Rekonstruktion vom alten Anstrich der Kirchenfenster

25.03.2007


Hallo,

unsere Dorfkirche wurde im Jahr 1837 neu errichtet. Im Landesarchiv Merseburg habe ich allerlei Bauakten zu Tage fördern können. Im damaligen Kostenanschlag zum Kirchenneubau heißt es:

“Die hölzernen Fenster- und Thürgewände mit steinrötlicher Oelfirnißfarbe auf beiden Seiten dreimal anzustreichen und mit feinem QuarzSand zu pudern.“

Kann mir jemand etwas Näheres über diese Technik der Beschichtung sagen? Ist es heutzutage überhaupt sinnvoll die Fenster so wieder herzurichten??? Welche denkmalverträglichen Alternativen gibt es?

Viele Grüße aus Thüringen

Tino





Hallo

Ich vermute mal das man nicht zeigen wollte das es sich "nur" um hölzerne Fenstergewände handelt. Um hochwertigeren Sandstein vorzutäuschen, hat man in einer entsprechenden Farbe gestrichen. Durch den feinen Quarzsand der in der Farbe Kleben blieb bekam das Holz eine Steinähnliche Oberfläche. (Ähnliche Dinge geschehen heute noch mit GFK und Sand um Natursteine vorzutäuschen , mal mehr, mal weniger gut) Tricks um zu sparen sind wohl schon immer angewandt worden.
Ich denke du musst mit denen vom Denkmalamt reden, ob die das so wieder haben wollen oder was Sie für eine Alternative vorschlagen/akzeptieren würden.
Ich weiß nicht ob dir das jetzt weiterhilft, aber mehr kann ich auch nicht dazu sagen.
Gruß
Dorothée



Kirchenfenster



Verdammt gut um die Ecke gedacht von Frau Ziller !
Versuch mal in der Mitgliedsliste den Restaurator Dietmar Fröhlich zu finden und zu kontaktieren, vielleicht kann er weiterhelfen?



Das ist ja sehr interessant!



Vielleicht hat man sich tatsächlich ein steinernes Aussehen erhofft. Manche Beizungen von Maserfurnieren auf Biedermeiermöbeln bezweckten wohl ähnliches.

Der Dauerhaftigkeit sollte es eher abträglich sein. Für den Farbton selbst würde ich nach Spuren an den Fenstern suchen, eine gute Standolfarbe wählen, und die Steinchen weglassen. Ich wette, es hat sich auch damals nicht bewährt.

Ralf Schlehan (hier im Forum) aus Eisenberg hat dazu vielleicht eine Idee.

Grüße

Thomas



Firnis



Da gab es vor nicht allzu langer Zeit mal einen klasse Linktipp: www.kruenitz1.uni-trier.de/
Such doch mal ein wenig bei der Oeconomischen Encyclopädie Online unter Firnis, Leinöl, oder Lack, vielleicht stößt du auf hilfreiches? Und wenn nicht, wars trotzdem interessant ! :-)



Was für ein heimtückischer Angriff...



...auf meine Nachtruhe :-)

Der Krünitz digital, und ich wusste es nicht. Herzlichsten Dank für diesen Tip, ich habe eine Schwäche für alte Rezepte, und da gibt es ja vieles...

Mein Lieblingsbuch stammt von Johann Melchior Cröcker, Jena, 1764, wo noch in Loth und Quintlein gemessen wird.

Grüße

Thomas





Hallo ihr Lieben,

erst einmal vielen lieben Dank für Euere Antworten. Die Vortäuschung eines steineren Fenstergewändes ist ganz einleuchtend. In diese Richtung gingen auch meine Vermutungen.
Auf alle Fälle steht noch ein praktischer Test aus. Sicher ist die Methode, wenn auch historisch verbürgt, nicht die Idealste. Aber probieren geht über ... usw :-)
Die Wetterseite zeigt momentan das blanke Holz, bis auf ein paar Farbkrümel, innen sind mehrere Schichten Farbe aufgepinselt, die ich probehalber einmal freigelegt habe.

Viele Grüße und noch einmal Dankeschön

Tino