welche Farben für Dielenboden und ungedämmte Wand?

19.11.2004



Hallo!
welche Art von Farbe eignet sich für einen alten Dielenboden? Der Dielenboden ist mit einer braunen Farbe (muß ziemlich alt sein) gestrichen. Da ich anfangs das Holz wieder zum Vorschein bringen wollte, habe ich an einer Stelle die Farbe mühselig abgezogen, aber da die Dielen nicht so toll sind (alte Holzwurmgänge, kein attraktives breites Brett), habe ich mir überlegt, die Dielen wieder neu zu Streichen (allerdings in einer freundlicheren Farbe).
Welche Art von Farbe sollte man da am besten nehmen (es soll ein Schlafraum werden).
Von den Wänden dieses Raumes habe ich die Tapeten abgezogen, an einer Wand (von 1907) ist eine hellblaue, wunderbare Farbe drunter. Diese Farbe würde ich gern aufgreifen. Da die Wände ungedämmt sind: zu welcher Art von Farbe würdet ihr mir raten? Das Haus ist ein Backsteinbau, die Innenwände auf Holzkonstruktion.
Mit freundlichen Grüßen und ein schönes Wochenende!



Dielenboden streichen - Wandanstrich in vorhergehenden Beiträgen forschen



Hallo Alexandra,

auf Bodenflächen kommt es auf schnelle Trocknung und Strapazierfähigkeit an. Herkömmliche Alkydharzlacke erfüllen diese Anforderungen. Wenn die Lösemittel verdunstet sind, ist auch das Schlafzimmer kein Problem. Nur in Lösemitteldunst zu schalfen wäre sehr bedenklich. Wasserverdünnbare Methacrylharzbeschichtungen sind für Dielung weniger gut, aber eine Alternative.

Alte Holzdielung lässt sich am besten mit vielerorts ausleihbaren Parkettschleifmaschienen bis ins gesunde Holz abschleifen. Überstehende Schrauben/Nägel vorher versenken/entfernen.

Altbeschichtungen auf Bodenflächen müssen gründlich auf alte Wachsreste - vom Bohnern, Wischwachs etc. - geprüft werden. Oft ist sowas drauf. Dann hält Farbe schlecht. Wachsentfernung nur theoretisch mit Lösemitteln möglich. Praktisch ist Abschleifen besser.

Prüfung:
- Ecken in Augenschein nehmen, dunkle und speckig glatte Wachsansammlungen sind meist erkennbar, evtl. mal mit der Spachtel kratzen.

- 3cm Klebeband testweise auf den staubfreien Boden kleben, ein Vergleichstest am Türpfosten zeigt schnell ob das Klebeband haftet.

- In einer "verdächtigen" Ecke eine kleine Probefläche mit Alkydharz-Haftgrund anlegen. Trocknet diese nicht innerhalb von 1-2 Tagen, ist meist Wachs im Untergrund. Nach Trocknung der Probefläche (3-5 Tage min.) einen Kratztest durchführen. Bei Wachs lässt sich die Grundierung leicht abkratzen.

Alternativen:
- Dielung erneuern
- "provisorisch" verlegte Bodenbeläge (Sisal, Bastmatten, Linoleum, Teppichboden) halten mitunter länger als gedacht. ("provisorische" Leistung natürlich nicht beim Fachbetrieb erhältlich, der darf das nicht!)

Für die ungedämmten Wandflächen empfehle ich in vorangegangenen Beiträgen nach sehr gut diffusionsfähigen Kaseinleimfarben zu forschen.

Mit farbenfrohen Grüßen
Malermeister Peter Seifarth



Farbe?



Wand:
Ich habe bei Wandanstrichen gute Erfahrungen mit Kaseinfarben der Firma Holzweg gemacht. Ob diese Farben einsetzbar sind, hängt stark vom vorhandenen Untergrund ab, den ich natürlich nicht beurteilen kann.
Holzboden:
Warum soll man einen Holzboden mit einem Kunststofflack versiegeln? Ich empfehle den Boden gründlich abzuschleifen und mit Fußbodenhartöl eines Naturfarbenherstellers (Livos, Biofa, Auro,...) zu behandeln, um so mehr, als es sich um ein Schlafzimmer handelt. Sind die Dielen wirklich so schlecht, dann kann man sie auch entfernen und neue verlegen.
Als letzte Lösung sehe ich dann noch die Lacke der Naturfarbenhersteller, da ich von den anderen Farbenherstellern keine Volldeklaration der Inhaltsstoffe bekommen kann.



schnellere Trocknung und erhöhte Strapazierfähigkeit von Alkydharzlacken



sowie Verfügbarkeit und Preis war mein Gedanke zur Dielenbodenbeschichtung.

