Frage zur Dämmung an die Profis

07.01.2012



Hallo zusammen,
meine Frau und ich beschäftigen uns intensiv mit dem Kauf eines (renovierten) Fachwerkhauses. Die Besichtigung erschien uns aus Laiensicht als sehr vielversprechend - Verbrauchswerte (Pelletheizung) waren wirklich sehr niedrig. Bei den Baubeschreibungen habe ich folgende Passage kopiert, zu der ich um eine Expertenmeinung bitten würde:

Jeder Raum im Erdgeschoss ist 25 cm tief ausgeschachtet, dann Kiesbett eingebracht (keine aufsteigende Feuchtigkeit), mit Folie abgedeckt und mit bewehrtem Beton auf gleicher Höhe aufgeffült
Schwellenbalken auf Sandstein alle mit Dachpappe abgeschirmt
Auf den innen eingebrachten Beton wurden mit Abstand von 5-6 cm 17,5 cm Porotonwändee errichtet. Wände sind jetzt zweischalig mit Hohlschicht

Schöne Grüße und vielen Dank vorab,
Daniel



Fachwerksanierung



Hallo Daniel,
die Hohlschicht kann bei dem diffusionsoffenen Porenbeton zu Kondenswasserbildung an der Innenseite des Fachwerkes führen. Eine Rücktrocknung nach innen ist nur durch Diffusion, nicht durch Kapillarität möglich.
Wenn zu der inneren Auffeuchtung und der verminderten Rücktrocknung auch noch eine exponierte Bewitterung kommt kann das zu verheerenden Bauschäden führen.
Dann vermisse ich Angaben zum weiteren Fußbodenaufbau (Dämmung) Gibt es ein Obergeschoss?

Viele Grüße

Viele Grüße



Re: Fachwerksanierung



Hallo,
vielen Dank für die (schon befürchtete) Antwort. Es gibt ein Obergeschoss, das ehemalige Altenteil. Zusätzlich ist im Dachgeschoss noch eine riesige Ausbaureserve vorhanden. Das Dach ist neu eingedeckt, mit Hartfaserplatten unter den Dachziegeln.
Genauere Angaben habe ich zum Fußboden leider nicht. Im Erdgeschoss ist in jedem Fall in der Diele sowie im Wohn- und Badbereich Fußbodenheizung verlegt (zusätzlich Heizkörper), darüber Cottofliesen. Die weiteren Auszüge aus der Baubeschreibung:

Bretter oberhalb der Diele und der übrigen Dielennebenräume als Sonderanfertigung in 3,5 cm Stärke, darüber 120mm Isolierung aus festen Steinwollematten mit Spanplatten zum Begehen abgedeckt.
Weitere Kälteschutzmaßnahmen durch die Verlegung von Flexrohren vom Bullerjan (der in der Diele steht) in der Zwischendecke

Es wirkte wie gesagt auf den Außenblick alles top in Schuss, wobei wie auch hier schon mehrfach gelesen die Geschichte mit dem Hohlraum zwischen Fachwerk und Porotonwänden ein echtes K.O.-Kriterium zu sein scheint...

Viele Grüße



Lösung Hohlraum



Ich denke, dass Du das Probleme mit der Hohlwand lösen kannst. Und diese Lösung kann einen Vorteil bringen, jedoch sind weitere Überlegungen notwendig. Das ist nur eine erste Anregung: Verschiedene Ziegel und Mauersteinhersteller füllen ihre (Poroton)Steine mit mineralischen Füllstoffen und haben damit, wir bei Dir im Großen, die hohlen Kammern mit in die Konstruktion einbezogen.
Die Firmen Ytong, Geolyth, Dennert und andere bieten Mineralschaumplatten und Baustoffe zur Dämmung an, die kapillar und z. T. hygroskopisch wirken. Die Fa. AERO-Durit hat mit ihrem leider verstorbenen Inhaber über Jahrzehnte Häuser in extremen Gebieten und sogar vor Belize ein Hotel unter dem Meer gebaut.Dieses Material war ebenfalls mir AERoDurit aufgeschäumter beton. Mit dem porosierten Putz konnten Mauerentfeuchtungen nachgewiesen werden. Nach einer Sanierung in Venedig hieß es: Dieser Stein kann Venedig retten.

Ich habe in meinem Neubau das Material auch verwendett und war nach dem Auspumpen vom Keller während der Bauzeit mehr als überrascht, wie schnell der Beton trocken war.

In Euren Fall würde ich (nach Prüfung!!!) eine Füllung des Zwischenraumes mit einem "Celluar Lightweight Concrete" also mit einem Luftporenbeton vorschlagen. Wir beabsichtigen in Kürze bei der Fa. Neopor www.neopor.com einen Schaumgenerator zu erwerben, den wir für Sanierungen und Wärmedämmestriche verleihen, vermieten oder einsetzen werden. Mit diesem Generator wird Schaum auf Aminiosäurenbasis - also rein biologisch - mit einem Sand/Zement/Wassergemisch zu einem mineralischen Dämmstoff verarbeitet. Es ist das Material, mit dem die anfangs genannten Firmen ihre Mineral-Dämmstoffplatten herstellen.

Begleitend würde ich eine Strahlungsheizung einbauen. Konrad Fischer hat dazu interessante Ideen. Er verlängert Heizungsanbindungen im Sockelbereich. Da Ihr mit Pellets ohnehin eine relative hohe Vorlauftemperatur fahrt, könntet Ihr durch diese Lösung das Mauerwerk zum Heizkörper umfunktionieren, der immer wärmer als die Raumluft ist. Dadurch erfolgt der Wärmetransport von der Wand weg, zum Raum hin.
Der Effekt: Trockene und trocknende Wände, erheblich sinkende Energiekosten durch die Strahlungsheizung. Vielleicht trägt die zusätzliche Dämmung dann auch auch noch etwas zur Senkung des Energieverbrauches bei.

... allse Vorteile einer Strahlungsheizung, die Konrad Fischer und viele andere oft genug hervorheben.
Gerne würden wir das Objekt begleiten.