Wie kriege ich alte Wandfarbe ab?

17.11.2006



Habe auf einer Wand über Kalkputz eine offenbar nicht-mineralische Farbe, 1-3mm dick und will die abmachen, weil ich denke, da hält sowieso nichts drauf, und weil ich auch nicht genau weiß, ob sie nicht irgendwie belastet ist.
Macht das überhaupt Sinn, oder sollte man versuchen, mit einer Grundierung zu arbeiten und darauf dann eine neue Farbe?
Und vor allem: Wie kriege ich die Farbe ab? Es sind zig qm, und es geht nur etwa die Hälfte richtig gut mit einer Spachtel ab. Der Rest sträubt sich .... Anfeuchten? Mit Wasser? Seifenwasser?
Und noch eine Frage: Wenn ich an ein und derselben Wand den Kalkputz (ohne Farbe) teilweise drauf lasse (wo er noch gut ist) und an anderen Stellen neu mache, kann es sein, dass ich nach dem Neuanstrich verschiedene Helligkeiten kriege (vielleicht erst nach Jahren)?
Vielen Dank schon mal!
Herbert Nickel



Farbe auf Wand



Lieber Herbert,
stell erst mal fest, was da für eine Farbe drauf ist. Ist sie filmbildend, wird sie Kunstharz enthalten. Das kannst du am besten feststellen, wenn Du ein Stück von der Farbe in eine Flamme (Feuerzeug) hältst. rußt sie, brennt sie und riecht sie süsslich, dann ist es Kunstharz. Ich empfehle dann, sie mechanisch zu entfernen. Lösungsmittel usw. waschen die Farbe nur in den Putz. Ölfarben kannst Du mit geeigneten Abbeizern anweichen und entfernen. Mineralischen Putz kann mit dem gleichen Material ohne weiteres ausgebessert werden, allerdings sollte man über das notwendige handwerkliche Wissen verfügen, sonst gibts sichtbare Übergänge. die Fläche kann dann mit einem Gips- oder lehmspachtel geglättet werden.



Alte Wandfarbe



Kratzen ,schleifen,fräsen-irgendwie geht sie schon ab!
Immer wieder mit Wasser nässen kann was bringen,bei vorhandenen Latex-oder Ölfarbenanstrich ist es aber sinnlos ! Abbeizer kosten Geld und die Wand muß dann auch noch von Abbeizresten gereinigt werden ! Im Innenbereich mußte ich noch nie Abbeizer an Wänden-oder Decken,außer bei Ölfarben, verwenden ! Kalkputz würd ich mit Kalkputz ausbessern,oder die gesamte Fläche glätten ! Auf Gips würd ich verzichten,zu hart und Feuchtigkeit ziehend !



Alte Farbe ab!!!



Es klingt ein wenig rabiat, aber ich habe bei mir die Wände mit einer kleinen Flex mit Fächerscheibe von der Farbe befreit. Du mußt Dich nur gut gegen den Staub schützen können. Das geht schnell, und Du hast eine glatte Oberfläche danach. (Je nach Begabung)
PS: Es könnte bei Dir eine alte Leimfarbe sein, darauf hält nichts, die muß ab.
MfG Andreas Hübner



Wie kriege ich alte Wandfarbe ab?



Sehr geehrter Herr Nickel, Sie haben sehr viele Fragen gestellt, die zu beantworten nicht ganz einfach ist, da die Informationen die Sie geben für eine entsprechende Beantwortung zu ungenau sind. Bei einer 1-3mm dicken Farbe kann es sich um historische Bindemittel wie Emuslionen, Öl-Harzfaben und auch Ölfarben handeln. Moderne Farbsysteme wären zum Beispiel Bindemittel, die der Gruppe der Dispersionsfarben zuzuordnen sind. Als erstes sollten Sie einfach einen Wassertropfen auf die Farbe setzen und schauen ob er einzieht oder nicht, um zumindest einmal eine grobe Einschätzung vornehmen zu können. Was Sie mit belastetem Farben meinen verstehe ich nicht ganz. Wenn Sie meinen, dass die Farben gesundheitsgefärdent sein können, ist eher davon auszugehen, dass ein gesundheitsschädliches Pigment in der Farbe vorliegt, wie z.B. Bleipigmente. An der Wand, ausser an Wandmalereien sind allerdings Bleipigmente selten anzutreffen, da sie zum "Verschwärzen" neigen. Auch die Aussage, dass es sich um einen Kalkputz handelt ist sehr ungenau, da es viele unterschiedliche Kalkmörtel gibt. In ihrem Fall ist es wichtig zu wissen ob der Putz hydraulische Bestand teile enthält oder nicht, um in entsprechend ergänzen zu können. Sie sollten auf die Körnung (Sieblinie) des Sandes achten, das Bindemittel und das Bindemittelzuschlagsverhältnis, um den Putz enstprechend ergänzen zu können. Entweder lässt man sich dafür Analysen erstellen, dann hat man genaue Ergebnisse, oder man braucht viel Erfahrung um ungefähr Aussagen über die Putzeigenschaft zu machen. Das verhält sich bei den Farben genauso. Sollten SIe einen reinen Kalkmörtel vorliegen haben, können sie diesen mit dem Spachtel erheblich schädigen. Wenn Sie in verletzen, zerstören Sie die Kalksinterschicht, die den Putz stabilisiert. Kalkmörtel immer mit Kalkmörtel und nie mit Gips ergänzen, das kann zu starken Schäden führen. Sollten Sie die Wände wieder Streichen wollen, muss der Kalkmörtel wirklich gut abgebunden sein, da er zum Abbinden Sauerstoff braucht. Wird auf ein Kalkmörtel zu früh wieder Farbe aufgebracht kann der Kalk je nach Bindemittel mit diesem reagieren, oder der Putz bindet nicht weiter ab und sandet irgendwann ab. Bei der Verarbeitung von Kalkmörtel ist auch darafuf zu achten, dass er seine erforderliche Feuchte vom Träger nicht entzogen bekommt, sonst verbrennt er und sandet ab. Mit freundlichen Grüßen Kerstin Klein