Selbstverständlich sind auch die von Fred Heim genannten Varianten prima anwendbar. Im Schlafzimmer und bei genügend Wartezeit sind einige gute Eigenschaften von Alkydharzlack durchaus verzichtbar.

Oft spielt eine kurze Zeit bis zur Nutzung eine wichtige Rolle. Im Treppenhaus, das Treppenpodest oder Renovierungen im bewohntem Zustand zum Beispiel. Bei zuwenig Informationen über einen Sachverhalt berücksichtige ich fast automatisch die Tagespraxis in meinem Job.



Nadelholzboden



Hallo,
vielen Dank erst einmal für die Antworten. Nun ist es so, daß ich anfangs auch ernstlich erwogen hatte, den Boden abzuschleifen. Aber wie gesagt: so toll sind die Dielen nicht - Nadelholz, Wurmfraßgänge, Wölbungen (mit denen ich aber leben kann). Auch habe ich den Eindruck, daß das Streichen der Dielenböden früher durchaus üblich war, und es somit eigentlich keinen Stilbruch bedeuten sollte, wenn man Dielenböden streicht. Ich kann mich teilweise des Eindrucks nicht erwehren, daß die Naturoptik zur Zeit einfach "angesagt" ist. Dennoch möchte ich natürlich nicht in irgendwelchen Ausdünstungen schlafen...
Mit ganz freundlichen Grüßen, Alexandra



Du sagst es selber,



warum das Risiko eingehen, sich irgendwelchen Ausdünstungen auszusetzen, wenn es gute und schöne andere Lösungen gibt. Die konventionellen Farbenhersteller sind ja leider noch nicht so weit, dass sie alle Inhaltsstoffe offen legen.



Ölfarbe?



Hallo!
Spricht eigentlich etwas dagegen, den Fußboden mit Ölfarbe zu streichen? Er ist ja jetzt mit so einer rotbraunen Farbe gestrichen, das ist doch vermutlich auch Ölfarbe...? Könnte ich den Boden nicht einfach mit neuer Ölfarbe überstreichen? Allerdings: wo gibt es die und gibt es sie auch in anderen Farben?
Die gängigen Biolacke für Fußböden sind, wie ich so in Ökotest oder im Internet recherchieren konnte, wohl alle farblos und somit für abgeschleifte Fußböden gedacht.
Andere Biolacke sind wohl eher nicht für Fußböden geeignet (Livos, Kreidezeit..)
Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen aus der kalten Lüneburger Heide, Alexandra



P.S.: und was ist davon zu halten...



Und was ist davon zu halten, wäre das vielleicht auch noch eine Möglichkeit für den Boden?
"Auszug aus "Natürliche Farben" vom AT Verlag: ... Einen sehr wirksamen Abbeizer für traditionelle Ölfarben kann man sich leicht selbst anrühren. Man benötigt feste Schmierseife (z.B. Kalischmierseife) und Sumpfkalk, die zu gleichen Teilen gemischt werden. Im Zweifelsfall kann man mit einer kleinen Menge einen machen. Die meisten Schmierseifen aus der Drogerie sind gut geeignet. In der regel müssen noch einige Tropfen Wasser hinzugegeben werden, um die Masse geschmeidig zu machen. Diese Mischung verseift alte Ölfarbenanstriche, so dass sie nach einer Einwirkdauer von einer halben bis zu einigen Stunden abwaschbar werden."
Mit freundlichen Grüßen, Alexandra



Aufwand und Nutzen



Hallo Alexandra,
ja bei Ölfarben funktioniert die alkalische Ablaugung, oftmals sind schon Kunstharzfarben auf dem Untergrund, da geht es nicht. Einfach sollte man sich das Ablaugen aber nicht vorstellen. Es ist eine schmierige Angelegenheit, welche viel Nässe in die Dielung und Unterbau bringen kann. Das ist nicht so gut.

Bitte mal darüber Nach(Vor)denken, wie schlimm es für einen ganz persönlich ist, wenn irgendwo mal Farbe abgeht, weil diese Möglichkeit durch Riesenaufwand an Vorarbeiten nicht ausgeschlossen ist.

Für unseren familiären Privatgebrauch versuche ich immer - Aufwand und Nutzen ausgewogen zu halten. Auch wenn beim Staubsaugen bei mir im Wohnzimmer (seit 20 Jahren immer wieder) durch Bohnerwachs auf der Fußleiste immer mal was abplatzt, werde ich weder was abbeizen, noch die Leisten rausreißen, ich pinsel mal nach - wenn´s zu sehr stört. Gewerblich geht das allerdings nicht, da gilt Gewährleistung oder Bedenkenanmeldung.

MfG PSei