Fachwerk innen mit Climacell dämmen

28.08.2015 Max



Hallo,

ich habe eine Frage an die Experten hier im Forum.
Bei meinem Haus (unten Sandstein und ab Decke zum 1.OG Fachwerk) möchte ich das 1.OG dämmen. Da Denkmalschutz bleibt nur die Innendämmung.

Eigentlich hatte ich mich schon für die Variante mit 4cm dicken Holzfaserplatten und Lehmputz entschieden. Nun bin ich aber heute über das sog. Climacell gestolpert.
Link: http://www.climacell.de/climacell-inside-innendaemmung0.html

Jetzt meine Fragen:
1. Hat dies schon jemand verwendet in der Situation oben und wie sind die Erfahrungen?
2. Wie ist dies preislich zu sehen? teurer, billiger oder gleich wie die Holzfaserplatten-Lehmputz-Variante?
3. Kennt jemand einen empfehlenswerten Betrieb in der Rhein-Neckar-Ecke +100 km?

Vielen Dank im Voraus!

Viele Grüße


Max



Zellulose-Innendämmung



Es gibt viele Anbieter von Zellulosedämmung neben Climacell.
Dämmwert ist fast gleich wie bei Holzfaserplatten, wobei es in deinem Fall mit 3 cm Lehmputz günstig wäre gleich eine Wandheizung darin zu verlegen.
Ansonsten ist es dämmtechnisch günstiger, zB 6-8 cm Zellulosedämmung und 10 oder 12 mm Gipsfaserplatten oder statt dessen Lehmbauplatten auf Ständern verschraubt zu verwenden.

Kosten hängen davon ab, ob du selber tätig werden willst oder alles von Firmen machen lassen willst.

Der Lehmputz in der Stärke dürfte teuer sein- Preise sind aber regional sehr unterschiedlich- am besten bei verschiedenen Lieferanten nach Vierarbeitungsbetrieben fragen.

Zellulose könnte auch auf rohem, unverputztem Mauerwerk verwendet werden-
für Holzfaserplatten müßte zuerst eine ebene Wandfläche geschaffen werden, sofern nicht schon vorhanden.
Andreas Teich



Cellulosedämmung



Hallo Andreas,

Vielen Dank für deine Antwort.
Mit dem Thema Wandheizung habe ich mich noch nicht wirklich befasst. Werde ich nun mal tun. Da wir eh die Heizungsanlage erneuern wollen und auf dem Weg auch neue Heizungsrohre Verlegen wollen/müssen.

Wie soll denn bei der Verwendung von Gipskartonplatten die Unterkosntruktion aussehen? Angedacht ist den aktuellen Putz bis zum Mauerwerk/zur Holskonstruktion zu entfernen. Dann brauche ich doch sicherlich eine Unterkonstruktion? Also 6-8 cm dicke Latten aufschrauben in dem Abstand der Gipskartonplatten. Oder nimmt man besser Alu?

Von den Arbeiten her möchte ich viel selbst machen. Beginnen können wir leider erst zum 1.10. Kann das ein Problem mit der Trocknung geben?

Viele Grüße


Max



Innendämmung



Putz würde ich nur beseitigen wenn instabil oder schimmelbelastet oder auf Gipsbasis.
Trocknungsprobleme gibt's nur bei dicken Lehmputzen und feuchter Witterung- in dem Fall ggf Bautrockner aufstellen.

Den Wandaufbau und die Dämmung würde ich vom Wandheizungssystem abhängig machen, dabei sind Kalk- oder Lehmputze günstig- evt können auch auf Putz verlegte Heizleistensysteme überlegt werden- abhängig vom Heizkessel (bei Wärmepumpen eher ungeeignet)

Andreas Teich



Innendämmung mit Zellulose



Es handelt sich m.E. um Zellulose im Nassverfahren. Das Einblasen der Zellulose war bei uns ziemlich günstig, die Vorbereitung des Holzrostes und die Verkleidung durch Gipsfaserplatten usw. durch die lokalen Handwerker eher teuer (Schweiz !!!).

Vorteile:

- kommt gut mit unebenen Wänden zurecht (Giebelwand war 25 cm im unteren Bereich, aber nur 15 cm im früheren Spitzboden).
- hohe Dämmstärken möglich (bei uns 10 cm)
- garantiert hohlraumfrei

Nachteile:

- Anmutung von Gipskarton / Gipsfaser im Vergleich zu Holzfaser und Lehmputz

4 cm Holzweichfaser scheint mir etwas knapp, 6 cm dürften es schon sein ?



