Altbaufassade in Fachwerkoptik gestalten

26.07.2005



Hallo Fachleute *g*,
wir hätten zwar gerne ein Fachwerkhaus gekauft, aber leider ist die Ausbeute in unser vorgesehenen Wohnregion sehr spärlich. Jetzt liebäugeln wir mit einem Haus, dessen eine Aussenwand, mit einem eher häßlichen Klinker "geschmückt" ist und ich würde diese gerne mit einer vorgesetzten Fachwerkfassade versehen. Also nichts abbauen, sondern eine Fachwerkfassade einfach davor setzen. Da die zwei Fenster an dieser Seite auch erneuert werden müßte, wäre das kein Problem. Hat das schon mal jemand gemacht? Schafft man das in "Eigenbau"? Und was sollte man beachten?





Hallo Tanja
Fachwerk ist mehr. aber das ist ein anderes Thema.
Vorgesetzte Fassaden haben den Nachteil das sie nicht all zu Echt aussehen, es sei denn man macht sich vorher Gedanken wie ein echtes Fachwerk aussieht, viele vorgesetzte Fassden die ich gesehen habe wären auf der Stelle zusammengebrochen wenn man ihnen glaubhaft erzählt hätte das sie echtes Fachwerk seien :-)
Also wenn dann richtig, und mit vernünftig dicken Bohlen, wobei man dann darauf achten muss das keine Feuchtigkeit zwischen die Fassaden gelangen kann weil es sonst wegfault.
Ich würde aber erstmal schauen was hinter der hässlichen Klinkerfassade steckt, es gibt ja durchaus Back und Bruchssteinhäuser, sowie Putzbauten die es in ihrer Schönheit mit Fachwerk aufnehmen können.
Gruß
Hartmut



Besser nicht.



Ich täts lassen. Es wird immer ein so-als-ob bleiben und ich glaube nicht, dass man damit wirklich glücklich wird.

Was wäre, wenn ihr den Suchkreis noch etwas ausdehnt oder mit einem Klinkerbau anfreundet?



Danke für die erste schnelle Antwort



Dazu sei gesagt, das ich natürlich lieber ein echtes Fachwerkhaus hätte (aber geht halt aus unterschiedlichen Gründen nicht). Wir haben aber einen "Altbaustoffhändler" in der Nähe, so das zumindest gewährleistet wäre, das es sich um echte Eichenfachwerkbalken handelt und auch den Backstein würden wir entsprechend dort auswählen.





Derjenige, dessen Kenntnisse so weit reichen, um eine Fachwerkfassade nahezu perfekt vortäuschen zu können, würde diesen Wunsch gerade eben niemals hegen.



Danke



Ich weiß das ihr alle Fachwerkliebhaber seid.
Das bin ich auch und genau deshalb habe ich mich an euch gewandt.
Schade finde ich Antworten, die mir ein deutliches "Naserümpfen" bezüglich meiner Anfrage vermitteln. Wenn ich ein "echtes" Fachwerkhaus kaufen könnte, so hätte ich diese Anfrage hier nicht gestellt...
Aber trotzdem danke, ich frage dann mal bei unserem Baustoffhändler nach, was der davon hält.
Der ist auch ein Fachwerkliebhaber, aber eben auch ein Träumer wie ich ... Trotzdem vielen Dank an euch! Weiter so!



Frage war schon öfter im Forum



so z.B. hier:

http://fachwerkhaus.historisches-fachwerk.com/fachwerk/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/32258$.cfm

Wir haben unser Erdgeschoß, bei dem der Vorbesitzer die Fachwerkwände durch Mauerwerk ersetzt hat,auch so kaschiert.

Hiervor sind wir jedoch in der Region herumgefahren und haben in alten Dörfern historische Vorlagen fotografiert und zum Teil aufgemessen (Ständerabstände, Balkenstärken, Ausbildung der Balkenverbindungen usw.).

Der Aufwand ist nötig, Fachwerk muss statisch richtig aussehen. Das Gegenteil sieht man an den zu Recht verdammten Scheinfachwerkfassaden aus max. 10- 12 cm breiten und meist zu dünnen und damit wegen dahinterlaufender Feuchtigkeit aufgewölbten Holzbrettern, die auch noch sichtbar verschraubt sind.

Wie wir es gemacht haben siehe den Link(kopieren und in Adressfeld eingeben). Nach meiner Auffassung ein in Eigenleistung machbarer Kompromiß.

Gruß Eckard

P.S. Für die Eckbalken aufgesägte Vollbalken verwenden. Wir haben auf Gehrung geschnittene Bohlen verwendet, der Spalt bleibt dann sichtbar.



Vielen vielen Dank!



Das war doch jetzt wirlklich mal eine kompetente Aussage. Dankeschön! Ich war auch schon auf dem Link, hatte leider wohl vorher nicht vernünftig im Forum gesucht. Das wird in jedem Fall weiter helfen. (Danke auch an die Leute aus den vorherigen Antworten).
Die Fassade sieht übrigens toll aus.*kompliment*
Wenn wir das Vorhaben tatsächlich verwirklichen, werde ich hier auch mal ein Foto posten (auch wenn es dadurch selbstverständlich nie wirklich ein Fachwerkhaus wird).
Aber auch unsere Nachbarn werden sich vielleicht an einer hübschen (wenn auch "unechten") Fachwerkfassade eher erfreuen, als das sie weiterhin auf diesen gelben 60er-Jahre-Klinker gucken müssen.



Vorfachwerk



. Sollte in den anschlüssen bedacht sein , z.b. Dachüberstand , eckabschlüsse zu angrenzenden wänden , Wasserführung , Fundamente und natürlich Bauphysik ( wie sieht der alte Wandaufbau aus ? .
Natürlich muss auch erlaubt sein , über einen Rückbau nachzudenken , sprich Mauerwerk raus ,hysterisches Fachwerk rein , auch wirtschaftlich zu überlegen , wenn z.b. der DÜ nicht breit genug ist .
Gruss Jürgen Kube





Tanja, die Gegensprecher blenden Sie freundlich aus, eine Fürsprache bedenken sie mit „Kompetenz“. Finde ich schon reichlich merkwürdig. Sie bezeichnen die unbestimmte Forumsgemeinde als Fachwerkliebhaber, und sich selbst auch. Von erstem weiß ich dass es nicht stimmt, ich z.B. bin kein ausgesprochener Fachwerkliebhaber, und von zweitem vermute ich, dass es in Wahrheit auch nicht stimmt, zumindest in seiner Konsequenz nicht durchdacht ist.

Was für einen Gewinn haben Sie davon in einem Haus zu sitzen, von dem sie wissen, dass es kein Fachwerk ist, aber von außen zumindest so aussieht (zumindest für Laien)? Seien sie mal ehrlich.

Was ist das für eine Philosophie? Was wird da nach außen gelebt? Dauerhaft und unehrlicher Weise signalisiert? Was und warum?

Ein Sichtfachwerk entsteht dann, wenn der Bauherr wohlhabend genug ist, um die notwendige Skelettkonstruktion ästhetisch überhöht auszubilden. Das erklärt sich von selbst, und ist etwas, wo eine Hinterfragung kindisch wäre.

Warum entfernen sie nicht einfach den „hässlichen Klinkerschmuck“ und versehen das Haus mit einem schlichten Putz? Was ist daran verdammt noch einmal so verwerflich? Sie liebäugeln mit einem Haus, dass kein Fachwerkhaus ist, erst recht keines mit Sichtfachwerk. Dieses Haus hat Mauern.

Gruß

@Eckard: Ihren Fall kann ich schon eher nachvollziehen, da es sich um eine „Rekonstruktion“ handelt. Ob das der richtige Weg ist, sei mal dahingestellt.



