Haus Wärme Dämmung mit Fachwerk- Optik

12.12.2005



Hallo zusammen.

Ich habe ein Nachkriegshaus aus Rotstein von ca. 14 x 10 m geerbt und möchte es nun wärmedämmtechnisch und optisch etwas aufarbeiten. Meine Vorstellung ist, das gesamte Haus mit diesen blauen Wärmedämmplatten einzupacken und zwar in 2 Schichten. die erste soll durchgehend ca 5 cm stark auf die Außenwand geklebt werden. (Muß ich hierbei ca 1 cm Distanz zur Hinterlüftung wahren gegen Schwitzwasser?) Dann will ich eine Art Fachwerk Immitation aus Balken von ca 12 x 7cm darauf befestigen und hier dann die Zwischräume wieder mit 5 cm Platten und 2 cm Putz ausfüllen. Den Dachüberstand will ich dem entsprechend vergrößern und auch neue Fenster und Türen einsetzen bzw. zum Teil die alten, vor nicht allzu langer Zeit erneuerten Fenster wiederverwenden.
Zum einen interessiert mich natürlich, ob diese Idee überhaupt realistisch ist, oder was es sonst für Idee zur optischen Aufwertung und Wärmedämmung gibt.
Zum Anderen weiß ich bisher nicht, wie ich die Hinterlüftung unten und oben gestalten soll, so daß mir keine Ungeziefer eindringen, aber noch genug Zirkulationsluft bleibt, damit ich innen kein Schwitzwasser kriege.
Und drittens weiß ich bisher nicht, was für ein Holz man dafür am besten nimmt (Eiche oder Lärche oder???)und wo ich sowas herbeziehen kann.
Was für Kosten muß ich kalkulieren bei einer Gesamtwandfläche von etwa 200 m²?

Ich hoffe, ihr könnt mir da weiterhelfen und bedanke mich schon im Voraus.
LG, Georg



Ich würde das ganze



noch einmal überdenken:

"Nur was wahr (echt) ist kann schön sein"

Eine alte Wahrheit, die leider in Architekturkreisen immer mehr in Vergessenheit gerät.



so bitte nicht



Sehr geehrter Herr Wolff, zuerst zur Bauphysik:
Wenn Sie Dämmplatten außen an der Fassade anbringen, dann darf die Wärmedämmung nicht hinterlüftet sein, weil sonst die Wärme, die durch die bisher bestehende Wand dringt im Luftstrom der Hinterlüftung abgeführt wird. Die neue Wäremdämmung wäre damit wirkungslos. Sie würde nur als Witterungsschutz funktionieren (genau dazu gibt es hinterlüftete Bekleidungen).
Jetzt zur Architektur:
Bitte lassen Sie so einen Kitsch, der außerdem nicht funktionieren wird.
Ich finde es sehr wichtig, alte Fachwerkhäuser zu erhalten. Es ist aber in meinen Augen (und damit stehe ich nicht allein) nicht angebracht künstlich Fachwerk mit aufgeblendeten Brettern vorzutäuschen.
Ich halte sogar nichts davon Neubauten in Fachwerkbauweise zu errichten. Man muss sich ja nicht absichtlich die Probleme, die ein Sichtfachwerk bringt ins Haus holen und Menschen ohne Bauerfahrung vorgaukeln man hätte ein altes kulurhistorisch wertvolles Haus. Noch etwas zur Technik: Die vorgeblendeten Bretter, die Sie verwenden wollen werden duch Feuchtewechsel stark arbeiten und sich verziehen, offene Stöße usw. sind der Anfang, etwas später, wird es zu Pilzbefall kommen.
Bitte überdenken Sie ihren Plan noch einmal. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



Seien Sie glücklich mitdem was Sie haben.



Hallo Herr Wolff!
Natürlich kann ich Ihnen als Tischlereibetrieb soviel Balken verkaufen bis aus Ihrem schönen Rotsteinhaus ein "möchte-gern" Fachwerkhaus oder gar ein Blockhaus wird, aber damit ist Ihnen und Ihrem Haus nicht geholfen.
Nehmen Sie sich die Ratschläge die Sie bereits bekommen haben, zu Herzen und denken vielleicht über eine sinnvolle Geldausgabe nach.
Fassade reinigen! Denn Rotsteinhäuser sind schön !
Neue Fenster in Nachkriegsoptik!
Innendämmung (aber bloß nicht mit blauer Dämmplatte, weil nicht diffusionsoffen! Das ist auf Dauer schädlich für Gesundheit und Bausubstanz!).
Z.B. Schilfmatten und einen atmungsaktiven Putz drauf, wäre eine Alternative (leider nicht mein Fachgebiet).

Bitte überdenken Sie nochmals Ihr Vorhaben und stöbern noch ein bisschen im Forum über die Möglichkeiten die es für Ihr Problem gibt.

Gruß aus Wattenheim Markus



Sollte der Wunsch trotzdem stärker sein,...



... als die fachliche Vernunft zur Bauphysik, dann bitte nicht die chemischen Dämmmaterialien, sondern diffussions- und sorptionsfähige Dämmsysteme auswählen.
Zu diesen Thematiken können wir Ihnen jederzeit Möglichkeiten und Machbarkeiten aufzeigen incl. Wärmedurchgangsberechnung.
Diese nachher verputzt oder mit einer Holzschalung versehen sind auf jeden Fall Ihrem Gebäude nachhaltiger.

Grüße Udo



Ehrliche Architektur



Dem kann ich mich nur anschliessen.
Auch ich bin ein ausgesprochener Fan von "ehrlicher Architektur", also von solcher, die zeigt, was ist und nicht vortäuscht, was nicht ist. Schon gar nicht im Altbau.

