Wohnung mit Sumpfkalk renovieren - Probleme mit der Farbdichte

01.06.2012 annessa



Hallo,an alle.
Nachdem ich schon lange passiv im Forum mitlas und mir viele Tipps schon geholfen haben, bin ich seit heute auch angemeldetes Mitglied. Ich bin wirklich dankbar, solch eine Möglichkeit der Information und Hilfe gefunden zu haben.
Nun meine Frage und Bitte um Hilfe: Ich habe über 1-2-3 zwei Eimer Sumpfkalk gekauft. Mein Vorhaben war das Streichen/Renovieren unserer Einliegerwohnung. Diese war mit Rauhfaser tapeziert und hatte wegen Kältebrücken in Schlaf- und Wohnzimmerecken Schimmelbefall. Nach gründlichen Infotouren im i.net und diesem Forum, entschied ich mich dafür, die Tapeten zu entfernen um die ganzen Wände mit Sumpfkalk zu streichen.
Das Schlafzimmer habe ich zuerst bearbeitet und muss sagen, dass das eine Heidenarbeit war. Wieviel Kleister auf der Wand war ist kaum zu beschreiben. Ich habe den Raun sicher sechs Mal abgewaschen und mit Spachtel abgekratzt. Leider fanden sich auch dann noch vereinzelte Kleisterrückstände.
Nun zu meinem Problem und der Frage:
Ich habe im Laufe von ca. 3 Wochen beide Eimer Sumpfkalk 3:1 mit Wasser verdünnt an die Schlafzimmerwände und die Decke gepinselt. Inzwischen bin ich beim 12-ten !!!! Durchgang. Die Wände sind nun schön weiß, aber an der Decke sehe ich immer noch Schatten des Betons durchschimmern. Ich weiß, dass Beton nicht der dankbarste Untergrund für Kalkfarbe ist, aber es fiel mir keine bessere Alternative ein.
Allerdings sehe ich mich nicht in der Lage, das Wohnzimmer im gleichen Verfahren zu bearbeiten. Das ist einfach zu groß und so viele Streichdurchgänge sind ja wohl auch nicht normal.Der Zeitaufwand ist einfach zu hoch, die Wohnung soll ja wieder vermietet werden.

Deshalb meine Frage: Was kann ich alternativ an die Wände und die Decke streichen?
- Meine Überlegung: Rauhfaser runter und das Ganze mit Kaseinfarbe streichen. --- Würde das gehen?

Die Rauhfaser will ich deshalb weg haben, weil sonst Schimmel immer wieder einen Ansatzpunkt finden würde.

Ich wäre sehr dankbar, wenn mir jemand einen Rat geben könnte.
Herzliche Grüße annessa



Sumpfkalkfarbe



Der Schimmel wird sich auch wieder auf dem Kalkanstrich ansiedeln, sobald die Carbonatisierung abgeschlossen ist. Das dauert nur Tage, höchstens Wochen wenn das Klima nicht stimmt. Etwas Hausstaub genügt dem Schimmel als Nahrungsgrundlage, es braucht weder Papier noch Kleister sein.
Ändern Sie nicht den Anstrich sondern das Raumklima.

Viele Grüße



Von Haga...



gibt es eine Kalkfarbe mit sehr guter Deckkraft. Die Alternative wäre ein Innensilikat (z.B. KEIM Biosil).

Die Entfernung der Tapete ist jedenfalls wie auch das Entkleistern kein Fehler.

Schreiben Sie den erreichten baubiologischen Stand mit konkreten Materialien im Mietvertrag fest, sonst schmiert der erste Mieter satt "Alpina-Weiß" drüber.

Grüße

Thomas

Grüße

Thomas



Urschachenforschung



Fertige Kalkfarben sind sicher eine Alternative für den, der nicht das richtige Ausgangsmaterial und Handwerkszeug für einen Selfmade Kalkanstrich verfügbar hat.

Die 12 erwähnten Anstriche leigen vermutlich in der Beschaffenheit des Untergrundes (wie ist die überhaupt, ich hoffe kein Gibs) begründet, jedoch sollte man bei Kalkanstrichen auch nicht die gleichmäßige Oberflächenoptik einer Alpina-Weiß Dispersionsfarbe erwarten.

Was Herr Bötcher sicher auch zum Ausdruck bringen wollte war, daß Sie dem Schimmel nicht allein nur mit einer anderen Wandfarbe zuleibe rücken sollten, sondern grundlegend auch analysieren warum es dort zu Schimmel gekommen ist. War der Schimmelbefall tiefgehend ist es mit Tapete ab allein in der Regel nicht getan. Der Schimmel kann wieder kommen! Sollte dies wirklich bauphysikalische Gründe haben (z.B. Wärmebrücken) werden Sie dem Problem nur durch eine Änderung der klimatischen Bedingungen (Lüftung Heizen) Herr werden, oder aber durch bauliche Maßnahmen (dämmen).

