Fachwerk Schwarzwaldhof Wachsen

15.07.2020 SWhof321


Hallo zusammen,
Ich baue zur Zeit einen denkmalgeschützten Schwarzwaldhof um.
Schon lange lese ich hier wertvolle Tipps. Daher zunächst mal ein Dankeschön, an alle, die hier ihr Wissen teilen.
Nun zu meiner Frage:
Wir haben in verschiedenen Räumen Sichtfachwerk (Tanne/Fichte, was hier in der Region halt so üblich ist), das vor fast 40 Jahren (damals von meinen Eltern) mit einer pigmentierten Bienenwachsmischung behandelt wurden, so dass die Baken einen leichten Rotton haben. Und das Zeug ist richtig gut, verfärbt nicht, zieht keinen Staub an, klebt nicht.
Jetzt haben wir weitere Balken freigelegt. Diese sind nun erstmal grau und würde diese gerne ähnlich behandeln.
Weiß hier jemand, wie diese Bienenwachspaste hergestellt wird? Die Eltern kann ich leider nicht mehr fragen und das Internet gibt auch keine Auskunft.
Drin ist auf jeden Fall Bienenwach, denn ich habe neben einer kleinen Dose Orginalpaste noch Wachsvorräte gefunden. Außerdem irgendein Weichmacher, möglicherweise Terpentin? Und eben eine Pigmentierung. Könnte auch durch Leinöl kommen, damit wurde hier auch viel gemacht.
Das ganze wurde erwärmt, denn die verklebten Töpfe lagen auch noch auf dem Speicher.
Wäre über Tipps sehr dankbar.
Evtl wäre auch eine Abkürzung, das flüssige Bienenwachs, was man im Fachhandel bekommt, zu pigmentieren. Weiß jemand, was man da nimmt?
Vielen Dank im Voraus für eure Antworten.
Georg



Bienenwachs



ich habe vor Jahren ( der Schwiegervater war Imker) mir die Wachse für Möbel und Türen selber hergestellt. Balsamterpentin im Wasserbad erwärmt und das Bienenwachs reingekrümelt bis in etwa eine Konsistenz von Schuhcreme entstand. Das merkt man leider erst, wenn das Gemisch erkaltet ist, notfalls also nochmal erhitzen und nacharbeiten. Dann mit einem Lappen eingewachst und mit einem Stück Fell aufpoliert. Mit den Pigmenten kann ich Dir nicht helfen, da kenne ich mich nicht aus.



Fachwerk Schwarzwaldhof Wachsen



Wie schon geschrieben wurde, muss das Bienenwachs da bei Zimmertemperatur fest (Schmelzpunkt 65-70 Grad Celsius), zur Verarbeitung als Paste, durch mischen von Stoffen mit sehr niedrigen Schmelzpunkten zubereitet werden.

Dazu eignen sich klassische Lösungsmittel wie Balsamterpentin oder Leinöl, bzw. moderne Produkte wie Orangenterpene oder Shellsol T.

Bitte alles im Wasserbad Verarbeiten !

Die flüchtigen Lösemittel verdampfen kurz nach dem auftragen und bewirken so ein schnelles "trocknen" des Wachsauftrag. Leinöl fungiert hingegen als Weichmacher. Der Zusatz von Carnaubawachs (Schmelzpunkt 80 Grad Celsius) macht den Wachsfilm widerstandsfähiger.

Wegen Pigmente weiss ich jetzt nicht, da ist die Umschreibung zu vage.

Wird das Holz nur rottönig angefeuert? Ggf. ist da auch Schellack eingearbeitet (auch eibe tierische Wachsausscheidung) der bring je nach Verarbeitungszustand eine deutliche Tönung (orange - braun/rot) ins Produkt. Ansonsten Pigmente die man mit Leinöl oder bereits aufgeschlossen Wachspaste anreibt.

Eventuell wurde aber das Gebälk auch mit (erwärmten) Leinöl grundiert und danach eine Bierlasur (abgestandenes Bier mit Pigment (20 bis max. 100 Gramm / 1 Liter) augetragen und danach (trocknen) gewachst. Das wäre einfacher und entspricht einer traditionellen Vorgehensweise. Um welche Pigmente es sich handelt kann man mit einer Farbkarte (vom Naturfarbhändler eures Vertrauens ausleihen oder Materialprobe hinbringen) rausbekommen.



Danke!



Danke Mario und Pope für eure Rückmeldungen.
... altes Bier... was man so alles gemacht hat.
Es ist richtig gefärbt, nicht nur angefeuert.

Nachdem die Grundsubstanz jetzt klar ist, muss ich ja nur noch die Pigmente finden.
Dann gehe jetzt mal zum Farbenhändler :-)




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