Welche Farbe für frischen Lehmputz?

13.10.2004 workoutfun



Hallo,
mein Haus wurde vor ca. 150 Jahren aus gebrannten Lehmziegeln erbaut. Ich habe nun die Außenwände mit Schilfmatten dämmen und alle Innenwände mit Lehm Verputzen lassen. Welche Farbe eignet sich nun, um die Wände dekorativ gestalten zu können - besonders auch in Bad und Küche? Gibt es preisgünstige Alternativen zu den Produkten in den Naturbaustoff-Läden?
Vielen Dank, feundliche Grüße, Diana Knoll



Kreideleimfarbe



... die preiswerteste Lösung dürfte hier die klassische Kreide-Leim-Farbe sein. Kreidepulver ist als Tütenware ebenso im Farbenfachgeschäft erhältlich, wie Farbenleim zum selbstanrühren. Mit einem Voranstrich und einem Deckanstrich kommt man nach meiner Erfahrung aus. Der Farbton ist dabei ein angenehm gebrochenes Weiß - sofern keine Farbpigmente beigemischt werden.

Herzliche Grüße aus Wolfenbüttel

Stefan Haar



Sumpfkalkfarbe



Für Räume wie Bad und Küche würde ich keine Leimfarbe, sondern Sumpfkalkfarbe verwenden. In anderen Räumen, wie Kinderzimmer, Wohn oder Schlafzimmer ist auch Leimfarbe gut geeignet.
Beim Einsatz von Leimfarbe ist jedoch zu beachten, das diese nur mit gleichartiger Farbe überstrichen werden darf und nach spätestens dem 3. Anstrich entfernt werden muß.
Alternativ bieten sich hier auch Kasein- oder Kalk-Kaseinfarben an.
Alle erwähnten Farben sind sehr diffusionsoffen und können mit Erd- oder Mineralpigmenten abgetönt werden.
Wie bieten alle erwähnten Farben an. Gern kann ich Ihnen bei Interesse für Ihren Bedarf ein Angebot zukommen lassen.

Mit bunten Grüßen



Entfernung von Kreide-Leim-Farbe



Die Ergänzungen von Gunnar Schneider sind in jedem Fall richtig und sinnvoll - der Hinweis, daß LeimFarbe spätestens nach dem 3. Anstrich entfernt werden müsse könnte aber suggerieren, daß man etwas Schädliches vor sich hat ;o)

Hintergrund seiner Anmerkung ist sicher, die erhöhte Oberflächenspannung, die hier aufgebaut wird, die dann zum Aufschüsseln der Farbschicht führen kann. Nach meiner eigenen bisherigen praktischen Erfahrung auf Lehmputz sind aber auch 5-6 Farbschichten kein Problem.

Irgendwann ist aber sicher einmal das Abwaschen der Farbschichten erforderlich. In Abhängigkeit von der Schichtdicke/Farbkonsistenz und des Untergrundes kann dies sicher variieren.

Die Oberflächenspannung bei Kaseinfarbe ist übrigens um ein Vielfaches größer!! - Hier ist eine einwandfreie Haftung des Putzes auf dem Untergrund zwingend erforderlich. Ich mußte leider schon begutachten, daß mehrere Zentimeter starke Putzschichten sich vom Mauerwerk lösten, nachdem seitens der Bauherren in Eigenleistung gestrichen wurde!!! - Andere Schädensfälle ergänzen das Bild.

Das soll jetzt kein Votum gegen die Kaseinfarbe sein - ich habe selbst das Gros meiner Lehmputz-Decken und -Wände erfolgreich mit der Marmormehl-Kasein-Farbe von "Kreidezeit" gestrichen - aber man sollte zumindest sehr sorgfältig mit den Auftragsstärken operieren. Die Frabe deckt quasi erst in dem Moment, in dem sie trocknet!



Auftragsstärke Kaseinfarbe



Hallo Herr Haar,
ich bin Ihnen sehr dankbar, daß Sie sich mit meinen Fragen beschäftigen. Nach Ihrer letzten Antwort traut man sich als Laie jedoch fast nicht, selbst zu streichen. Andererseits ist es finanziell schwierig, ein derartiges Bauvorhaben ohne Eigenleistungen abzuschließen.
Was sollte man denn genau beim Streichen mit Kaseinfarbe auf Lehmputz beachten?
Ich danke Ihnen herzlich, Freundliche Grüße, Diana Knoll





... versuchen Sie einfach, sich präzise an die Verarbeitungsanweisung zu halten. Die Kaseinfarbe dickt während der Verarbeitung im Eimer nach. Regelmäßig durchquirlen und lieber etwas dünnflüssiger streichen, als zu dick - auch wenn's dadurch etwas mehr kleckert ... dann müßte das Ergebnis eigentlich prima werden!

Herzliche Grüße aus Wolfenbüttel

Stefan Haar



Kaseinleimfarbe ist besser als klassische Stärke- oder gar Zelluloseleimfarbe vom Baumarkt



Wer schon öfter Leimfarbe abgewaschen hat, stellt schnell den oft sehr unterschiedlichen Kraft- und Zeitaufwand fest, welcher mit dem Alter, dem Bindemittel und Anzahl der Leimfarbenschichten zusammenhängt.

