Neue Fassade an innengedämmten Haus, Dämmung?

26.04.2007


Liebe Fachwerk-Freunde,

wir stehen kurz vor Notartermin eines Hauses von 1912, das (mit Ausnahme einer Backstein-Mauer im EG) komplett aus ausgemauertem Fachwerk besteht (kein Sichtfachwerk). Das Haus ist momentan aussen mit Eternit-Platten verkleidet (asbesthaltig). Diese wollen wir abnehmen und haben dafür auch schon ein Angebot von einem Handwerker, der sie fachgerecht entsorgen kann. Nun stellt sich für uns die Frage, wie wir die Fassade neu gestalten.

Das Haus besitzt seit 30 Jahren eine funktionierende Innendämmung, bestehend aus eine 6 cm Schicht Mineralwolle und anschließend eine Rigips-Platte (ohne Dampfsperre). Wir waren mit einem Architekten bereits vor Ort und haben an den Steckdosen in hinter die Verkleidung geschaut - dort sieht alles sehr gut und trocken aus. Generell war in dem Haus nirgends Feuchtigkeit oder muffiger Geruch zu bemerken. An die Innendämmung wollen wir aus Kostengründen (sonst müssten wir auch alle Böden sowei Elektro austauschen) nicht ran.

Wir planen nun - nach Kauf - folgendes weiteres Vorgehen:

1. Abbau der Eternitplatten
2. Begutachtung der darunterliegenden Fassade (aus der NAchbarschaftsbebauung ergibt sich, evtl. Stuck vorhanden ist)
2. Beauftragung eines Bauphysikers, der durch eine Bohrung die Wand im Detail untersuchen soll (Taupunkt)
3. Planung des neuen Fassadenputzes

Im einfachsten Fall wollen wir die darunter liegende Fassade einfach neu verputzen, ggf. auch eine neue Gewebespachtelung. Falls die ursprüngliche Fassade nicht besonders erhaltenswert ist, käme auch eine zusätzliche Aussenwärmedämmung in Betracht. Mit diesen Maßnahmen kämen wir - bei ca. 300 qm Putzfläche - auf ca. 30 000 Euro.

An die Experten hätte ich nun folgende Fragen:
- klingt das Vorgehen sinnvoll?
- ist es denkbar, eine Außenwärmedämmung mit der Innendämmung zu kombinieren?
- Kann allein der Abbau der Eternit-Platten und das neu Verputzen dazu führen, dass der Wandaufbau plötzlich nicht mehr funktioniert und es zu Feuchtigkeit kommt?
- Kennt jemand fachwerkerfahrene Bauphysiker im Stuttgarter Raum?

Vielen Dank im Voraus für alle Stellungnahmen und Hinweise!

Tine Weinbeck.



Neue Fassade an innengedämmtes Haus



Hallo Tine,
die Idee, einen Architekten und einen Bauphysiker einzubeziehen, bevor Ihr die Fassade putzen wollt, ist erst einmal sehr gut und kann Euch vor Schäden schützen.
Neuverputz mit Gewebespachtelung bedeutet, das kunststoffvergütete Oberputze mit verminderter Diffusionsfähigkeit zum Einsatz kommen. Wenn dazu noch eine Thermohaut als Dämmsystem kommt, kann das für Fachwerk tödlich sein.
Also wartet ab, was Euch der Bauphysiker sagt!

Viele Grüße
Georg Böttcher



Gut beraten:



Ingenieurbüro für Bau + Energie Dipl.-Ing. Rolf Canters
Rolf Canters, Alte Schule Murrhärle 6, 71540 Murrhardt
Tel: 07192-935493 bio@bauplusenergie.de



Stuck und Putz



Hallo,

für Stuck- und Putzarbeiten stehen wir mit Rat und Tat zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüssen.

Veronika Klepac



fassadenerneuerung



danke Georg,
für Deine Informationen. Das mit der Gewebespachtelung war ein Vorschlag eines Handwerkers, mit dem ich einmal telefoniert habe. Interessant, dass das problematisch werden kann. Ist denn so ein diffusionsoffener Putz preislich vergleichbar oder wesentlich teurer? Und müssten wir dann Putz, der unter den Eternit-Platten zum Vorschein kommt vorher abschlagen? (der könnte aus den 50er oder 60er Jahren sein, vielleicht aber auch noch original) - Putz abschlagen ist relativ teuer, oder täusche ich mich?

Natürlich werden wir einen Bauphysiker ranlassen, bevor wir etwas unternehmen - aber das geht halt erst, wenn die Platten ab sind. Momentan sind wir aber noch vor dem Notartermin und ich bekomme ein bisschen Panik, dass da doch mehr auf uns zukommt als zuerst gedacht. Noch hätten wir die Möglichkeit, eine Notbremse zu ziehen ... oder auch die Möglichkeit, die Finanzierung nochmal aufzustocken.

Vielen Dank für Anregungen und Antworten!
Tine



Neue Fassade an innengedämmtes Haus



Liebe Christine,
ein diffusionsoffener Putz wäre z.B. ein einfacher Kalkputz P I oder P I a, also Sand, Kalkhydrat bzw. Sumpfkalk und sonst nix.
Allerding ist Sichfachwerk in Deinem Fall nur bedingt geeignet. Bei entsprechender Schlagregenbelastung kann das eindringende Wasser nur sehr schlecht nach innen abtrocknen, da Dämmung vorhanden.
Diese Sachverhalte vor Ort zu prüfen und nachzurechnen, ist genau die Aufgabe des Bauphysikers, also abwarten, es kann z.B. herauskommen, das Sichtfachwerk an einigen oder allen Seiten nicht möglich ist und statt dessen wieder vekleidet werden muß.

Viele Grüße
Georg Böttcher




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