... Die feuchteregulierende Wirkung einer Kalk - oder Lehm verputzten Wand kann ein "dünner" Kalkanstrich auf Trockenbau oder Stahlbetonuntergrund nicht leisten. Mit einer Kalkkaseinfarbe können Sie zwar einen gesundheitlich unbedenklichen, und gegenüber reiner Kalkfarbe weitaus besser deckenden Wandanstrich realisieren. Für Problemzonen mit Schimmelgefahr ist dies ohne chemische Zusätze (hiervon wäre abzuraten) aber keine Lösung.

Gruß aus Berlin,



Untergrundbeschaffenheit



Hallo an alle,
vielen Dank für die Ideen und Tips. Dass der Kalkanstrich nach austrocknen gar nicht mehr schimmelwidrig ist, war mir nicht bekannt. Schade, ich habe mir davon wirklich mehr erhofft. Aber auf jeden Fall habe ich doch hoffentlich für ein gutes Raumklina gesorgt. Oder ist das auch eine Illusion?
Also wenn das alles nicht problemlösend ist, dann ist es wohl so, dass ich Herrn Böttcher folgend das Thema Heizung in den Vordergrund stellen muss. Die Wohnung ist eine Kellerwohnung die aber durch die Hanglage lediglich mit der rechten Außenmauer ca. 70 cm im Erdreich liegt. Alle anderen Mauern sind frei. Schimmel hat sich in der Außenecke des Schlafzimmers im oberen Bereich gebildet und im Wohnzimmer in dem Deckenbereich welcher sich unter dem darüber liegenden Balkon befindet. Ich vermute Wärmebrücken und Kondenswasser da die Wohnung sehr kühl ist. Da ich hier auch über Fußleistenheizung gelesen habe, wäre das vielleicht eine Möglichkeit, Abhilfe zu schaffen? Ich dachte daran, die Röhren der Heizungszuführung einfach als lange Schlaufe unten am Boden entlang zu Verlegen und sie dann erst wieder an den Heizkörper anzuschließen. Der liegt unter dem größten Fenster. Würde vielleicht auch ein Kaminofen zu einer anderen/besseren Wärmeverteilung beitragen?

Frage Silikatfarbe: Ich hatte den Einsatz von Silikatfarbe hauptsächlich für Badezimmer/Feuchträume oder Außenwände gesehen und deshalb als nicht geeignet abgehakt. Wäre das doch die bessere Alternative gewesen? Wenn ja, kann ich die einfach auf die Kalkfarbe auftragen.
Der Tipp, mit dem Festlegen der Sanierungsfarbe für Mieter ist super; habe daran gar nicht gedacht. Das gäbe ja ein Fiasko wenn da wieder irgendeine 08/15 Farbe drauf käme. Meine ganze Arbeit wäre zum ........

Dann zur Wand-/Deckenbeschaffenheit. Wand ist ganz normaler Verputz der 80ziger Jahre. Die Decke ist eine Fertigbetondecke die angeliefert und auf die Geschosswände aufgelegt wurde. Der Balkon ist auch Teil dieser Decke. Und genau in der Ecke wo Wand und Decke sich berühren ist der Schimmelbefall.
So, jetzt sende ich das Ganze mal ab. Sonst wird daraus eine zu lange Geschichte. Ich will ja eure Zeit nicht überbeanspruchen.
herzliche Grüße annessa





"Aber auf jeden Fall habe ich doch hoffentlich für ein gutes Raumklina gesorgt. Oder ist das auch eine Illusion? "

... Wie ich schon sagte! Das Raumklima wird durch den Auftrag einer bauphysikalisch empfehlenswerten Wandfarbe allein nicht automatisch besser. Hierfür spielt - gleiches Lüftungsverhalten vorausgesetzt - auf Grund des im Verhältnis zum Anstrich sehr viel größeren Volumens eher die Speicherwirkung des Wandaufbaus (Grundsubstanz + Verputz) die ausschlaggebende Rolle. Überschüssige Raumluftfeuchte kann bei hinreichend diffusionsoffener Wandbekleidung z.B. in Lehmputz oder Kalkverputz zwischengepuffet werden. Im Prinzip funktioniert das sogar bei Gibs! Hier läuft aber die Rücktrocknung sehr viel langsamer und sorgt dadurch für Probleme. Diese Eigenschaft eines feuchteregulierenden Wandaufbaus sorgt übrigens im Sommer auch für eine angenehme Kühle im Raum.

