Farbe, Wand, Kalk, Schimmel, Sumpfkalk

01.06.2005



Schimmel unter Latexfarbe an der Wand

Hallo zusammen,
ich habe die alte Latexfarbe mühsam von der Wand abgezogen und darunter partiell Schimmelbefall gesehen. Vielleicht hat der Vormieter die Leimfarbe oder den Tapetenkleister nicht gründlich abgewaschen und unter der Latexfarbe konnte die Wand nicht ausreichend gut atmen. Feuchtigkeit nur in diesem Raum im ersten Stock ist wenig einleuchtend.

Die Wand soll mit Binderfarbe gestrichen werden. Ich will folgendermaßen vorgehen:
1. gründlich waschen, um den Schimmel zu entfernen und um ihm den Nährstoff zu nehmen
2. mit Desinfektionsmittel (Aktivchlor etc.) die Wand besprühen und einwirken lassen
3. Tiefgrund auftragen
4. mit Gips die Löcher und Risse verspachteln
5. nochmal Tiefgrund
6. mit Binderfarbe für Fassaden (die hat vermutlich weniger Leimanteil)streichen

Nun meine Fragen:
1. ist das gut so
2. gibt es ein Mittel, das den Schimmel auf Dauer abtötet, ohne dass Verfärbungen oder Gesundheitsschäden zu befürchten sind. Ich denke da an Silberpulverzusatz (giftig als Schwermetall) zum Tiefgrund etc.

Besten Dank für eure Antwort
01.06.2005



Vielleicht Sumpfkalkfarbe?



Hallo,
Sumpfkalkfarbe (z. B. von Kreidezeit) wird oft mit ihrer schimmelhemmenden Wirkung beworben, die durch den hohen pH-Wert und nicht durch irgendwelche Zusätze entsteht. Diese Farbe gibt es auch "gefüllt", also mit Marmorgries-Zusatz, wodurch sie eine Art Streichputzcharakter erhält und leichte (!) Unebenheiten überdeckt. Außerdem ist sie diffusionsoffen. Haben wir an den Zimmerdecken verwendet und sind zufrieden. Vielleicht käme sowas ja in Frage?



Wichtig ist,



daß erstmals die Randbedingungen abgestellt werden, die zum Schimmel führten und weiter führen werden. Und das ist immer überhöhte Feuchte (unzureichende Lüftung/Heizung/sonstige Feuchtezufuhr/überhöhte Abdichtung).

Und dann die richtige Form der Schimmelbeseitigung, er ist ja gesundheitsschädlich.

Und letztlich eine Wandoberfläche, die weder ein Trockenblocker (Plastikbestandteile, Harze) noch ein Feuchterückhalter (Zellulosezuschlag im Rezept) ist. Darauf müssen die Produktdeklarationen abgeklopft werden.

Mit Giftmittelchen ist gar nichts, geschweige denn Gutes erreicht.

Weitere Fachinfo auf dem Link:


Rund um Schimmel, seine Ursachen und Beseitigung


Übrigens: Gips "fault" im feuchten Milieu -und bildet mit zementärem Umfeld (Mörtel) grausamste Treiberscheinungen (Ettringit) und sprengt die Wandbeschichtung ab.



Vorsicht



Fassadenfarbe würde ich im Innenbereich nicht verwenden da diese oft mit Algiziden und Fungiziden eingestellt sind!Und die Gifte haben im Wohnraum nichts verloren!Da würd ich doch lieber auf Sumpfkalk zurückgreifen.Warum Tiefgrund(Wasserverdünnbar oder Lösemittelhaltig?)?





Hallo zusammen,
besten Dank für die schnellen Antworten. Wie es scheint ist Sumpfkalk das Mittel der Wahl. Gibt es sicherlich im Baumarkt und muß man nicht selbst einsumpfen. Oder besser doch für ein paar Tage - so war es wenigsten früher.

Interessant, dass Gips zum Ausblühen neigt. Der wurde mir im Baumarkt zum Verspachteln empfohlen. Also mehme ich doch besser die teure Spachtelmasse (Molto etc.). Ebenso interessant, dass man Fassaden-Binderfarbe im Innenbereich nicht verwenden soll, wegen eventueller gesundheitsbeeinträchtigender Biozide.

Grundieren mit wasserlöslichem Tiefgrund will ich wegen der sandelnden Wand. Ist das denn auch noch empfehlenswert, wenn ich mit Sumpfkalk streiche?

