Teilfachwerk Wohnung gekauft, nun ein paar Fragen zur Renovierung

24.02.2008 Rhob



Hallo miteinander!
Erstmal, Super Forum hier....
Mein Anliegen:

Habe mir eine 80qm Wohnung im 2.OG gekauft.
Ab meinem Stock fang die Fachwerk Konstruktion an, darunter Sandstein.
An der Außenwand befinden sich Holzschindeln... Darunter Handstreichziegeln und innen mit Gips verputzt.
Ich möchte von Innen Dämmen, habe an Holzfaserdämmplatten in 40mm gedacht, da diese dicke zwecks Taupunkt anscheinend am unproblematischsten ist. Stimmt das? Muss ich den Gips entfernen?

Muss ich denn die Decke auch Dämmen? (Zwecks Wärmebrücke) oben befindet sich auch eine Wohnung die aber momentan noch nicht bewohnt ist.
Bekomme ich Probleme mit der Feuchte wenn ich außerdem Wärmeschutz Fenster einsetzte ?

Außerdem habe ich innen die Gefache und Türzargen entfernt. Die Balken möchte ich offen lassen nun die Frage ob ich die Tür Riegel entfernen kann, diese sind eingezapft und lassen sich auch leicht bewegen.

Sind viele Fragen, ich weis, wäre dankbar für Eure Hilfe....
grüße Robert



Ein Haufen Fragen



und keine Universalantworten. Also, der alte Gipsputz sollte auf jeden Fall raus, sonst wird das mit der Innendämmung nix.
Und zum Thema Fachwerk: warum haben unsere Altvorderen wohl Querriegel und Gefache eingebaut. Sie dienen der seitlichen Aussteifung der Wände( Scheibenwirkung in Verbindung mit der Ausmauerung). Wenn diese entfernt werden, muss die Steifigkeit auf andere Weise hergestellt werden, sonst fängt der ganze Bau an, zu schaukeln ;-))).
MfG
dasMaurer



Heißt da



Ich muss wieder ausfachen, oder kann ich es so lassen? Ich dache nur das Holz hält das Fachwerk??



Fachwerk...



ist meines Wissens nach in sich statisch stabil.
Soll heißen, daß das Fachwerk ohne weitere Ausfachungen für sich alleine steht. Wäre dies nicht der Fall, würde es auch bereits während des Baus wieder in sich zusammenfallen.
Die Gefache haben lediglich raumbildenden Charakter, dienen also 'nur' zum Schutz vor Zug, Regen, Kälte, Wärme, Blicken neugieriger Nachbarn...

Dies gilt aber vorausgesetzt der Tatsache, daß die einwandfreie Standsicherheit und Aussteifung des Grundfachwerks gegeben ist.
An vielen Fachwerkgebäuden wurden durch Unwissenheit oft Riegel und Streben für den Einbau größerer Fenster und Türen entfernt, was nicht zum Einsturz des Gebäudes führte, aber die Standsicherheit des Gebäude(teil)s beeinflußt, welches sich dann meist an Verformungen und Setzungen verdeutlichte.

Also, erstmal nen Statiker oder erfahrenen Zimmermann konsultieren.
Die Sache mit dem Stahlträger hat in einem Fachwerkhaus für mich nichts zu suchen!

Bis denne alles Gute
Gruß, Oliver



Das mit dem Stahlträger...



sollte eigentlich wo anders rein. Also bitte streichen!

Gruß, Oliver



Dämmung etc.



Eine Dämmung der Decke ist nie verkehrt, kommt immer auf die Nutzung darüber an. Das mit den neuen Fenstern ist immer so eine Sache. Wer seine Wohnung dicht macht als wäre sie in Folie gehüllt muss für ausreichend Lüftung sorgen. Entweder mechanisch oder automatisch. Tja und das liebe Fachwerk, klar steht das für sich aber da muss ich Maurermeister recht geben man muss hier das Gesamte sehen, das Ständerwerk und das ausgemauerte Gefache. Im gesamten wirkt es als Scheibe um die auftretende Last nach unten in das Fundament abzuleiten. Man muss also die Statik zur Ableitung der Kräfte genauso wie den Winddruck beachten. Sicherlich gibt es genauso wie im Mauerwerksbau nichttragende Wände die entfernt werden können. Aber hierzu muss jemand vom Fach die Sache vor Ort ansehen und aufnehmen.



Zum Fachwerk ...



muß ich da nochmal ergänzen, bzw. darauf hinweisen, daß

(ZITAT)
'alle statisch wirksamen Kräfte, gleich ob senkrecht abzutragende Lasten, schräg oder horizontal angreifender Druck oder Zug, vom Holzskelett mit gelenkigen Knotenpunkten aufgenommen und abgeleitet werden, während die Ausfachungen ausschließlich wand- oder raumbildende Funktionen, bzw. Sonderfunktionen in Form von Fenstern und Türen erfüllen.'

Sicher ist es hierbei richtig, daß das Gesamtgefüge eine Scheibenwirkung einnimmt, aber die Gefache nicht zum Abtrag von Lasten dienen, sondern eher zusätzliche Lasten darstellen, die über die Gesamtheit der Fachwerkkonstruktion statisch abgeleitet werden.

In diesem Zusammenhang muß ich jedoch auch nochmal darauf hinweisen, daß dies nur in einem 'intakten' Fachwerk der Fall ist, bei dem nicht in den Gesamtzusammenhang der Fachwerkelemente durch Entfernen einzelner Pfosten, Riegel, Streben, etc. eingegriffen wurde.

Bis denne, Oliver



Statik



Hallo, sicher Olli hast du recht, das Fachwerk sollte, wenn es noch im statischem Zustand ist wie es gedacht und erbaut war die Funktion der Kräfteableitung übernehmen. Wobei man heute ja in der Berechnung wie bei Mauerwerk versucht die Mörtelfugen mit einzuberechnen. Hierzu gibt es eine interessante Untersuchung an der Technischen Universität in Darmstadt. Ob man sich die Mühe macht, zu untersuchen inwieweit das Gefache in die Statik mit hinzugezogen werden könnte. . tja wäre interessant aber..
Gruß Roland