Fachwerkhaus im Alleingang Sanieren

12.01.2021 Kommandeur


Guten Tag,
ich habe hier bereits viel Wissenswertes gelesen, allerdings ist die Flut an Informationen doch etwas viel. Ich weiß auch, das es immer min. 2 Meinungen gibt, aber ich würde mich über eine Zusammenfassung in meinem Fall sehr freuen.

Sachstand heute:
Das 3 stöckige Haus (Keller Bj 1832) und der Rest unbestimmt. Das erste Stockwerk wurde irgendwann zwischen 19.. und 1950 angehoben und das Fachwerk gegen "gemauert" getauscht, Stockwerk 2/3 sind Fachwerk. Noch dazu ist das Haus komplett verputzt.
Kellerdecke ist Beton mit Stahlträgern, Decke EG zum 1.OG kann ich noch nicht sagen, Decke 1.OG zum 2.OG (Dach) ist aus Balken und Lehm.
Heizung bis jetzt Nachtspeicheröfen.

Meine Vorstellungen:

-Ich möchte von innen mit 40-60mm Holzweichfaserplatten dämmen und alles wieder mit Lehm verputzen.
-Es wird eine Gastherme eingebaut.
-Das Dach soll neu Gedeckt werden und Schadhafte Balken getauscht werden. Dabei gleich eine Unterspannbahn legen.
-Die Fenster sollen getauscht werden, eventuell gr. Fenster gesetzt werden.

Bis jetzt passiert:

ist, Ausräumen und Tapete runter von den Lehmwänden, so gut es ging.
Bin dabei, alten Estrich im 2.OG zu entfernen, der liegt auf dem Lehmboden.
Im Keller habe ich den Zementputz zum großteil von den Bruchsteinmauern geklopft.

Meine Fragen, zumindest die ersten:

-Was gibt es zu beachten, bei der Innendämmung, wie kann ich als Laie sicher sein, das ich nicht zuviel des guten Dämme und somit Schäden vermeiden? (Holzweichfaserplatten oder gibt es eine kostengünstige Alternative?
-Wie funktioniert das mit der Verkabelung (Hohlraumdosen) die gehen ja durch die Dämmung. Kabel würde ich mit Masse an der Decke Verlegen und dann auf der Holzweichfaserplatte. Aber die Dosen gehen durch die Platte. Aufputz möchte ich nicht.
-Ist es für einen Laien machbar, eine Wandheizung zu installieren, so das der Heizungsbauer sie nur noch Anschließen muss?
-Kann ich Wandheizung und Heizkörper im Haus mischen?
-Wie mache ich die Abdichtung des Bad´s (Dusche) auf Lehm und Holzboden, es soll eine ebenerdige Dusche werden?

Ich möchte die Kosten so gering wie möglich halten, da ich das Projekt alleine stemme!
Ich bin auch gerne bereit, gegen Erfahrungen und Hilfe bei jemandem mitzuhelfen (komme aus dem Kreis Gießen). "nach Corona ;-}

Ansonsten bin ich Pflegeleicht, Grille gerne, kann eine Flasche Bier mit dem Metermaßstab öffnen und manchmal sogar Lustig!

Aber mich interessiert diese Bauweiße sehr und ich möchte sie erhalten



Fachwerkhaus im Alleingang Sanieren



Hallo Kommandeur,

damit du nicht lange suchen mußt, ein Teil deiner Fragen ist u. a. schon hier beschrieben: https://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/fachwerkhaus-raufaser-wurde-auf-den-lehmputz-tapeziert-293412.html

Ansonsten erst mal ein paar Anmerkungen zu deiner Ausführung:
(Zitat) "Das Dach soll neu Gedeckt werden und ..... eine Unterspannbahn legen." (Zitat Ende)
Warum nur eine Unterspannbahn?
Besser ist gleich ein "Unterdach" aus Holzweichfaserplatten (HWF) zu verlegen, so hättest du schon die erste Dämmung gleich dabei.

(Zitat) "Bis jetzt passiert: ist, ....Tapete runter von den Lehmwänden, so gut es ging." (Zitat Ende)
Bei einer Innendämmung MUSS ALLE Tapete ab, "so gut es geht" recht nicht! Ebenso müssen alle Gipsputzreste und alle sperrenden und filmbildenden Materialien weg.
Für eine Innendämmung auf Fachwerk muss eine durchgängige Kapillarität des gesamten Wandaufbaus gewährleistet sein, damit hinter der Innendämmung nix verrottet (oder das Fachwerk selbst).

(Zitat) "... wie kann ich als Laie sicher sein, das ich nicht zuviel des guten Dämme und somit Schäden vermeiden?" (Zitat Ende)
Es kommt auf die Lage des Hauses an, auf die Ausrichtung des Fachwerks, wie stark ist die Schlagregenbelastung, usw.. Es gibt keine pauschale Antwort auf diese Frage.
Am besten ist es wenn du dir die Dämmung von einem versierten Energieberater berechnen lässt.
Die Betonung liegt auf versiert! Nicht alle Energieberater können wirklich Fachwerk.
Um selbst mal ein bischen zu "spielen" gibt es im www einen kostenlosen, aber guten U-Wert-Rechner: https://www.ubakus.de/u-wert-rechner/. Der ist zwar nicht wirklich genau, gibt aber Werte aus, die in der Realität meistens besser sind als die angezeigten.
Auf jeden Fall ist bei einem Fachwerk tatsächlich Vorsicht angesagt, man ist ganz schnell bei einem Zuviel."

