Fachwerk Innendämmung und Brandschutz

04.07.2020 Blume



Hallo liebe Community,

ich lese schon eine Weile im Forum immer mal wieder mit. Insbesondere beim Thema Innendämmung von Fachwerkwänden. Eine richtige Antwort auf unsere aktuelle Problemstellung habe ich leider nicht gefunden, so dass ich Euch mit der Bitte um Feedback unsere aktuelle Herausforderung schildern möchte:

Wir renovieren gerade eine Fachwerkhaus von ca. 1820 in der Ostprignitz. Von der unteren Bauaufsichtsbehörde haben wir die Auflage bekommen die Fachwerkwände innen Brandschutztechnisch zu ertüchtigen, z.B. mit dem Rotkalk in-Board von Knauf (kapillaraktive Perlitdämmplatten).
Nachdem nun aber im Rahmen der Schwellensanierungen die verschiedenen Putz- und Dämmschichten der letzten Jahrzehnte runter sind, ergibt sich das Problem das wir Wandunebenheiten von bis zu 10 cm ausgleichen müssten. Das gibt das Rotkalksystem leider nicht her.
Wir planen daher folgenden Wandaufbau um zum Einen die Kapillaraktivität der Wand zu erhalten bzw. wieder herzustellen und zum anderen den Brandschutzanforderungen der Bauaufsicht gerecht zu werden. von Außen nach Innen:
1. Sichtfachwerk ausgemauert mit Hochlochziegeln (Rohdichte 0,8-1,0 kg/dm³, Wärmeleitfähigkeit 0,39-0,5 W/(mK)), Gefache außen mit Kalkputz verputz
2. Hohlraum (1-10 cm) zwischen ausgemauertem Fachwerk und Vorsatzmauerwerk verfüllt mit Blähton-Schüttung oder Leichtlehm-Strohschüttung, Wärmeleitfähigkeit ~0,16 W/(mK) (z.B. von Pilosith)
3. Vorsatzmauerwerk aus 80 mm Poroton Wärmedämmziegel mit Perlit, Wärmeleitfähigkeit: 0,065 W/(mK), Wasseraufnahmekoeffizient: 0,222 kg/m²h^0,5 (z.B. von Schlagmann)
4. Lehmputz

Zu diesem Wandaufbau stellen sich uns folgende Fragen.
1. Trocknet eine Leichtlehm-Strohschüttung hinter eine Ziegelwand überhaupt aus?
2. Wie lässt sich die Blähton-Schüttung bzw. Leichtlehm-Strohschüttung bis unter die Decke in den Hohlraum einbringen ohne die Decke zu öffnen.
3. Gibt es Alternativen die flach bauen (das Haus ist nicht sehr groß und die trotzdem eine Fachwerkwand zur Brandmauer im Sinne der brandenburgischen Bauordnung ertüchtigen?

Viele Grüße
Blume





Eine Möglichkeit wäre Hanfkalk als Dämmung einzusetzen.
Hanfkalk wird aus Schäben, dem gebrochenes Stengelmark der Hanfpflanze und einem Kalkbindemittel hergestellt.

Hier können selbstragende Vorsatzschalen vor Ort angefertigt werden, insofern stellt auch hoher Ausgleich kein Problem dar. Der Wärmeleitwert liegt je nach Rohdichte 0,07 - 0,08 W/mK.

Kalkummantelung und Verputz gewährleistet einen guten Brandschutz.

Oder ähnlicher Aufbau und Wärmeschutz auch rein mineralisch und unbrennbar (A1) mit Kalk und Perlite.



Was heisst das?



PKT 1:
Sie schreiben:
"die Auflage bekommen die Fachwerkwände innen Brandschutztechnisch zu ertüchtigen"
F30 oder F60 oder wie oder was … ?????

PKT 2:
Bitte keine HLZ verwenden … und keine zementären Putze oder Mörtel verwenden … 

PKT 3:
Mal GENAU anschauen was das ROTKALK Zeug wirklich ist!

PKT 4:
JEDE Innendämmerei ist riskant … sehr riskant … 

Ich würde sagen , dass das kein Thema einer Forumsfrage ist … da geht es ans "Eingemachte"!

Florian Kurz



Innendämmung



Genauen Wandaufbau angeben zur besseren Beurteilung.
Wodurch wurden die Verformungen verursacht?
Dicke Stroh-Lehmschichten sollten vermieden werden.
Möglich wäre evt Zellulose oder Perlitedämmung, ggf feuchtevariable Dampfbremse und Wandverkleidung an einer Ständerwand.

Es wurden zahlreiche solcher und ähnlicher Wandaufbauten instationär berechnet und meßtechnisch über Jahre begleitet hinsichtlich Feuchteentwicklung.

Was in deinem Fall möglich ist hängt von vielen Faktoren ab, wie zB der genauen Adresse, Ausrichtung der Wände, Beschattung, Schlagregenbelastung, Wandaufbau, Nutzung, Luftdichtigkeit etc etc



… blubbert der Teich wieder … 



hahaha … 

"hängt von vielen Faktoren ab, wie zB der genauen Adresse, …"

Wahrscheinlich auch von der Telefonnummer und der Mailadresse … 
??????
Hutgrösse wohl auch … 

Florian Kurz



Instationäre Berechnungen


Instationäre Berechnungen

Sollte nicht auch ein Architekt erst einmal Fakten sammeln bevor er sich äußert???

Für jede korrekte instationäre Berechnung ist die genaue Adresseingabe Voraussetzung-
zur Feststellung der
Klimadaten, Nachbarbebauung, Windexposition, Schlagregenbelstung etc.

Ohne diese Daten ist keine Berechnung möglich:



Vielen Dank für die Antworten und noch ein paar Ergänzungen



Hallo Zusammen,

vielen Dank für die detaillierten Antworten leider bin ich nicht früher zu einer Rückmeldung gekommen.
Die Idee mit dem (Hanf-)Kalkputz werde ich mal mit unserem Planer diskutieren. Zu den weiteren Rückfragen:
Der Grund für die Verformungen ist eine fehlerhafte Innendämmung und weitere Fehler bei der Fachwerkreparatur in der Vergangenheit sodass die Schwelle zu ca. 1/3 nicht mehr existent, zu 1/3 schwer geschädigt und zu 1/3 leicht geschädigt ist. Wir sind aktuell dabei die Schwelle vollständig zu tauschen und auch Stiele und Riegel sowie Teile des Rähms wieder instand zusetzten wo notwendig.
- Die Auflage ist ein F90 Wand aufgrund des geringen Abstandes der Nachbarhäuser
- Was genau spricht gegen Hochlochziegel? Sie sind kapillar leitend, kleinformatig und haben ganz gute Dämmeigenschaften.
Der geplante Wandaufbau ist wie folgt (außen, nach innen):
- Eichenfachwerk (16x16cm), Feldgröße ca. 100x100cm
- 2 cm Kalkputz
- 11,5 cm Hochlochziegel mit NHL-Mörtel vermauert und Dreiecksleisten in den Gefachen fixiert
- 5 - 10 cm Blähton-Schüttung
- 8 cm POROTON Wärmedämmziegel mit Perlit,
- 1-2 cm Lehminnenputz

Das Haus steht wie gesagt in der Ostprignitz, genauer in Neuruppin. Nord- und Südseite sind der Witterung direkt ausgesetzt. Ost- und Westseite sind durch Nachbarhäuser im Abstand von ca. 1m relativ gut geschützt.