den 60-ern haben fast generell einen sehr schlechten Dämmstandard.

Wenn ein neues Heizsystem installiert wird muß dieses auf den jeweiligen Wärmebedarf hin ausgelegt werden.
Ohne Berücksichtigung der Dämmung ist dieses weit überdimensioniert und unnötig teuer, wenn zu einem späteren Zeitpunkt gedämmt wird.

Ohnehin wird der Brennwerteffekt nur bei niedrigen Vorlauftemperaturen genutzt, was wiederum nur bei entsprechender Dämmung möglich ist.

EPS/Styropor und Mineralwolle würde ich dazu nicht einsetzen.

Von den Kosten und der Energieeinsparung her ist die Dämmung der obersten Geschoßdecke am effektivsten.
Dies kann am billigsten mit offen aufgeblasener Zellulose erfolgen, die keine Dampfbremsen o.Ä. benötigt, alternativ zB Holzfaser- oder Hanfdämmung verwenden,
was auch einen viel besseren Hitzeschutz gewährleistet.

Die Fassadendämmung kann zB mit Stegträgern und Zellulosedämmung und Holzfaserplattenverkleidung ausgeführt werden, wobei auch Putzfassaden oder Holzverkleidungen möglich sind.
Da die Kosten bei großen Dämmstärken nur unerheblich steigen würde ich möglichst Passivhausniveau anstreben, wodurch das Heizsystem bei Installation und Betrieb günstiger wird.
Den Sockelbereich bis ca 50 cm unter Geländeniveau zB mit Glasschaumplatten oder XPS dämmen, um Wärmebrücken zu vermeiden.

Bei der möglichen Fenstererneuerung kommt’s auch darauf an wie groß die Fensterflächen sind und zu welcher Himmelsrichtung diese orientiert sind.
Bei knappen Finanzmitteln die Nordfenster zuerst tauschen.
Bei Fassadendämmung sollten die Fenster sinnvollerweise gleichzeitig mit dieser eingesetzt werden.

Nur die Überdämmung der Blendrahmen bewirkt schon eine große Verbesserung-
um so mehr je kleiner die Fenster sind.

Bei techn. einwandfreien Bestandsfenstern und kleineren Formaten ist ein Austausch wirtschaftlich gesehen eher zweifelhaft.

Die unterseitige Dämmung der Kellerdecke ist ebenfalls sehr wirtschaftlich.

In Bezug auf Förderungen ist es besser, mehrere Maßnahmen zu kombinieren.
Wenn die Möglichkeit besteht zB Erdwärme mit Grabenkollektor oder Bohrungen kalkulieren.
Viele Arbeiten können bei entsprechender Planung und Anleitung auch kostengünstig selbst ausgeführt werden.
Beim eigenen Gebäude haben wir nach kompletter Dämmung nur noch 1/3 des früheren Verbrauchs und keinen Schimmel mehr, der vorher in einem kleinen Schlafzimmer auftrat.



Was sich "rechnet" ist vielleicht auch eine Frage der persönlichen "Lebensplanung"



Wir haben ein ähnliches Problem, wir müssen einen Gebäudekomplex aus den 50er Jahren bestehend aus einen kleinen Siedlungshaus (30er Bims Hohlblöcke), das wir einmal selbst bewohnen wollen und eine Gewerbeobjekt (24er Ziegelsteinwände) sanieren.

Architekt und Energieberater wollen uns auf zu einer Maximalsanierung drängen - inklusive einer kompletten Außenfassadendämmung. Die Kostenschätzung für die Fassadendämmung beider Gebäude lag bei fast 100.000 EUR (netto...). Darin nicht enthalten sind die Dämmung der unteren Geschossebene/Keller, die Abdichtung und Perimeterdämmung des Siedlungshauses sowie die Dämmung/Erneuerung beider Dächer.

Für mich ist das - aus persönlichen Gründen - nicht wirtschaftlich abbildbar. Niemand in meiner Familie wird die Häuser, wenn ich nicht mehr lebe, übernehmen und zu meinen Lebzeiten werde ich nie und nimmer die Kosten der Fassadendämmung durch - die anteiligen - Einsparungen der Heizkosten wieder einspielen können. Das dauert deutlich länger als ich leben werde.

Die grössten Einsparungen werden sich die die Dämmung der Dächer und Böden/Kellerdecken sowie den Tausch der Fenster ergeben. Man sagt ja, dass man durch Dämmen der Außenfassade anteilig 20% der Heizkosten einsparen kann. Bei einem ungedämmten Einfamilienhaus dürften die Verbrauchskosten (Heizung und Warmwasser) bei rund 2200 EUR pro Jahr liegen. Das würde 440 EUR Ersparnis pro Jahr durch die Dämmung der Fassade bringen. Dämmt man Dach, Bodenplatte und tauscht die Fenster, dann sinken die Verbrauchskosten insgesamt, was die genannte Ersparnis durch Fassadendämmung anteilig noch weiter reduziert. Bei einer Kostenschätzung von rund 30.000 EUR brauche ich bei über 60 Jahren um überhaupt auf "0" zu kommen - wahrscheinlich deutlich länger..

Wir haben uns daher für einen Mittelweg entschieden: Die Dächer und die untere Geschossebene werden maximal energetisch ertüchtigt, die Fenster/Türen werden getauscht und eine dezentrale Entlüftung verbaut. Da wir den alten Putz entfernen wollen, um Heizungsrohre und Elektrik zu erneuern, denke ich über eine (kostenseitig) moderate Innendämmung evtl. mit Holzfaser- oder Lehmplatten bzw. Lehmziegeln nach (für die ich mir hier im Forum noch ein paar Tipps holen will).

Der wesentliche Punkt ist aber, dass wir die Entscheidung zu einer Außendämmung erst treffen wollen, wenn wir - NACH Dachsanierung, Fensteraustausch etc. die Verbräuche von 1-2 Heizperioden kennen. Erst dann kann man überhaupt abschätzen, was die Dämmung von außen am Ende überhaupt einsparen kann.



Außendämmung



wobei bei einer Dachsanierung beachtet werden sollte, dass es bei einer späteren Außendämmung zu einer Verringerung der Dachüberstände kommen kann.



Dachüberstände



Ja, das mit den Dachüberständen haben wir auf dem Schirm. Die sollen für den Fall eines Falles entsprechend angepasst werden. Bei diesem "fränkischen" Satteldach des Siedlungshauses gibt es aktuell praktisch keine Dachüberstände. Da muss ohnehin bei der Dachsanierung etwas dran getan werden.