Fachwerksanierung, worauf muss ich achten




Hallo Liebe Community,

ich bin neu hier daher stelle ich mich erstmal kurz vor:
Ich bin 27 Jahre alt, Handwerklich sehr geschickt und plane in nächster Zeit ein kleines süsses Fachwerkhaus zu kaufen. Dieses habe ich bereits mit dem mir zur Verfügung stehendem Wissen auf Herz und Nieren geprüft. Da es bei Fachwerkhäusern doch so einiges zu beachten gibt und es teils widersprüchliche Aussagen zum Thema Putz, Feuchtigkeit in Kellern usw. gibt, habe ich mir gedacht mal einen neuen Thread aufzumachen wo es dann tatsächlich spezifisch um meinen Fall geht und ich mir das ganze Wissen nicht aus den verschiedenen Foren zusammen suchen muss mit dem Nachteil das ich manches vllt falsch angehe.

Es geht also um folgendes:
Fachwerkhaus, Baujahr 1850, kein Denkmalschutz, Wohnfläche ca. 65 m2 (also wirklich klein)
Das Haus wird mittels abgenommenem und genehmigtem Kamin sowie einer Gasheizung beheizt, es hat einen Kriechkeller (höhe ca 1,20m), zwei Etagen, Stromleitungen nach neuer DIN (von 1997). Das gleiche gilt für Wasser und Rohre, die letzten grossen Sanierungsarbeiten fanden 1997 statt. Leider hat die jetzige Besitzerin kaum Infos was zu welchem Zeitpunkt und von Wem saniert worden ist. Wir starten also bei 0.

BALKEN
Bei der Kontrolle der Balken von Aussen ist mir aufgefallen das ein Sparren sowie zwei Balken auf der Rückseite des Hauses Morsch sind und getauscht werden müssen ansonsten habe ich keinerlei Feuchtigkeit oder Rückstände von Feuchtigkeit feststellen können. Ein befreundeter Dachdecker der gerade seinen Meister macht hat die Kosten hierfür mit ca. 3000€ beziffert. Das ist absolut ok, wirft jedoch eine Entscheidende Frage für mich auf:
Wenn ich das gefache diesen Sommer entferne um die Balken zu tauschen, heisst das dann das ich quasi von aussen nach innen durschauen kann oder bleibt der innere Teil der Wand bestehen? Dahinter befindet sich die Küche und ich möchte diese ungern komplett abbauen müssen.
Ich stelle mir ausserdem die Frage ob ich selber Kalkputz aus Sumpfkalk herstellen oder ein fertiges Produkt kaufen sollte. Es soll in erster Linie erstmal alles einfach gehen und auch wenn die selbstherstellung des Putzes wahrscheinlich zu einer höheren Qualität führt so würde ich erstmal die fertig Kauf Methode bevorzugen sofern gute Produkte auf dem Markt sind. Es stellt sich mir ausserdem die Frage wie das dann genau funktioniert. Wird der Putz einfach direkt mit einer Schicht auf die Backsteine aufgetragen und dann gestrichen??

Bevor ich jetzt noch mehr runterleiere und am Ende 5 oder 6 verschiedene Themen in einem Beitrag habe, lasse ich das ganze jetzt erstmal zur Diskussion offen denn zu diesem Thema kommt bestimmt noch die ein oder andere Frage auf.

Ich danke im voraus für die zahlreichen und hilfreichen Antworten.





Der tatsächliche Erhaltungszustand und der Sanierungs- oder Instandsetzungsaufwand sollte in einem Vor-Ort-Termin begutachtet und bewertet werden.

Die Fachwerkkonstruktion/Bodenkonstruktion gegen Erdreich, im Sockelbereich und im Dachbereich/Dachstuhl sollte auf Vermorschungsschäden und Schädlingsbefall untersucht werden. Wenn Fachwerk instandgesetzt werden muss, durch Austausch ganzer Teile oder den teilweisen Ersatz, muss ggf. auch das gesamte Gefach ausgebaut und später neu aufgemauert werden..

