Sichtfachwerk - Ja oder Nein ?

22.02.2003



Immer wieder lese ich hier in diesem - wie ich finde, hervorragendem Forum - das die Rede ist vom Sichtfachwerk-Geeigneten und Sichtfachwerk-Ungeeigneten (oder ungedachten) Häusern ! Kann mir das mal einer erkären (grins) ? Wäre für mich sehr wichtig (siehe Eintrag unten) ! Vielen lieben DANK !!!



Eindeutig Jaein!



Fachwerk ist ja eigentlich sozusagen das Skelett des Hauses, das Tragegerüst. Wir das Skelett ungeschützt außen getragen gibt es diverse verletzliche Problemzonen. Feuer und Wasser als gefährlichster Gegner des Fachwerkes (abgesehen vom Menschen *grins*) haben dazu geführt, das die Entwicklung des Fachwerkbaus im Laufe der Jahrhunderte immer häufiger eine äußere Schutzschale aufwiesen (Verkleidungen, Putz). Manche Fachwerkhäuser wurden nicht erst zu einem späteren zeitpunkt verkleidet, sondern direkt mit Verkleidung geplant. Wird, um heutigen Trends zu entsprechen, ein solches Fachwerk heute "entblättert" kommt häufig ein Fachwerk zum Vorschein, welches als Sichtfachwerk eher ungeeignet ist. Hier finden sich Kerben, dichte Nagelungen und Trägermatten für Putzmaterialien, die das Haus als verkleidet gebautes und geplantes Fachwerkhaus entlarven. Aber auch an Scihtfachwerkhäusern sind häufig die Wetterseiten verkleidet um das Gebäude gegen Witterungseinflüsse zu schützen (Schiefer, vertikal angebrachte Dachziegel, Holzschindeln, usw.). Werden diese, wider besseren Wissens abgenommen, werden häufig anfällige Konstruktionspunkte freigelegt. Wunderbare, nie alternde Literaturempfehlung hierzu: Fachwerksünden von Manfred Gerner. Grüße aus Leipzig von



Beitrag von Christian Bernard



In meinen Nachrichtordner ist der Beitrag von Christian Bernard gelandet, weil er irgendwie gestern keinen Beitrag erstellen konnte. Deshalb stelle ich ihn einfach nochmal hier ein, zum einen weil er allgemein gültig ist und zum anderen weil er mir damit Eulen nach Athen bringt *grinsundzwinker* : "wollte eigentlich meine antwort ins forum stellen, geht momentan leider nicht. da sie sich dazu auch geäussert haben hier meine gedanken dazu. viele grüsse aus kassel christian bernard Hallo Stefan John, Jede Form hat seine Zeit, jede gute Form einen Sinn, eine gute Form ist zeitlos. Das könnte man auch bzgl. verputzter oder verschalter Fachwerkfassaden gelten lassen. Während man im Barock Fachwerk aus "städtebaulichen" Gründen oder eben nur aus dem Grund, die Fassade eines Steinhauses vorzutäuschen, also städtisch zu sein, gibt es auch genug schöne Fachwerkfassaden, die aus Gründen des Wetterschutztes verkleidet wurden. Dann wurden diese z.B.: mit Schiefer-, Schindel- oder Holz bekleidet. Je nach Region und Verfügbarkeit. Oft gibt es Fachwerk das als Schmuckfachwerk ausgestaltet war und man diese nach einer gewissen Zeit, als man merkte das es für ausgesprochene Wetterseiten sinvoll ist die Fachwerkfassde zu schützen, nachträglich verschalt hat. Hier denke ich sollte man das Wissen und die Erfahrung der Altvorderen berücksichtigen. Wo dies der Fall ist, sollte man sich das zu Herzen nehmen und ggf. auf ein Sichtfachwerk verzichten. Natürlich gibt es kein generelles "JA oder NEIN", man muss immer selbst wissen was man will, ggf mit dem Denkmalschutz absprechen und die Fassade studieren, um zu erkennen weshalb war meine Fassade verkleidet. War es nur der Zeitgeist ohne gute Form, die Einflüsse aus anderen Epochen (die gute Form und Bauweise berücksichten) oder will ich aus heutiger Sicht, ohne die Form und Technik zu vernachlässigen, eine Aussendämmung anbringen? Also, keine richtige Antwort, aber die gibt’s ja meist in solchen Fragen über die Ferne eh nicht. Schöne Grüsse, Christian Bernard. " Grüße aus Leipzig, auch nach Kassel.



Sichtfachwerk



Der liebe Martin hat das wesentliche ja schon erwähnt. Als Ergänzung: Fachwerk hat planmäßig Fugen die in Bewegung sind und sich nicht dauerhaft Abdichten lassen. Deshalb auch bloß nicht auf den Gedanken kommen Sichtfachwerk mit Silikon zu beschmieren. *Sonst bekomme ich als Gutachter Arbeit* Wichtiges kriterium ist als die Exponiertheit gegenüber Schlagregen. Hier hilft zum einen die Schlagregenkarte (zu finden in einschlägigen Wärmedämmnormen und Fachliteratur über Fachwerk, Dämmung und Putzarbeiten), zum anderen die Betrachtung im Einzelfall, z. B. Schützende Nachbarbebauung usw. Faustregel ist nur in Schlagregenbeanspruchungsgruppe I sollte Sichtfachwerk stehen. Gruppe II und III sind nicht geeignet.
mfG Ulrich Arnold