Fachwerkhaus - was sind tragende Wände?

10.08.2014 basstscho



Hallo zusammen,

wir wohnen in einem Fachwerkhaus von 1800. Ich habe auf Grund von geplanten Umbauten alle Abmessungen aufgenommen und in Sweet Home 3D abgebildet. Das Haus hat zwei Stockwerke und dann beginnt der Dachstuhl (3-Stöckig) - also relativ spitz. Die Grundfläche ist in etwa 12 x 12 m. Leider bin ich kein Experte was die Bauweisen von Fachwerkhäusern angeht. Es scheint weder die zwei- noch die vierständer-Bausweise zu passen. Alle vorhandenen Wände sind in keiner Weise mittig oder geviertelt angeordnet. Die Wände im Erdgeschoss sind in etwa 60cm stark, die im OG 30cm.
Zum Vorhaben: Ich würde gerne die ein oder andere Zwischendecke herausnehmen. Hierfür würde ich gerne die tragende Struktur identifizieren.
Natürlich wird - bevor auch nur eine Wand abgerissen wird - alles im Weiteren von einem Architekten geprüft. Ich würde mir aber gerne vorab Gedanken machen.

Besten Dank für eure Unterstützung,
Johannes



Grundsätzlich



sind alle Fachwerkwände in einem FH tragend,sonst wären die da nicht.

Grüße Martin



Grundsätzlich …



geht ALLES, was Sie machen wollen … 

allerdings müssen dann evtl Massnahmen ergriffen werden, die den Eingriff kompensieren und die dann den Rahmen des Sinnvollen und der Verhälnisse sprengen hinsichtlich des Nutzens und der Kosten … 

Florian Kurz



Fachwerkwände



Da Sie keinerlei Angaben zum Aufbau machen (Ihr Aufmaß wäre eine gute Vorlage) gebe ich Ihnen ein paar Anregungen indem ich einfach mal rate:
12 x 12 m ist für ein Fachwerkhaus ein recht ausgefallenes Maß. Wenn das Dach nicht abgewalmt ist (für die Bauzeit typisch) haben Sie riesige Giebelflächen.
Das Maß ergibt weiterhin sehr tiefe, dunkle Zimmer und einen Flur der mittig und parallel zu den Traufen verläuft. 12 Meter Spannweite bei den Decken heißt dann die Balken sind auf den Flurwänden gestoßen.
Die Treppenhauswände und die Flurwände sind damit also tragend.
Welche Wände noch tragen sieht man im Spitzboden bzw. im Dachgeschoss. Bei 12 m Spannweite wird als Tragwerk ein Pfettendach mit wahrscheinlich doppelt stehendem Stuhl und Mittelpfetten verbaut worden sein. Die Stuhlsäulen werden also nicht nur auf den Deckenbalken aufliegen sondern von Wänden gestützt werden die sich darunter befinden. Die sind dann auch tragend.
Nicht tragende Wände laufen entweder in Richtung und parallel oder rechtwinklig zur Balkenlage. Parallel zur Balkenlage befinden sich rechts und links davon Streichbalken an der Wand. Solche Wände reichen durch die Geschosse durch. Ein Abriss auch so einer Wand ist nicht so einfach möglich. Wenn die z.B. im Erdgeschoss entfernt wird hängt die darüber stehende Wand im OG in der Luft. Leichte nichttragende Innenwände wurden auch quer zur Spannrichtung der Balken auf eine Bohle oder einen Balken gestellt. Solche Wände sind nur raumteilend und können abgebrochen werden wenn sie keine queraussteifende Funktion haben.