Fachwerkhaus nicht ausgemauert mit Sauerkrautplatten verkleidet

02.02.2021 Robert


Guten Tag, ich habe eine Frage zu einer Fächerbauweise die nicht oft vorkommt.
Ich habe ein altes Fachwerk Haus gekauft und mir ist bei der Renovierung schnell aufgefallen das die gesamte Innenhülle Wände , Decken mit Sauerkrautplatten ca 5 cm verkleidet sind , die Fassade besteht ebenfalls aus Verputzen Sauerkrautplatten und das Fachwerk ist hohl nicht ausgemauert .
Jetzt haben mir schon einige Angst gemacht daß das ungünstig wäre wegen Feuchtigkeit .
Ende der 90 er Jahre wurde dann deine Kunststofffassade vor die verputzten Sauerkrautplatten gehangen die hinterlüftet ist . Bis jetzt ist mir keine Feuchtigkeit Schimmel usw aufgefallen. Muss ich mir Gedanken machen kennt sich jemand mit der Bauweise aus ob es gut oder schlecht ist ?
PS. Das erste Jahr hatte ich etwas bedenken bezüglich meiner Heizkosten aber wurde dann überrascht wie niedrig diese waren also kann es energetisch garnicht so schlecht sein was die damals gemacht haben . Hoffe ihr könnt mir helfen .



ein Heraklithaus?



Es gab in den zwanziger Jahren solche Gebäude als Neubauten. Kann man erfahren wo das Haus steht? Ich bin in einer alten Zeitung auf diese Bauweise getoßen und wollte schon lange wissen, wie die sich jetzt nach fast einhundert Jahren bewährt hat.

Das Zeug selbst ist unverwüstlich, meine Großeltern haben es 1961 in ihr Einfamilienhäuschen eingebaut. Die Dämmung die mein Vater in seinem Haus eingebaut hatte (Styropor und Steinwolle) habe ich mittlerweile wieder entfernt (und dabei einigen Mäusen und Vögeln den Aufenthaltsplatz genommen, sehr effektiv waren diese Dämmschoffe nicht). Bei meinen Großeltern ist die Dämmschicht noch tadellos und seither ohne irgendwelche Schäden. Und dass obwohl die es auch ohne irgend einen Regenschutz unter die Sparren genagelt und von innen geputzt und tapeziet haben.



Heraklit Haus?



Ja das könnte so ein Haus sein .
Was eben seltsam ist das das Fachwerk hohl ist . Das Haus steht in Suhl / Thüringen .
Muss ich jetzt bedenken haben falls es so ein Haus ist ? Ist es vielleicht ratsam die Sauerkrautplatten an den Außenwänden innen zu entfernen und das Fachwerk zu dämmen oder auszumauern ?
Was mich verwundert da ja die Dämmwirkung nicht so gut sein soll warum dann meine Heizkosten ganz OK sind .



zufälle gibt es


zufälle gibt es

gerade seit ein paar Tagen beschäftige ich mich mit der Sanierung des Hauses meiner Schwiegermutter in der Planung und bin etwas ratlos, wie ich verfahren soll. Scheinbar handelt es sich auch um so ein heraklithhaus, die Bauzeit könnte etwa in den 20/30 Jahren des vorigen Jhd. liegen. Aufgefallen ist mir zuerst, dass die Außenwände sehr dünn sind, nur 22 cm, beim Klopfen etwas hohl klingen. Das Nachbarhaus ist ebenso gebaut und der Nachbar war gerade beim Fenstertausch, so konnte ich mal einen Blick in die Wandkonstruktion werden. Fachwerk, eher Holzrahmen, innen und außen Heraklith, die Zwischenräume hohl. Das Haus hat Keller , Erdgeschoß und Dachgeschoß mit Tonnendach, als ich die Wandkonstruktion gesehen habe ist mir schon etwas bange von wegen der Statik geworden, wenn ich bedenkte dass dort die Deckenbalken des EG drauf liegen.
Meine Überlegung ist nun, wie mit den Wänden verfahren. Momentan wird nicht geheizt und ich finde trotz der - 5 grd nachts es nicht so kalt im Haus, allerdings haben meine Schwiegerleute gut 4000 l Öl pro Jahr inc. WW verbraucht, das ist bei 180 qm Wohnfläche nicht gerade wenig.
ich habe mal die Bauzeichnung anläßlich eines Anbaus in den 60-iger Jahren beigefügt. Dort ist der Wandaufbau explizit als Fachwerk mit doppelseitigen Heraklithplatten beschrieben.



Heraklit Haus



Mein Haus ist Baujahr 1936 also haben wir das gleiche Problem ich weiß auch nicht wie ich verfahren soll . Deshalb hoffe ich finde hier einen Tip . Oh habe vor diverse Wände von innen neu zu verputzen die Frage ist nehme ich den Aufwand in Kauf und mache die Sauerkrautplatten runter und dämme das Fachwerk . 2 . Überlegungen war vielleicht eine 2. 5cm Sauerkrautplatte aufzubringen so hätte ich 10 cm und kosten Aufwand wäre gering . Möchte aber nichts falsch machen.



zellulose



ich hatte den spontanen Gedanken den Zwischenraum mit Zellulose ausblasen zu lassen, weiß nur nicht, ob das technisch klappt. Vom Dachüberstand her könnte ich auch eine Außendämmung aufbringen, zum Glück stehe ich überhaupt nicht unter Zeitdruck und kann in Ruhe planen und recherchieren, evtl nehme ich auch mal eine Bauteilöffnung an einer unauffälligen Stelle vor.



belassen?


belassen?

Ich würde eine bewährte Konstruktion nicht ohne Not ändern. Zumal ich vermute, dass die Platten auch aussteifende Funktion haben. In Eschwege hat sich sogar der damalige Stadtbaurat solch ein Haus gebaut, ich vermute, Ihr habt da etwas ganz Besonderes (was dem Denkmalschutz bisher nur noch entgangen ist). Eventuell lohnt es sich einfach bei der Firma nachzufragen, Heraklith gibt es schließlich immer noch.

Quelle: Heraklith Rundschau 5/1934 (Februar) Nr. 9 S.4/5,



Dietemann



hallo, ist es Dir möglich mal die Quelle des Artikels zu benennen, das Foto ist so klein, dass ich nichts lesen kann. Danke



Zellulose



Hallo Roland,

wenn der Nachbar eh gerade am Fenstertauschen ist, frg ihn doch mal ob du zur Probe Zellulose einblasen darfst... ;-)

Aber im Ernst, diese Bauart kannte ich bis jetzt auch noch nicht.
Hat deine Schwiegermutter schon mal etwas zum Thema Lärm, sprich Schallschutz gesagt?
Mich würde interessieren wie es sich bei so dünnen Wänden, besser gesagt, Wandmasse mit dem Umweltlärm verhält.
Ich meine, 2 x 5 cm Platten sind auch nicht viel weniger wie ein dünnes Fachwerk.
Aber da ist wenigstens noch etwas mehr Masse in den Gefachen.

Dass die Heraklithplatten statisch relevant sein könnten, kann ich mir nicht vorstellen.
Die sind zwar relativ steif, aber die Struktur der Platten ist viel zu weich, grobporig, oder wie immer ich es nennen soll. Einen Nagel, oder eine Schraube zieht es jedenfalls ohne große U-Scheibe glatt durch.
D. h., wirklich kraftschlüssig kann man die nicht befestigen.
Oder wie seht ihr das?



Heraklit Haus



Ich danke schon einmal für die Beteiligung hier .
Leider bestätigt es sich anscheinend das es eine seltene Bauweise war .
Vielleicht kann noch jemand meine Frage bedenken beantworten wie man bei einer Renovierung vorgehen kann .
Habe da bis jetzt 2 Denkansätze : 1. Heraklit innen runter und gefache ausmauern zb. Mit Ziegel oder Lehm oder mit Dämmung füllen dann wieder eine Heraklitplatte anbringen . 2. Fachwerk hohl lassen nur eine 2. Heraklitplatte davor blenden damit ich auf insgesamt 15 cm Heraklit komme .
Mir ist bewusst das es nicht extrem viel ausmacht aber die Platten sind günstig und der Aufwand wäre gering und etwas mehr Wärmedämmung und Schalldämmung würde es sicher bringen und ich würde im selben System bleiben.
Vielleicht hat jemand ein Rat ?
Nicht das ich mir den Taupunkt in die Wand hole oder ob die Heraklitplatte die Feuchtigkeit gut Verarbeiten kann ( Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben



Blasen würde mir der Nachbar



höchstens einen Marsch. Zum Lärm kann ich nicht viel sagen, da dort kaum Verkehr ist, das Haus etwas abseits steht und Anfang der 90-iger auch damals gültigen Dämmstand-Fenster reingekommen sind. Aufgehängt ist an den Wänden auch nichts, wie die Platten befestigt wurden ist mir auch schleierhaft. Ich suche jetzt erstmal nach einer Methode wie ich rausfinden kann, wo genau die Ständer stehen, um mir ein Bild zu machen, wie der Aufbau überhaupt aussieht. Ich weiß ja nicht wie gut diese Kabel/Metall/Holzfinder funktionieren und wie zuverlässig deren Ergebnisse sind.
Wie gesagt, alle Innenplatten zu entfernen käme für mich nicht in Frage, bei ubakus geschaut käme ich mit einer Z-Füllung besser als die Altbaubestandsvorgabe.
Ich will halt nicht zuviel Bauteilöffnungen vornehmen ( Wand, Dielung OG, DG) weil noch nicht endgültig über die Zukunft ( Verkauf, Vermietung, Eigennutz) im Familienrat entschieden wurde.



Quelle ergänzt und Bild neu geladen



irgendwie geht die Bildqualität im Forum verloren. Wenn man es sich in der Galerie ansieht kann man es kopieren und zu hause einfügen und dann beliebig vergrößern und sieht trotzdem alles scharf.

zu den Denkansätzen:
1 ein Holzstäderbauwerk ist kein Fachwerk und keine Massivbau. Man baut in einen Daimler auch keinen Teslamotor ein.
2 Statiker fragen, allerdings kennen sich die meisten mit Ständerbauwerken nicht aus. Vermutlich ist es sinnvoller, das Geld in eine Solaranlage zu investieren.



