Fachwerkhaus besichtigt, habe ein paar Fragen ;)

18.02.2017 Maja5



Hallo an alle :)
Wir haben uns heute ein Fachwerkhaus angeschaut. Es sind quasi 2 Doppelhaushälften. Ich finde es an sich sehr schön, aber mein Budge zum sanieren ist etwas begrenzt und ich möchte mich natürlich nicht in den Ruin stürzen. Daher frage ich nun die Erfahreren Fachwerkhaus-Besitzer ;)
Es sind insgesamt 300 m2 + Ausbaureserve im Dach. Eine Haushälfte ist bereits teilsaniert (Böden, Dach neu und gedämmt, Heizung) Ich denke hier ist alles soweit in Ordnung. Der 2te Teil des Hauses ist im Ursprungszustand (BJ 1825). (Nachtspeicher-Öfen, Schiefe Böden usw.)
Ein wenig Sorge macht mir eigentlich die obere Etage der "alten" Seite. Diese ist zu Außenwand hin etwas Abschüssig. Ich weiß nicht genau wieviel, aber ein paar cm werden es schon sein. Ist das normal oder ist es möglich, dass hier ein kompletter Balken an der Außenseite nicht mehr in Ordnung ist? Alle Balken die frei lagen, auch im Dachgeschoss, sahen sehr gut und "gesund" aus.
Wie kann man im oberen Geschoss einen Boden begradigen? Mit Ausgleichsmasse ist da ja eher nicht so, richtig?
Die gesamte Elektrik muss neu gemacht werden ( im Ganzen Haus) und im "alten" Trakt müssen Heizungen gelegt werden. Habt Ihr eine grobe Schätzung, was da Kostenmäßig auf mich zu käme?
Vielen Dank im Vorfeld und noch ein schönes Wochenende



Fachwerkhaus



Hallo Maja
Ich melde mich heute Abend zurück, hab jetzt keine Zeit. Eine Frage vorab, wer ist denn der Handwerker bei eurem Project?
Eddie Tallmann



Hallo Eddie



Naja, wir haben einen guten Freund der vieles kann und mithilft. Allerdings muss die Elektrik und Heizungen von Firmen gemacht werden. Wir werden versuchen möglichst viel selbst hin zu bekommen, aber unser Können ist nur vom Wille geprägt ;)



Können mehr vom Wille geprägt



Hi,
ich denke bei so einem Bauvorhaben gibt es nur 2 Möglichkeiten!
Endweder man kann Vieles selbst machen oder man hat genug Kohle zur Verfügung. Oder genug Bekannte die einem das machen.

mfg



Erfahrung



Hallo Maja, auch wenn es so pauschal nicht zu sagen ist mal ein paar Erfahrungswerte.

Wir haben im Dachgeschoss von der Mitte aus auf der einen Seite 7 cm Gefälle auf 4 Meter, auf der anderen Seite 11 cm / 4 m. Beim Ausgleichen haben wir festgestellt es sind die alten Balken die das Gefälle haben. Dabei ist alles stabil und von außen scheint alles gerade. Der Sockel ist massiv aus Sandsteinquadern und es sind keine Setzungsrisse vorhanden. Böden und Dach wurden geöffnet, aber es konnten keine Gründe für ein Absacken gefunden werden. Auch am historischen Eichenfachwerk an der Giebelwand gab es keine Setzungsspuren. Wir haben den Boden geöffnet und mit Beilaschungen and den Balken gearbeitet, da wir schon jetzt nicht genügend Höhe in diesen Zimmern hatten.

Unser Haus hat ca. 200 qm Wohnfläche (und noch mal so viel Nutzfläche) und 260 qm Dachfläche. Das Dach wurde neu belegt und isoliert, dabei fielen zusätzlich etwas 15 000 für Zimmermannsarbeiten an der Konstruktion an. Inzwischen sind wir im 6 stelligen Bereich mit den Restaurierungskosten. Elektrik wurde in der Hälfte des Hauses neu verlegt und auch die Wasseranschlüsse waren neu zu machen. Das Haus wurde komplett mit Holzweichfaserplatten und Lehmausgleich isoliert.

