Fachwerkfassade

13.09.2007



Hallo,

was ist davon zu halten wenn bei einer Fachwerkfassade mit zum Teil morschen Balken statt neue Balken einzusetzen eine Schicht aus Gipssteinen vor die Fassade gesetzt wird ?
Ist das eine vernünftige Renovierung ? Wird der Wert des Hauses dadurch gesteigert ?



Moin,



frage 1: nix
frage 2: nö
frage 3: gesteigert wird da auch nix
Wenn das Gebälk in desolatem Zustand ist, kann man nicht einfach was davorsetzten damit man es nicht mehr sieht. Das Fachwerk ist das tragende System am Gebäude und somit ist dessen Instandhaltung unabdingbar





Hallo Herr Pelzer,

1. Gipssteine im Außenbereich sind eher etwas bedenklich. Hier ziehen Sie sich die Feuchte direkt an das Haus. Dei Schäden würden sich wohl potenzieren.
2. Morsche Balken sollten ausgetauscht werden! Tragwerk!
3. Zu einer Wertsteigerung dürfte das keinesfalls führen. Wertsteigerung klingt nach Beleihung oder Verkauf. Wenn hier Bauschäden versteckt werden kann das richtig teuer werden oder sogar zur Rückabwicklung eines Verkaufes führen.

Vielleicht lassen Sie das Ganze zunächst mal von einem Zimmerman o. ä. betrachten.

Grüße aus Wiesbaden

Christoph Kornmayer



Fachwerkfassade



Also kurz und bündig,ich gebe denn beiden Herrn Olaf Bernhardt und Christoph Kornmayer völlig recht,ich kann mich dem also nur anschliesen.

MfG Bodo



Ytong-Steine



Hallo,

bei dem Haus auf das sich meine Ausgangsfrage bezog bestanden an der Fassade Feuchtigkeitsschäden die jedoch von mir nicht
vollständig eingeschätzt werden können. Auf jeden Fall waren im unteren Bereich unter dem Putz Balken so verrottet, daß an ihrer Stelle nur noch Staub bzw. "Torf" war. Auf der Fassade hatten sich Blasen gebildet.
Ich hätte die Fassade freigelegt und die beschädigten Balken durch neue ersetzt (natürlich durch einen Fachmann). Vor die
Fassade wurden jedoch Ytong-Steine (nicht Gipssteine wie irrtümlich angegeben) gesetzt. Ich selbst halte dieses Verfahren für Pfusch. Es wurde mir jedoch als "billig" und stabil bzw. "ideal zur Wärmedämmung" eines Fachwerkhauses
gerühmt wodurch angeblich der Wert des Hauses gestiegen sei.
Da das Haus ein neues Dach erhalten hat sei zusammen mit den Ytong-Steinen seine Erhaltung für die nächsten 100 Jahre gesichert und finanziell für die nächsten 10- bis 20 Jahre "Ruhe".
Angeblich macht der Anwender gute Geschäfte indem er alte Häuser billig kauft und auf die beschriebene Weise "renoviert".
Da ich ein altes Haus nicht wie einen Gebrauchtwagen oder eine alte Hose sehe, frage ich mich jetzt natürlich, ob diese "pragmatische" Weise richtig ist oder ob meine "gründliche" Renovierungsweise die bessere ist.



Diffusion



Hallo Herr Pelzer,

wenn Sie selbst schon von "pragmatisch" und "gründlich" sprechen, haben Sie sich die Frage eigentlich schon selbst beantwortet. Ob das nun 10-20 Jahre sind in denen man "Ruhe" hat mag dahingestellt sein. Wichtiger ist wohl: Was ist noch nach diesen 10-20 Jahren an rettbarer Substanz vorhanden?

Eines der Zauberdinge in Fachwerkhäusern ist die Diffusion. Also Wasserdampf von Innen nach Außen bzw. umgekehrt. Bei einer „davorgesetzten“ Ytongwand kann es zu verschiedenen Problemen kommen: Zum einen ist die Wandstärke ausschlaggebend; im Verlaufe des Winters „verschiebt“ sich der sogen. Taupunkt in der Wand. Wenn alles gut geht, kommt es nicht zu Tauwasseranfällen (das kann ich gerne mal genauer erörtern, kann man auch recht einfach berechnen), wenn nicht, muss das Wasser irgendwo hin.
Weitaus problematischer jedoch ist, dass die relativ diffusionsoffene Wachwerkwand im Inneren des Gebäudes steht und z. B. wärmere Luft mit anderem Feuchtegehalt als Außen durch die Wände abgeben will. Wenn keine schlüssige Verbindung zwischen Fachwerk- und Ytongwand besteht, wird sich das Wasser an der Ytongwand im Zwischenraum niederschlagen. Wenn dieser nicht nach Regeln der Technik be- und entlüftet wird, ist das erstmal schlecht. Die Feuchtigkeit wird irgendwann in die Fachwerkwand gelangen.

Sie Schreiben, das Dach sei neu. Liegt dies denn statisch auf der Fachwerk- oder auf der Ytongwand auf?

Wie stark sind Ihre Ytongsteine? Wenn ich mir vorstelle, eine ca. 30cm starke Ytongwand um ein Haus zu mauern müsste ich zumindest bei uns eine Baugenehmigung einholen, statische und Wärmetechnische Berechnungen inklusive. Ein Blick in die Bauakte wir hier Aufschluss geben. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr würde ich Ihnen empfehlen sich einen Fachmann zu holen, der sich das alles mal sehr gründlich betrachtet – technisch, energetisch und rechtlich – um eine Bauchlandung zu verhindern.

Grüße aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer