Fassade dämmen mit Thermo-Hanf Combi Jute

23.09.2021 Christiane


Hallo liebe Forumsmitglieder,
wir sind gerade etwas unschlüssig in Bezug auf die richtige Fassadendämmung. Unser Haus (Baujahr 1907, Fachwerkkonstruktion, Gefache gefüllt mit Lehm oder Bimsstein) wird im Frühjahr eine neue Fassade bekommen. Da der Putz ohnehin einmal ab ist, stellt sich die Frage nach der Dämmung. Geplant war eigentlich, die geschädigten Gefache zu revitalisieren bzw. neu auszumauern mit Leichtlehmstein, dann sollte ein Lehmunterputz mit Stroh ganzflächig verputzt werden und abschließend ein Kalkputz drauf, innen Sichtfachwerk, hier mit einem Lehmputz die Gefache noch einmal aufhübschen. Nun sagte mir gestern jemand, mehr als 10% Fassadenerneuerung = Dämmpflicht nach EnEV. Wir haben uns zu einigen Dämmmöglichkeiten mal belesen. Innen möchte ich nicht dämmen, die Zimmer sind eigentlich recht klein und ich möchte innen auch das Sichtfachwerk sehen. Für außen habe ich angedacht, evtl. Lehmunterputz, darauf dann 5 cm Schilfrohrdämmplatte, nochmal Lehmunterputz und dann den Kalkputz. Ich habe nun die Thermo-Hanf Combi Jute entdeckt. Wäre es damit auch möglich? Wie würdet ihr da den Aufbau empfehlen? Muss dann auf die Jutenplatte trotzdem noch Holzfaserplatte drauf? Dann könnte man sich das ja sparen und greift gleich zu Holzfaserplatte.
Wieviel cm muss denn zwingend gedämmt werden? Ich habe ein bisschen die Befürchtung, dass unser Haus "erstickt". Bisher waren die Gefache mit einem 5cm Zementputz verputzt, den haben wir nun entfernt. Ich danke euch für Ideen.



Die ENEV heißt jetzt GEG



Am 1.Januar löste das Gebäudeenrgiegesetz (GEG) die ENEV und andere Gesetze ab. Damit gingen viele Änderungen der Vorgaben und Vorschriften einher.
Ich rate dir dringend einen BAFA-vorlageberechtigten Gebäudeenergieberater ins Boot zu holen, der dir die Außendämmung GEG-konform berechnen kann und dir auch bei der Beantragung entsprechender Subventionen behilflich ist.
Die DENA (Deutsche Energieagentur) hat eine Liste der zugelassenen Energieberater auf der website https://www.energie-effizienz-experten.de/fuer-private-bauherren/finden-sie-experten-in-ihrer-naehe veröffentlicht. Da kannst du nach PLZ suchen.
Selbst belesen kannst du dich derweil z. B. hier: https://www.bafa.de/DE/Energie/Effiziente_Gebaeude/Sanierung_Wohngebaeude/sanierung_wohngebaeude_node.html

Eines schon vorweg. Mit einer 5cm-Schilfplatten-Dämmung wirst du die Vorgaben nicht erreichen. Davon abgesehen ist es m. E. vergeudeter Aufwand und rausgeschmissenes Geld eine ineffiziente Dämmung zu montieren. Wenn, dann sollte man sie so ausführen das ein Optimum an Energieeinsparung möglich ist, ohne dass das Haus "erstickt". Was mit entsprechenden Materialien durchaus machbar ist.



Dämmpflicht?



Guten Morgen,

vielen Dank für die Antworten. Muss ich denn wirklich verpflichtend dämmen? Auch wenn das Ergebnis evtl. etwas ungenau ist, wir haben online einen Modernisierungscheck durchgeführt mit dem Ergebnis, dass die Fassadendämmung in unserem Fall nicht rentabel wäre und sich erst in 17 Jahren armortisieren würde. Wir haben bereits das Dachgeschoss gedämmt und die Fenster erneuert. Wenn wir jetzt nach den gesetzlichen Vorgaben auf 14 cm dämmen würden, hätten wir auch das damit verbundene Problem des zu kleinen Dachüberstandes.



