Touristisches Potential der Fachwerkbebauung

06.08.2011



Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

werden Sie bitte so nett, könnten Sie bitte auf meine neue Frage antworten. Mich interessiert touristisches Potential von Orten, wo historische Fachwerkbebauung existiert. Wie meinen Sie, ob diese Orte stabil populär in der Zukunft bleiben werden? Und welche Gründe sind dafür? Vielleicht können Sie bitte irgenswelche statistische Daten über die Dynamik von das Interesse für Fachwerksehenswürdigkeiten in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Dänemark und in anderen Ländern zeigen? Oder einen guten Artikel, der mit diesem Thema verbunden ist, empfehlen? Das hilft mir sehr in meiner wissenschaftlicher Arbeit. Danke schön im Voraus.

Mit vielen freundlichen Grüßen
Denis





Hallo Denis,

zunächst einmal bin ich Lokalpatriot und kann Dir Goslar sehr ans Herz legen. Heute politisch relativ unbedeutend (ausser dass Sigmar Gabriel aus Goslar stammt und die CDU sich nach dem 2. Weltkrieg im Goslarer Odeon Theater gründete) war es im Mittelalter eine der wichtigsten Städte des damaligen Deutschen Reiches. Grund: die Silbermine.
Die historische Bausubstanz und Stadtkern sind grösstenteils erhalten geblieben und auch viele Gebäude, die seither genutzt wurden, wie z.B. das grosse heilige Kreuz. Weiterhin sind interessant die Kaiserpfalz, das Rathaus, die Häuser der Stände (heute Kaiserworth, Brusttuch ... und nicht zuletzt das Siemens-Stammhaus).

Vor ein paar Jahren wurden Goslar und die Bergwerksanlagen zum Weltkurerbe ernannt. Der Grund liegt darin, dass die mittelalterliche Stadtstruktur und viele Gebäude heute noch vorhanden sind, inklusive der Stollen und Gerätschaften.

Eine Fachwerkstadt als solche zu erhalten ist schwierig, da heute andere Ansprüche gelten als damals. So hat auch Goslar dran glauben müssen, die Einkaufsstrassen kann man nicht mehr historisch nennen und inmitten der Altstadt musste die alte Bausubstanz einem Kaufhaus weichen.

Eine historische Stadt kann nur durch breite wirtschaftliche Vernetzung existieren und wenn die Menschen, denen die Häuser gehören, erkennen, wie wichtig es ist, ihre Gebäude zu erhalten, anstelle sie abzureissen und etwas modernes hinzustellen. Denn in einem historischen Stadtkern muss man mit vielen Nachteilen klar kommen, zB schwierige Parkplatzsituation, dichte Bebauung, Einbahnstrassen, in den Häusern niedrige Decken, verwinkelte Räume, Baupfusch, falsche Behandlung der Bausubstanz.
Also, Tourismus allein hilft nicht. In der Stadt muss tägliches Leben möglich sein, wie arbeiten, einkaufen, Bildung, Ärzte, Behörden, Schulen, Kindergärten, Altenheime, Freizeitaktivitäten, Restaurants, Cafes, wirtschaftliches Treiben. Kurz: sie muss die Bedürfnisse aller Menschen erfüllen. Es muss aber auch ruhiges Wohnen möglich sein und viele Rückzugspunkte bieten.

Verwaisung der Stadtkerne ist eine moderne Erscheinung, weil wir heute darauf Wert legen, alle Besorgungen mit dem Auto zu machen. So entstehen auf der Brache elendig grosse Gewerbegebiete, während in den Innenstädten gähnende Leere herrscht.

Dein Thema ist ziemlich komplex, aber besonders in der Städtebauliteratur oftmals schon behandelt worden, denn in den 70er und 80er Jahren hat man schon darüber nachgedacht.
Also solltest Du alles durchforsten, was mit Städtebau zu tun hat.

Im Ausland gibt es ebenfalls historische Städte (nicht unbedingt Fachwerk, sagen wir: lokale Baustoffe), zB in der Toskana: Sienna, San Gimiganao, Florenz, in Frankreich: Carcassonne, St. Marlo

Diese Städte haben etwas besonderes über die Jahrhunderte bewahrt: sie sind lebenswert.





Hallo Christina,

Danke sehr für Deine schnelle, tiefe und vielseitige Antwort. Ich habe neue interessante Aspekte darin gefunden. Ich habe früher auch nicht gewusst, dass Christlich Demokratische Union wurde in Goslar gegründet. Das ist sehr interessant. Es freut mich auch, dass es gibt noch Patriote in Europa. Ich stamme aus einem alten Moskauer Familie, aber es ist so schwer, einen Patriot von dieser Stadt zu sein.

Viele Grüße nach Goslar,
Denis



Fachwerk- Tourismus



Hallo Denis,
Hier ein Link:
http://www.deutsche-fachwerkstrasse.de/de/cont.php3

viele Grüße



Fachwerkstrasse



ist ja sehr interessant, der Link. Da frage ich mich aber, warum Goslar da nicht mit drin ist, denn Goslar hat, denke ich mehr zu bieten als Osterode, zumal es in Goslar Fachwerkbauten, bzw. auch teilweise mit Fachwerk, verschiedener Epochen gibt, das Brusttuch z.B. wurde um 1520 gebaut, die Fachwerkäuser um den Pfalzbezirk sind noch älter.
Goslar taucht aber in der Strasse der Romanik auf.



Deutsche Fachwerkstraße



Hallo Christina,
Man muss halt Mitglied werden.
Das kostet dann einen Mitgliedsbeitrag.

Hier in Zierenberg ist man aus Kostengründen wieder ausgetreten.(Haushaltskonsolidierung)

Naja ist besser, als das Schwimmbad zu schließen;-))

viele Grüße





Grüß Euch,

Danke sehr für diesen Link und neue Kommentare. Ich mag Deutsche Fachwerkstraße, habe aber leider nicht alle ihre Richtungen besichtigt. Von dem Vortrag über Deutsche Fachwerkstraße ist meine Vorschung im Bereich der Fachwerkbaukunst 2003 angefangen. Und bis heute bin ich von diesem Thema sehr begeistert.

Viele Grüße nach Deutschland, Denis



woher



woher kommst Du denn, wenn man fragen darf?





Ich komme von Nordmoskau. Ich wohne zwischen Moskauer Autobahnring und Flughafen "Scheremetjewo", in einem grünen, ruhigen Stadtviertel.