Fachwerk Innenisolierung im Trockenbauverfahren: Holzfaserdämmung




Hallo liebe Fachwerkgemeinde,

nach meinen Recherchen wird eine fachlich korrekte Innenisolierung am Fachwerkhaus wie folgt ausgeführt:

- bestehende Wand mit Lehm begradigen
- Holzfaserdämmplatten mit Lehm ohne Hohlräume ankleben
- Diffusionsoffene Schichten zum Raum hin

Da ich Landwirt bin und lediglich im Winter Zeit habe die alte Styropordämmung durch eine Neue Dämmung zu ersetzen, muss ich auf die übermäßige Verwendung von feuchtem Lehm verzichten, da dieser im Winter nicht abtrocknen kann.

Daraufhin bin ich auf die UdiRECO gestoßen:
http://unger-diffutherm.de/udireco/
Und frage mich, ob dies eine sinnvolle Alternative für mich darstellt. Ggf. würde ich diese noch Adaptieren:

- Mit etwas Lehm auf die bisherige Wand ankleben (sinnvoll?)
- Statt UdiRECO eine normale Holzweichfaserplatte z.B. Steico Flex verwenden. Darauf eine Trockenbauwand z.B. Fermacell (hat den gleichen Diffusionswiderstand wie die Holzfaserdämmplatte siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserdampfdiffusionswiderstand)
- Richtig schrauben kann man in der 12 cm Ziegelstein/Fachwerkwand nur in den Holzbalken. Somit würde ich wohl nicht drum rum kommen ein Ständerwerk zu bauen. Dieses würde ich so auslegen, dass die Holzweichfaserplatten in jedem Fall etwas druck auf die Außenwand ausüben um sich dem Untergrund anzupassen. Evtl. muss ich die Wand an manchen Stellen mit ein paar Schnipseln Holzweichfaser auffüllen oder etwas aus den Platten herausschneiden.

Alles ein Kompromiss - doch darum geht es mir. Habt nachsicht - ich bin noch jung im Fachwerkforum und sowieso noch jung ;-) Über Meinungen und Verbesserungsvorschläge würde ich mich freuen.



Unterschiedliche Prinzipien



Holzweichfaser ist nicht gleich Holzweichfaser!
Wenn Sie die Dämmplatte auf die Wandkleben wollen muss es die dafür geeignete Platte sein und nicht irgeneine. Die Platten haben z.T. Funktionsschichten um den Anfall von Kondensat zu reduziern.
Die von Ihnen vorgeschlagene Konstruktion ist eine herkömmliche Vorsatzschale, bei der eine Winddicht- und Dampfbremsebene (sd-Wert <2 m) eingebaut werden muss. Problematisch dabei ist, dass bei einer dichteren Dampfbremse ein erhöhter Feuchtigkeitsanfall von außen nicht mehr so ohne weiteres nach Innen abgeführt werden kann, wie es bei den kapillaraktiven Sytemen der Fall ist. Die Gipskartonschale kann nicht die Funktion einer winddichten Ebene übernehmen (die umlaufenden Anschlüsse sind nie dauerhaft luftdicht)



Fachwerk Innenisolierung im Trockenbauverfahren: Holzfaserdämmung



Hallo Herr Stasch,

vielen Dank für Ihren Beitrag. Aus diesem Grund möchte ich auf eine Variante mit Dampfsperre / Dampfbremse verzichten. Haben Sie einen Lösungsvorschlag für meine Miesere? Welche Dämmplatte wäre Ihrer Meinung nach die richtige?

Die in meinem Beispiel verwendete UdiRECO ist ähnlich aufgebaut wie eine Holzweichfaserplatte mit Fermacell-Trockenbauwand, lediglich die Trägerplatte ist aus einem anderen Material (welches nirgends definiert ist). Dieses Verfahren kommt laut Hersteller auch ohne Dampfbremse / Dampfsperre aus. Warum sollte die Trockenbauwand andere Anforderungen haben als die reine Klebe-/Putzvariante wenn die Dämmung sorgfältig, d.h. ohne großflächige Luftschichten verbaut wird?



Hallo Andreas,



ich würde Dir empfehlen auf der Fachwerkwand innen vor der Dämmung egal wie diese aussieht ein Putz aufzutragen um die Winddichtigkeit sicher zu stellen.

Jetzt kannst entweder das von Dir angedachte Verfahren wählen was ich für sehr aufwendig halte oder Du erstellst die vor der Wand eine Ständerkonstruktion, beplankst diese z. B. mit einer putzfähigen Weichholzfaserplatte, verfüllst den Hohlraum z. B. mit Stopfhanf und spachtelst die Weichholzfaserplatten mit Lehm ab.

Grüße Gerd



Fachwerk Innenisolierung im Trockenbauverfahren: Holzfaserdämmung



Hallo Gerd,

das hört sich doch schon mal so an, als wenn ich zumindest nicht ganz falsch liegen würde. Es besteht ein alter (~4cm dicker) Lehmputz an der Wand, der sollte den Wind abhalten. Diesen würde ich in der Form so erhalten ggf. etwas ausbessern.

Was du vorschlägst hört sich plausibel an, doch denke ich, dass eine Innendämmung der Fachwerkwand insgesamt ca. 5-6 cm Dicke nicht überschreiten sollte damit die Außenhülle nicht zu sehr abkühlt. Liege ich da richtig? Das würde bedeuten, dass einen Teil der Isolierung die Beplankung mit den Weichholzfaserplatten ausmachen würde und der Hohlraum der gefüllt wird nur sehr dünn wäre (jeweils 2-3 cm)?

Vielen Dank für die schnellen und hilfreichen Beitrage!



Wir ..



können uns Herrn Meurer nur anschließen, was den Wandaufbau angeht. Wie bereits erwähnt sollte aber bei einer Dämmstärke von 60mm Schluss sein.
Vorher einen Ausgleichsputz (Lehm) auf Schilfrohrmatten auftragen, Platten ran, befestigen und wieder Verputzen mit
ca. 15-20mm Lehmputz.
Fensteranschlüsse lassen sich schön mit Stopfhanf ausstopfen.

Freundliche Grüße

GFM-mbH



Fachwerk Innenisolierung im Trockenbauverfahren: Holzfaserdämmung



Vielen Dank nochmals für die Antworten.

Letztendlich habe ich mich dazu entschieden trotz der Jahreszeit eine Hackschnitzel Leichtlehmwand herzustellen. Ich hoffe dass mit ausreichend heizen und Lüften die Trocknung gelingt.

Viele Grüße,
Andreas