Fachwerk und historische Altbauten:
Sanierungs-No-Gos


Nicht alle historisch bedeutsamen Altbauten bestehen aus Fachwerk. Alle Fachwerkbauten sind jedoch historisch bedeutsam. Allerdings unterliegen längst nicht all diese Gebäude dem schützenden „Bannhammer“ der Landes-Denkmalschutzverordnung.

Aus diesem Grund sieht man vielfach, dass Laien bei der Sanierung oder auch nur Renovierung solcher Bauten Dinge durchführen, die ein schlichtes No-Go sind. Sei es in Sachen architektonischen Stils oder auch handfester Bausünden. Die kritischsten listet der folgende Artikel.


Rothenburg - historisches Fachwerkhaus Fachwerk- und andere historische Altbauten haben teils Jahrhunderte erlebt. Laienhaftes Sanieren kann das binnen Monaten gefährden.

1. Moderne Putze und Farben

Es gibt Menschen, die erwerben Fachwerkhäuser oder solche aus historisch prägnanten Steinen, etwa norddeutsche Ziegel oder westdeutsches Vulkangestein, und befinden dann, dass diese Optik nicht ihren Wünschen entspricht.

Noch mehr Menschen wollen auch dem vom Zahn der Zeit angegriffenen Äußeren ihres alten Gebäudes etwas Gutes tun. Beide Gruppen neigen dann ohne anleitende Expertenhand dazu, blindlings neuzeitliche Baumarktware zu kaufen – und sanieren sich so buchstäblich direkt in die Katastrophe.

Bei alten Gebäuden und grundsätzlich Fachwerk sollte man aufgrund ihrer Bausubstanz niemals mit modernen Putzen und Farben arbeiten. Weder innen noch außen. Diese sind in keinster Weise ausreichend diffusionsoffen, öffnen so Schimmel und Verfall Tür und Tor – von der moralischen Bewertung, historische Fassaden zu überdecken, einmal ganz zu schweigen.

Denkmalgeschütztes Fachwerkhaus Hier übernimmt das Fachwerk selbst eine optisch starke Wirkung. Die Fenster treten dahinter bewusst zurück.

Wenn, dann dürfen hier nur „altbautaugliche“, das heißt maximal diffusionsoffene, gerne auch natürliche Materialien (etwa Lehmputz) Verwendung finden. Und generell ist die Baumarkt-Baustoffabteilung für vieles am Altbau selten die richtige Anlaufstelle.

2. Falsche Bodenmaterialien

Früher waren alle Baumaterialien „natürlich“. Dementsprechend und unter Berücksichtigung des Zeitfaktors, ist es normal, dass manches so unter dem Zahn der Zeit gelitten hat, dass es nicht mehr zu einem vertretbaren Aufwand sanierbar ist.

Dazu gehören häufig klassische Holzböden. Durch eine Reihe von Faktoren können diese nahezu irreparabel geschädigt werden – etwa, weil es im Zeitverlauf zu Fäulnis oder Insektenbefall kam.

Eine leider recht beliebte Einfach-Lösung ist es, den alten Boden schlicht mit Ausgleichsmasse zu bedecken, um eine neue glatte Ebene zu erzielen. Einmal abgesehen, dass das die Probleme nur überdeckt, ist es auch für den Charakter des Hauses nicht eben förderlich.

Sofern man nicht gewillt ist, 1:1 auszutauschen (bspw. Dielenboden gegen Dielenboden), sollte man sich aus der Liste der typisch-neuzeitlichen Bodenbeläge an die natürlichsten halten. Das wären Parkett, Kork, mitunter ein PVC-freier Designboden. Mit Laminat oder Vinyl wäre man indes, auch wegen des Raumklimas, schlecht beraten.

3. Willkürliches Sägen

Bitte beachten: Dieser Punkt gilt bei absolut jedem Altbau, bei dem zumindest ein Teil des tragenden Innengerüstes (etwa die Decken) aus Holz besteht.

Es ist eine Tatsache, dass früher andere Bauphilosophien herrschten und man auch in Sachen Raum in teils anderen Dimensionen dachte. Das zeigt sich besonders in typisch-ländlichen „Armeleute-Fachwerkhäusern“, die es auf für heutige Maßstäbe winzig anmutende Grundrisse bringen.

