Fassade sanieren, aber wie?

04.09.2014 autobias


Hallo liebe Forumsmitglieder,

erstmal möchte ich mich hier ganz allgemein bedanken für die netten Beiträge in diesem Forum. Es ist schon toll was man hier so alles lernen kann.
Wir sind gerade dabei unserem Häuschen Bj.1929, welches wir letztes Jahr erworben haben, eine Kernsanierung zu spendieren. Vieles ist schon erledigt (Anbauten abgerissen, entkernt, neue Holzfenster, Dämmung der obersten Geschossdecke mit Zellulose, Mansardgaube Vorhangfassade Lärche + Hwf , Nordgiebel mit Vorhangfassade Lärche + Hwf OG u.DG und Holzweichfaser WDVS Putzfassade EG, zweischaliges Ziegelmauerwerk mit ca. 7cm Luftschicht mit EPS ausgeblasen, Mansarddach mit Zellulose gedämmt u. Wandheizung + Lehmputz, komplett neue Leitungen, Heizung, Wasser, Strom, Kachelofen im EG als Zentralheizung, Lüftungsanlage zentral mit WRG, Solarthermie mit Heizungsunterstützung...
Aktuell wird gerade innen ein neuer Luft-Kalkputz aufgebracht, wo der alte nichts mehr taugte bzw.in Folge baulicher Veränderungen weichen mußte. Es läuft soweit ganz gut, bin sehr zufrieden mit unseren Handwerkern.

Was mich gerdade sehr beschäftigt ist die Fassade. Das Haus ist komplett verputzt mit einem sehr harten Zementputz, der bis auf ein paar Risse hier und dort noch gut intakt ist oder,dank der schönen Beschichtung, scheint. Der Südgiebel ist mit einem Kunsthazputz und mittlerweile mehreren Anstrichen versehen, lt. Rechnungen rissüberbrückend und dauerelastisch....super:). Der Sockel, ebenfalls verputzt und etwa 8cm. Vorsprung, aus Bruchstein, wurde mit Buntsteinputz zugeklebt, lecker.(Ist schon weitestgehend entfernt)
Auf der einen Traufenseite nach Osten ist ebenfalls die Kunstofffarbe verwendet worden,auf der anderen Traufenseite scheint die Farbe mineralischer natur zu sein.

Ich habe schon verschiedene Maler vor Ort gehabt und natürlich auch mit dem Architekten gesprochen, aber zu einer konkreten Lösung bin ich noch nicht gekommen.
Ich denke die alten Kunstoffanstriche/Putz sollten erstmal entfernt werden. Hier stellt sich schon einmal die Frage nach der geeigneten Methode? Wäre hier fräsen das richtige, oder würde dadurch der Putz zu sehr leiden. Gibt es alternativen?
Spachteln und armieren? Geht das auch rein mineralisch oder kommt hier unweigerlich wieder Kunstoff an die Fassade?
Der Maler für den ich mich grundsätzlich entschieden habe verwendet auch mineralische Farben. Wie ich aber gelesen habe sind auch in den Silikatfarben Kunstharze beigemischt (zumindest bei dem Hersteller, dessen Farbe mein Maler gerne verwendet) und das bedeutet dann auch das sich diese Beschichtungen nur schlecht mineralisch überstreichen lassen. D.h. in 20 Jahren kann ich dann den ganzen kram wieder entfernen oder wie seht Ihr das?
Je mehr ich mich damit befasse, desto schwieriger wird das Thema gerade für mich.
Ich bin auf der Suche nach einer geeigneten Beschichtung welche Diffusisonsoffen ist, hohe Standzeiten hat und sich nach entsprechender Beanspruchung auch wieder erneuer lässt.
Vielleicht gibt es ja die eine oder andere Anregung für mich, würde mich sehr darüber freuen!