Re: Dämmpflicht



"Muss ich denn wirklich verpflichtend dämmen?"
Siehe https://www.bmi.bund.de/DE/themen/bauen-wohnen/bauen/energieeffizientes-bauen-sanieren/energieausweise/gebaeudeenergiegesetz-node.html, und/oder frage den Energieberater deines Vertrauens.
"....in unserem Fall nicht rentabel wäre und sich erst in 17 Jahren armortisieren würde." Gegenfrage: Ab wann wäre es denn deiner Meinung nach "rentabel"? Eine Investition in ein Gebäude sollte man halt immer langfristig sehen. Eine ordentlich gemachte Außendämmung hält nun mal länger als 17 Jahre. Ist somit wohl doch "rentabel". Und je mehr die Energiekosten steigen, was garantiert kommen wird, umso rentabler wirds.....
"......das damit verbundene Problem des zu kleinen Dachüberstandes" ist ein weit verbreitetes Problem.
Nicht nur, aber auch deshalb sollte man sich entsprechende Fachleute vor Ort holen, um die individuellen Details zu klären, bzw. Lösungsmöglichkeiten zu finden.



das wird alles überbewertet...



ich würde einfach machen.....glaubt denn jemand im ernst das das kontrolliert wird..
wenn ihr keine Förderung beantragen wollt und keinen Energieberater der ein Antrag unterschreibt braucht/wollt.....
ich würde das zumindest mal rechnen lassen das da nix schief geht in sachen Taupunkt...und gut
letztendlich ist es eine sache des Handwerkers ob die Fassade funktioniert oder nicht.
das beste konzept/ produkt bringt nix wenn es fehlerhaft eingebaut wird.


meine Meinung.....



Re: das wird alles überbewertet



Fakt ist aber dass es das GEG gibt und verpflichtend einzuhalten ist. Natürlich ist es so, wo kein Kläger da kein Richter. Ich persönlich habe auch noch keine diesbezügliche behördliche Baustellenkontrolle erlebt, sehe es von daher auch eher nicht so eng. Will man aber die u. U. nicht unerheblichen Subventionen mitnehmen, kommt man um einen vorlageberechtigten Energieberater nicht herum. Zumal auch dessen Kosten subventioniert werden.
Ich kann nur empfehlen einen Berater mindestens einmal zu einem Gespräch vor Ort einzuladen. Vor allem wenn man gar keine Ahnung von der Materie hat. Fragen kostet nix, bringt aber meistens einen Gewinn, wenn manchmal auch nur an Erkenntnis.

"ich würde einfach machen.....wenn ihr keine Förderung beantragen wollt und keinen Energieberater der ein Antrag unterschreibt braucht/wollt..... ich würde das zumindest mal rechnen lassen das da nix schief geht in sachen Taupunkt..." Das ist ein Widerspruch in sich. Einerseits braucht man den Energieberater nicht, andererseits soll man die Sache berechnen lassen. Von wem, wenn nicht von einem Energieberater?

"....letztendlich ist es eine sache des Handwerkers ob die Fassade funktioniert oder nicht.
das beste konzept/ produkt bringt nix wenn es fehlerhaft eingebaut wird."
Richtig. Aber genau das ist ein weiterer Grund einen versierten Energieberater ins Boot zu holen. Denn dessen Job ist nicht nur Bauherrschaft zu beraten und bei der Beantragung von Subventionen zu unterstützen, sondern er überwacht und dokumentiert auch die Ausführung, schreibt einen Abschlussbericht für die BAFA und steht somit mit den ausführenden Firmen in der Verantwortung (Gewährleistung).

Eine Außendämmung ist eine langfristige Investition, die viel Aufwand und Geld kostet. Ich finde, wenn man so ein "Projekt" angeht, sollte man es auch möglichst optimal machen. Einfach nur machen, ohne Plan und auf Grund irgendwelcher Ideen aus den Internet (z. B. dieses Forum), den sonstigen Medien, oder dem Bekanntenkreis, wo der Eine oder die Andere die eigene Hütte auch schon gedämmt hat, nur um ein paar Euronen zu sparen, ist am falschen Ende gespart. Es wäre nicht das erste Mal dass der Schuss nach hinten los ginge.