Ich verstehe immer noch nicht, wieso die Wand nass ist. Das Zimmer ist zwar Nord-West-Seite, aber die Aussenfront ist gut isoliert (Noch Eternit im Westen und Stüropor-Isolierputz im Norden. Zudem sind da zweiflügelige Fenster - je eins im Westen und Norden - also gut lüftbar. Es ist kein Wasseranschluss im Raum. Das Reiheneckhaus steht auf sandigem Boden auf einer leichten Anhöhe. Das Dach ist dicht, Dachrinne ist o.k. Darüber ist gut isolierter Dachboden, Decke und Fußboden ist aus Beton. Kein anderer Raum hat Schimmel. Der 18 m2-Raum hat zwei Heizkörper. Ich verdächtige also doch den Luftabschluss durch den Latexanstrich in Verbindung mit einer vorausgehenden schlechten Reinigung der Wand. Indiz ist, dass nach dem Nässen der Wand ich diese geradezu häuten, also den Latexanstrich lappig abziehen konnte.

Übrigens habe ich weiter geforscht wegen dem Silberzusatz zur Grundierung. Es gibt zwar im Handel 10 g kolloidales Silber für akzeptable 40 €, was ja für den Raum reichen würde und Silber ist auch mikrobizid. Aber es kann bei Hautkontakt zu Schäden führen. Bei der Argyrose verfärben sich Haut, Nägel, Schleimhäute und Augen dunkel- bis blau-grau. Also ist es wohl nix mit dieser Idee der Schimmelpilzbekämpfung. - Gruß



Anstrich



Weis nicht ob ein Sumpfkalkanstrich noch eine gut Verbindung zum Untergrund aufbauen kann wenn die Wand tiefgrundiert ist.Würde den Tiefgrund weglassen und nur mit ganz dünner Kalkmilch grundieren.Wenn aber ,wie sie sagen ,ein Latexanstrich vorhanden war könnten sie ja auch ganz auf den Kalkanstrich verzichten und gleich eine Naturharzdispersion verwenden.Informationen dazu finden sie unter biopin.de-beeck.de,alchimea.de,livos.de,auro.de usw usf.



Es gehört zum konstruktiven Grundwissen,



daß alle Dispersionen - egal ob aus Kunst- oder Naturharz - als Trocknungsblocker wirken. Sie lassen die immer einkondensierende und meist auch schon vorhandene Porennässe nicht mehr raus. Auf Dampfdiffusion kommt es nämlich nicht an - 1000fach mehr findet der Feuchtetransport in flüssiger Phase statt.



Naturharz



Sicher ist ein Sumpfkalkanstrich die bessere Lösung als Naturharz.Den Naturharzanstrich dachte ich mir ja auch als Alternative ,da ich davon ausgehe das Herr Seiler all die Farbreste nicht restlos vom Untergrund losbringt!Leimfarbe,Kleister,Latexfarbe!Glaub auch das es sich um einen alten Dispersionsanstrich und nicht um Leimfarbe handelt! Sonst hätte die Tapete und der spätere Latexanstrich nicht so gut gehalten.Und wenn es sich so verhält dann bin ich doch mit Naturharzfarbe auf einem besseren Weg als mit Kalk der mir eventuell abblättert weil er keine Verbindung mit dem Untergrund aufbaun kann oder? Und wenn Dispersion dann doch lieber Naturharz statt Kunstharz!Ach ja ,noch was an den Herrn Seiler-Sumpkalk würd ich mir persönlich bei Kreidezeit oder pigmentmühle holen,bei Baumärkten kriegt man ja so einiges untergejubelt was nicht immer zum jubeln animiert!



@ 31461 (Danksagung)



Es ist doch verwunderlich, wie tief der Krebsschaden "Baumarkt" bereits in unserem menschlichen Bewußtsein verwachsen ist.
Die bessere und auch vernünftigere Lösung wäre zu einem Naturbaustoffhändler zu gehen, wo man die handwerkliche und auch produktspezifischen Anwendungsmöglichkeiten präzise vermittelt bekommt und dann u.U. auch noch einen guten Handwerker zur Seite bekäme.
Doch leider verfällt es immer mehr zum Billig-Billig-Billig-Trend, denn die Wirtschaft macht's uns ja täglich vor.
Bloß nachher, wenn's eben nicht funktioniert, ist das Geschrei dann groß.

Nachdenkliche Grüße aus der Lausitz von Jens und Udo



Wenn schon Schimmel an der Wand,



dann bestimmt keine Kapillarblockerfarbe egal welcher "Natur" wieder drauf. Sonst heißt es "Thema verfehlt". Und das alte Zeug muß freilich raus. Mit Abbeizer z.B., aber frei von lebensgefährlichem Dichlormethan (CKW), oder mechanisch. Die Baumarktqualitäten haben es halt in sich. Alpencolor, Latex, Gummiplastikschwartix Supereasy, ...;-)