Wie vorgehen?



@Robert
Naja, es kommt halt darauf an wie viel Aufwand Sie treiben wollen.
Ich denke so, das Haus steht jetzt +/- 100 Jahre ohne Schäden abbekommen zu haben.
Die Heizkosten sind im "normalen" Bereich und ansonsten gibt es was die Substanz angeht, anscheinend auch nichts kritisch zu betrachten. Stellt sich die Frage, wozu jetzt an die Substanz gehen? Nur wegen der, ich sags mal so: "heute nicht mehr üblichen" Bauweise?
Ich finde es wäre raus geschmissenes Geld.
Ob man die Holzständerwände einfach so ausmauern kann, kann man eigentlich nicht beurteilen, ohne die Ständerkonstruktion gesehen zu haben. Theoretisch machbar ist es. Es kann aber sein dass noch zusätzliche Hölzer eingebaut, oder vorhandene geändert werden müssen. Ich denke da z. B. an die Stürze über Fenster und Türen.
Die Hohlräume mit Dämmstoffen füllen, wie es Roland schon angesprochen hat, wäre eine andere Option.
Aber das schreibt er ja schon, die Frage ist dann, wo sind die Ständer, Riegel und sonstige Hölzer in den Wänden? Denn das muss festgestellt werden, damit z. B. beim Ausblasen, was erst mal die schnellste und einfachste Art der Füllung wäre, keine Gefache leer bleiben.
Wenn Sie aus irgendwelchen Gründen sowieso die Beplankung auf der Innenseite weg nehmen wollen, können Sie die Gefache auch z. B. mit Holzflexmatten füllen und dann die Wände neu beplanken.. Das kann man selbst machen. (so werden auch heute Holzständerbauten gebaut)
Einzig wenn Sie außen die Kunststoffbekleidung entfernen wollen, müssen Sie darauf achten, dass dann von der Seite keine Feuchtigkeit (Schlagregen) eindringen kann.
Aber wie gesagt, ich sehe keinen Grund etwas ändern zu MÜSSEN.

"Never touch a running system", wie wir Lateiner so sagen...... ;-)



Vorgehen



Danke für die ausführliche Antwort .
Also wäre die Variante mit den holzflex am besten das ist quasi eine Holzfaserdämmung wie es von Steico Angeboten wird ?
Was halten sie von meiner 2. Idee innen eine weitere Heraklitplatte aufzubringen ? Zb. Nochmal 5cm Heraklit . Dämmwirkung wäre noch ein wenig verbessert Kosten Aufwand wäre vertretbar und ich bleibe im System ?
Muss ich mir da Gedanken bin den Taupunkt machen?



Taupunkt



Wenn Sie die Hohlräume mit z.B. STEICOflex füllen brauchen Sie sich keine Gedanken über den Taupunkt machen. Die Dämmung geht ja bis nach außen. Sprich der Taupunkt liegt ziemlich weit draußen.
Sie verbessern den U-Wert der Wand damit so viel, dass eine Heraklithplatte innen nicht mehr viel bringt.
M. E. lohnt sich der Aufwand nicht mehr. Das können Sie aber bei ubakus.de selbst mal nachrechnen.
Wenn es Ihnen aber um eine noch besser Dämmung geht, sollten Sie innen Holzweichfaserplatten aufdoppeln. Die haben einen wesentlich besseren Dämmwert als Heraklith.

Aber mal grundsätzlich:
Erstens, um die Wände mit Dämmmatten (STEICOflex) zu füllen, müssen Sie alle Heraklithplatten entfernen. Wissen Sie schon wie sie die entsorgen können? Heraklith ist bestenfalls Restmüll, je nachdem wie "verschmutzt, auch Sondermüll, sprich teuer bis sehr teuer zu entsorgen.
Zweitens, wenn Sie sich die Arbeit machen, fände ich es einfacher und auch kostengünstiger die Ständer nach innen aufzudoppeln, die Dämmmatten dicker einzubauen und die Wände innen mit Fermacell- oder OSB-Platten zu beplanken. Um diese dann zu verputzen. Das wäre dann (ungefähr) moderner Holzständerbau.



Vorgehen



Danke . Ja denke die Entsorgung wäre teuer und der Aufwand groß . Sehe ich das richtig das bei der Variante mit dem aufdoppeln die OSB die Dampfsperre ist ?

Eine ganz einfach Variante schwebt mir noch in Kopf .
Alles so lassen wie es ist und ohne die alten Platten zu entfernen einfach eine weitere Heraklitplatte innen aufzubringen der restliche Wandaufbau bleibt . Das wäre dann ca 8bis 10 cm Heraklit dann die Ständer mit Holraum und wieder 5 cm Heraklit.
Entsorgung spare ich mir und Aufwand ist gering Dämmung etwas verbessert .