Licht ins Dunkle



Moin,
ich bring mal ein wenig Licht ins Dunkel.
Climacell inside wird - wie schon beschrieben - im Feuchtverfahren direkt auf den Untergrund aufgetragen.
Nach der Trocknung, die durch Witterung, Untergrund, Heizun/Lüftung der Baustelle und natürlich Dämmstärke beeinflußt wird - wird die Dämmung entweder mit Kalk oder mit Lehm verputzt. Da mutet dann nix nach Gipsplatten an.
Vor dem Verputzen kann noch eine Wandheizung angebracht werden.
Die Kosten liegen unten denen von Holzweichfaserplatten mit Lehm geklebt und mit Lehm verputzt.
Eigenleistung ist in Form von Mitarbeit möglich, Vollständig in Eigenleistung wird schwierig da Maschinentechnit notwendig ist.
Wer sich geschickt anstellt kann 50% der Arbeitskraft durch Eigenleistung erbringen.
Der Entscheidene Vorteil ist, wie auch schon erwähnt, dass der Untergrund nicht vorher ausgeglichen werden muss. Dann werden eben unten 4cm gesprüht und oben 14cm und schon ist die Wand auch noch im Lot.
Da ist viel Möglich. Runde Leibungen, oder Knicke in der Wand.
Die gesamten Versorgungsleitungen können vorher auf die Wand aufgebracht werden.
Ich hab das Verfahren vor 6Jahren bei mir mal ausprobiert und seit dem mehrere tausend qm gesprüht und geputzt ohne dass es irgend ein Problem gegeben hätte.
Gruß
Simon



Putzträger



Was dient als Putzträger ? Zumindest bei uns war die aufgesprühte Dämmung ziemlich fluffig und weich...



Putzträger



Ne nix zusätzlicher Putzträger,
der Putz kommt direkt auf die Zellulose.
Das ist ja das besondere dass die Zellulose direkt verputzt wird.
Die Oberfläche der Dämmung hat dann die Festigkeit wie eine Holzweichfaserplatte.
Vielleicht nicht so hart wie eine Gutex Multiplex Top in 22mm, da kann man ja jemand mit erschlagen, aber auf jeden Fall härter als eine Innendämmplatte die ja sonst als Putzträger fungiert.
Gruß
Simon



Danke!



Hallo zusammen,

Vielen Dank für eure Antworten.

Drei Fragen hätte ich noch:

1. Was muss man preislich ca. für die Dämmung rechnen? Holzkonstruktion mache ich selbst. Auch die Verkleidung. Zu dämmen wären ca. 140 m² Wandfläche.

2. Wir wollen die Heizungsrohre im ganzen Haus erneuern. Aktuell führt diese im 1. OG in Höhe der Sockelleisten durchs Haus. Kann man diese bedenkenlos in die Zelluloseisolation reinlegen und so verstecken?

3. Thema Wandheizung: Kann ich die einfach an das normale Heizungsnetz anschließen oder brauche ich ein extra Netz? Ich stelle mir das schon gut warm vor.

Viele Grüße


Max



Innendämmung



Da ist was nicht richtig rübergekommen,
Es ist keine Unterkonstrukton notwendig.
Ebenso keine Verkleidung.
Die Dämmung wird auf den Untergrund Aufgesprüht und nach der Trocknung mit Lehm oder Kalk verputzt.
Heizungsleitungen können auf dem Mauerwerk innerhalb der Dämmung verlegt werden.
Zum Anschließen an einen Heizungskreis der Heizkörper speist müssten die Heizungsexperten hier im Forum mal was sagen.
Für einen Preis müssten wir mal telefonieren.
MfG
SB



Für mich liegt das



Problem bei der feucht eingeblasenen Cellulosedämmung zum einen in der langen Trocknung und im hohen Kleberantei im Material.

Langzeiterfahrungen die es bei anderen Innendämmsystemen gibt fehlen hier.

Grüße Gerd



Wandheizung u Kompaktheizkörper



Das Problem werden die unterschiedlichen Vorlauftemperaturen sein.
Bei normalen Kompaktheizkörpern werden aufgrund der kleinen wäreabgebenden Flächen höhere Wassertemperaturen benötigt.

Bei Wandheizungen aufgrund der großen Fläche geringere Temperaturen.
Da bei Wänden aber auch höhere Temperaturen möglich sind- im Gegensatz zu Fußbodenheizungen ist das eher machbar.
Die Temperatur kann dann durch Thermostatventil heruntergeregelt werden.
Bei hohen Temperaturen gibts auch entsprechend höhere Materialausdehnungen, die ungünstig sind- je nach verwendetem Material und Putzaufbau.
Der Hauptvorteil mit niedrigen Vorlauftemperaturen zur Energieeinsparung und daher möglichen Brennwertgeräten und Wärmepumpenbetrieb geht dadurch verloren- kann aber später bei einer Umrüstung der anderen Räume erfolgen.
Wie das am günstigsten zu regeln ist- ggf im Haustechnikdialog-Forum erfragen
Andreas Teich