Ursache erkannt, Problem noch nicht gebannt



Als Ursache für die Wandfeuchtigkeit ließ sich bisher eine ganze Kaskade von Fehlern ausmachen.
1. (sehr gravierend) Das Fensterblech wurde beim Anbringen des Styropor-Isolierputzes nach oben gedrückt, so dass es sich nach innen neigte. Dadurch lief wohl Wasser hinter das Styropor und konnte dort nicht mehr ausdünsten. Auch das Holzrollo stand immer im Wasser und so wurde dieses, der Rollokasten und das Holzfenster feucht (vom Profi verbockt!).
2. Die besagten Styroporplatten hemmen die Feuchtigkeitsabgabe außen.
3. Aufrund des Aufbringens von einigen Zentimetern Styropor wurde der Dachüberstand reduziert, so dass viel Schlagwasser an die Fassade kommt. Generell ist der Dachüberstand zu gering (vom Architekten verbockt).
4. Der Innenanstrich mit Latexfarbe hemmte den Wassertransport innen (Stockflecken unter der Latexhaut!) (von einem Vormieter verbockt).
5. Eine dicke Schicht weißer Binderfarbe (ließ sich mit der Spachtel abtragen)
6. Billige Binderfarbe mit viel Leimanteil (ließ sich auch etwas abwaschen)
7. Erstanstrich mit gelber Farbe – vermutlich Leimfarbe (ließ sich vom Putz abwaschen)
8. Kein gedämmter Rollokasten (Kältebrücke)
9. Risse in der Wand (Kältebrücken, Schimmelnester, Oberflächenvergrößerung ...)
10. Lüftungsfehler ... ???

Der empfohlene Sumpfkalk ist mir suspekt. Da bekommte man ja bei Kontakt gleich weiße Hände und Kleidung. Eher gefällt mit da schon Naturharzfarbe. Aber bei aller Freund- und Feindschaft gegenüber Baumärkten. Wo finde ich denn einen Naturbaustoffhandel z.B. im Münchner Norden. Wenn ich über das Internet bestelle, habe ich ja auch keine Beratung.

Also, es steht jetzt ziemlich 1:1 für Sumpfkalk:Naturharz. Kalk bindet nicht gut, blättert evtl. ab und ist nicht abriebfest - hemmt aber gut den Schimmel.
Naturharz hat mit den Harzbestandteilen einen Trockenblocker und mit dem Celluloseanteil einen Feuchterückhalter, ist also nicht gänzlich schimmelresistent aber dafür abriebfest.

Es ist aber speziell in meinem Fall noch ein weiterer Aspekt zu berücksichtigen. Die Latexfarbe wurde zwar von allen 4 Wänden und der Decke abgezogen, aber nur die schimmelige Nordseite bis auf den Putz abgespachtelt. Ebenso ca. 1 - 2 Meter bei den zur Nordwand angrenzenden Wänden. Der Rest soll so bleiben, wegen der Plackerei. Man muss also einen verträglichen Übergang schaffen können zwischen einem Bereich, bei dem bis auf den Putz abgeschabt wurde und daneben, wo noch die alte Dispersionsfarbe dran ist. Das dürfte man wohl nur mit einer neuen Dispersionsfarbe, egal Natur oder Kunststoff schaffen.
Seltsam, dass es für dieses vieldiskutierte Problem noch keinen Königsweg gibt. Früher in den feuchten, alten Häusern hat man wohl nur gekalkt – oder? Hoffentlich verbocke ich diese Sanierung nicht!



Naturharz



Hier die Adresse vom Naturfarbenzentrum in München Pasing:Josef- Retzer-Straße30
Tel.:089/88 49 54
Schön das sie sich Gedanken über Naturharzfarben machen,war aber als Alternative gedacht.Ich geb dem Herrn Fischer schon recht wegen der Trocknungsblockung-wegen dem Schimmel wär Sumpfkalk auch besser.Warum werden Ihre Hände und Klamotten weiß-reiben sie immer über die Wand oder lehnen sie sich gerne an?Fahren sie nach Pasing-lassen sie sich da beraten und viel Spass bei der Arbeit!



Und wenn der Kalk abstaubt, gabs Verarbeitungs- oder Rezeptprobleme,



mit denen sich der u.a. Link im Detail beschäftigt:


