Kalk-Kaseinfarbe un Farbansätze

11.09.2011



Hallo liebe Fachwerkfreunde,

in meinem Altbau habe ich die Decke verspachtelt (Gips - war vorher auch Gips) und mit Kaseingrundierung grundiert. Dann habe ich mir aus Magerquark und Sumpfkalk (ca. 5:1) Bindemittel hergestellt und dies mit Weißkalkhydrat (CL90) als Pigment und Wasser aufgefüllt, sodass eine schöne streichbare Konsistenz zustande kam. Die Farbe habe ich dann mit einer guten kurzflorigen Rolle aufgetragen. Soweit so gut! Die Farbe ist abgetrocknet, hält gut, ist weiß und kreidet nicht.

Mein Problem:
Man sieht deutlich Ansätze, obwohl ich die Farbe relativ häufig umgerührt habe.

Meine Vermutung:
Die Farbpigmente setzten sich relativ schnell ab und es entstanden so immer wieder unterschiedliche Mischungen im oberen Teil des Farbeimers, die zu den sichtbaren Ansätzen führten.

Gibt es eine Möglichkeit, die Konsistenz der Farbe und das absetzen der Pigmente bzw. das "Entmischen" der Farbe zu verzögern, ohne nach jedem Rolleeintauchen umrühren zu müssen?

Einen ähnlichen Effekt habe ich auch bei fertiger Pulverkaseinkalkfarbe festgestellt, wobei jedoch die Ansätze weit weniger sichtbar waren.

Grüsse
Gerry



Falsche Mischung



Hallo Gerry, da gabs im Forum schon früher diese Anfrage:
http://www.fachwerk.de/wissen/weisskalkhydrat-weisskalk-110321.html. - das war hier schonmal Thema
Weisskalkhydrat geht zur Not vielleicht zum Weissen von Ställen oder Kellern. Es ist auch ein Bindemittel und kein Pigment bzw. Füllstoff. du hättest beim Selbstanrühren stattdessen Kreide, Titandioxid oder Marmormehl nehmen können. Jetzt ist guter Rat teuer....
Alles was Du jetzt noch draufstreichst hat keine Erfolgsgewähr. Entweder Du kannst damit leben oder versuchst es wieder runterzukratzen. Kalkkaseinfarbe ist
in der Regel recht dünnflüssig und wird mit der Bürste gestrichen.



Mit der Qualität der Farbe



bin ich im Grunde zufrieden.

Warum soll das Rezept falsch sein?
Kalkhydrat mag zwar ein Bindemittel sein, jedoch erreiche ich durch den vorher hergestellten Kasein-Leim mehr Klebekraft. Das Kalkhydrat übernimmt dann m. E. überwiegend die Funktion als Weiß-Pigmentgeber.

Die Farbe kreidet überhaupt nicht und ließ sich relativ gut verarbeiten.

Übrigens habe ich den 1. Anstrich mit Kaseinleim und Champagerkreide als Pigment aufgebracht. Da mir der Farbton aber nicht gefiel, habe ich dann mit Kasein-Kalkhydrat überstrichen.

Mei einziges Problem ist also wirklich nur, dass ich Farb-Ansätze produziert habe und ich nicht weiß, wie ich die kontrolliert verhindern kann.

Grüsse
Gerry



Ansätze entstehen



wenn der Untergrund zu stark "saugt" oder der Anstrich zu dickflüssig augfetragen wurde. Es mag sein das Deine Mischung erstmal hält ( bei einer Außenwand mit größeren
Feuchtigkeits und Temperaturschwankungen wärs sicher eher problematisch). Ich hab da schon ganz andere Sachen erlebt (Rauhfasertapete gekalkt, Möbel mit Leimfarbe gestrichen...)
Aber ich würde Dir nicht raten weitere Flächen mit dieser mIschung zu beschichten. viel Glück!
Gruß Birger



Meine Vermutung wäre auch



entweder ein zu dickflüssiger Auftrag oder ein zu starkes Saugverhalten des Untergrundes. Die Konsistenz sollte schon dünn, sozusagen eher wässrig sein. Zum Vergleich: Die Konsistenz von handelsüblicher Wanddispersionsfarbe ist schon zu dick! Zudem sollte der Auftrag nicht mit einer Rolle sondern mit einer guten Malerbürste im Kreuzgang erfolgen.