Zu diesen Kosten kommt noch ein bedeutender Anteil an Eigenleistung hinzu. Alle Lehmarbeiten und viele weitere Arbeiten konnten selbst gemacht werden. Die Schlitze für die Elektrik wurden selbst gemacht. Ich schätze dass unsere Grundrenovierung im Endeffekt etwa dem halben Preis eines Neubaus entsprechender Größe entspricht.

Ich denke dass es das auch Wert ist. Dennoch sollte man bei Renovieren die Kosten nicht zu sehr schönreden. Man kann jedoch bei einer Renovierung die Kosten über eine längere Zeit strecken, was ein Vorteil bei der Finanzierung ist.

Viel Glück



Fachwerkhaus



Hallo Maja
Ich fange mal so an, und erzähle Dir von meinen Beweggründen einen Fachwerkhof zukaufen. Die Familie wurde immer größer, die Mietswohnung immer kleiner. Ständig umziehen ist mir ein Graus.
Zum Thema Handwerker: Die Arbeiten, die sonst mein Vermieter erledigt hat, erledige ich heute immer noch.
Dein Boden ist schief, Richte die unter Konstruktion neu aus, ich hatte zur Nordseite 8cm, Gefache entkernt und mit einen 12To Wagenheber neu ausgerichtet, das ganze untermauert. Balken die an der Wetterseite liegen, müssen mehr gepflegt werden.
Die Heizung: Heizkörper siehe Baumarkt,50m Schlauch zum pressen Kosten 50€, das Werkzeug Zange und Schere kann man sich ausleihen. Der Brenner wird von Installateur angeschlossen.
Ein Haus will Gesehen werden, so wie ein guter Freund. Und da bin ich nun wo ich hinwollte, wir haben dem neuen Zuhause zugesagt. Ein Sehr Schönes Grundstück gekauft, und das Inventar so hergerichtet, das ich vor meinem Ableben nicht mehr auf das Dach muss. Unsere Nachbarn waren sehr geduldig und hilfsbereit.
Deine Eigenleistung ist im Altbau sehr gefragt, den jeder Kompromiss Kostet den Unternehmer Zeit, und dein Geld.
Eddie Tallmann





Hallo,

wenn ihr von FWH nichts versteht informiert euch:
Fachwerkhäuser Restaurieren - sanieren - modernisieren , 3816789498 W.Lenze.
Der Johannesberg in Fulda hat auch gute Schriften im Angebot.
Für der sich dafür interessiert eine prima "Gute Nacht"-Lektüre.
Damit könnt ihr euch leichter einen eigenen Eindruck machen, gezieltere Nachfragen stellen im Umgang mit guten oder nur vermeintlichen Fachleuten.
Sucht euch einen FW erfahrenen Architekten für die Besichtigung und die Erstellung einer Aufgabenliste mit Prioritäten.
Dann detaillierte Kosten- und Zeitplanung erstellen.
Erstmal alle Gewerke mit Fachbetrieben durchkalkulieren, Schätzwerte genügen Anfangs.

Differenzieren nach Fachbetrieb mit Zeitaufwand, Eigenleistung mit Zeitaufwand
Habt ihr oder eure Helfer überhaupt die erforderliche Zeit für die Eigenleistungen. Ist wer Erfahren und jemand der auch koordinieren kann darunter?

Welche Gewerke müssen am Tag x zwingend fertig/teilfertig sein, was hat Zeit für spätere Jahre?

Kostenschätzungen aus der Ferne gehen nur nach Erfahrungssätzen, diese können aber sehr individuell mithin wenig aussagekräftig sein.
Elektrik /100m² Wohneinheit ca. 4000-5000€ evt. zzgl. Hausanschlußverstärkung, Zählerzentralisierung etc.

FWH sind recht speziell, macht möglichst einen großen Bogen um vermeintlich einfache Baumarktlösungen und den schnellen Erfolgsverheißungen der Gipskarton-, Bauschaum- Mineralwollefraktion.

Das Haus steht steht seit fast 200Jahren. Wenn ihr im System bleibt, werden es vielleicht nochmal 200 jahre.
Der Handwerker ist nach 5 Jahren aus der Gewährleisung raus, Baumarkt und Industrie garantieren nur für ihre Produkte aber nicht für die Eignung an eurem Haus!

Gibt es irgendwo Bilder zu dem Objekt oder ein Exposè?

Für Anschauungsobjekte können wir uns auch gern mal zum Stadtrundgang in wolfenbüttel treffen.

Gruß
Detlef