Wissenswertes zum Kalk und die typischen Fehler



Wo viele Fragen, da viele Antworten



Wir haben jetzt auch noch einen Malermeister um Rat gebeten. Seine Meinung will ich euch nicht vorenthalten – für alle die vor einem ähnlichen Problem stehen.
1. Ich soll die Finger vom Sumpfkalk lassen. Das gäbe nur andere Probleme.
2. Teure Dispersionsfarbe ist gut, da offenporig Man muss aber auch in Zukunft dabei bleiben. Sonst schließt man mit billiger Farbe die Poren wieder.
3. Naturharzfarbe ist fragwürdig. Der Schimmel wird irgendwann, besonders bei Wandfeuchte den Naturharz knacken und als Nährstoff nutzen. Bei Rindenmulch im Garten ist ja nach einem Jahr auch nichts mehr da. Baumharz ist also bei Feuchte und Sauerstoff von Mikroorganismen verwertbar.
4. Wenn auf den schimmelfreien Innenwänden eindeutig jetzt schon Dispersionsfarbe ist, kann ich direkt darüber streichen.
5. Ich soll besser Nägel mit Köpfen machen und im ganzen Raum bis auf den Putz alle Farbschichten abschaben, dann abwaschen, dann dort wo Stockflecken waren mit Aktivchlor einsprühen, dann alles mit Tiefgrund grundieren, dann Unebenheiten verspachteln und schließlich mit möglichst guter (hochpreisiger) Dispersionsfarbe Streichen (zuerst dünn, dann unverdünnt). Zwischen den Arbeitsgängen je einen Tag trocknen lassen.

Also, das will ich beherzigen und da ich nicht eindeutig entscheiden kann, ob Dispersionsfarbe oder Binderfarbe an der Wand ist, schabe ich halt alles ab. Übrigens – beim weiteren Abschaben kam vereinzelt ein Fuzzelchen Raufasertapete zum Vorschein. Also war wohl der Erstbelag keine gelbe Leimfarbe, sondern die nikotingelbe, abwaschbare Schicht direkt auf dem Putz war wohl Kleister, der beim Renovieren nicht entfernt wurde – sonst wären ja keine Tapetenreste mehr da. Entweder dieser Kleister hat in den 45 Jahren seit Bestehen des Hauses so gelblich gedunkelt bzw. war schon so gelblich oder auf der Tapete war gelbe Farbe, die durchgeschlagen hat – oder beides. Nach dem Abwaschen wird der Putz mehr oder weniger weißgrau.

Somit könnte der Schimmel den Tapetenkleister als Nährstoffquelle genutzt haben. Ich kann nur hoffen, dass der Pilz jetzt verhungert und dauerhaft weg bleibt.



Sumpfkalkfarbe macht keine Probleme!!



Hallo,
ich habe nicht von Sumpfkalk, sondern von Sumpfkalkfarbe gesprochen. Das soll keine Spitzfindigkeit sein, sondern macht m. W. tatsächlich einen Unterschied. Kalk aus dem Sack an die Wand mag schon stauben, aber nicht die Farbe von Kreidezeit. Die trocknet nicht einfach, sondern carbonatisiert und wird dabei bockelhart. Kein Staub, kein Lösemittelgestank, kein Schimmel (wenn die sonstigen Voraussetzungen stimmen). Es gibt auch entsprechende Hinweise für Untergrundbeschaffenheit und Verarbeitung beim Hersteller, zur Not auch telefonische Hilfe.
Ansonsten sind die Auskünfte des Malermeisters wahrscheinlich ähnlich viel wert (?) wie die aus dem Baumarkt. Mir haben Malermeister schon Substanzen empfohlen, mit denen man problemlos eine Armee hätte Vergiften können. Aber letztendlich muß jeder selbst wissen, was er probieren möchte. Im Altbau gibt es nach meiner Erfahrung keine Garantien.



Sumpfkalkfarbe kann viel Probleme machen!



Es ist ja nicht nur Kalk drin, sondern organische wasserrückhaltende Substanzen, Polymere, Streckmittel, ach was weiß ich, jeder Hersteller hat da seine Spezialitäten und ich kenne Schäden ohne Ende. Das spricht aber nicht gegen den Sumpfkalk, sondern die Rezepturen, die Verarbeitung usw. Es gibt auch Schimmel auf solch veredelten Kalkfarben.

Gleichwohl kann Dispersion nie die bessere Lösung sein. Denn die Schimmelfarbe ist ein Trocknungsblocker und auch deswegen beschimmelungsgefärdet.



Gut, die Überschrift war etwas reißerisch,



aber das dürfen wir Fischers doch, gelle??!!

Nein, Schurz beiseite, ich wollte nur gegen die pauschale Maleraussage "Sumpfkalk macht andere Probleme" protestieren. Klar sollte die Farbe vernünftig angemischt sein, und die von Kreidezeit ist es (soweit ich das beurteilen kann). Es gibt auch eine Volldeklaration der Inhaltsstoffe. Nebenbei, um Fragen vorzubeugen: ich habe keinen Werbevertrag o. ä. mit Kreidezeit, sondern bin normaler (bis jetzt begeisterter) Endverbraucher!
Und natürlich müssen Untergrund und Verarbeitung stimmen, deswegen ja mein Hinweis auf die entsprechenden Infoblätter des Herstellers. Und daß sie unter schimmeligen Umständen keine Wunder bewirken kann, ist mir auch klar. Soweit einverstanden?



Klaro!