Fassade sichern (Einsturzgefahr?)

05.11.2006



Hallo Fachwerkler,

ich habe ein Problem mit dem Haus meiner Eltern.
Das Haus ist weit über 150 vieleicht sogar über 200 Jahre alt.
Als meine Eltern das Haus damals (1976) kauften, war dieses mit einer Sparklinkerfassade (ca.50mm) versehen. Diese Fassade ist an zwei Seiten angebracht worden und befindet sich auch heute noch dort. An einer der angrenzenden Seiten haben wir vor längerem bereits im oberern drittel einen größeren Riss entdeckt. Als jetzt der Dachdecker da war um neue Dachrinnen anzubringen hat er gesehen, dass die Fassade offenbar nicht verankert ist und sich um etwa 2-3cm vom eigentlichen Mauerwerk abgesetzt hat. Normalerweise müssten von oben (lt. Aussage eines Bauunternehmers) die sogenannten Luftschichtanker zu sehen sein. Dies ist jedoch nicht der Fall. Da wir jetzt berechtigte Angst haben, dass uns die Fassade auf die Straße kracht, suchen wir eine Lösung, wie wir diese Sichern können.
Wenn die Aussenwände des Hauses so sind wie im Innenbereich, sei hinzugefügt, dass es sich hier um ein Gemisch aus Lehm Stroh und irgendeiner art von weichen Ziegelsteinen handelt.
Wir sind wirklich sehr Dankbar über jeden Tipp oder über Adressen, von Spzialisierten Unternehmern.

Vielen Dank für Ihre Hilfe



Fassadenablösung



Guten Tag,

zunächst einmal trifft Sie als Eigentümer eine Verkehrssicherungspflicht, daß heißt, es muß ausgeschlossen werden, daß irgendwem etwas passiert. Das können Sie nur erreichen, wenn Sie die Fläche vor der Fassade wirksam sperren. Soviel vorab.

Zum Schaden an sich: Sparklinker mit Luftschicht waren noch nie zulässig, sie hätten immer mit direktem Verbund ausgeführt sein müssen. Wenn jetzt zuwenig Anker vorhanden sind (die Luftschichtanker werden wohl ohne Luftschicht ausgeführt sein, was aber an ihrer Bezeichnung nichts ändert), dann ist nach dreißig Jahren mit Ablösungen zu rechnen. Es hätten pro m² mindestens 5 Anker aus nichtrostendem Stahl, Durchmesser mehr als 3 mm verwendet werden müssen, zusätzlich 3 Anker pro laufenden Meter Außenkante.

Sanierungsmöglichkeiten bestehen mit sogenannten Verblendsanierankern, z.B. von Fischer, mit denen solches Mauerwerk nachträglich verdübelt wird.
Das ist das Prinzip.
Kosten: ca. 10-11 € / Anker + Gerüstkosten (5 bis 7 €/m²).

In der Praxis können Probleme mit dem Untergrund auftreten, in den zu verdübeln ist. Deshalb ist das nichts für Selbermacher, sondern für eine Gemeinschaftsarbeit von Statiker und Fachunternehmen mit Sanierungspraxis.
Allerdings stellt sich mir bei Gesamtsanierungskosten von mindestens 70 €/m² + MWSt. und Nebenkosten die Frage, ob man die Gelegenheit nicht nutzt, um insgesamt eine zum Gebäude passende neue Fassade zu bauen.

mit freundlichen Grüßen



Fassadenaufbau



Es gibt eine alte Regel für den Aufbau von Aussenwänden, die besagt, dass der Diffusionswiderstand von innen nach aussen abnehmen soll. Wenn Sie also die beschriebene "weiche" Wand aus Lehm und weichgebrannten Ziegeln haben, wäre eine Vorsatzschale aus (harten) Klinkern vollkommen falsch. Vielleicht hat sie sich ja auch aus diesem Grund gelöst?
Ohne das Haus und die genauen Umstände zu kennen wäre es daher ein Vorschlag, die bauphysikalisch falsche Vorsatzschale zu entfernen und die alte Fassade mit geeigneten (gleichen wie vorhandenen) Materialien zu sanieren.

beste Grüsse,
jh