Lehmdecke weiß streichen

15.02.2005



Unsere Decken bestehen aus Holzbalken mit Lehmwickeln dazwischen, darunter ein Kalkputz. Letzterer soll runter und durch Lehmputz ersetzt werden. Ich möchte alles weiß haben, bin aber kein Freund von Kälken (kreidet) oder Kasein (schimmelt, zuviel Spannung). Gegen eine altbewährte Acryldispersion habe ich nichts einzuwenden - nun wird aber behauptet, die vielgerühmte Feuchtigkeitsaufnahme des Lehmputzes würde dadurch stärker behindert als durch Kasein. Hat irgendwer dazu verlässliche Zahlen, sprich die Diffusionswiderstandszahl einer Kaseinschicht? Ich glaube mal nicht, dass da soviel Unterschied ist.

Vielen Dank, Olaf Pung



Warum nicht Kalk-Kasein?



Hallo Olaf Pung,
Du schreibst: ... bin aber kein Freund von Kalken (kreidet) oder Kasein (schimmelt, zuviel Spannung).
Beides stimmt nicht allgemein bzw. kommt auf die Zusammensetzung an. Guter Kalk ist wischfest und um die innere Festigkeit noch zu erhöhen, kann man anstatt Wasser einen Liter Milch hinzu geben. Schon hat man auch den Kaseineffekt - ohne Spannung. Daß Kasein, selbst angesetzt oder gekauft, eine hohe Eigenspannung hat, ist zwar richtig. Aber man soll ja das Bindemittel nicht pur aufstreichen sondern eben als "bindendes Mittel" zwischen den Molekülen einsetzen. Das heißt: immer auch verdünnen, hier mit Wasser.
Daß sich Dispersionsfarben bequemer und leicht Verarbeiten lassen, weiß jeder. Deshalb wurden sie erfunden. Wenn Dir der "Charme" dieser Farbe eher zusagt, dann ist das für Dich so okay. Vom höheren Diffusionswiderstand hast Du demnach schon gehört. Die hochmolekulare Struktur solcher Farben behindert eben die Atmungsaktivität. Das ist so gewollt. Ob es dem alten Haus gut tut ist eine andere Frage.
Freundliche Grüße
D.Fr.



Ökologische Baustoffe Andreas Breuer



Hallo Herr Pung,
wir haben verschiedene Sorten Lehmfarbe im Angebot bzw.eine
sehr preiswerte Top weiß Naturfarbe ( siehe unsere Homepage ), auch zum Versand.
MfG Andreas Breuer



Farbe selber anmischen



Hallo aus Eichstätt, Sie könnten ja selbst eine Kalk-Kaseinfarbe anmischen. Die Vorteile einer solchen Farbe:
1. entsprechend historisches Aussehen wegen unregelmäßigkeiten beim Anstrich.
2. hoch diffusionsoffener Anstrich
3. antibakteriell wirksam
4. biologisch unbelastend, d.h. keinerlei Ausdünstungen
5. äußerst kostengünstig.

So und nun zum Rezept:
10Liter Wasser, 3 bis 4 kg Weißkalkhydrat, 500g Magerquark, 1 Hühnerei, 2cl Speiseöl

Mischung gut durchrühren und mehrmals auftragen.
Probieren Sie es doch mal aus.

Mfg Michael Kraus



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Vielen Dank für gutgemeinte Ratschläge, aber meine Frage war ja, ob jemand die hochgelobte "diffusionsoffenheit" mit Zahlen untermauern kann.
kreiden, Spannung: Ich hab so meine Bedenken, bezüglich späteren Neuanstrichen.
Schimmel: Das eine Farbe mit Ei, Salatöl und Quark "antibakteriell wirksam" sein soll, kann nicht stimmen. Zwar tötet das Weißkalkhydrat durch die hohe Alkalität zuerst mal alles ab, das ist richtig. Durch CO2 aus der Luft wird dann aber allmählich aus Calziumhydroxid Calziumcarbonat, und der pH-Wert pendelt sich bei 7 ein. Wenns dann feucht wird, z.B. durch Kondensfeuchte, schimmelt es munter los.
"historisches Aussehen": möchte ich nicht, das was neu ist, wird ohnehin als neu erkennbar sein. Alte Oberflächen gibt es noch genug andere.





Hallo Olaf Pung,
wenn die Angaben von Michael Kraus nicht stimmen sollen, dann dürften wir keine mittelalterlichen, farbig gefaßten Kunstwerke mehr haben. Es ist eher umgekehrt. Die heutigen sogenannten Kunststoffe halten nicht so lange und Plaste aller Art ist z.B. ein wunderbarer Nährboden für Schimmel - im Gegensatz zu Holz beispielsweise.
Man kann eben nicht alles durch "Mathematik" oder anfängliche "Naturwissenschaft" erklären. Sie dürfen mir einmal "glauben". Ich bin Diplom-Restaurator für Gemälde & Skulpturen.
Bitte - verwenden Sie was Sie gern möchten, um Ihre Decke zu streichen. Mit Zahlen beschäftige ich mich bei Anstrichen garnicht mehr. Ich weiß einfach die Dinge & Wirkung einzuordnen. Und: das Rezept von Michael Kraus ist okay.
... und grüße Sie herzlich
D.Fr.



