(Kreide)Kaseinfarbe: Probleme (geringe Ergiebigkeit, Abblättern)

02.03.2010



Hallo Fachwerk-Forum,


ich habe mich mal an die Herausforderung gemacht, mein Zimmer mit Kaseinfarbe zu streichen. Die ersten Ergebnisse sind nur teils positiv, deshalb habe ich ein paar Fragen an die Spezialisten hier im Forum. Teilweise deckt und hält die Farbe besser als ich ihr zugetraut hatte, teilweise blättert sie aber wieder ab und war sehr unergiebig.

Der Untergrund:
-Rauhfasertapete mit ca. 5a alter Dispersionsfarbe


Mein Rezept:

Kaseinbinder:
-2.5 kg Quark
-120g Borax
-600ml Wasser

Weisse Farbe:
-2kg Marmormehl
-2kg Kreide
-1.2 l Wasser
-1/2 von dem Kaseinbinder


Bunte Farbe:
-100g Pigment (Französicher Ocker von Kremer)
-1/2 von dem Kaeinbinder



Das Rezept für die weisse farbe war für 30m² Wand angegeben. Ich habe ca 5 m² damit gestrichen bekommen. Deshalb die Fragen an Euch:

-wie dick trägt man die Farbe auf? Ich habe sie so aufgetragen wie ich es mit Dispersionsfarbe auch gemacht hätte)
-Ist die Menge an Wasser so gut (die Konsistenz war vergleichbar mit Dispersionsfarbe)?
-Womit trägt man die Farbe am besten auf? Quast? Rolle? Wenn Rolle, muss man da was beachten ? (meine Rolle war eine alte (wahrscheinlich 2€ Baumarkt))


Zur farbigen Farbe:
Der farbton ist der Hit und auf dem Großteil der Fläche hält sie echt gut, auf einigen, vorher mit Gips Spachtelmasse ausgebesserten Stellen, blättert sie aber fast komplett wieder ab und zwar nicht genau auf dem Gips, sondern dort, wo Gipsreste gleichmäßig auf der Tapete verteilt wurden. Frage an Euch:

-Woran liegt das abblättern? Falsche Farbmischung? Wie dick muss die Farbe aufgetragen werden?
-Hätte man da im Vorfeld verhindern können?



Alles in allem war ich jedoch sehr beeindruckt von der Farbe! Allerdings scheint es sich hier um eine größere Herausforderung als die 10€ Baumarktfarbe zu handeln ;-).


Vielen Dank
Jannis



Vorher...



...sollte die Tapete 'runter, und der Untergrund von Farbresten aller Art befreit werden. Dispersionsfarbe ist mit Sicherheit keine geeignete Basis.

Grüße

Thomas





Hallo,

Kaseinfarben sollten besser in zwei dünnen, als einem dicken Arbeitsgang aufgetragen werden. Möglicherweise war der Anstrich zu dick.
Eine weitere Ursache könnte sein, das die Ansätze nicht lange genug (ca. 2 h) geruht haben und sich das Kasein nicht aufschließen konnte.

Grüße aus Schönebeck



Dispersionsfarben vielleicht in mehreren Schichten?



Da Kaseinfarben eine höhere Spannung beim Trocknen entwickeln, kann es sein, dass eine Schicht Dispersionsfarbe, (meist war es dann eine Billige) sich ablöst. Das sind dann die Stellen wo's abblättert. Das Gleiche pasiert an den Stellen, wo die Farbe auf Gipsresten gestrichen wird, zuviel Spannung auf labilem Untergrund. Dicke Kaseinfarbe entwickelt auch mehr Spannung. Also eher dünn arbeiten.
Ich würde auf jeden Fall die Raufaser-Tapete runter machen. Dann Kleisterreste wegwaschen, den Untergrund sauber verpacheln und dann streichen.
Lieber die Farbe etwas dünner anrühren und zweimal streichen, (am Besten mit der Streichbürste). Oder auf eine fertige Kalkfarbe zurückgreifen. Z.B. Foggia-Sumpfkalkfarbe von casanatura24.de
Bei selbst angerührten Kaseinfarben sind einige Variablen drin, Reifezeit, Qualität der Zutaten usw. das braucht ein wenig Experimentierfreude bzw. Erfahrung. Aber kann auch Spaß machen, seine eigene Farbe herzustellen - viel Erfolg!



Vielen Dank für die Tips!



Auf dem Großteil der Fläche hält die Farbe echt gut. Nur halt auf den mit Gipsresten beschmierten Teilen nicht. Die Dispersionsfarbe scheint also nicht generell das Problem zu sein. Der basutoffhändler meines Vertrauens hat mir noch geraten die Fläche mit Grundierung zu behandeln. Die Unterschiedlich Saugfähigkeit schien mir aber nicht das Problem zu sein, eher dass der Gipsrest abgeblättert ist. Die Einwirkdauer war auf jeden Fall denke ich nicht das Problem. Der Kaseinbinder und die Kreide waren 6h im Wasser bevor ich sie zusammen gemischt habe. Die Qualität der zutaten kann ich schlecht beurteilen. Quark war normaler magerquark, Borax aus der Apotheke und die Kreide von Kreisezeit.