Durch dicht verkleisterte Tapeten oder Dispersionsanstriche wird dieser Regulationsmechanismus blockiert. Dazu kommt, daß moderne Wandbekleidungen in der Regel über elektrostatisch Anziehung den Staub auf der Wandoberfläche halten und so über die Kombination Feuchte (aus Kondensation an kalten Wandbauteilen) + Nährboden (organische Stäube aber auch Zellulose) ideale Bedingungen für die Bildung von Schimmel bieten.

Mineralische Anstriche (Kalk + ReinSilikat) sind die einzigen Anstrichtypen die eine ungehinderte Dampfdiffusion aber auch Sorbtion von Feuchte über kapilaren Transport in den darunter liegenden Putzaufbau ermöglichen. Damit läßt sich in gewissen Grenzen der Feuchteproblematik als Grundlage für Schimmel begegnen. Sobald hier Kleister in Form von Kunststoffdispersionen aber auch dem gesundheitlich unbedenklichen Kasein dazu kommt, ist der Kapilartransport schonmal entscheidend behindert. Bei Kunststoffdispersionen zudem auch die Dampfdiffusion.

Der Ph-Wert bleibt auch bei "getrockneten" Kalkfarben alkalischer als der von Dispersionsfarben, auch wenn die hohe Anfangsakalität sich wie Herr Böttcher schon geschrieben hat, mit der Zeit vermindert. Silikatfarben sind in der Tat vor allem für den Außenbereich interessant. Dies liegt aber vor allem an deren technischen Eigenschaften in Verbindung mit dem relativ hohen Preis. Silikatfarben sind genauso wie Kalkfarben für den Innenbereich geeignet, jedoch für meinen Geschmack eine Nummer zu hoch gegeriffen.

Was das Raumklima angeht so sollten Sie wie gesagtneben dem Heizen auch das richtige Lüften nicht vergessen. Wenn die Schimmelflecken erst in letzter Zeit in einem davor immer Schimmelfreien Raum aufgetreten sind sollte dies als eindeutiger Wink in Hinsicht auf das sich veränderte Nutzerverhalten verstanden werden. Die Verwendung von Heizleisten ist in meinen Augen idioligisch ziemlich verklärt. In den auch hier zu findenden Diskussionen dazu wird oft der technische Hintergrund und das physikalische Wirken dieser Heizungsvariante völlig ausgeblendet. Auch ohne einen aufwändigen Umbau Ihrer Heizung werden Sie durch ein vernünftiges Nutzerverhalten (Anhebung Raumtemperatur, Überdenken Lüftungsverhalten) das Schimmelproblem in den Griff bekommen. Wenn nicht liegt hier ein grundsätzliches Problem vor, was sie nur durch eine sorgfältige Sanierung beseitigen können. Um hierzu aber mehr sagen zukönnen fehlt mir der konkrete Eindruck der Situation vor Ort.

Gruß aus Berlin



Sumpfkalk



Könnte es sein, dass der Vekäufer den Kalk schon vorverdünnt hat? Also mit einem übriggebliebenden drei leere wieder gefüllt hat und dann günstig verkauft?



...doch nicht trocken ?



ich habe diverse Kalkfarben schon von namhaften Herstellern gestrichen und muss sagen das diese, meiner Meinung nach, sehr gut decken.
Allerdings habe ich die Problematik auch schonmal erlebt das nach dem vermeintlichen Auftrocknen noch Stellen "durchschimmerten".
Dies lag daran, dass die Wand noch feucht war und der Kalk an der Stelle nicht trocknen konnte.
Ich könnte mir vorstellen, dass es bei Dir auch noch feuchte Stellen an der Wand/Decke geben kann.

Herzliche Grüsse

Michael

P.S.: Nächstes mal die Farbe+Beratung beim Fachhändler kaufen :-)



Rückmeldung wegen Sumpfkalkfarbe



Hallo an Alle,
ich habe nun zwischenzeitlich auch das Wohnzimmer gestrichen. Beim Tapeten entfernen hatte ich tatkräftigste hilfe meiner Tochter, so dass wir mit vielen Waschungen den Kleister wirklich topp entfernen konnten. Dann habe ich aber keinen reinen Sumpfkalk gestrichen, sondern eine fertige Pulvermischung Kalk-Kaseinfarbe zum anrühren verwendet. Und es hat funktioniert! Drei Anstriche, und das Zimmer ist "Kalkweiß". Ich bin sehr zufrieden. Das Sorgenkind Schlafzimmer ist nun zwischenzeitlich sehr gut ausgetrocknet und tatsächlich auch weiß. Vielen Dank an Michael, das nächste Mal werde ich etwas gelassener abwarten was passiert.
Grüße von annessa