Das Thema energetische Sanierung wird Sie wahrscheinlich auch interessieren, auch im Zusammenhang mit der vorhandenen/geplanten Heizung und den zukünftigen Heizkosten bzw. dem höheren Wohnwert bauwerksgerecht gedämmter Außenbauteile.

Putz ist wie fast alles am Bau- ein Spezielles Thema. Die Wahl und die Zusammensetzung des Putzes muß auf das Bauteil und die Einbausituation abgestimmt sein. Dazu gibt es DIN-Normen und die a.a.R.d.T. Von eigenen Experimenten rate ich ab; das gelingt nur erfahrenen Putzern, die auch die richtigen Grundmaterialien besorgen können. Heute nimmt man überwiegend Sackware, die von einer Vielzahl von Herstellern in einem großen Sortiment für jeden Einsatzzweck geliefert wird. Der selbstangemischte Putz wird keinesfalls von höherer Qualität sein.





Hallo Herr Pickartz und danke für die schnelle Antwort.

das gefache muss hierzu definitiv raus, daher ja meine Frage ob man dann tatsächlich keine Wand mehr hat und das ganze auch den inneren Teil des Hauses "beschädigt". Das ursprünglich eingesetzte Material zur verputzung ist mit ziemlicher Sicherheit Kalkputz, der auch fachgerecht unter der Berücksichtigung das sich kein Stauwasser am Balken oder Haus sammeln kann aufgetragen wurde. Ich habe im Laufe der letzten Jahre mehrere Altbauhäuser Saniert und kenne mich daher recht gut mit den eigentlichen arbeiten aus, jedoch fehlt einfach die Kenntnis der speziellen Materialien wie auch die vorgehensweise bei Verwendung. Wenn ich alles durch Fachfirmen machen lasse, ist das Objekt somit für mich uninteressant. 1. weil ich selber gerne handwerkle und 2. weil es zu viel Geld kostet und somit den Kaufpreis des Hauses in eine nicht verhältnismässige höhe treiben würde. Ich bin daher auf der Suche nach den entsprechenden Infos die mich best möglich dabei unterstützen an meinem Bau/sanierungsvorhaben nicht zu scheitern. Mein Anspruch an die eigene Arbeit liegt dabei bei 100%. Ich mage keine Kompromisse, Pfusche nicht und bin gerne über alles im voraus informiert bevor ich anfange.

Ich bin daher sehr dankbar über jede Hilfe oder Info!



Putz bleibt stehen



Hallo und Glückwunsch dazu ein Fachwerkhaus ihr eigen zu nennen.

Ob der Innere Putz tatsächlich stehen bleibt, wenn das Gefach raus genommen werden muss ist eher unwahrscheinlich. Das hängt auch davon ab ob wirklich nur ein Kalkputz drauf ist oder ob der auf einer Lehmschicht aufgebracht wurde. Nächste Frage ist, ob ggf. einige Gefache gehalten werden können. Da kann man z.B. dran arbeiten indem man das Gefach oder Teile des Gefaches sichert. Dazu muss klar sein, wie das Gefach aufgebaut ist und wie es am Balkenwerk befestigt ist.
Das ganze ist aber wirklich im Rahmen eines Forums sehr schwer zu klären. Bilder helfen bei der Frage ggf. wieder. Aber auch das ist eher schwierig.

Ich kann nur meine faire Hilfe auch beim Selbermachen anbieten.
Bitte Vorsicht bei dem Zimmerleuten. Es gibt zu viele auch bei uns hier im Bergischen, die mal eben KVH mit verzinkten Winkeln rein kloppen und dir dafür noch viel Geld abknöpfen und dir erzählen anders wäre es nicht zulässig.

Jetzt schau ich mal auf deine anderen Fragen ... M.Mattonet, Ingenieurbüro Bergisches Land - info@ingbbl.de