Kaufmännisch betrachtet rächt sich die Kosteneinsparung durch "geleimte Hausmannskost" vom Baumarkt (Zelluloseleim d.h. Tapetenkleister) mit der Notwendigkeit der Farbentfernung in Abhängigkeit von Alter, Schichtanzahl dem Spannungsaufbau der einzelnen Farbschichten. Das bedeutet, irgendwann muß die Leimfarbe abgewaschen werden, kostet Zeit und Energie oder richtig Geld (wenn der Maler bestellt wird).

Fachlich betrachtet, sollte bei jeder Renovierung von Leimfarbenuntergründen grundsätzlich abgewaschen werden. denn:

1. Zelluloseleim lässt in Abhängigkeit vom Alter in seiner Bindefähigkeit stark (mehr als Stärkeleimfarbe - gibt´s heute sehr selten) nach, d.h. ältere Schichten halten gelegentlich die Trockenspannung frischer Schichten nicht aus, die Farbe blättert ab.

2. Der Schichtaufbau, muß ausgehend vom Untergrund von "Fett zu Mager" (Fett ist mehr Kleister, mager weniger) eingestellt werden. Das ist nur richtig auf abgewaschenen Untergründen kontrollierbar.

3. Ein bis zwei Leimfarbenschichten lassen sich mit etwas Übung ohne die "ganz große Sauerei" in ca. 4 Minuten/m2 abwaschen. Bei 3 bis 7 Schichten wird es Schinderei und es ist mit Untergrundbeschädigungen durch "Abstoßen/Abkratzen" (was dann in vielen Fällen gemacht wird) zu rechnen. Der enstehende Dreck ist ohne Plan nicht mehr beherrschbar! Wer will das schon, dann noch im eigenem Zuhause? Ab 7 Schichten mutet sich niemand (auch kein Malergeselle - der schwindelt wenn er sagt, er habe abgewaschen) mehr das zu, dann wird nur noch draufgestrichen.

4.Vom Malermeister wird in der Regel 1-2 Leimfarbenschichten abwaschen im Angebot kalkuliert. Je nach Form (Klauseln im Angebot) kann es bei überzähligen Schichten zu heftigen aber berechtigten Nachtragskosten kommen (ich sichere mich ab, es ist nicht jede Wand kontrollierbar).

5. Der Riesenvorteil des Leimfarbe abwaschen ist, es werden alle Verschmutzungen (Staub, Kerzenruß, Küchendunst und Fettablagerungen, Krankheitserreger, Geruchsquellen) sehr Wirksam aus unseren direktem Wohnumfeld entfernt!

Menschlich betrachtet, wird man älter, reifer und will irgendwann nicht mehr abwaschen. Dann ist die gute Kaseinleimfarbe (z.B. KREIDEZEIT Marmormehlfarbe wie bereits in vorhergehenden Beiträgen angesprochen) die richtige Wahl. Es halten wirklich mehr als 30 Schichten übereinander, die Bindekraft des Eiweißbindemittel lässt im Alter kaum nach.

Wenn Leimfarbe, dann verarbeite ich fast nur noch Kaseinleimfarbe, braucht und kann auch nicht abgewaschen werden. In stark belasteten Räumen z.B. Küchen, Flure sind reversible Leimfarben durchaus sinnvoll und Stuck wird so vor dem suksesiven "zuschlämmen" der Struktur geschützt, das bedeutet nachfolgende Renovierungen können den Ursprungszustand wieder herstellen.

Auf http://www.gestaltungsservice.de sehen sie unter "Wohnbereiche" sehr viele Gestaltungen mit KREIDEZEIT Marmormehlfarbe.

Mit farbenfrohen Grüßen
Malermeister Peter Seifarth



Lehmfarbe


Farb-Flyer: Lehmfarbe



oder auch Baumwolle


Baumwolle als Putzbeschichtung (Naturlan)



Es gibt keinen Königsweg



Guten Tag Frau Knoll,

ich bin in dieser Frage recht offen.
Meine Erfahrung mit Lehm fasse ich kurz zusammen:
Ich habe vor 2 Jahren mein Bad mit einem grobem Lehm verputzt (Sackware). Sieht aus wie Kalkputz, sehr sandig.
Eigentlich wollte ich noch einen Lehm-Feinputz aufbringen, habe dann aber 3 Monate keine Zeit gehabt und bemerkt, daß das nicht nötig ist, weil ich nur eine Wand verputzt habe, an der man nicht entlangstreift.
Raumklima ist sehr gut.
Mein beruflicher Hintergrund:
Maurer, 3 Jahre Wanderschaft, Bautechniker
Bei Fragen bitte etwas gedulden (schaue selten in meine E-mails) oder wenns eilt (abends tel. 07151 61276)anrufen.

Gruß
Ulrich

PS
Hallo Stefan,"Hase" lebt.



Lehmfeinputz



Hallo!

Da ich mich grade mit ähnlichen Gedanken plage meine Frage:

Würde nicht auch ein farbiger Lehmfeinputz funktionieren?

Gruß,
Tom