Wenn Sie tatsächlich so umfangreich investieren wollen, rate ich, zuerst mal einen altbauerfahrenen Architekten zu engagieren. Das Honorar wird sich am Ende des Tages kostensparend auswirken, da bin ich mir sicher.
Und Sie bekommen etwas dafür, das dann auch funktioniert, das ihr Haus nicht kaputtmacht und das Sie dann auch guten Gewissens vorzeigen können.
Machen Sie keinen Kitsch uns keine Verschandelungen, dafür ist Ihr Haus zu schade.

Für eine gute Beratung stehe ich Ihnen, wie manch anderer Kollege hier im Forum sicherlich auch, gerne zur Verfügung.



14 x 10 cm?



Wie stark ist denn überhaupt die Wand? Ist es überhaupt sinnvoll zu dämmen?

Investieren Sie bitte in eine Wandheizung, die drückt auch den letzten Rest von Feuchtigkeit aus der Wand, und erhöht damit den "Dämmwert"!

Sie sind mit Ihren Überlegungen schon an einem Punkt angelangt, an dem Sie sich eigentlich selbst die Antwort auf Ihre Fragen gegeben haben: die Stelle mit dem Kondeswasser!
Sie wollen Ihr Haus schön mit den dicken Platten einpacken, und in den Wänden das Kondenswasser sammeln!
Sie werden damit wunderbar Pilze züchten können!

Sehen Sie sich mal um, es gibt genug bauliche Umweltverschmutzung um Sie herum, meist sind diese Häuser daran zu erkennen, daß Sie grün bis grau sind!
Wollen Sie wirlich das?


Der Ingo vonne Köst



Nur kein Pseudofachwerk



Hallo Herr Wolf,
als Besitzer eines echten Fachwerkhauses kann ich sie nur warnen und Ulrich Arnold zustimmen. Es ist nicht einfach, so eine Fassade zu erhalten und wenn es mal stark auf die Wetterseite regnet, dann sickert die Brühe in alle Fugen. Ich bin froh, daß mir die Denkmalpflege grünes Licht für die Isolierung der Wetterseite und anschließender Verschieferung gegeben hat. Den Rest des Hauses werde ich innen isolieren, aber ich habe mich noch nicht festgelegt. Lehmisolierputz mit Wandheizung habe ich gelesen. Hört sich gut an.
Vielleicht sollten Sie sich mal das Buch" Vom Altbau zum Niedrigenergiehaus" vom Ökobuch-Verlag kaufen. Es hat mir sehr geholfen die Bauphysik zu verstehen. An Beispielen wird die Sanierung von verschiedenen Haustypen, sowie Isolierstoffe und -techniken auch für einen Nichtfachmann verständlich erklärt. Man muß ja die Fehler, die andere schon mal gemacht haben nicht noch mal machen.
Auch würde ich mal über die vielleicht im Mauerwerk aufsteigende Feuchtigkeit nachdenken. Ist die Isolierung dagegen noch in Ordnung?? Wenn sich Feuchtigkeit hinter Ihren dampfdichten Platten sammelt... Irgendwo muß sie hin. Vielleicht nach innen???
Mit einem Altbau ist es fast so wie mit dem Ökosystem. Man hat im Eifer schnell etwas falsches gemacht und hinterher kostet es richtig Geld die Fehler und Folgeschäden zu beseitigen.
Ich wünsche Ihnen, daß Sie den richtigen Weg finden und noch viel Freude mit Ihrem Erbstück haben.
HaJo



Fachwerk vortäuschen



also von den fachwerkblenden würde ich auch abraten.
ich bin zwar kein fachmann aber habe auch einige erfahrungen mit einem alten fachwerkhaus machen müssen....
habe bei mir einen Vollwärmeschutz aus 20 cm Styropor von aussen aufbringen lassen und die ergebnisse sind phänomenal. abgesehen von den vorher hohen Heizkosten hatten wir einige stellen mit Schimmelbefall durch kondenswasserbildung, dieses thema ist nun erledigt.
ich hoffe einfach es hält die nächsten 50 jahre, länger haben die vorhergehenden massnahmen, (putz...) auch nicht gehalten. ich baue für mich und nicht für meine urenkel, aber das ist natürlich jedem selbst überlassen.
viele grüße

alex



Wenn unsere Vorväter auch nur für sich gebaut hätten,



würde wohl niemand durch unsere Altstädte spazieren und sich an den alten Bauwerken freuen!

Wie so etwas aussieht kann man in Amerika betrachten!
Auch die Innenstädte im Ruhrpott und anderer im Krieg zerstörter Städte sind gute Beispiele!

Ich weiß ja nicht wie alt Sie sind, aber vermutlich werden die jetzigen Generationen deutlich älter als unsere Vorväter.
Aber es ist nicht anzunehmen, daß die mit dem Blick auf 50 Jahre gebauten oder sanierten Häuser mit einem Mal einstürzen werden!
Hier stellt sich dann schon die Frage mit wie vielen Bauschäden man wirklich alt werden möchte!
Ein bischen tropfendes Dach, leicht Feuchte Wände, durchgegammelte Fenster, abgefallener Putz?

Wie man sich als Bewohner dann fühlt, konnten die Bewohner der Altstädte von Leipzig oder Berlin erleben!
Sicher ist es im nachhinein ein Glücksfall gewesen, auch wenn nun nicht wirklich alles gut oder besser ist.

Ich denke, daß in einem Haus der Geist seines Erbauers, bzw. eben auch der Ungeist steckt.
Ein schönes, solides, dauerhaftes Haus zu bauen, ist eine enorm erfüllende Aufgabe und macht richtig Spaß!


Mit den besten Grüßen von der Ostsee


Der Ingo