Standölfarbe kontra Wetterschutzfarbe

05.04.2004



Wir wollen unseren noch unbehandelten Zaun streichen. Nach Info im Forum hatten wir uns für Grundieröl/ Standölfarbe entschieden, weil wir dann später bei einem Reparaturanstrich die alte Farbe nicht Abschleifen müssen, sondern einfach überstreichen und uns außerdem die Farbe nach RAL anmischen lassen können.
Dann wollte ich mir heute ein Vergleichsangebot in unserem Farbenfachhandel einholen. Wir sind dort seit Jahren Kunde und waren immer sehr zufrieden mit Beratung und Qualität der Lasuren etc.
Dort wurde mir von Standölfarbe abgeraten. Begündung: Der Anstrich basiert auf Leinölbasis, was zu Problemen mit Insekten, Pilzbefall etc. führen kann. Bisher habe ich im Forum aber noch nie etwas Negatives dazu gehört. Hat irgend jemand mit Standölfarbe schlechte Erfahrung gemacht?
Mir wurde zu Holzimprägniergrund und Wetterschutzfarbe (Schwedenfarbe) geraten. Angeblich kann mal die dann auch einfach überstreichen. Stimmt das? Welche der beiden Anstriche hält länger?
MfG Petra



Keine schlechten Erfahrungen



Bisher sind mir keine schlechten Erfahrungen zu Standölfarbe bekannt geworden. Ich kann die Argumente gegen die Standölfarbe also nicht nachvollziehen.
Das Problem für den Anwender ist bei dieser Konstellation allerdings, das hier jeweils derjenige, der ein bestimmtes Produkt im Angebot hat, dieses auch bewertet.
Es wäre sicher schön, wenn sich auch Anwender zu Wort melden, die die Produkte bei sich eingesetzt haben.
Was ist mit Wetterschutzfarbe (Schwedenfarbe) gemeint? Welche Inhaltsstoffe enthält diese Farbe?

Mit besten Grüßen



Leinölfarbe



Ich bin zwar kein Anwender, aber aus der Theorie ist es allgemein bekannt, dass bei der Verwendung von Leinöl im bewitterten Bereich die Holzfeuchte ansteigt. Dies macht das Holz natürlich anfälliger für Pilze und Insekten.
Alle Naturfarbenhersteller bieten Lasuren für diese Anwendung an. Natürlich gilt, einmal gestrichen hat man alle 3-5 Jahre wieder eine Aufgabe für die Frühlingszeit.



Wetterschutzfarbe



@ Herr Schneider
Die Farbe ist eine Kunstharzdispersion. Genauere Inhaltsstoffe erhalte ich erst mit dem Angebot.
MfG Petra



Genau da sehe ich das Problem



Bei einer Kunstharzdispersion wird das Holz nahezu diffusionsdicht versiegelt. Und schon haben wir das Problem der wasserdichten Uhr: Das Wasser kommt rein aber nicht wieder raus.
Durch Wettereinflüsse wie Kälte und Hitze, Steinschläge (z.B. an einer Straße) bilden sich Risse in der Farbe. Durch diese dringt die Feuchtigkeit ein, kann aber nicht wieder schnell genug raus.
Aber zu dem Thema haben wir glaube ich schon ausgiebig diskutiert. Ich würde meinem Holz auf keinen Fall einen Kunstharzdispersionsanstrich antun.
Was natürlich, auch schon besprochen, eine Alternative wäre, sind Holzlasuren. Die aber wiederum sind nicht deckend, und können nicht im gewünschten Farbton geliefert werden, sondern müssten selbst mit Pigmenten abgetönt werden, damit ist es deutlich schwieriger, das gewünschte Farbergebnis zu erreichen. Wobei dazuzusagen ist, das die Holzlasuren der Naturfarbenhersteller auch auf Leinöl basieren und somit das von Herrn Heim angeführte Argument bei der gleichen Problematik landet.
Ergo: Das Allheilmittel gibt es nicht. Auch die Standölfarbe die ich Ihnen angeboten habe bewirkt keine Wunder. Ich würde sie aber als die sinnvollste Alternative für Ihren Zaun mit den mir bekannten Randbedingungen sehen.



Und da waren sie wieder meine 3 Probleme....