So verständlich es jedoch sein mag, den Grundriss ein wenig auf neuzeitliche Wohnverhältnisse zu bringen, so sehr gilt jedoch:

Jeder einzelne Pfosten, Riegel und Balken hat eine tragende Funktion. Niemals sollte ohne statische Rücksprache etwas davon durchtrennt, entfernt oder geschwächt werden!

Was man für einen Sturzriegel hält, entpuppte sich schon oft als Rähm und im Wunsch nach mehr Licht wurde auch schon mehr als einmal eine Schwertung zwecks Fensterinstallation durchtrennt. Immer mit Folgen für die Statik des Gebäudes.

Historisches Fachwerk Jedes einzelne Holzstück hat im Fachwerk einen Zweck. Ein Sägeschnitt kann im Extremfall bedeuten, dass die gesamte Statik gefährdet wird.

4. Ignorieren der Deckenlast

In einem modernen Wohngebäude sind die normiert zulässigen Deckenlasten (Verkehrslast) üppig. Pro Quadratmeter verlangen die Normen 1,5kN/m², das entspricht grob 150 Kilogramm, die auf jedem einzelnen Quadratmeter stehen dürfen.

Natürlich, auch in alten Gebäuden wurde nicht mit wesentlich schwächeren Werten gerechnet. Auch die dort verwendeten Balken sind für ähnliche Werte gut. Was die Sache allerdings für das Hier und Heute problematisch macht:

  • Die erste DIN-Norm erschien 1918, die ersten Bau-Normen sogar noch später. Man darf also bei keinem Haus, das zuvor errichtet wurde, blind von einer Einheitlichkeit ausgehen. Was bei dem einen Haus funktioniert, kann beim anderen eine Überlast sein.
  • In alten Gebäuden stecken buchstäblich Jahrzehnte bis Jahrhunderte. In dieser Zeit kann sich die Traglast von Decken entscheidend verringert haben.

Viele bedenken diesen Faktor nicht. Sie denken in Richtung Wasserbett, große Aquarien, XL-Couchgarnituren, Badewannen, oft auch noch mittig im Raum.

Ein altes Haus kann das tragen. Aber man kann sich niemals sicher sein, dass es das wirklich tun wird. Vor allem, was über „normale“ Möblierung hinausgeht, sollte man deshalb zwingend einen Statiker hinzuziehen, um einen möglicherweise katastrophalen Fehlkauf zu vermeiden.

5. Neue Fenster

Das Problem an alten Gebäuden, die nicht auf der Denkmalschutzliste stehen, ist, dass sie vollumfänglich von den Nachrüstpflichten der EnEV abgedeckt werden. Konkret betrifft das die sogenannte „zehn Prozent Regel“, die bei vielen energetisch relevanten Punkten eine Aufrüstung vorschreibt, wenn mehr als zehn Prozent der alten Gesamtfläche erneuert werden.

Im Fokus vieler Sanierer steht dabei zwar der Fassadenputz, bei dem jenseits der zehn Prozent eine Dämmung angebracht werden muss. Tatsächlich zieht sich die Regulierung auch auf die Fensterfläche.

Rechnet man noch jene Bauherren hinzu, die ohne Not alte Fenster ersetzen lassen, ergibt sich ein gewaltiges Problem. Die diffusionsoffene Natur vieler Altbauten sorgt dafür, dass, sobald Fenster mit einem U-Wert kleiner als 1 verbaut werden, eine energetische Schieflage entsteht. Kurgesagt dämmt das Fenster ungleich besser als die Wände.

Vor allem an den Übergängen von Rahmen und Mauer- bzw. Fachwerk bildet sich dadurch schnell ein enorm feuchtes Kondensations-Milieu, das rasch die Bausubstanz schädigt. Das Einzige, was Abhilfe schaffen kann, ist eine sorgsame zusätzliche Dämmung der Laibung. Und wenn es schon nicht möglich ist, die alten Fenster sanieren zu lassen (was das Optimum wäre), sollte zumindest auf Holzfenster und einen für moderne Ansprüche vergleichsweise schlechten Wärmedämmwert gesetzt werden.

Zudem sollte man nicht vergessen, dass es bei einem „sozialverträglichen“ Kostenaufwand faktisch nicht möglich ist, einen „wirklichen“ Altbau in Sachen Energetik zum modernen Gebäude zu machen – das geht nur unter verstärktem Finanzmitteleinsatz.

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