Fachwerk von Innen dämmen

04.10.2017



Hallo liebe Forumleser,

ich stehe vor einem Problem. Wir haben uns ein Fachwerkaus gekauft mit offenem Fachwerk von außen.

Jetzt wollen wir das Fachwerk von Innen dämmen.Die Wände sind 120mm dick und bestehen entweder aus Klinker oder Tuffstein.

Mir wurde von einem Energieberater und Zimmermann geraten, eine 100mm Holzwand davor stellen und diese mit OSB Platten beplancken und den Hohlraum mit Zellulose befüllen lassen . Zusätzlich soll noch eine Folie mit sd -Wert 100 eingebaut werden.

Jetzt habe ich dank Euch und dieser tollen Seite, umentschieden und wollte die ca 55m² Wand mit Schilfrohrmatten und Lehm/Kalkputz dämmen.

Jetzt meine Frage wie dick soll ich die Dämmung machen? Schilfrohrmatte 50 mm oder 70mm oder noch mehr?

Wenn ich den U-Wert berechnen lasse, bekomme ich katastrophale Ergebnisse bzgl. Tauwasser und Trocknungsdauer. Aber ich glaube diesem Rechner nicht ganz.

Die Fachwerk steht nicht an der Wetterseite.

Die Außenfassade für mit diffusionsoffener Farbe gestrichen.

Wie soll ich vorgehen? Und bringen die ganzen Progamme wie WUFI und Co was? Brauche ich eine genaue Berechnung oder kann ich einfach und sicher auf Schilfrohrmatten und Lehm wie früher setzen?

Herzlichen Dank für eure Beitäge und Hlfe





https://www.u-wert.net/u-wert-rechner/index.php?

hier die U-Wert Berechnung





der U-Wert wird nicht angezeigt. Ich habe die Demoversion ausprobiert. Sorry.



Fachwerkwand dämmen



Zwischen Klinker und Tuffstein gibt's erhebliche Unterschiede-
ist in Teilflächen Klinker und in anderen Tuffstein verbaut?

Schilf ist nicht sehr kapillar, besser ist in der Hinsicht Holzfaser Zellulose oä.
Auch der U-Wert Rechner ist hilfreich zur Risikoabschätzung und zur Berechnung des U-Wertes- jedoch berücksichtigt dieser keine Kapillarität, die Konstruktionen möglich macht, die als tauwassergefährdet ausgewiesen werden.

Instationäre Verefahren sind viel genauer, benötigen aber präzise Angaben und sehr viele Parameter.
Zudem geben alle Rechenverfahren nur eine IST-Situation wieder-Verhältnisse können sich aber ändern, Fehler beim Einbau vorkommen etc.

Außendämmung ist bauphysikalisch unproblematisch, wenn es überhaupt möglich ist, die Außenansicht derart zu ändern.

Allerdings würde ich bei solchen Konstruktionen keine dampfbremsende OSB-Platte verwenden.

Wandheizungen ermöglichen Innendämmungen, die sonst Tauwasser verursachen.

Andreas Teich





Hallo Herr Teich, vielen Dank für ihre Gedanken.

Das Schlafzimmer hat Klinker und die zwei Kinderzimmer haben Tuffstein an der Außenwand.

Außendämmung ist nicht vorgesehen wegen sichtbarem Fachwerk.

Wie wäre der Aufbau möglich?
Gegeben ist: 1. Außenputz ca.20mm, 2. Klinker/Tuffstein.

Soll: 1. Lehmputz, 2. Holzfaserplatten in welcher Stärke?, 3. Oberputz von 10mm

Könnte es so funktionieren. Ist ja ähnlich wie mit Schilfrohrplatten nur etwas besser beim U-Wert?

Vielen Dank



Fachwerk-Innendämmung



Hallo Waldemar,

Klinker (hochgebrannt) werden es wohl nicht sein- eher Ziegel.
Bei Sichtfachwerk würde ich auch nur in besonderen Fällen einen Außendämmung vorsehen.

