Fassade - Kräftige Kalkfarben

05.02.2008


Hallo!
Ich muß in nächster Zeit meine Fassade (vom Haus! ;-) ) sanieren. Wollte eigentlich mit Kalkfarbe streichen. Nun kann man Kalkfarbe, wie ich lesen mußte, nur mit 5% abtönen. Das ergibt aber nur Pastelltöne. Wie haben unsere Vorfahren dann aber kräftige Farben (z.B. an Gründerzeit-Fassaden) hinbekommen?
Da ich sowieso neu Verputzen muß, wollte ich vielleicht die Pigmente mit Kalksinterwasser anrühren und auf den frischen Putz pinseln (als Fresco). Aber das dürfte dann wohl auch nicht richtig halten...
Kaseinfarbe wäre auch möglich, da kann man aber auch nicht stärker abtönen....

Gruß, Oskar



Bei Kaseinfarben sind auch Volltöne möglich!



Kaseinfarben lassen sich auch als Volltonfarben herstellen, da das Bindemittel Kasein durchsichtig ist, reichen relativ geringe Pigmentkonzentrationen um eine deckende Farbe zu erhalten. Lediglich bei fertigen Kaseinfarben, denen bereits ein Weisspigment oder Füllstoffe zugefügt ist kann man keine Volltöne erreichen.
Pigmente mit Kalksinterwasser angerührt auf frischen Putz gepinselt sind sehr wohl lange haltbar, jedoch nur wenn sämtliche Randbedingungen stimmen ( Lage des Objektes, richtige Putzmischung, richtiger Zeitpunkt des Farbauftrages...). Dies könnte schwierig werden, falls man nicht täglich mit der Materie zu tun hat.

Grüße Tobias Büttner



bis 10 % möglich



Hallo Oskar,

die Ecole d`Avignon hat 1992 im Rahmen des Deutsch-Französischen Gesellenaustausches folgende These in den Raum gestellt und in einem Feldversuch bewiesen ! Kalkfarben können mit bis zu 10 % Erdpigmenten abgetönt werden. Ganz genau weis ich es nicht mehr aber Eisenhaltige Pigmente bis max. 8 %. Beim Versuchsaufbau und beim Anstrich war ich auf Korsika dabei, die Auswertung nach ein paar Jahren hat die Behauptung(oder Vermutung) bestättigt. Bei den bis max. 10 % abgetönten Farben gab es nur bei wenigen Pigmenten Auswaschungen. Man bewegt sich also hier in einem durchaus historischen Rahmen, da wie Du selbst geschrieben hast unsere Vorfahren durchaus Kalk stärker abgetönt haben.

Die Gründerzeit allerdings, kannte bereits die Mineralfarben auf Basis von Silkaten, welche sehr intensive Farbtöne zulassen. Auch wurden, zumindest in unserer Industriellen Gegend Ölfarben auf die verputzen Fassaden gestrichen. Das hieraus sich ergebende Problem (auch heute noch) muss hier nicht weiter Erläutert werden.

Falls du die Fassade Komplett (in einer Fläche) intensiv töns und keine Flächen diese gliedern (keine Balken, kein hellerer Sockel) könnte ich mit etwas ausbluten der Farbe leben.


Grüsse
Jürgen Jobmann

PS.: Natürlich sollte es keinen farbigen Gehweg nacher geben (grinz).



Baustelle?



Hallo Oskar,
ich würde mir gern Deine Baustelle mal anschauen, da wir viel mit Lehm und Kalk bauen. Wir wohnen zwischen Chemnitz und Dresden, kann ich mal vorbei schauen ?
Andreas
email: mohnrausch@web.de



Hallo,



wenn entsprechende Trockenzeiten des Kalkoberputzes beachtet werden, funktioniert natürlich auch ein frescaler Anstrich.
In Kalksinterwasser eingesumpfte Pigmente (kalkecht!) können auch als reines Pigment (Vollton) aufgetragen werden. Die "Festigkeit" der Farbschicht ergibt sich aus der mehr oder weniger erfolgten Einbindung (Versinterung) der Pigmente in die Putzoberfläche.
Fresco ist jedoch bekanntlicherweise nicht Jedermanns Ding!
Es gibt hierzu entsprechende Fachliteratur ... und es gibt natürlich auch Fachfirmen, die genügend Erfahrungen mit solchen Arbeiten haben





Hallo Oskar,
auch ich bin ein Freund kräftiger Farben und nach dem Motto 'Farbe fürs Denkmal' habe ich meinen 'Turm' mit selbstgemischten Kaseinfarbe gestrichen. Nach mehreren Fehlschlägen (Farbton, Haltbarkeit) ist 2005 der Anstrich geglückt. Die Haltbarkeit (Oberflächenfestigkeit) ist jedoch nicht vergleichbar mit 'modernen' Farben. Bei einem Unwetter im Mai 2006 wurde die Fassade 'hagelgestrahlt', tausende kleiner Einschusslöcher sind bei genauem Hinsehen heute noch zu sehen. Seither ist zu beobachten, dass der Anstrich zwar mächtig 'kreidet'(d.h. wenn man sich mit seinen Klamotten anleht versaut man sich prima!)das hat aber den Nebeneffekt, dass auch kein Ruß oder Dreck von der Straße anhaften bleibt, die Hagelschäden allmählich wieder verwaschen und sich eine mediterrane Patina einstellt, wie man sie von Urlaubsfotos (Venedig) kennt. Leider habe ich keine Tropfkante, Rinne o.Ä. an den Fenstereinfassungen angebracht, so dass die mittlerweile nicht mehr schneeweiss sind sondern Rotschleier aufweisen.
Die Aktion war mit dem Denkmalpfleger abgestimmt und der war glaube ich auch froh über die Abwechslung von dem dominierenden Denkmaleinheitspastellgelb. Ich kann mit den Auswaschungen gut leben und freue mich über eine lebendige Optik, die je nach Feuchtigkeit und Lichteinfall jeden Tag anders aussieht.
Also, wenn deine Fassade jetzt nicht riesig gross ist und nicht neubauperfektdaurhaltundabwaschbar sein muss, würde ich sagen: Nur Mut zum Experiment.