LG
autobias



Silikatfarbe



, wäre jetzt auch mein favorisierter Anstrich. Danke für den Hinweis.
Kann mir jemand eventuell sagen wie eine Beimischung von organischen Bestandteilen bei einer Silikatfarbe zu bewerten ist?
Wie sieht es mit dem Entfernen der vorhandenen Dispersionsanstriche aus, gibt es Alternativen zur "Renovier-Fräse"? Abbeizen scheidet denke ich aus, nachdem was ich so darüber gelesen habe.





fertige, konfektionierte Silikatfarben aus dem Eimer sind Dispersionen mit dem entsprechenden Anteil an Organischen Beimischungen.

Reine Silikatfarben werden als getrennte Komponenten geliefert: das weiße Pigment im Sack und das Kaliwasserglas im Kanister. (z.B. Kreidezeit)

Diese reinen Silikatfarben machen nur Sinn, wenn sie auf einem nicht sperrenden Untergrund verarbeitet werden (Rohputz, Silikat Anstrich, siehe auch technisches Merkblatt).
Auf einem alten Dispersionsanstrich haben sie m.E. keine Vorteile, weil der alte Anstrich das Haltbarkeits-bestimmende Element ist.
Ebensowenig wie die Nässe durch einen Dispersionsanstrich durchdringt wird das gelöste Wasserglas mit dem mineralischen Untergrund eine Verbindung eingehen. Da wäre wahrscheinlich ein neuer Dispersionsanstrich die bessere Wahl. Zudem ist die Sache nicht gerade billig.

Vorteile: es ist sehr ergiebig, es hält sehr lange und es gibt 'good Vibrations'.
Der Nachteil: dass man den Ansatz nur am gleichen Tag verwenden kann, stimmt nicht ganz.
Den Rest vom Ansatz im Eimer möglichst dicht mit Frischhaltefolie abdecken, kalt abstellen, dann hält es noch ein paar Tage länger (bei mir mind. eine Woche)

Gruß

GE



@GE



Danke für die Informationen. Mal sehen wie ich mich entscheiden werde. Es hängt natürlich auch eine wenig davon ab, ob der Maler meines Vertauens sich die Verarbeitung zutraut, ansonsten wäre mir die "rein" mineralische Variante schon lieber.

Beim abkratzen der verschiedenen Farbschichten ist mir aufgefallen, das wahrscheinlich vor dem Auftrag der Farbe auf dem Putz eine Grundierung aufgetragen wurde.(Auf dem Putz ist so ein leicht orangefarbener Anstrich zu erkennen)
Lässt sich dieser auch mechanisch mit entfernen ?
Ist dieser eventuell hinderlich bei der Verkieselung der Silikatfarbe?

Gruß
autobias



Wenn notwendig im



Trockeneis- oder Niederdruckstrahlverfahren reinigen.
MfG
Chris Heise





Hier findet man die Technischen Merkblätter (vom Erfinder der Reinsilikatfarbe)

http://www.keimfarben.de/de/technische_merkblaetter_2014/tm_farbsysteme_aussen_2014/tm_purkristalat_system_20130/

dort steht:

"4. Verarbeitungshinweise

Untergrundvorbereitung:

Der Untergrund muss tragfähig, trocken, saugfähig,
sauber, staub- und fettfrei sein. Lose Teile,
Verschmutzungen, ölhaltige Stoffe, Moose und Algen
sind vollständig zu entfernen.
Alte, filmbildende Anstriche sind mit KEIM
Dispersionsentferner restlos zu entfernen. Fu¨r stark saugende
oder sandende Untergru¨nde empfiehlt sich eine
Vorbehandlung mit KEIM Fixativ, 1:1 mit Wasser verdu¨nnt."

das liest sich so, als ob man erst die chemische Keule schwingen muss, um nachher einen komplett anorganischen Anstrich zu bekommen.

Es gibt von Keim aber auch eine 'silikatische' Farbe, die für alle Untergünde geeignet ist (Soldalit®), aber auch hier: ein Rest von organischen Bestandteilen (<5%).

das gilt für viele andere Hersteller sicher auch.




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