Innen auf die Fachwerkwände eine durchgehende Lehm- oder Kalkputzschicht-über den Balken zB mit Glasfaserarmierung.

Darauf vollflächig angesetzt 60 mm Holzfaserplatten, darauf Kalk- oder Lehmputz, ggf mit Kalk- oder Silikatfarbe.

Es sind auch dickere Dämmungen möglich, diese besser mit feuchtevariablen Dampfbremsen, wobei die Möglichkeiten auch von der Gebäudeausrichtung etc abhängen.

Andreas Teich



Innendämmung richtig aber wie?



Es tut mir leid wenn ich diese Empfehlungen hier von einem Tischler zu diesem heiklen Thema lese davon abzuraten. Holen Sie sich fachlich richtigen Rat z. B. bei: Ansprechpartner
Dipl.-Ing.(FH) Marc Ellinger

B4 Bau-Beratungs-Büro Bernau
Bläsiweg 2
D-79872 Bernau
E-Mail: marc.ellinger@wta.de
Ansonsten bleiben Sie durch diese unbrauchbaren Vorschläge bei weiteren Problemen hängen.
Und wenn etwas schiefgeht auch auf den Kosten der möglichen falschen Ausführung und deren Beseitigung.
Gute Planung ist hierbei sehr wichtig!



Glaser



Der U-Wert Rechner beruht auf einem bestimmten Verfahren, das die Kapillareffekte der Baustoffe nicht berücksichtigt. Herr Plag betont das mehrfach in seinen Kommentaren zur Dämmung von Fachwerk.
https://www.u-wert.net/?s=fachwerk
Ebenso gibt es Messungen und Beispielaufbauten der FH Rosenheim und eine ganze Menge von daraus abgeleiteten Publikationen.

In diesen Publikationen wird oft eindringlich vor Dampfbremsen im Sichtfachwerk gewarnt. Ebenso von einer Isolation nach "modernen" Gesichtspunkten. Die Eckwerte die häufig genannt werden sind 40-60 mm Isolation bevorzugt mit Holzweichfaser und ein U-Wert möglichst nicht oder nur wenig unter 0,8 W/m2K, evtl. verbunden mit einer Wandheizung. Ein Abweichen davon sollte nur in Absprache mit speziellen Messverfahren am Bauteil gemacht werden.

Ich habe das bei mir dann auch von einem Bauphysiker noch einmal belegen lassen, da das Denkmalamt diese Berechnung gefordert hat.

Ob einem da lokale Handwerker helfen können muss ich leider in vielen Fällen bezweifeln. Das Wissen um die physikalischen Zusammenhänge ist zwar im akademischen Bereich vorhanden, aber in wie weit ein lokaler Handwerker oder Planer sich damit auskennt hängt immer vom eigenen Interesse der Person ab.

Früher hat man einfache Schilfrohrmatten verwendet, die leider keine merkliche Isolation bringen. Ob 5-10 cm Schilfrohrmatten die notwendige Kapillarität aufbringen konnte ich bisher nicht finden. Ich habe mich auch deshalb für Holzweichfaser mit Lehm verklebt und verputzt entschieden.



Fachwerk-Innendämmung



Im Condetti/Quuadriga wurden div Fachwerk-Innendämmungen mit teils erheblich dickeren Dämmschichten dargestellt, die sich bei Vor-Ort-Messungen und instationöären Rechenverfahren als tauwasserfrei gezeigt haben.

Im Zweifel können Meßpunkte innen an den Fachwerkbalken angelegt werden, bei Anzeige zu hoher Werte muß ggf die rel Luftfeuchtigkeit reduziert werden- der Aufwand ist ohnehin gering.

Hier wurde ein Bruchsteingebäude mit einer Passivhaus-Innendämmung aus Zellulose versehen, welches seit Jahren ständig überprüft wird und sich als tauwasserfrei herausgestellt hat- allgemein werden solche Dämmungen als unmöglich dargestellt.
Holzbauten sind bei Tauwasserausfall natürlich
wesentlich schadensanfälliger, entsprechende Planung daher notwendig.

Andreas Teich