Der Untergrund sollte zum Einen immer vorgenässt werden und es empfiehlt sich meist eine Vorgrundierung mit stark verdünnter Farbe oder mit einem recht dünnen Kaseinansatz. Regelmäßiges Rühren ist sehr wichtig und während des Anstriches möglichst Zugluft und Temperaturen über 20° C vermeiden. Also Fenster zu und nicht im Hochsommer oder bei bollernder Heizung streichen.

An Birger:

Soweit ich richtig informiert bin, ist der Kalk in einer Kalk-Kaseinfarbe schon mehr Pigment denn Bindemittel. Wenngleich er auch noch für den Aufschluß des Kaseins sorgt. Kasein ist in der Lage wesentlich mehr Pigmente als Kalk zu binden.

Kannst Du den Grund bitte näher benennen, weshalb die Mischung nicht halten sollte? Meinst Du damit die Zusammensetzung oder die Konsistenz?

Viele Grüße
Achim



Verwendung von Weisskalkhydrat



http://www.zkw-otterbein.de/admin/upload/pdf/wkh_ii_cl_90.pdf

Gruß Birger



Hallo Achim,



die Gipsdecke habe ich vorher 2 mal mit Kaseingrundierung von Kreidezeit gestrichen. Saugverhalten sollte also eher gering sein.

Die Konsistenz kam einer Dispersionsfarbe schon nahe, sodass es evtl. wirklich zu dickflüssig war. Auch die Temperaturen waren über 20 °C. Die Farbe trocknete relativ schnell ab.

Ganz versteh ich Birger immer noch nicht, warum Weißkalkhydrat mit Kaseinleim ein Problem sein soll.

Otterbein gibt im Link nur Anwendungsempfehlungen für reine Weißkalkhydratfarbe an.

Grüsse
Gerry



Kaseinbindemittel



Hallo Gerry, es gibt Zusammensetzungen für Anstriche die
fachgerecht sind- und es gibt andere Mischungen, die vielleicht auch ein zeitlang oder länger halten.
Eine dickflüssige Kalkkaseinfarbe enthält auf jeden Fall
Füllstoffe wie Marmormehl e.ct.
Laut Tabelle ist die Zusammensetzung einer Kalkfarbe mit Kalkcasein folgende: 28% Kalkhydratteig !!, 60% Wasser!!!,
8% Kalkcaseinbindemittel und 4% Pigmente. Dickflüssige
Weisskalkanstriche sind unfachgemäß und führen mindestens zu den von dir bemängelnden Effekten.
Kalksteinmehl (Marmormehl) wäre der geeignete Zuschlagstoff
gewesen.

Grüße
BIrger



Servus Gerry,



wenn Du bereits zwei mal mit Kasein grundiert hast, kann das Saugverhalten eigentlich tatsächlich nicht mehr die Ursache sein. Allerdings ist nach meinen Erfahrungen die Saugkraft von Gips nicht zu unterschätzen. Da geht ne ganze Menge rein, salopp gesagt.

Was Birger zu verstehen geben möchte ist, glaube ich, daß Weißkalkhydrat nicht unbedingt die erste Wahl in puncto Anstrichqualität bei einer Kalkkaseinfarbe ist, wenn man gewisse Ansprüche hat. Hochwertigere Anstriche lassen sich in der Tat mit den von ihm beschriebenen Zuschlagstoffen erzielen. Marmormehl, bestimmte Kreiden und manche nehmen auch Titandioxid als Pigment.

Wenn ich es richtig beurteile, hat aber Deine Decke keine besonderen Ansprüche zu erfüllen und eine Kirche bemalst Du ja auch nicht. Eine Kalkkaseinfarbe mit Weißkalkhydrat angemischt ist in dieser Lesart zwar einfacher Standard, erfüllt dennoch absolut ihre Aufgabe, (auch mit Feuchtigkeit kann sie umgehen - kann also durchaus auch im Außenbereich oder z. B. im Badezimmer verwendet werden) hat sich bei fachgerechter Anwendung in der Praxis schon oft bewährt und ist zudem unschlagbar günstig. Das man dies als Kunstmaler zwischen Kunst und Handwerk, wie Birger sich selbst beschreibt, anders sieht, kann ich aber durchaus nachvollziehen.

