Fachwerk-Imitate aus Bohlen - bauliche Risiken?

06.09.2018 Framework



Nun,
bevor mich alsbald in Windeseile 90% der Fachkundigen hier an Kreuz nageln wollen - ja. Ich habe mich bereits in verschiedenen Fragestellungen hier im Forum diesbezüglich erkundigt und ich kenne damit die fast einhellige Meinung.

Dennoch hat sich in mir anhand der meisten Kommentare eher der Eindruck verfestigt, dass man ein Urteil mehr anhand des persönlichen Geschmacks oder des eigenen Anspruchs fällt, als in Abhängigkeit der baulich relevanten Hintergründe.

Daher würde ich mich freuen, wenn sich der ein oder andere Experte bemühen könnte, mir nochmals zu erläutern, welche Probleme bei diesem Vorhaben auftreten würden und warum es aus baulicher Sicht auf so große Widerstände stößt.


Zum Hintergrund noch kurz:
Teil meines Hofensembles ist auch ein Mühlenturm aus den 60er Jahren. Mühlenturm klingt immer gleich romantisch und anmutig, man darf sich aber in diesem Fall ziemlich genau das vorstellen, was die Zeit verspricht.
Die Fassade aus glatten, sich klonhaft gleichenden Klinkern ergibt ein Sichtbild ohne jede Struktur, das innerhalb des Gesamthofs wie ein Fremdkörper wirkt.

Es ist ein Wirtschaftsgebäude. Was ich daran mache, geschieht nur für mich. Die Meinungen fachkundiger Passaten, die ein Fake-Bohlen-Fachwerk in sekundenschnelle enttarnen würden, habe ich in meiner Ruhelage dankenswerterweise nicht zu fürchten.

Ich freue mich auf eure Antworten.

Framework



Bauliche Risiken



und welche baulichen Risiken würdest Du befürchten in Deiner Fantasie?



z.H. Herrn Pope



Lieber Pope,

der Sinn Ihrer Frage erschließt sich mir nicht. Sie zeigen damit einzig, dass Sie meinen Text offenbar missverstanden haben.

Es geht nicht darum, welche Risiken ICH dabei sehe. Woher wollen Sie überhaupt wissen, dass ich welche sehe? Habe ich das denn geschrieben? Oder haben Sie zuviel in meiner Fantasie gewühlt, ohne dass ich es mitbekommen hätte?

Für den Fall, dass Ihnen das weiterhelfen sollte - wovon ich allerdings nur sehr bedingt ausgehe:
nach Allem, was ich bisher gelesen habe, besteht ein gewisses Risiko, dass die Bohlen schüsseln. Das hängt aber sicher entscheidend von der gewählten Stärke ab. Weiterhin klang hier und dort mal ein Feuchtigkeitsproblem an, das ich aber gerne von einem Experten näher erklärt haben würde.

Eben deshalb stelle ich ja hier eine Frage!, denn der Zweck dieses Themas erschöpft sich keineswegs in meiner irrelevanten Meinung, sondern besteht vielmehr darin, die Ansichten sachverständigerer Personen zu ergründen.

Herzlichst
Framework



Fake ist immer Fake



... aber vielleicht bietet sich in Ihrem Falle eine andere, "originale" Lösung an, um das Gebäude nicht mehr wie ein Fremdkörper im (Fachwerk-) Hoifensemble wirken zu lassen: Wäre es nicht denkbar, das Mauerwerk zu Verputzen und / oder teilweise mit Holz zu bekleiden, sodass ein historischer Charakter entsteht, ohne eine bauliche Schandtat zu begehen?

Vor unserem Fachwerkhaus steht sehr dicht ebenfalls ein mit Styropor, Kunststofffenstern und neoneunziger- Eingangsbereich verschandeltes Mietshaus , welches früher mal "unsere" Stall war. Wenn (!) :=) ich die Möglichkeit hätte dieses zu erwerben, würde ich hier ebenfalls eine "angleichende" Lösung mit Holzverschalung wählen, damit das Gebäude optisch eher zu unserem Sichtfachwerk passen würde.

Möglicherweise haben Sie darüber ja schon nachgedacht und die Idee verworfen, aber ich wollte es nochmal erwähnen.

VIele Grüße
Alexander



Bohlen



Fachwerk hat immer ein Problem zwischen Holz und Putz. Da kommt Feuchtigkeit rein die wieder abtrocknen muss. Das verdrehen der Bretter ist ein anderer Punkt, der aber im Zweifelsfall nur sie stört.