(Zitat) "Holzweichfaserplatten oder gibt es eine kostengünstige Alternative?" (Zitat Ende)
Schilfrohrplatten, Mineralschaumplatten, Leichtlehm-Vorsatzschale,....
Nach "Stand der Technik" sind aber m. E. HWF-Platten zur Zeit die einfachste und effizienteste Innendämmung. Außer natürlich in feuchtigkeitsgefährdeten Zonen, da nimmt man anorganische/rein mineralische Dämmstoffe (Mineralschaumplatten).

(Zitat) "Wie funktioniert das mit der Verkabelung..." (Zitat Ende)
Richtig, die Kabel sollte man auf, bzw. in der Dämmung verlegen (in HWF-Platten reicht ein Schnitt mit der HKS um ein 3x1,5-Kabel zu verlegen, das Kabel einfach in den Schnitt drücken, fertig)
Die Unterputzdosen/Gerätebecher sind 60 mm tief, sollen aber aus der Dämmung bis Vorderkante fertiger Putz, also ca. 2 cm vor stehen. Bei einer 600mm-Innendämmung sind also immer noch 2 cm Dämmung hinter der Dose.
Kommt eine Wandheizung an die Wand wir der Putz sogar ca. 35 - 40 mm dick. Da bleibt noch mehr Dämmung hinter der Dose, und die Kabel kann man einfach zwischen den Heizrohren verlegen.
Bei einer dünneren Dämmung kann man den Untergrund im ausgefrästen Loch (in der Dämmung) noch etwas raus kratzen und mit Stopfhanf füllen. Und bitte keine Hohlwanddosen in die Dämmung einbauen, die "normalen" schwarzen Dosen zum Eingipsen halten besser. Die Dosen werden in der Dämmung eingemörtelt wie in andern Wänden auch. Ich verwende dazu Lehmkleber.

(Zitat) "Ist es für einen Laien machbar, eine Wandheizung zu installieren..." (Zitat Ende)
Ja, wenn man weiß wie es geht, das nötige Werkzeug dazu hat und weiß wieviel Rohr welcher Dimension pro m² Wandfläche benötigt werden, um die benötigte Heizleistung zu erhalten.
Letzteres sollte man sich auf jeden Fall berechnen lassen.
Beim Verlegen selbst sind vor allem die Mindestbiegeradien der Rohre zu beachten, damit sie nicht knicken!
Ich finde, man sollte zumindest schon mal gesehen haben wie es gemacht wird. (nicht nur wie es hinterher aussieht)

(Zitat) "Kann ich Wandheizung und Heizkörper im Haus mischen?" (Zitat Ende)
Ja, kann man. Die Steuerung der Gastherme muss dementsprechend ausgelegt sein.
Eine Wandheizung ist im Prinzip nichts anderes als eine senkrecht stehende Fußbodenheizung.
Deshalb sind auch die Heizkreisverteiler für beide gleich.
Die Kombination Heizkörper-/Fußbodenheizung gibt es millionenfach. Alle Heizungshersteller haben Steuerungen die das können (Zweikreis-Steuerungen).

(Zitat) "Wie mache ich die Abdichtung des Bad´s (Dusche) auf Lehm und Holzboden, es soll eine ebenerdige Dusche werden?" (Zitat Ende)
Mit "ebenerdig" meinst du "bodengleich", also im Boden bündig versenkt, oder sogar ohne Duschtasse?
Du müsstest die Dusche so platzieren, dass der Siphon (der tiefste Punkt) in einem Deckengefach ist. Wie du da mit dem Abflußrohr hin kommst und eine Abdichtung drunter kriegst ist dann die nächste Frage.
Bei Holzbalkendecken ist das ziemlich kompliziert und es hängt von den jeweiligen Gegebenheiten ab.
Man kann ja nicht einfach mal so die Balken weg sägen.
Vielleicht wäre ein Art Podest um die Dusche eine Option?
Bei einer bodengleichen Dusche ohne Duschtasse wird auf jeden Fall der gesamte Fußbodenaufbau recht hoch, weil der an die Höhe der Dusche angepasst werden muss, aber immer noch Gefälle zur Dusche hin haben sollte. (es gibt Spezis, die das Gefälle von der Dusche weg in den Raum verzogen haben und sich dann gewundert haben als das Wasser zur Tür raus lief.....)
In der Fläche, um die Dusche herum, ist es im Prinzip relativ einfach: Auf den Holzboden Trockenestrichplatten verlegen, darauf die Abdichtung aufbringen (die an die Abdichtung unter der Dusche anschließen und an den Wänden etwas hoch ziehen), darauf dann den Bodenbelag legen.
Wenn der alte Holzboden zu uneben ist, diesen besser raus nehmen und z. B. durch OSB-Platten ersetzen. Unter den Trockenestrich kommt noch die Trittschalldämmung.

(Zitat) "Ich bin auch gerne bereit, gegen Erfahrungen und Hilfe bei jemandem mitzuhelfen..." (Zitat Ende)
Da findest du vielleicht Kollegen, die in deiner Nähe sind und Zeit haben: https://www.dachverband-lehm.de/firmen .

Gruß,
KHH



Literaturtip



Fachwerkhäuser Restaurieren von Wolfgng Lenze, für den Anfang sehr hilfreich.
Ansonsten Lesestoff oben in der Menueleiste.

Bodengleiche Duschen gehören mit zu den mit Abstand risikoreichsten Konstruktionen im Fachwerkhaus!
Also sehr gut vorher überlegen!


Gruß
Detlef