Fehlschläge gibt es allerdings aus den unterschiedlichsten Gründen hin und wieder, davor schützt im Zweifel auch Marmormehl nicht.

Wie Du schreibst, ist das Ergebnis "technisch" in Ordnung, im Sinne der Abriebfestigkeit etc. Es geht also "nur" um die Ansätze. Wenn also ausreichend grundiert wurde, bleibt meiner Meinung nach nur noch, daß die Farbe zu dickflüssig war, demnach zu dick aufgetragen wurde und zu schnell getrocknet ist.

Wie gesagt, die Konsistenz der Farbe sollte eher wässrig sein und der Auftrag sollte möglichst dünn erfolgen. Der Anstrichqualität zuliebe also die Farbe ggf. besser mehrmals dünn als einmal dick aufbringen. Für Farben mit Kalk ist dies überhaupt die goldene Regel, wie Birger ja bereits geschrieben hat.


Viel Erfolg und viele Grüße
Achim



Nach längerer Pause



habe ich nun das Thema wieder aufgegriffen, da ich den Einwand von Birger Jesch bzgl. der Bedenken zur Verwendung von Weißkalkhydrat als Farbpigment nicht verstanden habe und z. B. hier http://www.igbauernhaus.de/index.php?id=1026 auch eine Rezeptur gefunden habe, die Weißkalkhydrat als Pigment vorsieht.

Hier noch ein Erfahrungsbericht zum Thema:
Übrigens gibt es Unterschiede im "Weißheitsgrad" der Weißkalkhydrathersteller. Otterbein liefert einen sehr schönen strahlenden weißen Farbton, bei dem ich den Unterschied z. B. zum weiß von Glücks-Sumpfkalkfarbe als minimal empfinde. Anders ist das Produkt "Weißkalkhydrat Diamant CL90" (Hersteller Weber-Deitermann?) : feucht ist es gräulich und trocknet zu einem eher unscheinbaren leicht schattigem weiß. Mit dem richtigen Weißkalkhydrat spart man sich also evtl. das hinzufügen von Titandioxid o.ä.

Leider ist mein Otterbein Weißkalkhydrat schon älter (>2 Jahre) und hat schon kleine Körnchen gebildet, die man dummerweise auf der Decke erkennen kann. Durch einsumpfen und rühren bekommen ich diese kleinen Körnchen nicht weg, obwohl man sie zwischen den Fingern zerreiben kann.

Grüsse
gerry



Servus Gerry,



die Körnchen lassen sich evtl. entfernen, wenn Du das Ganze (den Farbansatz) vor dem verdünnen mit Wasser durch ein Malersieb reibst.

Versuch macht kluuch. :-)

Gruß
Achim



Hallo Achim,



werde mich mal nach einer Art Sieb umschauen. Vielleicht geht auch ein Gazegewebe, dass ich über einen Eimer stülpe...

Eine Salatschleuder mit eingelegtem Gaze könnte evtl. auch funktionieren?

OK, erstmal die einfache Variante ausprobieren und klüger werden!

Grüsse
Gerry



Was lange währt...



In der Zwischenzeit hab ich 2 x Sumpfkalk von Glück an die Decke gestrichen. Schön weiß, aber auch wieder sichtbare Ansätze. Jedesmal habe ich Leinölfirnis in die Farbe getan.

Zuletzt habe ich mir Altmansteiner Sumpfkalk kommen lassen und damit die Decke (verhältnis 1 zu 3) gestrichen. Schon wesentlich bessere Übergänge, kaum Ansätze sichtbar. Heute erfolgte dann der allerletzte Anstrich...

Im Gebinde ist der Sumpfkalk von Glück bereits strahlend weiß, der Altmansteiner Sumpfkalk dagegen ist zunächst gelblich.
Beide trocknen jedoch schön weiß ab und kreiden kaum.

Mein Fazit:
Bei meiner glatten Decke scheint das Leinölfirnis in der farbe evtl. für die Ansätze mit verantwortlich zu sein. Im letzten Anstrich sollte man auf eine Zugabe verzichten (war auch im Rezept angegeben). Evtl. braucht man im Innenbereich überhaupt keine Zugabe von Leinölfinis o.ä.


Grüsse

Gerry