*kopfschüttel*



Selbstverständlich blende ich die Gegner der Sache freundlich aus, denn ich habe hier eine Anfrage gestellt, zu der ich mir von diesem Forum Hilfestellungen erwartet (und ja auch bekommen)habe. Es nützt mir aber nichts, wenn mein Postfach überquillt von Kommentaren die mich von meinem Vorhaben abbringen wollen, nur weil es den Personen nicht gefällt was ich vorhabe.
Natürlich verspreche ich mir (für mich persönlich) einen Gewinn von dieser Sache, denn sonst käme ich ja gar nicht erst auf so einen Gedanken.
Was ich damit "nach außen leben will" und das ich nicht wohlhabend genug wäre, sind Unterstellungen die mir hier wirklich die Sprache verschlagen.
Und an Putz und Klinker ist überhaupt nichts Verwerfliches, aber ich hätte es halt gerne einfach anders, -das sollte man akzeptieren können, oder wenigstens Kommentarlos drüber stehen, wenn man es schon unakzeptabel findet.
Ich danke immernoch den (in meinen Augen) kompetenten Forumsmitgliedern für ihre bisherigen Hilfestellungen!



Wandergeselle aus dem Zimmermannshandwerk.


lehmbau

So ´ne Wand, die kriegt nur ein Zimmermann hin. Vielleicht ja auch, wie hier im Bild, ein Wandergeselle aus dem Zimmermannshandwerk.

Gruß
Beatrice





Tanja

Ich habe das weniger persönlich gemeint, als Sie das verstanden haben. „Nach außen leben“ ist eine zunächst wertungsfreie Terminologie in der Architektur, nicht mehr nicht weniger. Und bei dem Satz mit dem wohlhabenden Bauherren, habe ich keinen Vergleich mit Ihnen beabsichtigt, mir war hauptssächlich der Zusammenhang zwischen Konstruktion und Fassade wichtig.

Warum sollte man kommentarlos Ihrer Absicht gegenüber stehen? Würde jeder Bauherr tun und lassen was er will, ginge, um es mal derb zu sagen, die Baukultur dann ganz vor die Hunde (Bevor Sie auch das zu persönlich nehmen, das liese sich schon rein statistisch begründen).
Sie wollen ja wohl niemanden der sich studierend und beruflich über Jahre mit diesen Themen auseinandersetzt, absprechen, dass er ein differenzierteres und kenntnisreicheres Bild darüber besitzt als ein Baulaie, oder? Wenn Sie das zu einer Sache der Meinung oder des Geschmacks degradieren, machen Sie es sich zu einfach.

Ferner können Sie nicht erwarten, dass Sie mundgerecht Ihre Fragen beantwortet bekommen. Und erst recht nicht in einem öffentlichen Forum. Sicher auch keine Sache des „drüber Stehens“.

Die von Eckard beschriebene Maßnahme hat z.B. einen ganz anderen Kontext als der Ihrige. Das sollten Sie sich auch mal bewusst machen. Ein Kontext, der diese Sache in meinen Augen einigermaßen rechtfertigt.

Aber der Tip mit dem Zimmergesell halte ich noch für den besten, wenn es denn schon sein muss.

MfG



ehrliche Architektur



ich möchte hier dem Johannes Hoffmann etwas Unterstützung geben. Auch ich bin der Meinung, dass Kritik an solchen Vorhaben durchaus berechtigt ist. Als Bauherr hat man doch auch eine gewisse Verantwortung für die Gestaltung des öffentlichen Raumes, nicht zuletzt deswegen gehört sie in kompetente Hände, und wird für die Veränderung einer Fassade auch eine Genehmigung verlangt, die auch gewissen Regeln unterliegt. Man kann eben nicht machen, was man will.

Der Streit um "gute" Architektur ist oft auch ein Streit um ehrliche Architektur, die das konstruktive und funktionale Gefüge des Bauwerkes in geeigneter Weise zeigt und nicht versteckt, kaschiert oder unter Baumarktmoden erdrückt. Solche Beispiele finden wir leider viel zu viele. Ich empfehle mal das Studium des Büchleins "Fachwerksünden", in dem auch Fachwerkkaschierungen dargestellt werden. Vielleicht können ja die dort dargestellten Beispiele überzeugen, dass das Resultat eines aufgedoppelten Fachwerkes immer lächerlich aussieht.

Dies ist kein Naserümpfen, sondern wohlgemeinter und ehrlicher Ratschlag von Leuten, die sich viele Jahre mit der Materie befassen und besorgt sind um das Erscheinungsbild von Dörfern und Städten. Und die ihrerseits manchmal verzweifeln an der Beratungsresistenz sturer Bauherrn.

Eine angemessene Fassadengastaltung wünscht,