Verputzen oder nicht verputzen, das ist hier die Frage

21.09.2010



Liebe Community,

mein Fachwerkhaus von 1796 war ursprünglich vollständig verputzt. Erst mein Urgroßvater hat Anfang des letzten Jahrhunderts die Ost- und die Westseite vom Putz befreit und das Fachwerk zu Tage treten lassen. Nord- und Südwand sind weiterhin verputzt.
Nun steht die Grundsanierung an, der Bauantrag ist längst gestellt und wir (Bauleiter und meine Familie) gingen selbstverständlich davon aus, dass wir das Fachwerk weiterhin offen lassen müssen. Nun überraschte uns die Denkmalbehörde damit, dass wir ja aufgrund der Geschichte des Hauses auch Verputzen könnten.
Nun sind wir hin- und hergerissen.
Für das Verputzen spricht m.E.:
- So war es ursprünglich. Das Haus steht innerhalb einer westfälischen Stadt und sollte "etwas hermachen".
- Wir müssten die Holzkonstruktionen nicht gar so aufwändig sanieren, da kein Wasser mehr dran käme und es auch nicht auf die Optik ankäme. Zudem würde sich manches Problem im Sockelbereich leichter lösen lassen. Kostenersparnis!
Gegen das Verputzen spricht m.E.:
- Das Fachwerk sieht prächtig aus und prägt seit Jahrzehnten das Bild in der Gasse.
- Bei offen liegendem Gebälk sehe ich im Lauf der Jahre eher, was passiert. Unter Putz hätte ich immer Sorge vor tickenden Zeitbomben. Um die Innendämmung komme ich auch nicht herum, da wir außen nicht beliebig dick dämmen können.
- Die heute verwendeten Putze sind aufgrund der verwendeten Sieblinie für meinen Geschmack viel zu grob - ich sehe in der Stadt Putze auf alten Gebäuden, die aussehen wie die auf einem Neubau. Nord- und Südwand sind derzeit sehr glatt verputzt (was wir aber wohl noch ändern müssen, da aus alten Rechnungen hervorgeht, dass Zement verwendet wurde).

Nun bin ich gespannt wie die Meinungen dazu sind.
Danke schon mal.
Friederike



Antwort: Ja und Nein - Oder?!



Hallo

Wenn Sie mit richtigen Materialien arbeiten, wird dem Fachwerk nichts passieren wenn Sie verputzen oder nicht.

Falsche Entscheidungen sind eher in der Innendämmung zu sehen. Diese ist trotz anders lautender Werbestrategien immer noch sehr Gefahr trächtig.

Kalk, Lehm, Leinöl - fertig.

Kein Trass, kein Zement, kein Kunststoff, keine Zaubermittel.

Lowtech statt high tech

Gutes Gelingen

FK



mir reinem Kalkputz



Hallo Friederike,

das ist einfach Geschmacksache, ob das Fachwerk sichtbar ist oder nicht. Wenn von Anfang an mit ursprünglichen Materialien gearbeitet wird gibt es keinerlei Probleme.

Es ist immer wieder schade, dass alte Häuser so verputzt werden als wäre es ein Neubau. Man erkennt in vielen Städten und Dörfern gar nicht mehr, was es ursprünglich für ein Haus war, alt oder neu.

Man kann auch mit alten Techniken grobe, feinere oder glatte Struckturen erziehlen. Doch die Handwerker fehlen. Bei Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen.

Veronika Klepac



Nicht nur Geschmackssache!



Häufig hat das verputzen auch was mit Witterungsschutz zu tun.

Ein Fachwerk das Verputz wurde, ist oft nicht als Sichtfachwerk ausgebildet.

Anbei ein Foto von useren Haus 1679, das ab dem 1. OG aus Fachwerk besteht. Hier haben wir uns auch für das flächige verputzen entschieden.

Sehr zum Entstzen einiger Mitglieder haben wir das Gebäude mit einer leichten Innedämmung und einer Wandheizung versehen. Auch nach 12 Jahren Erfahrung mit diesem Aufbau würde wir heute den gleichen Ansatz wählen.

Materielseitig empfehlen kann ich auch nur die historischen Baustoffe wie Kalk- und Kalkfarben.

Grüße



Unentschieden



Danke für die Meinungen. Nun bin ich aber immer noch nicht so richtig weiter. Wenn das Haus bis jetzt verputzt gewesen wäre, wäre meine Entscheidung klar. Nun hat es aber zunächst ungefähr 110 Jahre mit Putz verbracht und danach 100 Jahre ohne Putz, obwohl es für Sichtfachwerk ursprünglich nicht gemacht war. Nun wieder 100 Jahre mit Putz - oder noch 10 Jahre ohne - oder...?
Wirklich nur Geschmackssache? Was tut dem Fachwerk nun gut?
Schließe ich mich dem Geschmack des Erbauers an und verputze? Oder schließe ich mich dem Geschmack meines Urgroßvaters an?
Oder eine Seite sichtbares Fachwerk und eine Seite verputzt? (es lebe der Kompromiss?)
Ratlose Grüße



Da muss wohl die Münze entscheiden!



Hallo

Sie müssen eine Münze werfen um zu einer Entscheidung zu kommen.

Wenn eine Seite stark verwittert wird könnte man Verputzen empfehlen.

Das A und O ist die Verwendung der richtigen Baumaterialien!!! und der richtigen tradierten Handwerkskunst ohne Dicht und Dämm!

Gutes Gelingen

FK