Fachwerkhaus abbauen

15.12.2011



Hallo liebe Fachwerkfreunde,
mein Partner und ich träumen von einem Fachwerkhaus. Wir haben die Möglichkeit eine alte Fachwerkscheune (nur von außen Fachwerk) und ein Fachwerkhaus (nur von innen Fachwerk) abzubauen. Unsere Idee ist es die beiden Häuser zu einem neuen Wohnhaus an anderer Stelle zusammen zu fügen. Hat jemand von Ihnen schon so ein Projekt durchgeführt oder weiß jemand ob das überhaupt möglich bzw. sinnvoll ist? I



wir



haben in Glandorf ein Fachwerkhaus als Altenteiler tranzloziert. Wie sich Eure beiden Häuser miteinander vereinen lassen würde ich mir schon sehr gern anschauen.
anbei findet Ihr einige Aufnahmen aus Glandorf.

https://picasaweb.google.com/113962822028241929562/TranzlozierungUndRekonstruktionEinesFachwerkhausesInGlandorfWinterbergNiedersachsen#

Schöne Grüße



Super Idee...aber...



Ihr habt euch da einen richtig guten Plan ausgedacht...habe schon ein paar mal solche Aktionen durchgeführt oder war daran beteiligt. Total gut!

Aber seit ihr euch sicher dieses Wagnis eingehen zu wollen? Teilweise gibt es konstruktiv abstriche zu machen. Was allerdings am schwerwiegensten ist, ist der Kostenfaktor. Man sollte sich schon wirklich einige Gedanken im Vorraus machen um nicht aufeinmal mit nem halben Haus darzustehen.

Würde mich interessieren wie ihr das geplant habt!?!



Als Planerische Herausforderung würde ich das bezeichnen



Genau so wie dessen Umsetzung.

Bei einem "Fachwerkhaus" mit nur Innenwandfachwerk und Holzbalkendecken, bestehen diese meist aus Weichholz.
Das ist oftmals nicht mehr brauchbar und das Gebälk, das Ihr nach Abbruch noch nutzen könnt, steht in seiner Menge wahrscheinlich in keinem gesunden Verhältniss zu Abriss- und Entsorgungskosten.

Da stellt sich schnell die Frage, ob das Innenleben der versetzten Scheune nicht besser aus neuem Holz oder anderweitig zugekaufter alten Eiche neu verzimmert wird.

Eine Scheune hat Aufgaben-/Nutzungsbedingt auch andere "Geschoßhöhen" als Wohnhäuser.
Auch ohne Innenwände durchlaufen Scheunen trotzdem meist zwei Bundwände zur Querausteifung mitsamt ihren Bindern, die die Traufwände zusammenhalten.
Dazu kommen je nach Größe diverse Längsbinder, die von Giebel zu Giebel laufen.
Durch die unterschiedlichen Höhen der Quer- und Längsausteifungen, kollidieren diese oft mit üblichen Raumkonzepten und Innenwand- und Deckenhöhen.
Eine Umlastung ist natürlich möglich.
Bei einem Neuaufbau sogar leichter als im Bestand, denn es entfällt die temporäre Abstützung.

Die Verbindung/Anpassung beider Grundrisse, wobei es sich in erster Linie um die Anpassung des Wohnhauses an den der Scheune handelt, da sie ja die Grundgröße vorgibt, birgt auch entsprechende Konfliktmöglichkeiten.
Was muß alles ergänzt/verlängert/gekürzt werden, wo befinden sich die Eingänge, wie werden die Anschlüsse der Innen- an die Außenwände hergestellt.
An einer 1 zu 1 Integrierung habe ich meine Zweifel.
Womit wir wieder bei den Kosten/Nutzen sind.

Das sind jetzt nur ein par wenige Punkte, die bei einem solchen Projekt beachtet werden müßen.

Falls Ihr einen Zimmerer und/oder einen Architekten in Eurem Freundeskreis habt, empfehle ich Euch, diese mal bei gutem Essen und einem Gläschen Wein auf ein Sondierungswochenende einzuladen.

Ohne eingehende Besichtigung und einem ersten Aufmaß der Gebäude und weiterer Vorortkentnis, ist eine reelle Einschätzung unmöglich.

Ich halte das Projekt aber nicht prinzipiell für unmöglich.

Mit handwerklichen Grüßen
ollerich



Prinzipiell ...



... ist Ihr Plan bestimmt durchführbar, allerdings mit den bereits benannten Einschränkungen. Dazu kommen weitere:
planungs- und baurechtliche, bezogen auf den neuen Bauplatz, z.B. eine zu niedrige Raumhöhe; Anforderungen an die Wärmedämmung nach EnEV, da der Wiederaufbau wie ein Neubau behandelt wird; erhöhte Statikerkosten, weil das alte Fachwerk hinsichtlich seiner statischen Eignung beurteilt und nachgewiesen werden muss; ein hoher Umbauzuschlag beim Honorar des Architekten etc. Dazu kommen Kosten für die Bauwerksgründung.

Die Substanz selbst muss aufgemessen und hinsichtlich ihrer Qualität im Detail erfasst und bewertet werden. Es wird vieles auszubessern und anzustückeln bleiben. Die Nutzungsaufteilung im Innenbereich wird vom Fachwerk dominiert werden etc.

Eine solche Aktion wird sich, bezogen auf die reinen Baukosten für den Wideraufbau(ohne Abbau- und Translozierungskosten, ohne Fachplanerhonorare, Kosten fürs Grundstück, Nebenkosten für den Grundstückserwerb, Erschließungskosten, behördliche Gebühren), ganz grob, mindestens im Bereich von € 2.000,- bis € 2.500,-/m2 BruttoGeschossfläche (Aussenmaß des Gebäudes) bewegen und toppt damit die Kosten für einen ziemlich guten Neubau um einiges.

Aber ein solches Vorhaben ist meist auch nicht rein rational begründet und mit einer sehr gut gefüllten Kasse natürlich auch zu bewerkstelligen. Sinnvoll im rein ökonomischen Sinne ist es nicht. Sinnvoller wäre die Sanierung eines gut erhaltenen Objektes oder der Neubau auf einem schönen, alten Baugrundstück, eventuell auch als Erweiterung eines bestehenden, kleinen Objektes.



Interessantes Konzept - Alternativen?



Hallo Kathi,

einerseits finde ich dass Ihr da ein sehr interessantes Konzept überlegt. Zwei alte Fachwerke kommen zu neuem Leben. Aber sicher ist es ökonomisch sinnvoller, EIN Fachwerkhaus zu sanieren. Daher: In welcher Region sucht Ihr Euer neues Zuhause? Vielleicht gibt es dort passende "notleidende" Fachwerkhäuser, die nur auf jemanden wie Euch gewartet haben?

Nach unseren bisherigen Erfahrungen kann ich Dir dabei nur dazu raten, grade auch nach denkmalgeschützten grauen Entlein zu suchen. Ein Haus das lange leer gestanden hat und das deswegen niemand in den letzten 30 Jahren kaputtsaniert hat. Dabei müsst Ihr wahrscheinlich weniger Geld investieren als für Eure Fachwerkhaus-Symbiose und habt die Chance auf recht ansehnliche Steuerabschreibungen.

Viele Grüße und viel Glück bei Eurer Suche

Dirk