Vorgehensweise vor dem Erwerb eines denkmalgeschützten Fachwerk-Hauses (Bauernhaus 17 Jh)

10.11.2002



Hallo zusammen,
wie geht man am besten vor wenn man ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus erwerben will.
a)Was muss man beachten bzw. wo erfahre ich was man verändern darf oder nicht. Gibt es spezielle Auflagen die in jedem Fall beachtet werden müssen. Wenn z.B. nur die Aussenfassade denkmalgeschützt sein sollte, in wie weit darf sie dann noch verändert werden. Darf man z.B. rößere Fenster aus Kunststoff einziehen. Muss das Fachwerk wieder mit Lehm ausgemauert werden oder kann man auch auf andere Sachen zurückgreifen.
Wie isoliert man so ein Haus am besten von aussen oder von innen ? Zur Zeit bestehen die Wände nur aus Fachwerk mit Stroh/Lehmgenisch als Füllstoff.
b)Sollte man einen Gutachter vor dem Erwerb zu Rate ziehen.
c)Wer kann mir was über Förderprogramme bei der Sanierung von denkmalgeschützten Häusern sagen.
Danke für die Tipps. Gruß
Olaf



konzept ausarbeiten



hallo herr quittmann,
da gibt es, wie sie schon aufzählen, eine menge zu beachten; wie es schon einen ausspruch für ein anderes ereignis gibt, gilt dieser auch hier "drum prüfe, wer sich ewig bindet!"

zuerst, dass Gebäude genau besichtigen, am besten zusammen mit einem sach- u. fachkundigen fachmann -architekt, holzfachmann, etc.- ihres vertrauens (referenzen);

bei ferndiagnosen sollte man vorsichtig sein, denn wie will man ein konzept erstellen, wenn man sich das gebäude nicht einmal vor ort angeschaut hat; es sind keinerlei aussagen über den zerstörungsgrad, die statik, die baupysik und vieles mehr zu sagen;

dann am besten die denkmalschutzbehörde, sowie genehmigungsbehörde kontaktieren und mögliche auflagen -denkmalschutz, gestaltungssatzung, etc.- erfragen -hier kann ihnen auch auskunft über mögliche förderungen gegeben werden -förderprogramme abhängig davon, wo ihr gebäude steht;

von ihrem planer sollten sie sich ein sanierungskonzept mit einem sanierungsdrehbuch erstellen lassen, aus dem sie ersehen können, was alles für arbeiten und vor allem auch kosten auf sie zukommen;

was natürlich kein fachmann beurteilen kann, ist der für sie bestimmt sehr wichtige ideelle wert; dennoch, auch wenn die begeisterung noch so groß, nicht die fakten aus den augen verlieren;

hoffe ihnen etwas weitergeholfen zu haben,

grüsse aus würzburg



Denkmal-Fachwerkhaus.



Schrittweise vorgehen.
Erstens das örtliche Denkmalschutzamt einschalten. Handelt es sich um ein Einzeldenkmal,
ein Teil eines Ensembledenkmals, was steht unter Denkmalschutz: die Fassade oder das gesamte Haus?
Zuschüsse können auch dort erörtet werden.
Zweitens. Der Ausbau, die Renovierung oder den Umbau. Hier kann man nur mit einem langen Programm arbeiten, in welche jede Position bereits von Anfang an beschrieben ist. Diese Arbeit ist langwierig und extensiv, lohnt sich aber als begleitender Arbeitsgrundlage während die gesamten Arbeiten. Schnellkalkulationen nach m² oder m³ sind unzureichend. Für die Details sind vergleichende Vorabinformationen wichtig. Vorallem sich nicht von eine einzige Firma , nach dem Motto "das haben wir immer so gemacht", überreden lassen. Gucken, Fragen, Vergleichen sind wichtiger als zu schnelle Entscheidungen.
M.f.G
J.e.Hamesse



keine Angst vorm Denkmal



hallo Olaf!
Zunächst einmal: keine Angst vorm Denkmalschutz! Die Mitarbeiter haben ja meist einen schlechten Ruf, die verbieten einem sowieso alles, usw...Wir haben aber sehr gute Erfahrungen mit unserem zuständigen Denkmalpfleger gemacht. Um Klarheit zu bekommen, ruf doch einfach bei der zuständigen Behörde an und schildere deine Probleme/Bedenken. Vieles läßt sich so schon mal klären. Wenn man vernünftig argumentiert und selbst bereit ist, Zugeständnisse zu machen, sind die Herrschaften durchaus enntgegenkommend.
Bei uns kam der entsprechende Herr einfach mal zum Tee vorbei, hat sich alles mal angeschaut, uns viele gute Tips gegeben und das wars auch schon. (Wir haben allerdings keine Förderung beantragt, sonst wäre es wohl doch mehr ins Detail gegangen.)
Das mit den größeren Kunststofffenstern würde ich mir allerdings doch sehr überlegen, egal, ob Denkmal oder nicht. Wenn man ein Fachwerkhaus kauft, sollte man sich bewußt sein, das es einen ganz eigenen Charakter und Bedürfnisse hat, daß man gewissermaßen auch eine Verpflichtung eingeht, das Haus als Kulturgut zu bewahren(ohne gleich ein Museum draus zu machen!)und dazu passen nun mal keine Kunststoffenster. Und die Größe der Fenster ist ja durch die Abstände der Balken vorgegeben, man kann die Balken nicht nach Belieben zurechtstutzen(in den 60er Jahren in ganzen Straßenzügen passiert-sieht scheußlich aus)
Zum Thema Lehm: Wunderbarer Baustoff, läßt sich beliebig oft recyceln, ist billig, läßt sich auch vom Laien und ohne großen Maschinenpark bearbeiten, dämmt gut, ist gut fürs Raumklima....
Dazu gibts `ne Menge Fachliteratur. Bloß nicht rausschmeißen!!!!der einzige Nachteil von geeigneten Bau- und Dämmstoffen fürs Fachwerkhaus: Die gibts nicht beim OBI oder im Baumarkt um die Ecke sondern bei speziellen Firmen, die aber in der Regel auch gut informieren und die Sachen liefern(Lehm: Fa.Claytek, Putz, Farben:z.B. Fa. Keim)
Nur ganz kurz noch: Hände weg von Zementhaltigen Baustoffen und Styropor!damit kriegt man jedes Fachwerkhaus in kürzester Zeit kaputt!
Gutachter: sehr zu empfehlen, aber einen der sich speziell mit Fachwerk auskennt, nicht irgendeinen, der grad am Ort wohnt.
So, hoffe Dir damit geholfen zu haben!



Baustoffe aus dem Baumarkt....



Huhuuu,
wollte mich grade mal ganz kurz zu Claudias Artikel melden. Habe gestern einen ganzen Packen Prospektmaterial vom Obi bekommen (hatte ich angefordert). Dort gibts wohl auch (oder kann man zumindest bestellen) Lehmputze, Farben (sogar Lehm- und Casseinfarben) und Schilfrohrmatten. Vielleicht haben dies nicht unbedingt im Regal stehen, aber mit Sicherheit auf Nachfrage. Nur mal so als kleiner Tipp am Rande. Grüße Annette



stand der dinge



hallo herr quittmann,
wir wollten uns nur mal nach dem stand der dinge erkundigen?
grüsse aus würzburg