Hallo,



aus restauratorischer Sicht sind die Ausführungen von Kerstin Klein sehr interessant, besonders, wenn Partien der Oberfläche erhalten werden sollen; ich würde aber im vorliegenden Fall eher etwas radikaler an die Wand gehen.
Von Abbeizern rate ich ab, bei diesen großen Flächen ist das neben dem gesundheitlichen Risiko einfach auch zuviel Aufwand, ebenso wie das Abspachteln.

Die besten Ergebnisse habe ich bei solchen Vorhaben mit der Sanierfräse von Festool gemacht (mit HM-Fräsrädchen). Die Eindringtiefe der Fräse läßt sich stufenlos von 0-3mm regeln, in Verbindung mit einem leistungsfähigen Industriestaubsauger entsteht kein nennenswerter Feinstaub. Es entsteht eine nahezu ebene Fläche. Da die Sinterschicht i.d.R. weg ist, muß ein dünner Kalk- bzw. Lehmputz vollflächig aufgebracht werden. Das braucht mesist auch nicht länger als ein Flickwerk, und sieht besser aus.

Zudem bekommt man bei dieser Variante besser mit, wo der Putz grundsätzlich lose ist.

Die Fräse an sich ist recht teuer, aber auch ausleihbar.

Gutes Gelingen

Thomas W. Böhme





Wie kriege ich alte Wandfarbe ab? Eigentlich gehe ich davon aus, wenn sich jemand dem Erhalt historischer Bauten verschreibt, dass diese Person am Erhalt der Substanz interessiert ist und nicht an deren Schädigung. Unprofessionelle Erhaltungsversuche an verschiednen Objekten sind leider mehr als genug zu beklagen, zu denen ich Ihre Empfehlung zähle. Darüber hinaus scheint Ihnen tatsächlich entgangen zu sein, dass mittlerweile auch Abbeizsysteme die nicht gesundheitsschädlich sind am Markt erhältich sind. Was nicht heissen soll, dass die Verwendung von Abbeizern in diesem Fall zu bevorzugen/ empfehlen sind. Kerstin Klein



Nicht jede Aufgabe am Bau...



@ Kerstin Klein

...ist als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Restauratoren geeignet.

In der Anfrage ist kein spezieller denkmalpflegerischer Aspekt zu erkennen, oder die Liebhaberei des alten um seiner selbst Willen. Außerdem legt der Fragesteller Wert auf ein homogenes Erscheinungsbild.

Das von mir vorgeschlagene Verfahren entspricht diesen Vorgaben, es ermöglicht das Überputzen mit einem dem Vorbild ähnlichen Kalkputz und ermöglicht somit ein dem Original gleichendes Aussehen. Überdies berücksichtigt der Vorschlag die (von mir unterstellten) wirtschaftlichen Interessen des Fragestellers.

Der Vorwurf "Unprofessionelle Erhaltungsversuche" geht daneben. Professionalität hat auch etwas mit Ökonomie zu tun - Ökonomische Aspekte lässt Ihr Vorschlag jedoch völlig außen vor. Sie kommen einem Fragesteller, der nicht weiß, welche Farbe er auf der Wand hat, mit Putzanalysen und Sieblinien...

Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ich halte Ihren Beitrag vom 18. für interessant und wichtig, er passt nur leider nicht zur Frage.

Grüße

Thomas W. Böhme