Auf der anderen Seite sieht man genug Bretterfachwerk aus den 70er und 80er Jahren die immer noch optisch schadensfrei sind. Also können die Probleme nicht so groß sein. Bei genauem betrachten finden sich da sicher Schadstellen, aber so ein einzelnes Brett ist auch schnell ausgetauscht, und ein oder zwei Quadratmeter Kalkputz ergänzt. 40 Jahre ist schon nicht so schlecht.

Schauen sie sich ein paar Beispiele an und fragen ein paar Zimmereibetriebe die das früher schon mal gemacht haben. Die alten Klinker würde ich abnehmen. Hier wurde auch schon Fake Fachwerk mit Putz angeboten. Auch das geht.

Da gleich mit dem Post eine Grundsatzdiskussion anzustoßen lohnt eigentlich nicht. Ich würde das Ganze auch mit Boden-Deckel Schalung oder verputzen machen. Ist irgendwie authentischer.



Danke



Vielen Dank für das bisherige Feedback.

@ Alexander
Ja. Ich habe durchaus schon über andere Varianten nachgedacht. Aber darum soll es hier nicht gehen. Ziel ist ja die bauliche Problematik, etwa im Sinne der Haltbarkeit des Ganzen, zu erörtern.

Ob ich das dann letzten Endes mache oder nicht, steht auf einem anderen Blatt.
Trotzdem Danke!

@ Historia
Vielen Dank für Ihre Antwort. Das geht schon in die Richtung dessen, wofür ich mich interessierte.

Sie schrieben, Fachwerk habe am Kontaktpunkt von Putz und Holz immer ein Feuchtigkeitsproblem.
Klar. Aber besteht ein Unterschied zwischen echtem Fachwerk und der Fake-Variante? Konkreter: besitzt etwa der Umstand Relevanz, dass sich dahinter eine Mauer befindet, oder dass die Bohlen weniger dick sind?

Bzgl . der Klinker habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Es handelt sich schon um eine echte Klinkermauer und keine Riemchen. Ich kann die also nicht abnehmen, sonst hab ich keinen Turm mehr^^.
Aber man sieht deutlich, dass das kein historischer Bau ist. Die Steine sind eben zu strukturlos, zu glatt und einander zu gleich.
Aber mein Gebäude ist mit hier gar nicht so wichtig. Mich interessiert die Sache allgemein. Wie ich den Turm umgestalte, da finde ich sicher eine Lösung.

Das Putzimitat kenne ich. Hat sich der Thüringer Erfinder mittlerweile patentieren lassen. Sieht gut aus, es wäre aber anzunehmen, dass es sich in der Preisklasse "eher nur für Wohnhäuser" befindet.
Beispiele würde ich sehr gerne ansehen. Leider habe ich zum Bohlenimitat bisher keine Bilder gefunden.

Eine Grundsatz diskussion wollte ich keineswegs anstoßen. Vielmehr ganz im Gegenteil eine sachbezogene Mängel-Risiken-Analyse, die von persönlichen Geschmäckern und so empfundenen Stilbrüchen frei bleibt. Nur daher hatte ich eingangs auf die von Emotionen nicht immer verschonte Historie dieser Thematik rückverwiesen.


Grüße
Framework



Fachwerkimitat



Mal ganz davon abgesehen, dass Imitate generell etwas zweifelhaft sind und ohne die konkrete Situation zu kennen:
Als Holzsorte für diese Imitate ist Eiche oder Lärche besser geeignet als Fichte,
sofern nicht gut wettergeschützt.
Als Breiten-Dickenverhältnis würde ich 1:4, besser 1:3 empfehlen, d.h. bei einer Holzbreite von 12 cm eine Holzdicke von 4 cm, was sich auch stabiler befestigen läßt und weniger Verankerungspunkte benötigt.
Ansonsten sollte Rift/Halbrifteinschnitt der Hölzer gewählt werden, also weitgehend stehende Jahresringe, da sich solche Bretter wesentlich weniger verziehen und bei Trocknung weniger schrumpfen.
Hölzer mit etwas Luft zum Untergrund befestigen oder dicht auf gut kapillarem Untergrund.
Übliche Konstruktionsgrundsätze für Holzbauten beachten wie Sockelausbildung etc

Andreas Teich