Zahlen



Hallo,

ich kann was beisteuern. Quelle: Minke, Das neue Lehmbauhandbuch, ökobuch Verlag, S. 201:

sd für:

- Kalk-Kaseinfarbe (2-lagig) 0,00 m
- Dispersionsfarbe ALPINAPLUS, Alpina (2-lagig) 0,04 m
- Latexfarbe SILITANIT (2-lagig) 1,22 m (zum Vergleich)

Ich habe Kalk-Kaseinfarbe fertig gekauft und finde, der Anstrich sieht nicht aus, wie auf alt getrimmt. Mit Dispersionsfarbe hätte es genauso ausgesehen. Ich bleibe auch deswegen bei Kalk-Kaseinfarbe, weil sie unschlagbar kostengünstig ist. Der einzige Nachteil, etwas mehr Arbeit, bis es richtig deckt und es roch eine Weile nach Quark. Andererseits sind Dispersionsfarben z.T. mit Vorsicht zu genießen, da sie gegen Schimmel (im Eimer) Konservierungsstoffe enthalten, die dann an der Wand Kleben und auch einiges an Weichmachern enthalten, die wir dann inhalativ genießen. Mehr zu dem Thema sagt Stifung Warentest.

Viele Grüße
Stephan Schöne



Kalk Kaseinfarbe auf Lehmputz



Sehr geehrter Herr Pung,

das mit der Spannung in der Kalk-Kaseinfarbe ist nur teilweise richtig. Um eine Verbindung zwischen dem Lehmputz und der Kalkkaseinfarbe herzustellen habe ich einen Kaseingrund entwickelt der das Haftvermögen bzw. die Bindungsfähigkeit, zwischen Lehmputz und Kalkkaseinfarbe verbessert. Die von mir hergestellte Kalkkaseinfarbe baut darauf auf und ist leicht zu verarbeiten. Die Atmungsaktivität ist gegenüber einer Dispersionsfarbe auf alle Fälle besser.

Falls Sie Interesse haben schreiben Sie mir.

Mit freundlichen Grüßen

Manfred Stahl

Manfred.Stahl@naturfarben-stahl.de
www.naturfarben-stahl.de



Nachtrag: die Hobbythek hat die Diffusionsoffenheitswerte gemessen



Hallo, wollte nur mal kurz beitragen, dass die Leute von der WDR Hobbythek die Diffusionsoffenheit der verschiedenen Farben gemessen haben. http://www.hobbythek.de/dyn/13410.phtml. Die Ökodinger (Leimfarbe, Kasein usw.) waren super durchlässig. Interessant ist, das die Silikatfarbe (teure Ökofarbe aus dem Baumarkt) als durchlässig auf der Packung gepriesen wird, aber von den Werten her deutlichen Abstand zu den Kasein und Leimfarben hat.
Die Kaseinmischung mit Ei und 500 gr. Quark war uns beim ausprobieren viel zu dünn. Wir haben dann eine Mischung mit Borax anteil, Trockenkasein und viel mehr Marmormehl und Titanweiss (das ist wohl nichts für Öko Hardliner) genommen. Das deckt und hat eine gute konsistenz. Man kann natürlich auch zur Leimfarbe Acrylbinder dazu geben. Dann kreidet es nicht mehr so, aber ob das dann noch diffundiert? Naja...



Diffusionsoffenheitswerte Kalkkaseinfarbe



Sehr geehrte Frau Taylor,

das mit der Diffusionsoffenheit ist vollkommen richtig. Titanweiss (Rutilform) wird heutzutage im umweltschonenden Chloridverfahren hergestellt und hat nichts mehr mit dem Verfahren aus den 70er Jahren (Dünnsäureverklappung) zu tun. Es handelte sich damals um die Anatas-Form.

Der Aufbau einer guten Kalkkaseinfarbe erfordert etwas Erfahrung. Zum aufschließen meiner Kalkkaseinfarbe verwende ich kein Borax, sondern dispergierten Sumpfkalk.

Mein Trockengemisch besteht aus Casein, Champagner Kreide, Tonerde, Titanweiss (Rutil), Dextrin und Marmormehl.

Das fertige Trockengemisch 2,5 kg wird mit der gleichen Menge Wasser (2,5 L) angerührt und 12 Std. stehen gelassen. Danach werden 500 g dispergierter Sumpfkalk eingerührt. Danach nochmal ca. 2 Std. stehen gelassen, kurz durchrühren; fertig.

Das Trocken-Konzentrat kostet per 2,5 kg - 29,50 Euro und ist fertig gemischt ausreichend für ca. 35 qm.

Diese Farbe ist mit Erdfarben, Eisenoxidfarben etc. abtönbar. Das gesamte Sortiment dieser Farben ist benefalls bei mir (zu einem guten Preis) erhältlich.

Sollten jemand weitere Fragen haben oder mehr Informationen benötigen, gebt mir bitte Bescheid.

Manfred.Stahl@naturfarben-stahl.de
www.naturfarben-stahl.de
Tel.: 08341 9087630

Mit freundlichen Grüßen aus dem Allgäu

Manfred Stahl





Vielen Dank soweit, die Hobbythek-tabelle reicht für einen groben Anhaltspunkt. Ich denke, ich werde die Verarbeitung von Kasein-Farben mal ausprobieren und mich dann zwischen Kasein und herkömmlicher Dispersion entscheiden.

Olaf Pung