Nach den Ratschlägen werde ich jetzt auf jeden Fall viel dünner arbeiten, ich nehme an, dass meine rezepte so (vor allem in Bezug auf Wassermenge) in Ordnung waren? Weiß jemand ob ich bei den Rollen zum streichen auf irgendwas achten muss? je teurer sesto besser? ICh hatte den Eindruck, dass meine Baumarktrollen nicht wirklich geeignet waren.....


Ich werde weiter experimentiern! Bis auf die abblätternden Stellen bin ich sehr überzeugt von den Ergebnissen!





Ich würde Kaseinfarbe immer nur mit dem Quast auftragen.
Die Grundierung sollten Sie auch weg lassen, dazu ja dünnere Aufträge.

Grüße aus Schönebeck



Aber was...



...versprichst Du Dir von Kasein auf Dispersion? Die Wand wird davon auch nicht diffusionsoffener. Und ob es auf Dauer hält, wissen wir beide nicht. Ich zweifle daran. Bei mir sind nach 4 Jahren Biosil-Schollen von der Wand gefallen, weil drunter Gips (verputzte Kabelführung) war. Bis dahin war alles paletti.

Wenn die Tapete runter ist, sieht man statt der nun nicht wirklich tollen Rauhfaser vielleicht ein paar Putzstrukturen? Zudem ist Tapete an Altbau-Außenwänden oft ein übler Bauschaden.

Grüße

Thomas



@ Thomas



Die Dispersionsfarbe ist nun halt auf der Wand. Da wollte ich mir die Arbeit mit der neuen Tapete (oder dem Tapeten abmachen, was auf jeden Fall von Verputzen gefolgt worden wäre) sparen. Ausserdem wäre Verptutzen das nächste Projekt gewesen wo ich mich hätte reinarbeiten müssen. Und wo man wahrscheinlich noch mehr falsch machen kann.

Rein rational wäre 10€ Baumarktfarbe sinnvoller (billiger und einfacher) gewesen. Mich hat die Herausforderung gereizt, aus Zutaten, die ich auch auf den Kompost schmeißen könnte, eine Farbe herzustellen. Und die Ockerfarbe ist schöner wegorden als jede gekaufte ;-) !
Diffusionsoffener wird das dadurch natürlich nicht zwingend.

Vielen Dank für alle Ratschläge! Übung macht bekanntlich den Meister :-)



naja,



wenn nur die Tapete den Putz zusammenhält, ist es ja wohl eh Zeit zu handeln, bevor er Euch wandweise vor die Füße fällt.

Lehmputz ist besonders schön zum üben, da hat man immer eine 2. Chance.

Grüße

Thomas



Übung macht den Meister....



Also, nach streichen der restlichen Wände habe ich denke ich langsam den Dreh raus. Sehr dünn und relativ flüssig auftragen und einfach warten. Feucht deckt die weiße Farbe fast nicht, wird aber sehr deckend wenn sie trocken ist. Ein leichter Schimmer der unteren Farbschicht ist noch zu sehen, aber ich war einfach zu Faul zweimal zu streichen ;-).

Bleibt das Problem mit dem Abblättern der braunen Farbe. Nachdem ich mit einer Drahtbürste alle Gipsreste von der Tapete geschrubbt habe und die Farbe nochmal dünn aufgetragen habe, blättert sie nur noch an den Stellen der ehemaligen Schraubenlöcher (jetzt komplett mit Gips verfüllt) ab, und zwar obwohl ich sie sehr dünn aufgetragen habe. Mit der weißen Farbe habe ich das Problem nicht (trotz Gipslöchern!). Frage an das Forum:

-Macht die Mischung purer Kaseinleim (Quark, Borax, Wasser) und nur 100 g Pigmente Sinn? Oder hätte da auch Kreide mit rein gemußt?

-Sollte ich die Gipsstellen vielleicht doch grundieren? Wenn ja mit was?

-Oder hilft was ganz anderes?


Ich glaube nicht dass die Tapete+Dispersionsfarbe das Problem ist, an Stellen völlig ohne Gips habe ich die Farbe auch mit der Drahtbürste nicht mehr von der Wand gekriegt.



Vielen Dank für Eure Hilfe!

Jannis

P.S. Und nächstes Mal werde ich die Tapete runternehmen! Keine Ahnung warum Tapeten erfunden wurden (wahrscheinlich um verpfuschte Putzarbeit zu verdecken ;-)), dieses Mal war mir für eine Mietwohnung der Aufwand zu groß!





Versuch es doch mal mit einer Leimfarbe. Wenn man mit dieser Kaseinfarbe etwas werden will muß ein mineralischer, tragfähiger Untergrund her. Z.B.: die Wände abkratzen und reinigen und mit R1 von Ardex verspachteln. Dann zweimal streichen, nicht zu dick, gerade beim erstenmal. Eine vernünftige Leimfarbe wäre aber wie gesagt in Deinem Fall besser. Ist billig, deckt super und ist auch eine echte Alternative. Man muß aber echt ein bißchen Ahnung von der Materie haben um selber welche herzustellen. Sonst überleimt man sie und dann reiß sie, oder man hat sie nicht wischfest. Kann man aber günstig kaufen.