Habe noch nie eine Baumarktlasur benutzt. Auf was basiert den die? Und was passiert denn da meinem Zaun?
Tendiere zur Zeit zu Herr Schneiders Varianten. Kenne gestrichene Zäune die abblättern, aber keine gestrichene, die Pilze haben. Es muss doch hier irgend jemanden im Forum geben, der schon vor längerer Zeit auf Leinölbasis eine bewitterte Fläche gestrichen hat! Hallo, wo bist Du :-)
@Herr Schneider: Bei Bestellung des Angebotes an Sie persönlich wenden, oder über die Homepage gehen?
MfG Petra



Baumarktlasur



das Problem ist meist, das man nicht weiß was alles drin ist. Die meisten im Baumarkt erhältlichen Produkte enthalten mindesten Biozide (immer dann wenn ein RAL-Zeichen drauf ist ist das sicher), wobei das beim Zaun vermutlich eher unproblematisch ist. Ansonsten z.B. Alkydahrze in Verbindung mit dem kritisierten Leinöl (z.B. bei Xyladecor).
Die Capamix Capadur Color Wetterschutzfarbe ist z.B. ein:
Wasserverdünnbarer Dispersionslack auf Polyvinylacetatbasis, anorganischen/ organischen Pigmenten, Wasser und kleinen Anteilen Lösemitteln: Filmschutz mit fungiziden und algiziden Wirkstoffen.
So oder ähnlich sind die meisten im Baumarkt erhältlichen Holzanstriche aufgebaut. Mal ein bischen im Internet suchen, da finden sich auch diverse Tests z.B. von Ökotest und anderen.
Da Sie ja eine speziell farblich gemischte Standölfarbe haben möchten, schicken Sie mir am besten eine Mail mit der gewünschten Farbe und Menge.

Mit besten Grüßen



Ach übrigens



falls die Wetterschutzfarbe (Schwedenfarbe) von Leinos ist, dann ist die auch mit Leinöl und Leinöl-Standöl als Basis aufgebaut (siehe Volldeklaration Leinos).



Dazu nur soviel...



Mein Schreiner mischt seine Farben selber aus Leinöl und Pigmenten anch alten Rezepten und hat damit alle Fenster, Türen etc. gestrichen.
Auch auf der Wetterseite....und er würde nie was anderes machen. Kein Pilzbefall nichts.
Die Fenster in meinem FW-Haus hatten auch Leinölfarbe drauf und einige der Fenster habe ich nur abgelaugt, neu gestrichen und schon wieder eingebaut. Auch keine Pilze!

Und wenn das Holz feucht wird...es kann doch durch die Ölfarbe wieder austrocknen! Bei Kunstharz funktioniert das nicht!

MFg



Leinölbasis



Bei einem Zaun habe ich gegen die Verwendung von Leinöl gar keine Bedenken. Die meisten Hersteller von Naturfarben verändern die Rezeptur noch durch Zugabe von Dammar und Collophonium (zur Verbesserung der Standfestigkeit)sowie geruchsaktiver Soffe, damit man die Lust am Streichen nicht verliert (Kundenlockmittel, wogegen aber m.E.nichts einzuwenden ist). Die deckende Wirkung wird durch Zugabe von Pigmenten erreicht. Mit dieser Rezeptur können Sie sich also selbst preiswerte Farben anmischen. Die Pigmente sind äußerst ergiebig.
Bei den in Baumärkten angebotenen Lasuren kann man unterscheiden zwischen solchen auf öliger Basis und solchen auf Reinacrylatbasis. SADOLIN ist z.B. solch ein Produkt. Es ist bei ausreichender Pigmentierung auch sehr wetterbeständig. In Irland z.B. sagt man "to sadolinize one´s house" , auch beliebt in Dänemark, also wettererprobten Regionen. Womit keine Werbung meinerseits verbunden sein soll. Gerade wenn die zaun schon älter sein sollte, würde ich immer Produkte auf Ölbasis verwenden.
Die "harten" Produkte wie Braunkohlenteeröl und Steinkohlenteeröl sind für die mobile Anwendung nicht mehr zugelassen.
Das heißt, daß Sie für die Pfosten entweder Eiche oder Lärche verwenden müssen, oder aber von vornherein davon ausgehen, daß die Lebensdauer der erdberührten Bauteile begrenzt ist.
Das Pilzproblem stellt sich nach der neueren Literatur über solche Schadensfälle besonders bei raumabschließenden Bauteilen, die nur schwach gedämmt, aber diffusionsoffen sind. Das ist bei Ihnen offenbar nicht der Fall.



Danke!



Wer die Wahl hat, hat die Qual! Dank der ganzen Antworten sehe ich jetzt durch, was die Vor- und Nachteile der einzelnen Möglichkeiten sind.
Diese Wetterschutzfarbe kommt auf jeden Fall nicht in Frage. Für die Vorderansicht des Grundstückes werden wir Standöl nehmen, wegen der RAL. Und auf der Rückseite des Grundstückes würde es mich reizen, mal etwas rumzuexperimentieren. Insgesamt sind es ja 75m Zaun in 3 Abschnitten: Einen Abschnitt fertige Lasur und ein Abschnitt mit selbst gemischter Lasur. Dashalb noch eine Bitte an Herrn Körber und Herrn Beckmann: Könnte ich die Rezeptur(en) verraten bekommen?
Vielen Dank im Voraus
und schöne Ostern wünscht Petra